Zwölf Dinge für die Verlagsbewerbung

Was gehört in eine Bewerbung bei Literaturagenten oder Verlagen? Auf jeden Fall ein Anschreiben, eine Textprobe (die sagt, ob der Autor schreiben kann) und ein Exposé (das sagt, ob der Autor eine Geschichte zu Ende bringen kann). Manche Lektoren und Agenten lesen erst die Textprobe, andere erst das Exposé. Das ist individuell und je nach Genre unterschiedlich. Wichtig sind beide.

Achtung: Üblicherweise bezeichnet man mit »Exposé« nur das eigentliche Exposé mit der Handlung. In letzter Zeit bezeichnen einige auch die gesamte Bewerbung als Exposé.

Das Anschreiben

Das Anschreiben sollte – wie alles, das Sie Agenten oder Verlagen senden – kurz sein. Und halten Sie es persönlich, nicht: »Sehr geehrte Damen und Herren«, sondern mit der Anrede der Person, die zuständig ist. Die finden Sie im Impressum oder im Personenverzeichnis.

Gut ist ein Satz, warum Sie diesen Verlag, diesen Agenten ansprechen. Ein Buch aus dem Programm nennen, das ihrem Projekt ähnelt, das Sie schätzen.

Danach folgt die Vorstellung Ihres Manuskripts mit Arbeitstitel, Genre und, ganz wichtig, den Pitch, der Appetit macht, sich die weiteren Unterlagen anzusehen.

Genre

Genre ist wichtig, damit der Buchhändler weiß, in welches Regal er das Buch stellen muss und der Verlag, an welche Leser es sich richtet. Am besten schreiben Sie es in das Anschreiben und nochmals vor das Exposé.

Zielgruppe

Verlage verlangen gerne eine Angabe der Zielgruppe. Die wenigsten Autoren können das liefern. Verzichten Sie auf Formulierungen wie: »Für alle Liebhaber spannender Bücher zwischen 18 und 80«. Das Genre liefert eine bessere Zielgruppe. Wenn Zielgruppe, geben Sie vergleichbare Bücher an, zB. »Für Leser von Sebastian Fitzek«. Auch die Zielgruppe gehört, wenn angegeben, vors Exposé.

Exposé

Ein Exposé beschreibt die Handlung der Geschichte. Umfang: ein bis drei Normseiten (ca 1500-5000 Anschläge). Daraus sollte hervorgehen:

– die Hauptfigur
– was die Geschichte in Gang setzt
– der Konflikt
– das Ziel der Hauptfigur
– der Gegenspieler
– die wichtigsten Wendepunkte der Geschichte
– wie sie ausgeht
– maximal fünf Personen, mehr wird unübersichtlich

Textprobe

Die Textprobe umfasst ca. 30-50 Normseiten, wählen Sie den Anfang Ihres Romans aus. Es ist schwierig die Qualität von Seiten zu beurteilen, wenn man nicht weiß, was davor passierte.

Optionen

Je nach Projekt können Sie weitere Unterlagen beifügen. Vor allem, wenn das Exposé umfangreich ist, verschieben Sie die Hintergrundinformationen in einen eigenen Punkt und fügen einen Personenliste an.

Kurzexposé

Das Kurzexposé ist aufgebaut wie ein Klappentext und steht, falls vorhanden, vor dem Exposé. Es hat zwischen 400 und 800 Anschläge und enthält wie der Klappentext den Anfang der Geschichte mit Hauptfigur, Konflikt und Gegenspieler. Es bietet sich als Appetithappen an, wenn das Exposé umfangreich ist. Der Leser kann so schnell entscheiden: »Ist es was für mich?«. Falls ja, liest er das vollständige Exposé.

Personenliste

Die Personenliste ist keine Pflicht, oft aber nützlich. Sie umfasst alle Personen, die im Exposé vorkommen, beschreibt sie mit einem (!) Satz und nennt nur die entscheidende Eigenschaft der Personen. Fügen Sie es hinter dem Exposé ein.

Bitte nicht erklären, was die Person in der Geschichte tut, das gehört in das Exposé!

Beispiele:
Angela Merkel: Eine Teflon Kanzlerin, die alles an sich abgleiten lässt.
Helmuth Kohl: Ein Schwergewicht, das jede Katastrophe aussitzen kann.
Heinrich Faust: Ein alternder Wissenschaftler, der auf kleinen Mädchen steht.

Hintergrund

Haben Sie eine unbekannte Phantasiewelt, einen speziellen historischen Zeitabschnitt oder eine neue Technik, können Sie das als eigene Seite nach dem Exposé beilegen. Denken sie daran: Der Lektor, dem Sie Ihr Angebot schicken, ist ein Fachmann des Genres, er kennt die üblichen Verdächtigen. Was Trolle sind, muss man einem Fantasylektor nicht erklären.

Mit dem Hintergrund wird das Exposé entschlackt.

Autorenvita

Hier gehört nicht Ihr kompletter Lebenslauf hinein, wohl aber alles, was für das Schreiben wichtig ist. Wenn Sie veröffentlicht haben, dann sollte hier eine Liste der Titel stehen. Veröffentlichungen, für die Sie gezahlt haben, sollten Sie auf keinen Fall nennen. Die Verlage kennen sich, jeder weiß, wer „Zuschüsse“ verlangt. Selfpublishing können Sie nennen, vorausgesetzt, es waren keine Ladenhüter.

Auch Details Ihres Lebenslaufes, die dem Verlag bei der Vermarktung helfen, sollten Sie aufführen. Wenn Sie Sängerin in einer Punkband waren, schreiben Sie das hinein. Dass Sie Abitur haben, ist weniger interessant.

Haben Sie eine besondere Verbindung zu dem behandelten Thema, gehört dies in die Vita. Spielt Ihr Roman in Kalifornien und Sie haben dort fünf Jahre gelebt, geben Sie das an.

Preise oder Auszeichnungen sollten Sie ebenfalls aufzählen.

Wenn Sie weitere Romane oder Fortsetzungen in Planung haben, können Sie dies hier erwähnen.

Das amerikanische Anschreiben

Das amerikanische Anschreiben besteht aus dem Anschreiben und zehn Seiten Leseprobe. Der erste Satz des Anschreibens stellt das Projekt mit Genre vor. Die nächsten ein bis drei Absätze sind ein Kurzexposé, das vor allem das Besondere des Projekts in den Vordergrund stellt (ohne den Schluss zu nennen). Am Schluss folgt ein Absatz mit dem Autor und warum er geeignet ist, dieses Manuskript zu schreiben. Dazu eine Textprobe über zehn Seiten.

Erst wenn der Agent Interesse hat, fordert er das aus­führliche Exposé und das Manuskript an. Wenn Ihnen solche Kurztexte liegen, können Sie es mit dieser Bewerbung versuchen.

Literaturagent oder Verlag

Mit einem neuen Projekt sollte man zunächst Agenten anschreiben. Wenn Sie Verlage angeschrieben haben, ist das Projekt für Agenten verbrannt. Große Verlage beziehen heute die meisten neuen Bücher von Agenten.

Wenn kein Agent anbeißt, können Sie kleinere Verlage ansprechen. Diese sind für Agenten nicht interessant, haben anderes Zielpublikum, sind regional orientiert.
Und immer sollte man überlegen: Will ich Verlag oder Selfpublishing?

Literatur
Zwölf Dinge, die jeder Autor über Exposés wissen sollte
Drei Seiten für ein Exposé
Die Geschichte ausgraben: Plots und Exposés entwickeln

Workshop: Exposé und Pitch

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Zwölf Dinge für die Verlagsbewerbung

Die Geschichte ausgraben

Einen Plot entwickeln

Jeder, der schon einmal einen Roman schreiben wollte, kennt das. Plötzlich hat man eine faszinierende Figur, einen spannenden Hintergrund oder eine Plotidee. Doch der Teufel steckt im Detail. Irgendwann kommt der Moment der Verzweiflung.

Die Idee führt nirgendwo hin, oder der Held bleibt blass. Die Autorin spürt dies und müht sich ab, aus der Idee einen tragfähigen Plot und aus der Klischeefigur einen lebendigen Menschen zu machen. Leider gelingt es nicht. Was tun?

Vor diesem Problem standen schon viele. Und ich kenne eine Methode, die weiterhelfen kann. Mehr zufällig haben wir bei der Phönixgruppe 2002 daraus eine Methode entwickelt, um einen tragfähigen Plot und lebendige Figuren zu schaffen: Die Ideen einer Autorin werden von den anderen zu Asche verbrannt, damit nur übrigbleibt, was Substanz hat. Und daraus kann sie ihren Text bauen. In vielen, vielen Gruppen und Workshops habe ich seitdem erlebt, wie wirkungsvoll diese Arbeitsweise ist. Und erst kürzlich hat mich die Autorin Jana Franke noch einmal daran erinnert.

Der Phönix aus der Asche

Es geht darum, die Struktur hinter den Texten deutlich zu machen, zu entwickeln. Folglich tragen die Autoren keine fertigen Texte, keine fertigen Exposés ihrer Romanen vor, sondern erzählen einfach, was sie von ihrer Figur und dem Plot wissen. Formulieren einen ersten Entwurf. Oft ist das nicht viel, chaotisch fast immer, auf jeden Fall ist es kein fertiges Konzept. An dieser Stelle ist der innere Zensor der schlimmste Feind eines Autors. Er will Perfektion. Aber der erste Entwurf ist immer Scheiße, dieses Hemingway Wort kann man gar nicht oft genug wiederholen.

Sie treffen sich also mit Kollegen. Und müssen den Mut haben, eine grobe Idee vorzustellen. Die anderen klopfen Ihre Idee ab. Nerven Sie mit Fragen. Geben Anregungen. Und Sie werden feststellen, das beflügelt Ihre Phantasie. Es verbrennt die unvollkommene erste Fassung. Aus der Asche entsteht das Konzept einer guten Geschichte.

Was alles passieren kann

Ein berühmter König, sein Waffenbruder und General, der den Autor fasziniert. Der König ist genial, siegt in zahlreichen Schlachten. Auch wenn ihm zahlreiche Gegner ans Leder wollen und die Situation hoffnungslos aussieht, kann er sich jedes Mal durchsetzen.

Der Waffenbruder heiratet seine Jugendliebe. Der König ist kein Weinstein, aber auch kein Kostverächter. Er stellt der Frau seines Waffenbruders nach.
Der Autor zählt die Taten des Königs auf.

»Das klingt nach einer Biografie«, sagt jemand. »Willst du eine Biografie schreiben?«

Nein, will der Autor nicht. »Eigentlich interessiert mich die Dreiecksgeschichte. Aber ich krieg es nicht hin, das zu einem Plot, einem Exposé zu entwickeln.«

»Vielleicht ist der König gar nicht die Hauptperson?«, fragt jemand. »Versuch mal, die Geschichte aus der Perspektive der Frau zu erzählen.«

Pling macht es. Der Autor setzt wieder an, erzählt aus der Perspektive der Frau und plötzlich hat die Geschichte eine ganz andere Spannung. Denn für die Frau steht viel mehr auf dem Spiel als für den König.

Orks und Menschen

Eine Autorin stellt eine Halborkin vor mit einem Orkvater und einer Menschenmutter. Es hat wenig Sinn, ihr zu sagen: „Orks und Menschen können sich nicht mischen, weil sie verschiedene Arten sind.“ Aber die Teilnehmer können und sollen der Autorin Fragen zu ihrer Person stellen.

Stellt Sie sich vor, die Figur steht vor Ihnen und Sie haben ein kleines Hämmerchen, mit dem Sie sie abklopfen, prüfen könnt, nicht um sie zu zerstören, sondern um festzustellen, wo es Hohlstellen gibt. Wie diese Hohlstellen gefüllt werden, muss die Autorin bestimmen. Die Frage: „Sind in der Welt deiner Geschichte Menschen und Orks verschiedene Rassen, aber von derselben Art?“ ist so eine Stelle, auf die Sie klopfen und die hohl klingt.

Möglicherweise fällt der Autorin ein: „Verdammt, nein, die Frau kann keinen Orkvater haben!“. Dann muss sie das ändern. Oder sie stellt fest: „Gute Frage, ja, in meiner Welt sind Orks und Menschen nur verschiedene Rassen, und es gibt folglich Mischlinge“. Auch damit legt die Autorin sich bezüglich ihrer Person und deren Geschichte fest, und das führt dazu, dass die Figur runder wird.

Natürlich sind in der Sitzung auch Anmerkungen und Vorschläge erlaubt und erwünscht.

„Die Halborkin soll im Laufe der Geschichte zu einer hervorragenden Söldnerin werden“, erzählt die Autorin.

„Wo ist sie aufgewachsen?“, fragt jemand.

„In einem Dorf, sie war Außenseiterin, alle haben sie gemieden.“

„Gab es keine Person in ihrer Jugend, die sie geliebt hat, bestärkt hat?“

„Mhm, eigentlich nicht.“

„Woher hat sie dann das Selbstvertrauen, das nötig ist, um Kämpfe siegreich zu bestehen?“

Wieder eine Frage. Nicht die Behauptung: „Du musst eine Bezugsperson für das Kind haben“. Denn das muss die Autorin entscheiden. Entweder sie beschließt, nein, es gab keine, und überlegt sich, wie das Kind trotzdem zu einer selbstbewussten Söldnerin aufwachsen konnte. Vielleicht fällt ihr auch ein, dass es bei einem Schafhirten abseits vom Dorf aufwuchs. Der hatte keine eigenen Kinder, ist gestorben, als sie erst zwölf war, aber er hing an ihr und hat ihr einiges beigebracht. »Und war in seiner Jugend Söldner?«, schlägt eine Teilnehmerin vor.

Pling hat es wieder gemacht. Die Frage hat der Autorin einen Einfall geliefert. Gut möglich, dass dieser Einfall gar nicht im endgültigen Text auftaucht, dass nur in Anspielungen darauf verwiesen wird. Für die Geschichte ist es auch nicht wichtig. Für die Autorin, die ihre Heldin kennen lernen muss, schon.

Drei Ebenen

„Daniel, ein fünfzehnjähriger Junge, erzählt sich SF-Geschichten, in denen er als Kapitän eines Raumkreuzers ganze gegnerische Flotten besiegt. Außerdem hört er Stimmen.“ Ein anderer Autor, eine andere Geschichte, ein anderer Protagonist.

„Die Stimmen gehören zu den Besatzungsmitgliedern?“

„Nein, die Stimmen sind von zwei Personen aus einer Raumstation. Diese Stimmen sind unabhängig von Daniels eigenen Geschichten.“

„Dann gibt es also drei Ebenen: Daniel und seine Realität, Daniels Geschichten und die beiden Stimmen, die zu ihm sprechen?“

„Ja.“

Diskussion darüber, ob drei Ebenen nicht zu viel sind.

„Warum können die beiden Stimmen nicht aus Daniels Geschichte stammen?“

„Die Personen seiner Geschichte kann Daniel steuern. Aber die Stimmen kann er nicht steuern. Außerdem leben sie gar nicht in Daniels Raumkreuzer.“

»Was für eine Bedeutung haben die Stimmen für Daniel?«

»Daniel hat nur seinen Vater, der ist Alkoholiker. Die Stimmen geben im Ratschläge in wichtigen Situationen.«

„Könnten es Personen aus den Geschichten sein, die sich selbständig gemacht haben?“

Ooops macht es beim Autor. Seine Stimmen sind Personen aus Daniels Geschichte, aber jetzt lassen sie sich nicht mehr steuern. Sie sind lebendig geworden, haben ihre eigenen Geschichte und leben nicht mehr auf dem 08/15-Raumschlachtkreuzer. Jetzt hat der Autor nur noch zwei Ebenen, seine Personen haben eine neue Beziehung zueinander gewonnen, und es ist dennoch die Geschichte des Autors geblieben.

Die Wahl des Autors

Es hat wenig Sinn, einem Autor zu sagen: „Das müsstest du so und so machen.“ Denn welche Geschichte wie erzählt wird, bestimmt einzig und allein der Autor. Aber Fragen und Anregungen en masse, die muss er sich schon gefallen lassen.

Welche Antworten der Autor auf die Fragen, Anregungen und Vorschläge gibt, was er daraus macht, das liegt in seiner Wahl. Aber er sollte im eigenen Interesse Antworten geben, denn er wird feststellen, dass er damit überraschende Dinge über seine Personen und deren Geschichte lernen wird.

Der Ablauf des Verhörs

So ein Verhör ist für den Autor Stress pur. „Verdammt, die machen meine Geschichte kaputt, warum wollen die so viel von mir wissen?“ Oft haben die anderen das Gefühl, dass der Autor – vor allem beim ersten Verhör – sehr unwillig reagiert und man ihm alles aus der Nase ziehen muss. Das sollte man nicht persönlich nehmen, diese Reaktion ist völlig normal. Der Bau einer Geschichte ist eben auch Knochenarbeit.

Natürlich dürfen auch die Autoren Fragen stellen. Es ist keine Schande, zu sagen, dass man nicht weiterkommt – und wenn es durch den Aufschrei der Autorin geschieht: „Ich brauche einen Höhepunkt. Gebt mir einen Höhepunkt!“

Einige Voraussetzungen müssen natürlich gegeben sein. Die Runde sollte nicht mehr als zehn Personen umfassen. Die Teilnehmer sollten einander vertrauen. Niedermachen gilt nicht. Hier werden chaotische Texte vorgestellt, von den Teilnehmern zerlegt, um die brauchbaren Teile zu finden, aus denen ein guter Text entstehen könnte.

Und man sollte sich Zeit lassen. Eine Stunde kann es dauern, vielleicht auch zwei pro Text. Am Anfang ist es für alle mühsam. Bald werden sie feststellen, dass es immer besser klappt, dass den Teilnehmern mehr Fragen einfallen, mehr Anregungen. Dem Autor wird es leichter fallen, zu sortieren: Was übernehme ich? Was passt in die Geschichte, die ich erzählen will? Was ist überhaupt die Geschichte, die ich erzählen will? – oft ist das der schwierigste Teil der Aufgabe.

Darum lohnt sich die gemeinsame Arbeit an Ideen.  Es kommt darauf an, aus der Scheiße des ersten Entwurfs Gold zu gewinnen. Deshalb bin ich ein Fan solcher Gruppen. Deshalb moderiere ich Workshops.

Literatur: Drei Seiten für ein Exposé
Zwölf Dinge, die jeder Autor über Exposés wissen sollte

Workshop: Exposé und Pitch

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Die Geschichte ausgraben

Zwölf Dinge, die jeder Autor über Exposés wissen sollte

Exposés sind das Fegefeuer der Autoren. Sie dienen der Bewerbung bei Literaturagenten und Verlagen. Sie dienen aber auch den Autoren zur Selbstkontrolle. Und aus einem gelungenem Exposé lässt sich ein gelungener Klappentext entwickeln.

Ich habe viele hundert Exposés gelesen und besprochen, zahlreiche Exposé-Workshops geleitet und es gibt zwölf Dinge, die Sie berücksichtigen sollten, wenn Sie ein Exposé schreiben.

1. Was will ich erzählen

Der Autor muss sich entscheiden, was das Zentrum, der Grundkonflikt seiner Geschichte ist. Sonst liest sich das Exposé wie eine Aufzählung aller möglichen Ereignisse, hat keinen roten Faden und ist deshalb schwer, manchmal gar nicht verständlich.

Streichen Sie den zentralen Konflikt heraus und was auf dem Spiel steht.

2. Ohne Hauptfigur, Bösewicht und Konflikt keine Geschichte

Der Leser muss wissen, wer der Held der Geschichte ist und wer sein Gegenspieler. Und natürlich auch, warum beide gegensätzliche Interessen haben, warum der Bösewicht verhindern will, dass die Hauptfigur ihr Ziel erreicht.

3. Nichts ist schlimmer, als ein passiver Held

Wenn ich in einem Exposé lese: »Der Held erfährt …« gehen bei mir – und vermutlich bei allen Lektorinnen und Lektoren – die roten Lichter an. Das klingt, als säße der Held im Sessel und andere würden für ihn handeln und seine Probleme lösen.

Im Exposé soll der Held aktiv sein (und in der Geschichte selbst erst recht!).

4. Wo beginnt die Geschichte, wie endet sie

Schildern Sie nicht langatmig die Vorgeschichte. Der Alltag des Kommissars interessiert den Leser genauso wenig wie die Information, auf welche Schule er gegangen ist.
Was setzt Ihre Geschichte in Gang? Fangen Sie damit an, Name des Helden, Alter, vielleicht noch Beruf, dann lassen Sie es losgehen.

5. Folgen Sie dem Helden

Erzählen Sie die Geschichte im Exposé aus der Sicht des Helden. Damit vermeiden Sie, dass die Geschichte in viele Teilstränge zerfällt (siehe Punkt 1). Der Held ist die wichtigste Figur, er bestimmt die Handlung.

6. Kein Tolstoi, kein George Martin

Tolstoi (Krieg und Frieden) und George Martin (Game of Thrones) haben etwas gemeinsam. Sie haben eine riesige Zahl von Personen in ihren Geschichten. Im Buch ist das okay. Im Exposé ist es verwirrend. Wenn Sie mehr als fünf Personen im Exposé haben, streichen Sie die, die am wenigsten zur Geschichte beitragen. Das macht es nicht nur übersichtlicher, sondern auch kürzer.

7. Show, don`t tell

Auch Exposés sollten anschaulich sein, im Kopf des Lesers Bilder wecken. Selbst wenn es »nur« an Agenten und Lektoren geht. Denn auch die schlussfolgern: Wenn der Text bei mir keine Bilder weckt, dann auch nicht bei anderen Lesern. Und dann ist es nicht verkäuflich. »Ein furchtbares Familiengeheimnis kommt zu Tage« ist ebenso nichtssagend wie ausgelutscht. »Die Heldin findet heraus, dass ihr Freund ihre Tochter mißbraucht«, ist wirkungsvoller. Und bitte: Lassen Sie die Heldin das nicht erfahren, sondern aktiv herausfinden.

8. Exposés benötigen Atmosphäre

Ihre Geschichte hat eine eigene Atmosphäre, einen eigenen Stil. Der sollte sich auch im Exposé spiegeln. Wenn Sie witzig-absurd schreiben, sollte das Exposé das deutlich machen. Ist ihre Geschichte atemlose Action, sollte das im Exposé erscheinen. Eine poetische Liebesgeschichte nüchtern und hard-boiled zu beschreiben, ist keine gute Idee.

9. Exposés sind keine Nacherzählung

Ein Exposé soll dazu verführen, die Geschichte zu lesen. Dem Agenten sagen: Die Geschichte werden viele Leser lesen wollen. Also keine Nacherzählung wie in der Schule. Streichen Sie das Besondere heraus, das, was Ihre Leserinnen faszinieren wird.

10. Das Exposés ist ein Härtetest ihrer Geschichte

Verlage verlangen Exposés nicht, weil sie gerne Autoren quälen. Sondern weil sich einem Exposé so viel über die Geschichte entnehmen lässt. Wenn die Heldin in der Geschichte »etwas erfährt«, statt es herauszufinden, liegt die Vermutung nahe, dass sie auch im Manuskript passiv bleibt. Wenn Sie also in Ihrem Exposé ein Problem entdecken, prüfen Sie nach, ob es vielleicht ein Problem Ihrer Geschichte ist. Das Exposé ist der Crashtest Ihrer Geschichte. Deshalb lohnt es sich auch für Selfpublisher, eins zu schreiben.

11. Der Weg zum guten Exposé ist mit unzähligen schlechten gepflastert

Niemand kann auf Anhieb ein tolles Exposé schreiben. Auch das erfordert Übung. Also werfen Sie die Tastatur nicht ins Korn, wenn die erste Fassung grauslich ist. Wer sich nicht erlaubt, schlechte Texte zu schreiben, wird nie richtig gute schaffen. Das gilt auch für Exposés.

12. Klappentexte sind Kurzexposés

Alles, was Sie hier lesen, gilt auch für Klappentexte. Nur dass der Klappentext nicht den Schluss der Geschichte verrät und auch nicht, wie sie verläuft. Er schildert nur den Helden, sein Problem und was die Geschichte in Gang setzt.

Was außer dem Exposé in eine Verlagsbewerbung gehört, verrate ich Ihnen hier.

Literatur: Drei Seiten für ein Exposé
Die Geschichte ausgraben: Plots und Exposés entwickeln

Workshop: Exposé und Pitch

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