Sieben Dinge, die Autoren über Wiederholungen wissen müssen

Immer das gleiche Wort verwenden, ist keine gute Idee, das haben wir in der Schule gelernt. Da sollte man Synonyme verwenden.

Der Killer zog die Pistole. Dann grinste der Killer höhnisch.
»Ich mag keine Killer«, sagte ich zum Killer.

Nicht so gut. Zum Glück lässt es sich verbessern.

Der Killer zog die Pistole. Dann grinste er höhnisch.
»Ich mag keine Killer«, sagte ich.

Und es gibt unterschiedliche Techniken, die ihnen bei Wiederholungen helfen können. Papyrus und andere Textprogramme markieren die Wiederholungen im Text und erleichtern Ihnen so die Arbeit, sie zu finden.

Welche Wiederholungen gibt es?

1. Unschädliche Wiederholungen

Bestimmte Worte wirken nur als Merker (Tags), sie kann (und muss) man öfter wiederholen. »Er«, »sie«, »ist« und einige andere tauchen oft im Text auf. Dazu gehört auch »sagte er«, »sagte sie« im Dialog. Das wird überlesen und dient nur der Orientierung.

Sie müssen sich nicht jedes Mal neue Synonyme ausdenken und Ihre Helden flüstern, säuseln, wispern und röhren lassen. Noch schlimmer, sie leise flüstern, dröhnend laut röhren zu lassen.

»Adverbien zu schreiben ist menschlich, doch er sagte/sie sagte zu schreiben ist göttlich«, sagt Stephen King in »Das Leben und das Schreiben«

Wenn der Dialog klar aufgebaut ist, jeder Sprecher seine eigene Sprache hat, können Sie viele dieser Merker ganz weglassen.

2. Streichen ist oft die einfachste Lösung

Wenn sich Worte wiederholen, ist das oft ein Zeichen dafür, dass Sie etwas inhaltlich doppelt gesagt haben. Bei der ersten Fassung passiert das häufig. Sie schreiben etwas hin, sind sich nicht sicher, ob es verständlich ist, und schreiben das gleiche nochmals in einer anderen Formulierung.

Dieser Killer sah brutal aus. Ein Killer, wie er im Buche stand.

Beide Sätze sagen das Gleiche aus. In dem Fall können Sie die anschaulichere Version wählen. Ein Killer, wie er im Buche stand.

Nicht ideal, aber besser als der erste Satz. Vielleicht fällt ihnen ein Detail ein, das die Gefahr verdeutlicht? Wie wäre es mit: Ein Mann wie ein Kampfhund?

Bei der Überarbeitung sollten Sie darauf achten, ob Sie wirklich ein Synonym brauchen oder die Delete-Taste nicht die bessere Lösung ist.

3. Wo Synonyme nötig sind

Der Killer zog seine Pistole. Peter schluckte. Was für eine Scheiße! Der Killer grinste.

In dem Fall können Sie die zweite Wiederholung nicht durch »Er grinste« vermeiden, weil das bedeuten würde, dass Peter grinste. Verwenden Sie den Namen des Killers (falls dem Leser bereits bekannt) oder ein einfaches Synonym.

Der Killer zog seine Pistole. Peter schluckte. Was für eine Scheiße! Sein Gegenüber grinste.

Nicht ideal? Ja, es gäbe bessere Ausdrücke. Vielleicht Pistolero? Oder Mörder, falls die Leser und die Leser bereits wissen, dass er ein Mörder ist.

Was bedeutet: Ein Synonym muss in den Kontext passen.

4. Namen

Immer wieder erhalte ich Texte, in denen die Namen viel zu oft wiederholt werden. Wenn klar ist, um wen es geht, also keine Verwechslungsgefahr besteht, greifen Sie zum »er« oder »sie«, dann müssen nicht lange im Synonymlexikon suchen. Und der Text wird lesbarer und gewinnt Tempo.

5. Wiederholungen als Stilmittel

Wiederholungen können etwas unterstreichen, die Bedeutung markieren, dem Rhythmus dienen. Dann müssen Sie nichts streichen.

Ich hatte Angst. Zitternde Angst. Scheißangst.

Dieses Stilmittel sollte man sparsam wie Knoblauch verwenden. Ein wenig würzt den Text, eine Überdosis verdirbt ihn.

6. Wiederholungen von Satztypen

Der menschliche Geist greift zu dem Bewährten. Das passiert auch beim Schreiben. Gerne wiederholen sich in der ersten Fassung bestimmte grammatikalische Konstruktionen, weil dem Autor diese immer wieder als erste einfallen.

Häufig enthalten die Texte, die ich erhalte, die Konstruktion »Als das passierte, geschah auch jenes«. Nicht gerade ein stilistisches Highlight. Wenn obendrein die Als-Konstruktion dann jeden Absatz einleitet, killt sie die Spannung. Das sind die Giersch-Unkräuter in ihrem Text. Formulieren Sie sie um, damit Ihr Text nicht wie ein lang vernachlässigter Garten wirkt.

7. Beliebte Wiederholungen

Jeder Autor hat seine Lieblingsworte. Die er häufig wiederholt. Bei mir sind es »und« und »aber«. Aber sowas lässt sich leicht beheben. Und verbessern. Papyrus und andere Programme können diese Lieblingsworte markieren.

Auch hier ist die Delete-Taste Autors Liebling.

Und damit wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei der Überarbeitung Ihrer Wiederholungen.

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Sieben Dinge, die Autoren über Wiederholungen wissen müssen

3 Gedanken zu “Sieben Dinge, die Autoren über Wiederholungen wissen müssen

  1. Ich hab häufiger zu Synonymen gegriffen, um zu verdeutlichen wer in einer größeren Gruppe gerade spricht. Leider wurde häufiger angemarkert, dass man nun erst recht nicht weiß, wer das Wort hat. Daraufhin habe ich haufenweise inquits gestrichen, Synonyme zu er/sie zurückgebaut, aber die Situation wurde nicht sehr viel klarer. Der Leser wusste immerhin, dass 5 Personen am Tisch saßen, die alle eine andere Meinung vertreten – Abe er wusste nicht mehr wer welche Meinung vertritt.
    Wie macht man in einer Stammtisch-Diskussion deutlich wer redet?
    Ich lese häufiger, dass Autoren ihren Figuren Sprachfehler geben, aber ich finde das zu überspitzt…

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    1. Bei fünf Personen wird es schwierig. Zuviele unterschiedliche Begriffe/Namen für die gleiche Person verwirren schnell. Da muss man dann oft doch den Namen oder Spitznamen wiederholt verwenden.
      Die alten russischen Dichter, bei denen jede Person drei Namen hatte (Iwan Wassillowitsch XY), die abwechselnd gebraucht wurden, haben schon manchen zur Verzweiflung gebracht.

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  2. Frank Terwogt schreibt:

    Zu Punkt 4 Namen fällt mir ein, irgendwo gelesen zu haben, dass ein Zuviel an Name die Distanz zum Leser vergrößert. Wenn meine Hauptfigur Max heißt, und ich heiße Frank, dann identifiziere ich mich eher mit einem „er“, als mit dem Namen.
    Deswegen konnte ich mich mit Dan Browns Held Robert Langdon auch aus diesem Grund nie richtig anfreunden.

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