Klappentextlektorat 2/2017

Mit bloßen Händen

Wolf R. Seemann

Über Nacht ist Harrys Leben zu einer einzigen Katastrophe geworden. Nach seiner Entlassung als Chefarzt, der Entführung seines Sohnes und der Trennung von seiner Frau hat Harry alles verloren, wofür er lebte. Doch wer niemanden mehr hat, der ihn aus dem Sumpf zieht, dem bleiben noch die eigenen Haare. Um wenigstens seinen Sohn zu retten, unterwirft er sich den Erpressungen seines Feindes und findet sich plötzlich zwischen den Rädern nuklearer Weltpolitik wieder.

Aber leider sind die Gefahren, die wir kennen, selten die, die uns erwarten …

Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten.

Lektorat

Harry verliert seine Stelle und seine Frau. Sein Sohn wird entführt. Gleich drei Katastrophen am Anfang, die einen spannenden Thriller versprechen. Die Katastrophen sind anschaulich. Dass er sich auf die Erpressung einlässt, lässt Übles ahnen. Und der Satz mit der nuklearen Weltpolitik, unter deren Räder er gerät, ist ein Verweis darauf, was in dem Thriller noch alles passieren wird.

Eine Katastrophe am Anfang, der Hinweis auf größere Folgen (nukleare Weltpolitik) und ein guter Schlusssatz: Die Gefahren, die wir kennen, sind nicht die, uns erwarten …

Dazu der Satz mit der wahren Begebenheit, der ebenfalls Neugier weckt.

Drei Katastrophen sind zwei zu viel

Mein Beruf ist das Verbessern. Und auch, wenn der Klappentext nicht schlecht ist, könnte man einiges verbessern.

Er verliert seine Frau, seine Stelle und seinen Sohn. Das sind drei Katastrophen am Anfang. Hängen die zusammen? Ich würde eine der Katastrophe ins Zentrum stellen. Es sei denn, alle drei hängen zusammen. Im Text findet sich darauf allerdings kein Hinweis. Dort geht es um die Entführung des Sohnes und um die Erpressung, auf die sich Harry einlässt.

Ein unlösbarer Konflikt ist immer gut

Was wollen die Erpresser? Da die Erpressung am Anfang steht, könnte das der Klappentext verraten, ohne die Spannung zu nehmen. Und es wäre bedrohlicher, wenn die Erpresser nicht Geld wollten, sondern etwas anderes, viel Größeres. Sprich: Ich würde das benennen, was die Erpresser fordern. Wollen sie, dass er seinen ehemaligen Chef mit falschen Aussagen belastet? Soll er das Werkzeug werden, den Mann zu vernichten? Das wäre eine Möglichkeit.

Eine ungewöhnliche, besonders bedrohliche Erpressung gehört in den Klappentext. Denn damit würde das Alleinstellungsmerkmal des Romans herausgestellt und die Bedrohung sehr viel anschaulicher werden. Dem Leser würde das Dilemma deutlicher: Gibt Harry der Erpressung nach und tut etwas, was kein anständiger Mensch tun würde? Oder gibt er ihr nicht nach und riskiert den Tod seines Sohnes, weil von ihm Dinge gefordert werden, die gegen jede Menschlichkeit verstoßen? Egal, wie er sich entscheidet, er sitzt in der Falle. Es gibt keinen richtigen Weg, nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Der Konflikt, der alles in Gang setzt, gehört in den Klappentext. Denn er ist es, der den Leser zum Lesen verlocken soll, der ihm einen Eindruck gibt, worum es geht.

Dieser Konflikt ist hier noch allgemein gehalten. Da kann man noch etwas tun. Show, don`t tell, ich kann es nur wiederholen, ist auch im Klappentext wichtig.

Das ändert nichts daran, dass dieser Klappentext auch in der aktuellen Fassung wirken kann.

Der Autor im Klappentext

Wenn der Autor den Hintergrund des Romans gut kennt, sollte das im Klappentext erwähnt werden. Kurz, ein Satz: „Der Autor war lange Chefarzt einer Klinikabteilung und kennt den Hintergrund seiner Geschichte aus dem Effeff.“

Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr diesen Blog teilt, verlinkt, weiter empfehlt. Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollt, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

Impressum Homepage Hans Peter Roentgen

Advertisements
Klappentextlektorat 2/2017

Die sieben häufigsten Irrtümer über Lektorate

Ein gutes Lektorat eines Manuskripts kostet eine vierstellige Summe. Autorinnen und Autoren sind eher selten Millionäre. Und es ist unwahrscheinlich, dass das erste Buch diese Summe wieder hereinspielt.

Kein Wunder, dass diese Frage immer wieder von Selfpublishern diskutiert wird. Auch Autoren, die in Verlagen veröffentlichen wollen, stellt sich die Frage: Buche ich erst mal ein Lektorat, weil das die Chancen erhöht, eine Agentur oder einen Verlag zu finden?

Ich habe mittlerweile hunderte, wenn nicht gar tausende von Autoren beraten, lektoriert, gecoacht, habe Bücher übers Schreiben verfasst und an unzähligen Diskussionen in Foren teilgenommen. Und immer wieder wird diese Frage diskutiert. Und immer wieder tauchen die gleichen Irrtümer auf.

1. Lektorat ist das Lektorat eines Manuskripts

Das ist der häufigste Irrtum nicht nur von Nachwuchsautoren. Klar, wenn ein Verlag ein Manuskript angekauft hat, muss der ganze Text auf einmal lektoriert werden.
Das ist aber nicht generell so. Autoren können die ersten Seiten lektorieren lassen. Schon aus einem Beispiellektorat können sie eine Menge lernen. Wo sie sehen, was ihre Stärken sind und ihre Schwächen. Woran sie arbeiten müssen.
Auch Verlage arbeiten so: Sie verlangen eine Leseprobe der ersten Seiten. Und ein Exposé, also eine Beschreibung der Handlung. Danach schätzen sie ein, wo der Autor steht, ob der Text veröffentlichungsreif ist und Leser finden könnte. Erst dann gibt es einen Vertrag.
Manchmal lassen Verlage ein Lektoratsgutachten erstellen. Ein Lektor liest das ganze Manuskript und beurteilt es. Was müsste überarbeitet werden, was sind die Stärken, was die Schwächen des Textes. Aber er lektoriert den Text nicht, korrigiert also keine Fehler. Deshalb ist ein Lektoratsgutachten sehr viel preisgünstiger.

All das können auch Nachwuchsautoren tun. Ihre ersten Seiten von einem Lektor begutachten lassen, der Änderungen, Korrekturen vorschlägt, einem sagt, wo man steht. Oder ein Exposé erstellen, das Personen und Handlung der Geschichte beschreibt und das mit einem Lektor diskutieren.

2. Lektorat korrigiert Rechtschreibung, Grammatik und Stil

Ein Lektor muss auch die Dramaturgie, die Personen, den Aufbau beurteilen. Das ist oft noch wichtiger als Rechtschreibung, Grammatik und Stil. Denn wenn die Dramaturgie nicht stimmt, der Spannungsbogen durchhängt, die Personen blaß bleiben, dann wird niemand das Buch lesen wollen.

In dem Fall hilft auch die beste Rechtschreibung, der geschliffenste Stil nicht mehr.

Woraus folgt, dass als Erstes die Dramaturgie und die Personen einer Geschichte überarbeitet werden. Auch wenn ihr eure Geschichte überarbeitet, ist diese Reihenfolge sinnvoll:

  1. Personen und Dramaturgie
  2. Stil
  3. Rechtschreibung und Grammatik

3. Nur ein professioneller Lektor kann ein Manuskript bearbeiten

Testleser, Workshops mit erfahrenen Autoren, Diskussionen in Foren: Es gibt unzählige Möglichkeiten, an Texten zu arbeiten und die eigenen Fähigkeiten zu schulen. Guten Kuchen kann man auch im eigenen Backofen backen. Wer allerdings professionell Kuchen backen möchte, der muss sich die entsprechenden Maschinen anschaffen. Dann reicht der private Backofen nicht mehr.

Und wer professionell schreiben will, muss für seine Manuskripte ein professionelles Lektorat kaufen.

Die Reiter beginnen mit Reitstunden in einer Reitschule. Dort lernen sie erst mal die Grundgangarten, wie sie mit dem Pferd mitgehen und ihm nicht in den Rücken fallen und dass die Zügel nicht dazu dienen, sich festzuhalten. Hohe Schule kommt später. Und auch ein teures Dressurpferd kauft man sich erst, wenn man die S-Dressur beherrscht und auf Turnieren auftreten kann.

Nicht anders ist es beim Schreiben. Auch dort dauert es einige Zeit, bis aus dem Hobbyschreiber ein professioneller Autor wird.

4. Um zu lektorieren, muss man das ganze Manuskript lesen

Erfahrene Fußballtrainer sehen nach fünf Minuten, was ein Fußballspieler kann und auf welchem Niveau er ist. Erfahrenen Lektoren geht es genauso.

Nicht anders als im Fußball, beim Reiten, bei der Musik gibt es typische Anfängerfehler. Die ein erfahrener Coach sofort sieht. Betrachtet ein Autor seine Personen nur von außen, schreibt ihnen Eigenschaften zu, statt den Leser diese erleben zu lassen (Tell statt Show), sieht ein professioneller Lektor das auf den ersten Seiten. Und kann das dem Autor sagen, ihm zeigen, wie er es besser machen kann.

Um zu sehen, dass die Dialoge noch holpern, muss ich nicht 500 Seiten holpernder Dialoge lesen. Dazu reichen die ersten Seiten. Das spart dem Autor Geld und mir Nerven.

Und auch Dramaturgie und Personen lassen sich schon aus einem Exposé und Leseprobe beurteilen.

5. Lektorat ist für Bücher

Natürlich soll ein Lektorat ein Manuskript verbessern. Noch wichtiger ist allerdings die Verbesserung des Autors. Aus einem Lektorat kann ein Autor eine Menge lernen. Gerade am Anfang ist das wichtig.

Kein Reiter ist nach zehn Reitstunden reif für die S-Dressur. Das erste Tor öffnet niemandem die Tür zur Bundesliga.

Und das erste vollendete Buch ist ein wundervolles Erlebnis für jeden Autor. Aber kein Beweis, dass er alles weiß, was fürs Schreiben wichtig ist.

6. Man kann alles auf einmal lektorieren

Wer alles auf einmal korrigieren möchte, verzettelt sich. Konzentriert euch auf eine Sache. Wer die Handlung seiner Geschichte überprüft, kann sich nicht gleichzeitig auf die Rechtschreibung konzentrieren.

Obendrein ist nicht jeder Lektor auch ein guter Korrektor. Es gibt geniale Korrektoren, die mit einem Blick die Fehler auf einer Seite erkennen können. Die alten Bleisetzer in den Zeitungsredaktionen waren darin genial. Ich habe mal einem eine dichtbeschriebene Seite in die Hand gedrückt. Er warf einen kurzen Blick drauf, deutete dann auf eine Stelle ziemlich weit unten und sagte: »Da ist ein Fehler.«

Aber er sagte auch: »Fragen Sie mich nicht, was drinsteht.«

Dass Lektorat und Korrektorat unterschiedliche Dinge sind, hat seine Gründe.

7. Literatur- oder Germanistikstudium befähigt zum Lektor

Das Studium der Literatur oder Germanistik ist spannend, kann sinnvoll sein. Aber es befähigt sowenig zum Lektorieren, wie ein Physikstudium dazu befähigt, Autos zu reparieren.

Gute Lektoren erkennt man daran, wie sie arbeiten. Und das sieht man an Beispiellektoraten auf ihren Seiten. An Empfehlungen anderer Autoren.

Woran erkennt man einen guten Lektor?

Selfpublishing und Lektorat

Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr diesen Blog teilt, verlinkt, weiter empfehlt. Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollt, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

Impressum Homepage Hans Peter Roentgen

Die sieben häufigsten Irrtümer über Lektorate

Klappentextlektorat Jan. 2017

Nattermühle – Ki und das Tal des Schweigens

Cornelia Lotter

Ein geheimnisvolles Tal in der Dübener Heide. Ein Verein, in dem Männer keinen Zutritt haben. Esoterische Riten rund um Mütterlichkeit und heilende Kreise. Und eine Frauenleiche, die plötzlich verschwunden ist. Die Detektivin Kirsten Stein hat es in ihrem sechsten Fall mit Kindesentzug, Erpressung und Freiheitsberaubung zu tun. Was sie entdeckt, als sie sich undercover in der Nattermühle einmietet, wird auch für sie zur existenziellen Bedrohung.

Ein spannender Thriller über die Kraft der Suggestion.

Lektorat

Lockt dieser Klappentext zum Lesen? Ich meine: Ja. „Tal des Schweigens“ ist ein einprägsamer Titel und „Thriller über die Kraft der Suggestion“ ein spannendes Thema.

Aber dennoch könnte er sehr viel lockender formuliert werden.

Fangen wir also an.

Der Titel gehört zum Klappentext

Der Klappentext findet sich auf der Rückseite des Buches unter dem Titel. Der Titel ist also Bestandteil des Klappentextes.

Damit kommt das Tal gleich zweimal hintereinander vor. Im Titel und dann im ersten Satz. Ein geheimnisvolles Tal in der Dübener Heide. „Tal des Schweigens“ ist aber viel aussagekräftiger als „geheimnisvolles Tal“. Deshalb würde ich den ersten Satz streichen.

Aufzählung

Dann werden drei Sachen aufgezählt.

Ein Verein, in dem Männer keinen Zutritt haben. Esoterische Riten rund um Mütterlichkeit und heilende Kreise. Und eine Frauenleiche, die plötzlich verschwunden ist.

Das ist ein probates Mittel, um ein Buch in einem Klappentext zu bewerben. Mehrere kurze Sätze, die besondere Elemente des Buches aufzählen. Die den Roman herausheben, sein Alleinstellungsmerkmal betonen (Unique Selling Proposition , USP genannt).

Der erste Satz dieser Aufzählung sollte besonders einprägsam sein. Trifft das für Verein zu, in dem Männer keinen Zutritt haben?

Ich finde: Nein. Die Leiche, die verschwindet, wäre der bessere erste Satz und erst dann der Verein.

Stil

Wenn Sie diesen Stil der Aufzählung wählen, würde ich ihn aber beibehalten. Also nicht:

Die Detektivin Kirsten Stein hat es in ihrem sechsten Fall mit Kindesentzug, Erpressung und Freiheitsberaubung zu tun.

Sondern:

Kindesentzug, Erpressung und Freiheitsberaubung in der abgelegenen Dübener Heide.

Damit hätten wir auch den Ort der Handlung eingeführt, den ich oben zusammen mit dem ersten Satz gestrichen habe.

Existenzielle Bedrohungen

Es gibt Standardsätze in Klappentexten, die so oft verwendet werden, dass sie die Wirkung längst verloren haben. Die so allgemein sind, dass der Leser kein Bild entwickelt. Einer ist zum Beispiel:

Ein furchtbares Geheimnis wird aufgedeckt.

Das kann jeder behaupten. Deshalb wirken solche Sätze auch nicht. Und zu dieser Sorte Sätze gehört auch der Satz:

Was sie entdeckt, als sie sich undercover in der Nattermühle einmietet, wird auch für sie zur existenziellen Bedrohung.

Existenzielle Bedrohung bedrohen Leser in keiner Weise. Also ganz streichen?

Nein. Denn es gibt ein Element im Satz, das konkret ist und das durchaus Bedrohung weckt. Dass sich die Detektivin in der Nattermühle undercover einmietet. Die von einer seltsamen Vereinigung betrieben wird. Formulieren wir also mal um, immer noch im Stil kurzer Aufzählungssätze:

Und eine Detektivin, die sich undercover in der Nattermühle einmietet.

Wer will, kann das noch verstärken mit einem anschließenden Satz. Zum Beispiel: Doch dort ist nicht nur Mütterlichkeit zu Hause …

Untertreibung ist bei Spannungsliteratur immer eine gute Idee.

Eine verbesserte Fassung

Jetzt haben wir eine verbesserte Fassung:

Nattermühle – Ki und das Tal des Schweigens

Eine Frauenleiche, die plötzlich verschwindet. Eine abgelegene Mühle in der Dübener Heide. Ein Verein, in dem Männer keinen Zutritt haben. Esoterische Riten rund um Mütterlichkeit und heilende Kreise.

Und eine Detektivin, die sich in der Mühle undercover einmietet. Doch dort ist nicht nur Mütterlichkeit zu Hause …

Ein spannender Thriller über die Kraft der Suggestion.

Hier habe ich einen Satz hinzugefügt: „Eine abgelegene Mühle in der Dübener Heide“. Damit habe ich den Ort eingeführt, damit im letzten Satz klar wird, wo sich die Detektivin einmietet.

Handlung im Klappentext

Natürlich könnte man den Klappentext auch auf die klassische Weise schreiben. Als Handlung. Das wäre der Stil, der im Original in den letzten zwei Sätzen gewählt wurde. Probieren wir es einmal:

Eine Leiche wird gefunden und verschwindet wieder. Direkt bei der abgelegenen Nattermühle in der Dübener Heide. Dort sitzt der Allmutter-Verein, in dem Männer keinen Zutritt haben. Die Mitglieder pflegen esoterische Riten rund um Mütterlichkeit und heilende Kreise.

Ki mietet sich undercover in der Mühle ein. Doch dort ist nicht nur Mütterlichkeit zu Hause …

In ihrem sechsten Fall hat die Detektivin Kirsten Stein es mit Kindesentzug, Erpressung und Freiheitsberaubung zu tun.

Ein spannender Thriller über die Kraft der Suggestion.

Das wäre ein Klappentext, der sich an üblichen Vorbildern orientieren würde. Sie sehen, es gibt immer mehrere Möglichkeiten.

Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr diesen Blog teilt, verlinkt, weiter empfehlt. Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Klappentextlektorat beitragen wollt, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure eigenen Klappentexte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

Impressum Homepage Hans Peter Roentgen

Klappentextlektorat Jan. 2017

Wie erkennt man einen guten Lektor?

Immer wieder werde ich gefragt, was einen guten Lektor ausmacht. Und wie man ihn findet. Hier meine Meinung:

Wenn euch 50% seiner Änderungsvorschläge sofort einleuchten, ihr euch sagt: Oh Mann, warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen, dann ist das schon mal ein gutes Zeichen. 100% Übereinstimmung erzielt keine Lektorin, kein Lektor, es wird immer das eine oder andere geben, bei dem Lektor und Autor nicht einer Meinung sind.

Dann gibt es die Fälle, bei denen ihr euch die Haare rauft. Wie kann er nur meinen schönen inneren Dialog streichen? Unmöglich, der Kerl! Mein Rat: Schlaft drüber. Am nächsten Morgen beschleicht euch vielleicht das dunkle Gefühl, dass doch was dran sein könnte. Am übernächsten greift ihr zur Delete Taste und killt euren Darling. Seufzend.

Oder fragt den Lektor: Warum hast du das gestrichen? Ein guter Lektor kann begründen, warum er Änderungen und Streichungen vornimmt. Und ihr könnt daraus lernen. Mit einem guten Lektor kann man auch über Änderungsvorschläge diskutieren. Ob vielleicht eine andere Änderung der problematischen Stelle besser wäre.

Viele Rechtschreibfehler in einem Buch wirken wie Mücken im Cappuccino. Der Kaffee wird dadurch nicht schlechter, aber der Appetit ist vergangen. Gleiches gilt, wenn Stil und Grammatik mehr als zu wünschen lassen.

Ohne gute Dramaturgie keine gute Geschichte

Was aber absolut tödlich ist: Wenn die Dramaturgie nicht stimmt. Ein WhoDonit Krimi, bei dem schon auf Seite 10 klar ist, wer der Mörder war, eine Liebesgeschichte, in der sich Romeo und Julia in die Arme fallen und die nächsten zweihundert Seiten glücklich und zufrieden miteinander leben, sorgen dafür, dass Leser das Buch gähnend weglegen.

Erfahrene Autorinnen wissen das. Wenn ihr bereits zehn Bücher veröffentlicht habt, wird die Überprüfung von Dramaturgie und Personen euch in Fleisch und Blut übergegangen sein.

Anfänger beauftragen ihren Lektor, die Kommafehler zu korrigieren im Irrglauben, dass die Dramaturgie schon stimmen wird. Ihnen steht ein böses Erwachen bevor. Wenn ihr am Anfang eurer Schreibkarriere steht, solltet ihr davon ausgehen, dass ihr noch nicht die perfekten Dramaturgen seid. Und dass ein Lektor – jedenfalls ein guter – euch darauf hinweisen wird, dass dort noch einiges zu tun ist.

Und wo findet man die guten Lektorinnen und Lektoren?

Da gibt es einmal die Datenbank des Verbandes der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL). Dort könnt  ihr nach den gewünschten Kriterien suchen lassen. Gut sind auch Empfehlungen anderer Autoren.

Gute Lektoren haben Beispiele ihrer Arbeit auf ihrer Homepage oder einen Blog, so dass ihr sehen können, wie sie arbeiten.

Nicht zu vergessen: Ein Probelektorat ist gut, bevor ihr ein umfangreiches Manuskript für viel Geld überarbeiten lasst. Da seht ihr, ob ihr zueinander passt. Oft gibt euch schon dieses Probelektorat einen Hinweis, woran ihr noch arbeiten müsst. Wenn euer Personal flach ist, merkt ein guter Lektor das bereits auf den ersten Seiten. Und wenn die Dialoge noch holpern, muss der Lektor nicht fünfhundert Seiten holpernder Dialoge lesen, um euch das zu sagen. Das spart euch viel Geld und dem Lektor Nerven.

Ist ein Probelektorat kostenlos?

In der Regel nicht. Gute Lektoren haben einen Kundenstamm, sie werben nicht mit Dumpingpreisen. Auch ein Probelektorat kostet Zeit und Arbeit. Der Autor erhält Hinweise, woran er arbeiten sollte. Auf welchem Stand er steht. Das ist seinen Preis wert.

Übrigens: Niemand muss das ganze Manuskript lesen, um die Dramaturgie zu beurteilen. Verlage und Literaturagenten lassen sich ein Exposé mit der Handlung schicken, bevor sie einen Roman annehmen. Weil man daraus eine Menge über eine Geschichte entnehmen kann. Ob es Plotlöcher gibt. Ob die Heldin nur auf dem Sofa sitzt, nachdenkt und von anderen erfährt, was Sache ist. Statt selbst aktiv zu werden.

Auch das ist eine Möglichkeit, eure Geschichte erst einmal zu testen. Dass ihr ein Exposé erstellt und so den Plot mit einem Lektor bearbeitet.

Ein guter Lektor macht ein Buch besser, ein schlechter macht ein anderes Buch daraus!

Zum Schluss noch ein Zitat des Bestsellerautors Andreas Eschbach:

Als jemand, der schon viele Lektoren erlebt hat, möchte ich anmerken, dass auch Lektoren ihre Stärken und Schwächen haben. Der eine ist super, wenn es um Kontinuität geht („Ihre Heldin hatte in Kapitel 2 aber hellblaue Augen!“, „An dieser Stelle müsste es Sonntag sein, nicht Montag“), der andere sieht erzählerische Fehler gut („hier müsste ihr Held das Kätzchen retten, sonst nimmt man ihm später nicht ab, dass …“), andere haben ihre Stärken eher beim Stil („hier wären kürzere Sätze wirkungsvoller“, „dieses Wort alliteriert mit dem im nächsten Absatz, das klingt seltsam“) oder in der Grammatik („das muss hier korrekt aber ‚hätte sollte gewollt gemusst haben’ heißen“ ). Gut ist es, wenn sich das mit den eigenen Stärken und Schwächen ergänzt. Ich zum Beispiel bin immer dankbar, wenn jemand meine Kontinuitätsfehler entdeckt, ehe das Buch in den Läden liegt, aber in Disputen über stilistische Fragen könnte ich, glaube ich, handgreiflich werden.

(Aus: Schreiben ist nichts für Feiglinge – Buchmarkt für Anfänger)

 

Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr diesen Blog teilt, verlinkt, weiter empfehlt. Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollt, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Exposé und Plot diskutieren
http://www.hanspeterroentgen.de/workshop-expose/

Impressum Homepage Hans Peter Roentgen

Wie erkennt man einen guten Lektor?