Klappentextlektorat April 2018

Ein Duke auf Reisen

(c) Maggie Fenton, AmazonCrossing

Der Duke of Montfort ist ein mächtiger Mann. Er hat sein Leben im Griff [mehr lesen]

Ich wurde darauf hingeweisen, dass Amazon es unter Umständen nicht gerne sieht, dass der Klappentext hier abgedruckt wird. Deshalb hier der Link zum Weiterlesen des besprochenen Klappentextes.

Lektorat

Dieses Buch wurde mit diesem Klappentext bei Amazon Crossing veröffentlicht. Das merkt man, der Text ist professionell aufgebaut.

Anfang

Der erste Abschnitt führt die Hauptperson ein und deren Alltag. »Der Duke von Montfort ist ein mächtiger Mann«, das weckt ein Bild, wir vermuten einen englischen Adligen des neunzehnten Jahrhunderts. Das sagt uns auch schon das Cover.

»Er hat sein Leben im Griff und seine Ländereien unter Kontrolle.« Aha, ein Alphamann, der nach der Devise lebt: »Alles hört auf mein Kommando.« Das steht so nicht da, aber der Satz weckt dieses Bild.

Etwas langweilig, wenn es so weiter ginge. Doch dann wechselt der Text zum Konflikt, der im nächsten Halbsatz zur Sprache kommt. Es gibt etwas, das offenbar nicht auf sein Kommando hört. Die Brauerei im Norden.

Zweiter Absatz

Also beginnt die Geschichte damit, dass er nach Norden reist, damit auch dort alles auf sein Kommando hört. Würde ihm das gelingen, wäre die Geschichte sofort zu Ende. Doch dort trifft er den Bösewicht. Der in dem Fall weder männlich noch böse ist. Aber sie hat alles, was ein Gegenspieler haben muss. Sprich: Sie wird sich den Wünschen des Duke nicht fügen, sondern im Gegenteil ihr Ziel verfolgen, dass alles auf IHR Kommando hört. Perfekter Konflikt.

Dritter Absatz

Der dritte Absatz verschärft den Konflikt. Beide haben nicht nur das Ziel, den anderen loszuwerden und die eigene Führungsrolle zu behalten; gleichzeitig gibt es diese gegenseitige Anziehungskraft.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Ja, das ist ein beliebtes Thema in Liebesromanen. Nicht nur dort, auch in unserer Wirklichkeit kommt es öfter vor, habe ich mir sagen lassen. Dieses Thema hat seit dem neunzehnten Jahrhundert unzählige Romane hervorgebracht und fesselt immer noch vor allem die weibliche Leserschaft. Kein Wunder, denn es berührt die Frage der Gleichberechtigung und ob sich Frauen den Männern unterordnen sollen.

Schlusssatz

»Der Duke kann sich nicht entscheiden, ob er Astrid erwürgen oder doch lieber verführen will …«, das ist der Schlusssatz, der den Konflikt auf den Punkt bringt.

Natürlich wissen wir, wie es ausgehen wird. Die beiden werden sich zusammenraufen und heiraten. Allerdings werden sie bis dahin noch viele Gefechte miteinander ausfechten, die den Duke einigen Schweiß kosten und dem Leser vergnügliche Momente bringen werden.

Atmosphäre

Welche Atmosphäre verspricht uns das Buch? Witz und Liebe. Eine Frau und ein Mann, die sich verändern müssen, um zueinander zu finden.

Wilde Leidenschaften, ungezügelter Sex? Eher nicht. Der Duke muss überhaupt erst einmal zugeben, dass er ausgerechnet von einer Frau angezogen wird, die so gar nicht seinem Ideal entspricht und die auch nicht auf sein Kommando hört. Vermutlich gilt das auch umgekehrt. Wenn sie vor dem Traualtar landen, haben sie zur Freude der Leserschaft einen mühseligen Weg zurückgelegt. Und die Geschichte ist aus. Zunächst zumindest.

In solchen Romanen erwartet man keine leidenschaftlichen Bettszenen. Im Gegenteil, wenn der Klappentext so etwas andeutet, dann floppt das Buch, und Sexszenen im Text werden mit schlechten Rezensionen abgestraft.

Meiner Meinung nach durchaus verständlich. Denn, wie gesagt, bis beide sich Leidenschaften eingestehen, müssen sie erst einmal lernen, dass so etwas mit Menschen möglich ist, die so gar nicht den eigenen Wünschen entsprechen.

Titel

Der Titel wäre für ein einzelnes Buch mit obigem Thema weniger geeignet. Doch es ist eine Reihe, und in Reihen ist es wichtig, dass der Titel sich in die Reihe einordnet.

Aus: tempest, April 2018

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Klappentextlektorat April 2018

Friedrich Schiller erzählt über den Krieg in Irak und Syrien

Friedrich Schiller ist lange tot. Ab und zu quält er Schüler im Deutschunterricht, aber der coole neue Schriftsteller ist er nun wirklich nicht.

Und dann kam er nach Bagdad. Die Schriftstellerin und Regisseurin Astrid Vehstedt hatte Kontakt zu einer Gruppe Iraker gefunden, die in Bagdad einen Kulturinstitut aufbauen, das Bait Tarkib. Eine Woche traf man sich in Bagdad und studierte eine Aufführung ein. »Die Eroberung von Magdeburg« aus Schillers »Geschichte des dreißigjährigen Kriegs«.

Entstanden ist eine zehnminütige Aufführung, ein Film der Aufführung, dem man ansieht, dass er nicht mit professionellen Kameras, Schnitttechnik und all dem bearbeitet wurde, was wir heute von Filmen erwarten. Aber gerade dadurch wirkt der Film.

Denn plötzlich wird Schiller lebendig. Sein Text über die Kriegsgräuel im dreißigjährigen Krieg könnte genausogut die Gräuel aus Irak, Syrien und dem IS beschreiben. Die jungen Iraker hatten all das erlebt, was Schiller beschreibt. In jeder Familie gibt es Personen, die von Anschlägen getötet wurden, zwischen die Fronten gerieten oder sich verstecken mussten. Wie jener Geiger, der sich über ein Jahr in Mossul in einem Kellerloch lebte, nachdem der IS Mossul erobert hatte. Musiker gelten für radikale Islamisten als unislamisch, sind vom Glauben abgefallen und müssen getötet werden. Als er nach draußen kam, hielt er seine Hände der Sonne entgegen. Damit sie endlich wieder Licht fühlen konnten.

Der Dreißigjährige Krieg in Deutschland gleicht dem Krieg im Nahen Osten erschreckend. Religionskrieg einerseits, Großmächte, die sich einmischen und schon lange weiß niemand mehr genau, wer hier gegen wen und warum kämpft. Entfesselte Soldateska, die keine Hemmungen mehr kennt.

Wie in Magdeburg.

Eine Stadt, Bagdad, in der jeder nur möglichst schnell durch die Straßen eilt, weil es überall Gefahren gibt, jederzeit eine Bombe hochgehen kann. Eine Stadt, in der Astrid Vehstedt sich nur unter Begleitung eines Sicherheitsdiensts bewegen konnte. Zu groß die Gefahr von Entführungen und schlimmerem.

»Ich guck mir keine Nachrichten mehr an«, sagte einer der Schauspieler. Er halte das nicht mehr aus.

Eine Aufführung, die im Gedächtnis bleibt. Ein Text, der daran erinnert, dass Deutschland und der Irak viel näher sind, als mancher vermuten mag. Und ein toter Dichter, der plötzlich sehr, sehr lebendig ist.

Danke an Astrid Vehstedt, die in Blossin auf der VS Tagung darüber berichtet hat.

Links

Die Regisseurin Astrid Vehstedt:
http://www.astrid-vehstedt-neu.de

Links zu Bait Tarkib, dem Kulturinstitut in Bagdad:

https://www.democracyendowment.eu/we-support/tarkib-baghdad-contemporary-arts-institute-ngo/

https://www.youtube.com/watch?v=30jn_UL_41c&index=1&list=PLztQEPG2rHOTwcnoZ3wYatPKqfUPmkDRb&t=0s

Die Kunst des Erzählens, Bericht über den Workshop in Bagdad:

https://www.goethe.de/ins/iq/de/kul/mag/21138794.html

Mit den Augen von Inana: Lyrik und Kurzprosa zeitgenössischer Autorinnen aus dem Irak

PS: Im Moment läuft ein Antrag, um das Projekt fortzuführen. Wir können nur hoffen, dass er genehmigt wird. Der Film ist leider noch nicht im Netz zu sehen, weil auch dafür ein Antrag auf Förderung läuft.

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Friedrich Schiller erzählt über den Krieg in Irak und Syrien

Nie mehr Buchhandel?

Manchmal kann ich mich nur noch wundern. Greifen jetzt Buchhändler zu Mafia-Methoden?

Vor drei Jahren habe ich mit Elke Pistor und Nina George  zusammen die Unterschriftenliste gegen Amazons Erpressung initiiert. Amazon hatte die „Gefällt auch“ Rubriken manipuliert, Autoren und Bücher ausgelistet, um Verlage unter Druck zu setzen. Ihnen quasi Rabatt-Angebote unterbreitet, die sie nicht ablehnen konnten, so nennt man das glaube ich bei der Mafia. Die Liste wurde von mehreren tausend Autoren unterschrieben und wir haben, so hoffe ich, Amazon soviel Ärger gemacht, dass es sich in Zukunft überlegen wird, Rabattschlachten auf dem Rücken der Autorinnen und Autoren auszutragen.

Und jetzt hat Marah Woolf einen Blog geschrieben. Aufgrund eines Briefes einer Buchhändlerin, die bat, Marah Woolf möge doch in der Werbung zu einem Buch nicht auf Amazon verweisen, sondern auf den Verlag verlinken. Etwas seltsam, gewiss, denn das Buch war ein Ebook und hatte keinen Verlag. Wie jeder weiß, ist Marah Woolf eine der erfolgreichsten Selfpublisherinnen. Soweit so gut.

Marah hat die Dame darauf hingewiesen, dass es den Verlagslink mangels Verlag nicht geben kann. Und dazu einige Überlegungen zum Buchmarkt angefügt, immerhin hat der in letzter Zeit nicht nur Käufer, sondern vor allem Leser verloren. Mehrere Millionen, die nicht vom Buchhandel zu Amazon gegangen sind, sondern gleich ganz wegblieben vom Lesen. Ein sachlicher Beitrag, über die einzelnen Teile kann man unterschiedlicher Meinung sein. Waren natürlich auch einige Kommentatoren.

Andere aus der Buchhandlungsbranche waren es leider nicht. Sachlich, meine ich. Wer nicht genau die gleiche Meinung hat, ist ein Verräterl Eben die üblichen Trolle. Wozu nach Argumenten suchen, wenn es persönliche Beschimpfungen auch tun?

Hier eine kleine Auswahl:
„Wie armselig sie doch sind.“
„niedere Autorin“
“ Marah Woolf geht es nur ums Geld“
„wer sich als Autorin so zum deutschen Buchhandel outet, hat meiner Meinung nach keinerlei Ehre verdient.“
„Das ist einfach nur ekelhaft was diese Frau von sich gibt“

Natürlich durften Drohungen nicht fehlen.
„Es tut mir nun für den Verlag leid, dass dessen Absätze schwinden werden“
„Wirklich schade, dass der Verlag dieses unprofessionelle Verhalten ausbaden muss. “
„werde ich mir künftig auch die Mara Wolf Bücher nicht mehr hinlegen“
„Mainstreamscheisse“

„ich werde keins deiner Bücher weder lesen, noch an Freunde weiterempfehlen“

 

Klare Ansage an alle Autoren: Ein falsches Wort und du fliegst hier aus dem Laden. Sagte ich vorhin etwas über Mafia?

Und mancher gab sich alle Mühe, seine Unkenntniss des Buchmarkts öffentlich zur Schau zu stellen. Da wurde allen Ernstes behauptet, der Buchhandel hätte Marah Woolf bekannt gemacht. Für viele Autoren stimmt das. Marah Woolf jedoch und viele andere wurden als Selfpublisher durch Amazon bekannt. Jeder weiß das, der sich im Buchmarkt auch nur ein kleines bißchen auskennt. Notfalls kann einem Google das sagen, dauert keine Minute. Amazon hat da eine Marktnische entdeckt und dort jetzt ein Fast-Monopol. Leider.

Marah Woolf hat Glück. Sie ist nicht auf den Buchhandel angewiesen. Sie war sogar eine der ersten, die ihre Bücher als Print herausgebracht hat und damit dem Buchhandel Verkäufe ermöglichte. Ist das jetzt vorbei? Muss man erfolgreichen Selfpublishern raten, veröffentlicht ja nicht bei Verlagen, dann seid ihr vom Buchhandel abhängig? Offenbar gibt es viele Buchhändler, die Selfpublisher, nun ja, nicht gerade hassen. Aber verkaufen? Dann doch lieber die grauen Schatten. Selfpublisher kommen schließlich von Amazon (von wo sonst?).

Wäre natürlich Unsinn. Schließlich weiß ich, dass es überall Trolle gibt und überall Leute, die auf jeden losgehen, der auch nur einen Millimeter vom rechten Meinungspfad abweicht  Wer weiß, vielleicht sind es bezahlte Agent Provocateurs von Amazon?Wer solche „Freunde“ hat, wie die genannten, braucht wahrhaftig keine Feinde mehr.

Zum Glück gibt es die anderen, die vielen Buchhändler, die sich (anders als die Trolle) tatsächlich auskennen, sachlich argumentieren und gute Arbeit leisten.

Außerdem ist Amazon vielleicht nicht der Teufel, aber ganz sicher kein Engel.  Die diversen Bestrebungen der Firma aus Seattle, ein Monopol zu errichten,  beobachte ich mit Sorge und habe schon öfters in Diskussionen im Fairen Buchmarkt darauf hingewiesen. Von oben genannter Unterschriftenaktion ganz zu schweigen.

Dabei wäre der Buchmarkt ohne Amazon auch nicht sicherer für Buchhändler. Ich erinnere nur an die Thalia Aktionen, als die den Markt beherrscht haben. Und ohne Amazon wäre der Buchmarkt heute auch sehr viel einförmiger. Ja, ich weiß, viele werden da widersprechen, aber ich kenne viel zu viele Autorinnen und Autoren, gute wohlgemerkt, die die Leser sonst nie zu Gesicht bekommen hätten.

Um nochmals auf Marahs Blog zurückzukommen. Ja, der Buchmarkt hat Millionen Leser verloren. Aber daran ist ausnahmsweise nicht Amazon schuld, die Gesamtzahl der Leser ist nämlich zurückgegangen. Und das bedroht uns alle. Also, liebe Buchhändler, sachlich bleiben. Wir sitzen im selben Boot.

Ihr Hans Peter Roentgen

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Döner gehört nicht zu Deutschland, sagt Seehofer

Gestern hat Seehofer die ersten Ergebnisse des Forschungsprojektes »Was gehört zu Deutschland?« vorgestellt.

»Döner gehört definitiv nicht zu Deutschland, das steht jetzt fest«, sagte er auf einer Pressekonferenz. »Deutschland ist Wurstland seit jeher.«

Das Forschungsteam werde seine Untersuchungen fortsetzen und nach und nach alle Gerichte daraufhin untersuchen, welche zu Deutschland gehören und welche nicht.

Deutsche Gerichte gehören zu Deutschland

»Wir wollen endlich Klarheit!«, sagte Seehofer, »damit Wirte und Hausfrauen wissen, was zu Deutschland gehört. Diese Aufgabe wurde lange sträflich vernachlässigt. Die Bürger haben ein Recht darauf, zu wissen, ob das, was auf ihren Teller kommt, auch zu Deutschland gehört.« Besonders hob er hervor, dass zu der dreiundzwanzigköpfigen Forschungsgruppe (Durchschnittsalter 68,7 Jahren) auch eine Frau gehöre. „Frauen gehören zu Deutschland“, rief er aus.

Die Grünen attackierten ihn heftig, sie vermuteten, dass die promovierte Lebensmittelhistorikerin in Wirklichkeit nur zum Kaffeekochen eingestellt worden sei und das Heimatministerium Zweifel hätte, ob Frauen zu Deutschland gehörten.

Das Stichwort »Kaffee« rief heftige Tumulte seitens der AfD hervor, deren Abgeordnete »Verrat« brüllten. Dr. Höcke legte in einer persönlichen Erklärung dar, dass die Kaffeemaschine im Forschungszentrum ein deutliches Zeichen dafür sei, dass es sich bei dem Projekt um ein geschicktes Täuschungsmanöver des rotgrün versifften Ministeriums handle.

Kaffee islamisiert Deutschland

»Mit Kaffee leisten Sie einen Beitrag zur Islamisierung Deutschlands“, fuhr Höcke fort. „Kaffee ist eine arabische Droge, die nicht zu Deutschland gehört! Schon die Türken wollten Deutschland mit Kaffee erobern!!!«, erklärte er unter dem Beifall der AfD Abgeordneten. »Zu Deutschland gehört Muckefuck!«

Die AfD-Fraktion stellte einen Antrag, die Forschungsgruppe aufzulösen und ein Instiut für zu Deutschland gehörende Dinge und Personen zu gründen, das ein Prüfsiegel vergebe. Restaurants sollten verpflichtet werden, Gerichte in Zukunft zu kennzeichnen. »Rot«: gehört nicht zu Deutschland, »gelb«: Status noch unklar, »braun«: gehört zu Deutschland.

In Zukunft sollten alle Personen, die sich in Deutschland aufhalten, sich ebenfalls einem Test unterziehen, ob sie zu Deutschland gehören und das Ergebnis solle in Ausweis, Pass und anderen Dokumenten festgehalten werden.

»Wir wollen endlich Klarheit«, erklärte Höcke.

Pegida kündigte an, dass die nächste Montagsdemo unter dem Motto stehen würde: »Stoppt die Islamisierung Deutschlands durch islamische Getränke, die nicht zu Deutschland gehören!« Man werde eine öffentliche Kaffeeverbrennung durchführen.

 

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