Klappentextlektorat 09/2018: Der Anker

Ein Vampir und ein Werwolf – kann das gut gehen …?

Five ist ein Einzelgänger, der am liebsten in Ruhe gelassen werden will. Doch Vlad, der Neue in der Klasse, macht ihm einen Strich durch die Rechnung, denn er möchte unbedingt sein Freund sein. Vlad ist nervtötend, aufdringlich, aber irgendwie auch liebenswert – und er ist ein Vampir. Ein Vampir, der auf der Suche nach seiner verlorenen Vergangenheit ist und von Vampirjägern verfolgt wird.
Unfreiwillig wird Five in die Welt der Vampire und Werwölfe hineingezogen und gerät ebenfalls ins Fadenkreuz der Jäger. Gemeinsam mit Vlad muss er ein jahrhundertealtes Verbrechen aufklären, bevor es zu spät ist. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem ihnen nicht nur die Polizei und ein mächtiger, unbekannter Gegner in die Quere kommen, sondern auch Vorurteile, die Liebe und das Vergessen.
Dabei wollte Five doch einfach nur seine Ruhe haben …

Lektorat

Zwei Personen im ersten Abschnitt, die unterschiedlicher nicht sein können. Der introvertierte Five und der neue extrovertierte Klassenkamerad Vlad, ein Vampir. Ein guter Einstieg, man könnte ihn noch etwas kürzen – und hinzufügen, wer oder was Five ist:

Five ist ein Werwolf und Einzelgänger, der am liebsten in Ruhe gelassen werden will. Doch ausgerechnet Vlad, der Neue in der Klasse, möchte unbedingt sein Freund sein. Vlad ist nervtötend, aufdringlich und liebenswert – und er ist ein Vampir. Ein Vampir, der von Vampirjägern verfolgt wird.

Warum habe ich das mit der Suche nach der Vergangenheit weggelassen? Weil es keine Bilder weckt. Es ist eine allgemeine Behauptung, die keinen Anker hat. Das gilt auch für den zweiten Abschnitt. „Ein jahrhundertealtes Verbrechen“, „ein Wettlauf gegen die Zeit“, „ein mächtiger, unbekannter Gegner“, sehen Sie da Bilder?

Der Anker

Wie kann man solche Behauptungen mit Leben füllen?

Indem man einen Anker einfügt. Etwas, das dem Leser ein Bild liefert und eine Vorstellung davon, was mit „ein Wettlauf gegen die Zeit“ gemeint werden sein könnte.

Was ist es, das den Wettlauf gegen die Zeit nötig macht? Wurde Vlads Mutter entführt, und sie braucht regelmäßig Medikamente? Wenn die beiden sie nicht bis zum Abend finden, dann stirbt sie?

Das wäre ein Anker, dann würde ein Wettlauf gegen die Zeit Wirkung zeigen. Und das gilt auch für die anderen Behauptungen in dem Text. Solange sie nur allgemein sind, keine anschaulichen Bilder wecken, es keinen Anker gibt, der zeigt, was damit gemeint sein könnte, so lange wirken sie nicht.

Packen Sie nicht zu viele allgemeine Sätze in den Klappentext. Ein Wettlauf gegen die Zeit, um die Mutter zu finden und zu retten, das würde reichen. Vielleicht noch der Gegner, der ebenfalls anschaulich sein müsste. Unter der Polizei kann sich jeder etwas vorstellen, aber was ist mit dem unheimlichen, unbekannten Gegner gemeint?

Was also ist Vlads Problem? Worum geht es in der Geschichte? Ganz sicher um Freundschaft, darum, dass der Einzelgänger Five sich auf eine Freundschaft einlassen muss und sich dann Gefahren stellen muss, die Vlad bedrohen. Nur erzählt uns der Klappentext darüber nichts.

Der Anfang und der Gegner

Der Anfang stellt eine Frage – sicher ein Eye-Catcher, weil Vampir und Werwölfe nicht die naheliegendsten Freunde sind. Die Frage könnte aber anschaulicher sein, mehr Spannung versprechen. Gerade der erste Satz im Klappentext, die Unterüberschrift des Romans, sollte den Leser packen.

Ein Vampir und ein Werwolf – und ein …

Ja, und wer? Da der Text darüber nur so allgemein spricht, kann ich darüber nichts sagen. Der Klappentext benötigt einen Gegner. Entweder eine Person oder eine Kraft, die die beiden neuen Freunde existenziell bedroht. Hat die Regierung einen Preis auf Vlads Kopf ausgesetzt? Weil er der letzte Vampir ist, der ein wichtiges Staatsgeheimnis kennt (welches?)? Und sind deshalb Vampirjäger hinter ihm her?

Der Schluss

Sehr gut ist der Schlusssatz, der den ersten Absatz wieder aufgreift: „Dabei wollte Five doch einfach nur seine Ruhe haben.“ Das fasst das Problem des Helden noch einmal zusammen. (aus: tempest 09/2018)

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Klappentextlektorat 09/2018: Der Anker

Ein Gedanke zu “Klappentextlektorat 09/2018: Der Anker

  1. Hallo Herr Roentgen, vielen Dank nochmal für das Klappentextlektorat! Ich habe mich sehr darüber gefreut, zumal das Buch ein Herzensprojekt von mir ist und ich mich damit bald an Verlage wenden will. Da muss der Klappentext natürlich sitzen!
    Für alle, die das hier lesen und evtl. wissen wollen, in wiefern ich den Klappentext unter Berücksichtigung des Lektorats umgeschrieben habe, können ja mal auf meinem Blog vorbeischauen. 🙂 https://buecherbombe.wordpress.com/2018/11/26/das-klappentext-lektorat/
    Konstruktive Kritik ist immer willkommen.

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