Handwerk Selfpublishing Leipzig 2018

Auf der Buchmesse Leipzig wird es 2018 wieder eine Veranstaltungsreihe des Selfpublisherverbandes e.V. und des Verbandes der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) geben.

Thema: Handwerk Selfpublishing,
jeden Tag um 16:00-16:30, Leseinsel Halle 5, Stand D 302

Donnerstag 15.3., 16 Uhr,
Handwerk Selfpublishing 01: Was dem Lektorat auffällt
Gespräch mit Hans Peter Roentgen und Lektor Florian Tietgen

Freitag, 16.3., 16 Uhr
Handwerk Selfpublishing 02: Show, don’t tell – das Kino im Kopf
Gespräch mit Hans Peter Roentgen und Lektorin Isabell Schmitt-Egner

Samstag, 17.3., 16 Uhr
Handwerk Selfpublishing 03: Der Pitch – ein Satz als Lockvogel
Gespräch mit Hans Peter Roentgen und Lektorin Andrea Weil

Sonntag, 18.3., 16 Uhr
Handwerk Selfpublishing 04: Was Autoren über den Klappentext wissen müssen
Gespräch mit Hans Peter Roentgen und Lektorin Susanne Zeyse

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Handwerk Selfpublishing Leipzig 2018

Sieben Pitchtypen für Autoren

Pitchen: Die Kunst, in einem Satz Ihre Geschichte zu erzählen

Der Pitch ist ein Satz, der Ihr Buch vorstellt. Er dient auch als Untertitel Ihres Buches. Gerne wird er als erster Satz an den Anfang des Klappentextes gesetzt. Wenn ein Freund oder ein Journalist sie fragt: Worum geht es in deinem Buch, müssen Sie ihm das in einem Satz erklären können.

Pitchen ist Kurzstrecken-Texten

Der Pitch kommt wie so vieles aus Amerika. Berühmt ist der Fahrstuhl-Pitch. Sie treffen einen Verleger im Fahrstuhl und haben genau 2 Stockwerke Zeit, ihm Ihr Manuskript vorzustellen und ihn zu überzeugen, dass er es sich das Manuskript ansehen muss.

Sie brauchen als Selfpublisher keinen Verleger, also auch keinen Pitch?

Ich muss Sie enttäuschen. Sie brauchen zwar keinen Verleger, aber dennoch einen Pitch.

Und wofür brauchen Sie diesen Pitch?

– Sie brauchen ihn, als Nagelprobe für Ihr Projekt. Die Bestseller-Selfpublisherin Nika Lubitsch hat zu mir gesagt: »Ein Film, den du nicht in einem Satz zusammenfassen kannst, wird ein Flop. Das gilt für mich auch für ein Buch.« Sie hat recht.

– Sie brauchen den Pitch für Ihren Klappentext. Der Pitch ist der Untertitel Ihres Werkes und ein guter erster Satz für Ihren Klappentext.

– Mit dem Pitch stellen Sie Ihr Projekt vor. Er beantwortet die Fragen von Freunden, Journalisten, Buchhändlern: Worum geht es in dem Buch?

»Ja, da gibt es einen Mord und der Kommissar hat einen falschen Verdacht und ach ja, da wird auch noch Falschgeld gefunden und der Kommissar verliebt sich …« Mit so einem Satzungetüm werden Sie keine neuen Leser und Fans gewinnen:

Warum ist das so? Weil solche Werke sich nicht entscheiden können, welche Geschichte sie erzählen wollen. Weil sie mäandern wie der Mississipi vor der Mündung ins Meer. Der Autor will alles hineinpacken: Spannung, Liebe, Verrat, Brudermord, Frauenhandel und möglichst auch noch Islamisten. Und dann sagt er: Mein Buch ist kein 08/15, passt in kein Genre.

Sorry, liebe Autorinnen und Autoren: Mäandern ist kein Zeichen hoher Kunst. Ein Bildhauer, der eine Figur schaffen will, die gleichzeitig James Bond, Marylin Monroe und Angelika Merkel darstellen soll, wird eine Figur schaffen, die keine von allen ist.

Merke: Pitchen ist auch für Selfpublisher Pflicht.

Keine Scheu vor kurzen Sätzen

Ich habe auf der Frankfurter Buchmesse als Experte für Exposé und Klappentext etliche Autorinnen und Autoren im Speed-Dating betreut. Die allerwenigsten konnten mir auf Anhieb sagen, worum es in Ihrem Buch ging. In Deutschland gelten Bücher als platt, deren Konflikt man in einem Satz darstellen kann. Jeder schämt sich, wenn seine Gedanken sich kurz ausdrücken lassen. Das meiden wir, wie die Viktorianer den Sex.

Das Gegenteil ist richtig. Um ein Buch in einem Satz vorzustellen, erfordert es Können und Verständis. Sie müssen den Kern des Buches erfassen und ihn so darstellen, dass es den Leser mitreißt, ihn neugierig macht.

Altbackene Vorstellungen aus der viktorianischen Zeit überlassen Sie besser den Literaten im Altherrenclub oder dem Priester auf der Kanzel.

Natürlich kauft niemand ein Buch aufgrund des genialen Pitchs. Aber er reizt den Leser in der Buchhandlung, das Buch aufzuschlagen, in Online-Plattformen die Leseprobe anzuklicken.

Der Konflikt als Pitchgeburtsstunde

Und was gehört in den Pitch?

Der Konflikt. »Sie brachte eine kleine Stadt auf die Beine und zwang ein großes Unternehmen in die Knie«. Das ist ein Pitch von »Erin Brokovich«. Nur der Konflikt, keine Details, nicht, welche Chemieabfälle der Konzern in die Umwelt abgelassen hat, nicht, welche Auswirkungen das hat. Details gehören nicht in einen Pitch.

»Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand«, da ist der Titel gleichzeitig der Pitch. Nicht gesagt wird, warum der Hundertjährige aus dem Fenster stieg. Nicht, wohin er verschwindet.

Aber beide Pitchs wecken Assoziationen im Leser.

Wenn Sie diesen Grundkonflikt in einem Satz formulieren können, sind Sie schon sehr weit fortgeschritten auf dem Weg zum idealen Pitch.

Sie haben noch nicht den idealen Pitch. Aber einen Satz, an dem man feilen kann.

Und wo beginnt Ihre Geschichte?

Der Beginn Ihrer Geschichte kann einen guten Pitch liefern. Im Falle des Hundertjährigen der Moment, in dem er aus dem Fenster steigt und verschwindet. Dieser Beginn stimmt gleichzeitig auf den Konflikt ein: Der Held des Buches will nicht mehr in dem Altenheim wohnen. Steht zwar nicht im Pitch, aber das assoziieren die LeserInnen.

Assoziationen

Ein Pitch soll Assoziationen wecken. Der Pitch sagt dem Leser nicht: Das und das passiert, er ist keine Nacherzählung. Sondern ein Satz, der Emotionen und Assoziationen im Leser wecken muss. Und eine Frage: Was wird passieren? Wer die Antwort wissen will, muss das Buch lesen.

Nora Winter hat Angst vor Büchern, und das aus gutem Grund: Was sie liest, muss sie am eigenen Leib erleben. (Noras Welten, Madeleine Puljic, Gewinnerin des Selfpublishing Preises 2017)

Der Konflikt ist in dem Fall Noras Angst vor Büchern, weil sie diese erleben muss.

Angst vor Büchern ist höchst ungewöhnlich. Und was heißt das, »muss sie am eigenen Leibe erleben«? Eine offene Frage sollte jeder Pitch aufwerfen.

Atmosphäre

Damit der Pitch Assoziationen weckt, muss er Atmosphäre haben. Der Hundertjährige hat Witz. Niemand wird erwarten, dass der Hundertjährige aus dem Fenster steigt und verschwindet, weil er die Welt vor Dr. No retten will. Wogegen Erin Brokovich weniger Witz, dafür mehr knallharte Konfrontation erwarten lässt. Jeder gute Pitch hat Atmosphäre und weckt dadurch auch Erwartungen an das Buch.

Stil und Wortwahl

Im Pitch ist Stil und Wortwahl noch viel wichtiger als im Roman. Wenn das nicht stimmt, funktioniert der Pitch nicht. Nicht das »Was«, sondern das »Wie« ist entscheidend.

Noras Leiden besteht aus einer ausgeprägten Phobie vor in Worte gedruckten Geschichten: Sie erleidet bei lesender Tätigkeit eine Versetzung des Erlebens in die real ausgestaltete Welt.

Dieser Pitch wirkt nicht, obwohl er das gleiche sagt, wie der Orginalpitch. Warum?

Weil er klingt, wie ein wissenschaftlicher Aufsatz. Er weckt keine Assoziation, außer an Beamtendeutsch und Bürokratie. Ein Pitch sollte einfache Worte verwenden, Verben statt Substantive, lebendig muss er klingen. Und viele Adjektive machen einen Pitch nicht besser, auch das hat der Pitch mit dem Romantext gemeinsam.

Streichen Sie komplizierte Worte aus Ihrem Entwurf. Arbeiten Sie mit aktiven Verben, mit einfachen Substantiven. Streichen Sie Adjektive, die sie nicht brauchen. Im Falle von Erin Brokovich benötigen Sie »großes Unternehmen« und »kleine Stadt« wegen des Gegensatzes. Aber »großes, machtvolles Unternehmen« wäre ein Adjektiv zuviel. »Machtvolles Unternehmen« würde ebenfalls nicht funktionieren, weil dann der Gegensatz zu der »kleinen Stadt« wegfiele.

Und Thomas-Mann-Stil ist im Pitch fehl am Platze.

Ein Pitch betont das Besondere

Was unterscheidet Ihr Buch von allen anderen? Warum sollte ein Leser zu Ihrem Buch greifen und nicht zu dem, das daneben steht? Was ist das Alleinstellungsmerkmal? Das gehört in den Pitch.

Zwölf Pitchs sind einfacher als einer

Wenn Ihnen kein Pitch einfällt, hilft die Zwölfer Übung aus dem Brainstorming. Formulieren Sie zwölf Pitchs für Ihren Roman, ohne zu stocken, ohne zu überlegen. Schreiben Sie einen hinter dem anderem auf, egal, wie absurd er Ihnen vorkommt. Dann wählen Sie aus. Kombinieren Sie mehrere Einfälle. Nehmen Sie die ungewöhnlichen. Ein Pitch soll Aufmerksamkeit erregen, er muss nicht jedem gefallen. Es reicht, wenn er Ihrer Zielgruppe gefällt. Der Rest der Menschheit darf sich ruhig über Ihre unverschämte Formulierung aufregen.

Pitch ist keine Nacherzählung
Der Pitch soll im Gegenüber einen Film ablaufen lassen. Er muss die Emotionen ansprechen, etwas ungewöhnliches versprechen, eine Frage aufwerfen. Sein Ziel ist es, den Zuhörer oder die Leserin zu packen. Damit er sich für das Buch interessiert und es aufschlägt. Es ist KEINE Nacherzählung, sollte den Konflikt benennen. An bekannte Bilder, an Archetypen andocken (David gegen Goliath bei Erin Brokovich), und etwas Neues bieten.

»Erin Brokovich, 35, entdeckt ein Geheimnis, das Auswirkungen hat, die niemand geahnt hätte«, wäre wenig wirkungsvoll. Weil es 08/15 ist.

Und das gilt auch für Sätze wie: »Julia, 34, entdeckt ein furchtbares Familiengeheimnis, das etwas auslöst, was keiner geahnt hätte«. Das furchtbare Familiengeheimnis ist mittlerweile zu einem furchtbaren Klischee geworden, weil es in tausenden Pitchs vorkommt, also kein Alleinstellungsmerkmal hat. Und der Satz ist so allgemein, dass er keine Bilder bei LeserInnen auslöst. Ein Pitch darf an bekannte Werke andocken, muss aber immer auch etwas Besonderes bieten, das ihn von anderen unterscheidet.

Pitchtypen

Hier einige Typen von Pitchs, mit denen Sie arbeiten können.

Der Gegensatz

Gegensätze sind immer gut im Pitch. Die kleine Stadt und das große Unternehmen.

Der Dreiertyp

Kurz, knapp drei Elemente zusammenfassen.

»Eine Magierschule, die keine Frauen mag. Ein Mädchen, das unbedingt Magie studieren will. Und ein Magier, der sich an Frauen rächt.«

Wenn es kurz und knapp ist, dürfen es ausnahmsweise auch mal drei Sätze sein.

Der Anfang der Geschichte

Was Ihre Geschichte in Gang setzt, liefert auch einen guten Pitch.

»Der Oberbürgermeister wird ermordet und sein Stellvertreterin hat kein Alibi, dafür viele, die ihren Kopf rollen sehen wollen«

Der Konflikt

Um was geht es in der Geschichte?

»Nur noch ein Ring fehlt dem dunklen Lord, um Mittelerde zu knechten. Den hat Frodo und jetzt ist er auf der Flucht.«

Verschiedenes verbinden

Zwei bekannte Figuren verbinden, die nichts gemein haben.

»James Bond trifft Don Quichotte«

Oder zwei bekannte Buchtitel verbinden:

»Das Schweigen der Lämmer im Harry Potter Universum«

Zitate

Ein gutes Zitat aus Ihrer Geschichte kann ebenfalls einen Pitch liefern.

»Ich bin eine Gefangene der Geschichte. Etwas, das dort nicht hingehört.« (Noras Welten, Madeleine Puljic)

Der Archetyp

»Romeo und Julia«, »David gegen Goliath«, Archetypen liefern gute Pitchs.

 

Der Artikel wurde erstmalig im »Selfpublisher« vom Dezember 2017 abgedruckt

Links

Die Literaturagentin Petra Hermanns über Pitchen:

http://www.literaturcafe.de/narrativa-literaturagentin-petra-hermanns-ueber-den-perfekten-pitch/

Die Schreiblehrerin Jurenka Jurk:

http://schreiben-und-leben.de/der-pitch-roman

Marcus Johanus von den Schreibdilettanten:

https://marcusjohanus.wordpress.com/2013/03/02/pitching-fur-anfanger-und-fortgeschrittene-wie-du-deinen-roman-in-einem-satz-zusammenfasst/

Paul Boross über Pitchen in der Wirtschaft

http://www.wiwo.de/my/erfolg/gruender/praesentationen-achten-sie-auf-die-augenbrauen/20325574.html?ticket=ST-1649532-R2bWQ7G56DSEgZF7366b-ap3

Pitchen im Filmgeschäft (englisch):

http://storymerchant.com/hiconceptloglinez.html

Literatur

Noras Welten, Madeleine Puljic, epubli

How to Write a Novel Using the Snowflake Method, Randy Ingermanson, CreateSpace Independent Publishing Platform (englisch)

Drei Seiten für ein Exposé, Hans Peter Roentgen, Sieben Verlag

Klappentext, Pitch und anderes Getier, Hans Peter Roentgen, März 2018

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Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

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Sieben Pitchtypen für Autoren

Was jeder Autor über das Überarbeiten wissen muss

Mir ist es wieder passiert. Mein Manuskript ist fertig, ich habe es an Testleser geschickt. Und schon kommt es zurück, nach nur zwanzig Seiten Lektüre. Du hast viele Wiederholungen, sagte mir Jana Franke, und achte mal darauf, wie oft du »locken« verwendest.

Seufz. Also zurück zu Start. Ziehe keine 4000 Euro ein. Ich habe das ganze Manuskript nochmals bearbeitet und nur auf Wiederholungen geachtet. Auf nichts anderes. Und siehe da, danach war der Text um 15% kürzer, sehr viel knapper und lesbarer.

Danach habe ich mit der Suchfunktion das Wort »locken« geprüft. Lockt zum Kaufen. Der Klappentext soll locken. Klar, ein Klappentext soll locken. Aber ein Ratgeber über den Klappentext, der auf jeder Seite lockt, ist dann doch nicht so verlockend. Also habe ich das Wort fleißig ausgedünnt. Bei einer Kollegin war es das Wort »gleiten«, das sich durch den Text zog. Was ist Ihr Lieblingswort?

Es gibt einige Erfahrungen zur Überarbeitung, die sieben Wichtigsten finden Sie hier.

Man muss nicht die ganze Suppe auslöffeln, um festzustellen, dass sie versalzen ist

Oft reichen die ersten Seiten, um zu entscheiden, was bearbeitet werden muss. Dem Autor nach den ersten Seiten zu sagen: »Du hast zuviele Wiederholungen« hilft weiter.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut

Niemand kann gleichzeitig auf alles achten. Wenn Sie wissen, dass der Text ein Problem hat, dann prüfen Sie ihn darauf und korrigieren sie es. Versuchen Sie nicht Stil, Spannung, Rechtschreibung und Personen auf einen Rutsch zu überarbeiten.

Was sind die Stärken

Jeder Text hat Stärken, auch das ist wichtig zu erkennen. Es gibt Testleser, die sagen Ihnen Ihre Stärken, andere Ihre Schwächen. Gut die Frage: »Was fandest du gut an dem Text, was fandest du schlecht?«. Das führt zu ehrlichen Antworten. Bei der Frage: »Wie fandest du den Text« haben viele Hemmungen, offen die Schwächen zu benennen.

Überarbeiten heißt nicht, Rechtschreibung und Stil polieren

Ein altes Problem in Deutschland: Lektorieren bedeutet für viele, die Rechtschreibung und den Stil zu kontrollieren. Die Struktur, die Dramaturgie, die Arbeit an den Personen ist genauso wichtig und solange die nicht stehen, hat es wenig Sinn, sich mit Rechtschreibung und Stil zu beschäftigen.

Der Giersch lässt grüßen

Jeder Gärtner kennt den Giersch. Haben Sie ihn einmal im Garten, haben Sie ihn bald überall.
Nicht anders ist es mit Lieblingsworten oder Lieblingskonstruktionen. Unser Gehirn wiederholt erfolgreiche Lösung gerne. Und bald wimmelt es im Text von »locken« oder »gleiten«. Andere lieben die Konstruktion »Als dies geschah, passierte auch jenes«. Einmal auf fünf Seiten stört es niemand. Fünfmal auf einer Seite aber wohl. Prüfen Sie den Text auf Ihre Lieblingswörter. Papyrus, aber auch viele andere Programme, bieten dazu Statistiken an und markieren Wiederholungen.

Die Dosis macht das Gift

Das ist die wichtigste Regel in der Medizin und auch beim Schreiben. Viele Schreibregeln sind wichtig, weil sie Dinge aufzählen, die Autoren gerne überdosieren. Einmal auf fünf Seiten ist okay …

Ach, das hatte ich ja schon gesagt. Trotzdem: Hängen Sie es sich über den Bildschirm.

Auch Lektoren brauchen Lektoren

Den Balken im eigenen Auge erkennen auch Lektoren und alte Hasen schwer. Darum brauchen auch sie Lektoren und Testleser.

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Was jeder Autor über das Überarbeiten wissen muss

Zwölf Dinge für die Verlagsbewerbung

Was gehört in eine Bewerbung bei Literaturagenten oder Verlagen? Auf jeden Fall ein Anschreiben, eine Textprobe (die sagt, ob der Autor schreiben kann) und ein Exposé (das sagt, ob der Autor eine Geschichte zu Ende bringen kann). Manche Lektoren und Agenten lesen erst die Textprobe, andere erst das Exposé. Das ist individuell und je nach Genre unterschiedlich. Wichtig sind beide.

Achtung: Üblicherweise bezeichnet man mit »Exposé« nur das eigentliche Exposé mit der Handlung. In letzter Zeit bezeichnen einige auch die gesamte Bewerbung als Exposé.

Das Anschreiben

Das Anschreiben sollte – wie alles, das Sie Agenten oder Verlagen senden – kurz sein. Und halten Sie es persönlich, nicht: »Sehr geehrte Damen und Herren«, sondern mit der Anrede der Person, die zuständig ist. Die finden Sie im Impressum oder im Personenverzeichnis.

Gut ist ein Satz, warum Sie diesen Verlag, diesen Agenten ansprechen. Ein Buch aus dem Programm nennen, das ihrem Projekt ähnelt, das Sie schätzen.

Danach folgt die Vorstellung Ihres Manuskripts mit Arbeitstitel, Genre und, ganz wichtig, den Pitch, der Appetit macht, sich die weiteren Unterlagen anzusehen.

Genre

Genre ist wichtig, damit der Buchhändler weiß, in welches Regal er das Buch stellen muss und der Verlag, an welche Leser es sich richtet. Am besten schreiben Sie es in das Anschreiben und nochmals vor das Exposé.

Zielgruppe

Verlage verlangen gerne eine Angabe der Zielgruppe. Die wenigsten Autoren können das liefern. Verzichten Sie auf Formulierungen wie: »Für alle Liebhaber spannender Bücher zwischen 18 und 80«. Das Genre liefert eine bessere Zielgruppe. Wenn Zielgruppe, geben Sie vergleichbare Bücher an, zB. »Für Leser von Sebastian Fitzek«. Auch die Zielgruppe gehört, wenn angegeben, vors Exposé.

Exposé

Ein Exposé beschreibt die Handlung der Geschichte. Umfang: ein bis drei Normseiten (ca 1500-5000 Anschläge). Daraus sollte hervorgehen:

– die Hauptfigur
– was die Geschichte in Gang setzt
– der Konflikt
– das Ziel der Hauptfigur
– der Gegenspieler
– die wichtigsten Wendepunkte der Geschichte
– wie sie ausgeht
– maximal fünf Personen, mehr wird unübersichtlich

Textprobe

Die Textprobe umfasst ca. 30-50 Normseiten, wählen Sie den Anfang Ihres Romans aus. Es ist schwierig die Qualität von Seiten zu beurteilen, wenn man nicht weiß, was davor passierte.

Optionen

Je nach Projekt können Sie weitere Unterlagen beifügen. Vor allem, wenn das Exposé umfangreich ist, verschieben Sie die Hintergrundinformationen in einen eigenen Punkt und fügen einen Personenliste an.

Kurzexposé

Das Kurzexposé ist aufgebaut wie ein Klappentext und steht, falls vorhanden, vor dem Exposé. Es hat zwischen 400 und 800 Anschläge und enthält wie der Klappentext den Anfang der Geschichte mit Hauptfigur, Konflikt und Gegenspieler. Es bietet sich als Appetithappen an, wenn das Exposé umfangreich ist. Der Leser kann so schnell entscheiden: »Ist es was für mich?«. Falls ja, liest er das vollständige Exposé.

Personenliste

Die Personenliste ist keine Pflicht, oft aber nützlich. Sie umfasst alle Personen, die im Exposé vorkommen, beschreibt sie mit einem (!) Satz und nennt nur die entscheidende Eigenschaft der Personen. Fügen Sie es hinter dem Exposé ein.

Bitte nicht erklären, was die Person in der Geschichte tut, das gehört in das Exposé!

Beispiele:
Angela Merkel: Eine Teflon Kanzlerin, die alles an sich abgleiten lässt.
Helmuth Kohl: Ein Schwergewicht, das jede Katastrophe aussitzen kann.
Heinrich Faust: Ein alternder Wissenschaftler, der auf kleinen Mädchen steht.

Hintergrund

Haben Sie eine unbekannte Phantasiewelt, einen speziellen historischen Zeitabschnitt oder eine neue Technik, können Sie das als eigene Seite nach dem Exposé beilegen. Denken sie daran: Der Lektor, dem Sie Ihr Angebot schicken, ist ein Fachmann des Genres, er kennt die üblichen Verdächtigen. Was Trolle sind, muss man einem Fantasylektor nicht erklären.

Mit dem Hintergrund wird das Exposé entschlackt.

Autorenvita

Hier gehört nicht Ihr kompletter Lebenslauf hinein, wohl aber alles, was für das Schreiben wichtig ist. Wenn Sie veröffentlicht haben, dann sollte hier eine Liste der Titel stehen. Veröffentlichungen, für die Sie gezahlt haben, sollten Sie auf keinen Fall nennen. Die Verlage kennen sich, jeder weiß, wer „Zuschüsse“ verlangt. Selfpublishing können Sie nennen, vorausgesetzt, es waren keine Ladenhüter.

Auch Details Ihres Lebenslaufes, die dem Verlag bei der Vermarktung helfen, sollten Sie aufführen. Wenn Sie Sängerin in einer Punkband waren, schreiben Sie das hinein. Dass Sie Abitur haben, ist weniger interessant.

Haben Sie eine besondere Verbindung zu dem behandelten Thema, gehört dies in die Vita. Spielt Ihr Roman in Kalifornien und Sie haben dort fünf Jahre gelebt, geben Sie das an.

Preise oder Auszeichnungen sollten Sie ebenfalls aufzählen.

Wenn Sie weitere Romane oder Fortsetzungen in Planung haben, können Sie dies hier erwähnen.

Das amerikanische Anschreiben

Das amerikanische Anschreiben besteht aus dem Anschreiben und zehn Seiten Leseprobe. Der erste Satz des Anschreibens stellt das Projekt mit Genre vor. Die nächsten ein bis drei Absätze sind ein Kurzexposé, das vor allem das Besondere des Projekts in den Vordergrund stellt (ohne den Schluss zu nennen). Am Schluss folgt ein Absatz mit dem Autor und warum er geeignet ist, dieses Manuskript zu schreiben. Dazu eine Textprobe über zehn Seiten.

Erst wenn der Agent Interesse hat, fordert er das aus­führliche Exposé und das Manuskript an. Wenn Ihnen solche Kurztexte liegen, können Sie es mit dieser Bewerbung versuchen.

Literaturagent oder Verlag

Mit einem neuen Projekt sollte man zunächst Agenten anschreiben. Wenn Sie Verlage angeschrieben haben, ist das Projekt für Agenten verbrannt. Große Verlage beziehen heute die meisten neuen Bücher von Agenten.

Wenn kein Agent anbeißt, können Sie kleinere Verlage ansprechen. Diese sind für Agenten nicht interessant, haben anderes Zielpublikum, sind regional orientiert.
Und immer sollte man überlegen: Will ich Verlag oder Selfpublishing?

Literatur
Zwölf Dinge, die jeder Autor über Exposés wissen sollte
Drei Seiten für ein Exposé
Die Geschichte ausgraben: Plots und Exposés entwickeln

Workshop: Exposé und Pitch

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Zwölf Dinge für die Verlagsbewerbung

Die Geschichte ausgraben

Einen Plot entwickeln

Jeder, der schon einmal einen Roman schreiben wollte, kennt das. Plötzlich hat man eine faszinierende Figur, einen spannenden Hintergrund oder eine Plotidee. Doch der Teufel steckt im Detail. Irgendwann kommt der Moment der Verzweiflung.

Die Idee führt nirgendwo hin, oder der Held bleibt blass. Die Autorin spürt dies und müht sich ab, aus der Idee einen tragfähigen Plot und aus der Klischeefigur einen lebendigen Menschen zu machen. Leider gelingt es nicht. Was tun?

Vor diesem Problem standen schon viele. Und ich kenne eine Methode, die weiterhelfen kann. Mehr zufällig haben wir bei der Phönixgruppe 2002 daraus eine Methode entwickelt, um einen tragfähigen Plot und lebendige Figuren zu schaffen: Die Ideen einer Autorin werden von den anderen zu Asche verbrannt, damit nur übrigbleibt, was Substanz hat. Und daraus kann sie ihren Text bauen. In vielen, vielen Gruppen und Workshops habe ich seitdem erlebt, wie wirkungsvoll diese Arbeitsweise ist. Und erst kürzlich hat mich die Autorin Jana Franke noch einmal daran erinnert.

Der Phönix aus der Asche

Es geht darum, die Struktur hinter den Texten deutlich zu machen, zu entwickeln. Folglich tragen die Autoren keine fertigen Texte, keine fertigen Exposés ihrer Romanen vor, sondern erzählen einfach, was sie von ihrer Figur und dem Plot wissen. Formulieren einen ersten Entwurf. Oft ist das nicht viel, chaotisch fast immer, auf jeden Fall ist es kein fertiges Konzept. An dieser Stelle ist der innere Zensor der schlimmste Feind eines Autors. Er will Perfektion. Aber der erste Entwurf ist immer Scheiße, dieses Hemingway Wort kann man gar nicht oft genug wiederholen.

Sie treffen sich also mit Kollegen. Und müssen den Mut haben, eine grobe Idee vorzustellen. Die anderen klopfen Ihre Idee ab. Nerven Sie mit Fragen. Geben Anregungen. Und Sie werden feststellen, das beflügelt Ihre Phantasie. Es verbrennt die unvollkommene erste Fassung. Aus der Asche entsteht das Konzept einer guten Geschichte.

Was alles passieren kann

Ein berühmter König, sein Waffenbruder und General, der den Autor fasziniert. Der König ist genial, siegt in zahlreichen Schlachten. Auch wenn ihm zahlreiche Gegner ans Leder wollen und die Situation hoffnungslos aussieht, kann er sich jedes Mal durchsetzen.

Der Waffenbruder heiratet seine Jugendliebe. Der König ist kein Weinstein, aber auch kein Kostverächter. Er stellt der Frau seines Waffenbruders nach.
Der Autor zählt die Taten des Königs auf.

»Das klingt nach einer Biografie«, sagt jemand. »Willst du eine Biografie schreiben?«

Nein, will der Autor nicht. »Eigentlich interessiert mich die Dreiecksgeschichte. Aber ich krieg es nicht hin, das zu einem Plot, einem Exposé zu entwickeln.«

»Vielleicht ist der König gar nicht die Hauptperson?«, fragt jemand. »Versuch mal, die Geschichte aus der Perspektive der Frau zu erzählen.«

Pling macht es. Der Autor setzt wieder an, erzählt aus der Perspektive der Frau und plötzlich hat die Geschichte eine ganz andere Spannung. Denn für die Frau steht viel mehr auf dem Spiel als für den König.

Orks und Menschen

Eine Autorin stellt eine Halborkin vor mit einem Orkvater und einer Menschenmutter. Es hat wenig Sinn, ihr zu sagen: „Orks und Menschen können sich nicht mischen, weil sie verschiedene Arten sind.“ Aber die Teilnehmer können und sollen der Autorin Fragen zu ihrer Person stellen.

Stellt Sie sich vor, die Figur steht vor Ihnen und Sie haben ein kleines Hämmerchen, mit dem Sie sie abklopfen, prüfen könnt, nicht um sie zu zerstören, sondern um festzustellen, wo es Hohlstellen gibt. Wie diese Hohlstellen gefüllt werden, muss die Autorin bestimmen. Die Frage: „Sind in der Welt deiner Geschichte Menschen und Orks verschiedene Rassen, aber von derselben Art?“ ist so eine Stelle, auf die Sie klopfen und die hohl klingt.

Möglicherweise fällt der Autorin ein: „Verdammt, nein, die Frau kann keinen Orkvater haben!“. Dann muss sie das ändern. Oder sie stellt fest: „Gute Frage, ja, in meiner Welt sind Orks und Menschen nur verschiedene Rassen, und es gibt folglich Mischlinge“. Auch damit legt die Autorin sich bezüglich ihrer Person und deren Geschichte fest, und das führt dazu, dass die Figur runder wird.

Natürlich sind in der Sitzung auch Anmerkungen und Vorschläge erlaubt und erwünscht.

„Die Halborkin soll im Laufe der Geschichte zu einer hervorragenden Söldnerin werden“, erzählt die Autorin.

„Wo ist sie aufgewachsen?“, fragt jemand.

„In einem Dorf, sie war Außenseiterin, alle haben sie gemieden.“

„Gab es keine Person in ihrer Jugend, die sie geliebt hat, bestärkt hat?“

„Mhm, eigentlich nicht.“

„Woher hat sie dann das Selbstvertrauen, das nötig ist, um Kämpfe siegreich zu bestehen?“

Wieder eine Frage. Nicht die Behauptung: „Du musst eine Bezugsperson für das Kind haben“. Denn das muss die Autorin entscheiden. Entweder sie beschließt, nein, es gab keine, und überlegt sich, wie das Kind trotzdem zu einer selbstbewussten Söldnerin aufwachsen konnte. Vielleicht fällt ihr auch ein, dass es bei einem Schafhirten abseits vom Dorf aufwuchs. Der hatte keine eigenen Kinder, ist gestorben, als sie erst zwölf war, aber er hing an ihr und hat ihr einiges beigebracht. »Und war in seiner Jugend Söldner?«, schlägt eine Teilnehmerin vor.

Pling hat es wieder gemacht. Die Frage hat der Autorin einen Einfall geliefert. Gut möglich, dass dieser Einfall gar nicht im endgültigen Text auftaucht, dass nur in Anspielungen darauf verwiesen wird. Für die Geschichte ist es auch nicht wichtig. Für die Autorin, die ihre Heldin kennen lernen muss, schon.

Drei Ebenen

„Daniel, ein fünfzehnjähriger Junge, erzählt sich SF-Geschichten, in denen er als Kapitän eines Raumkreuzers ganze gegnerische Flotten besiegt. Außerdem hört er Stimmen.“ Ein anderer Autor, eine andere Geschichte, ein anderer Protagonist.

„Die Stimmen gehören zu den Besatzungsmitgliedern?“

„Nein, die Stimmen sind von zwei Personen aus einer Raumstation. Diese Stimmen sind unabhängig von Daniels eigenen Geschichten.“

„Dann gibt es also drei Ebenen: Daniel und seine Realität, Daniels Geschichten und die beiden Stimmen, die zu ihm sprechen?“

„Ja.“

Diskussion darüber, ob drei Ebenen nicht zu viel sind.

„Warum können die beiden Stimmen nicht aus Daniels Geschichte stammen?“

„Die Personen seiner Geschichte kann Daniel steuern. Aber die Stimmen kann er nicht steuern. Außerdem leben sie gar nicht in Daniels Raumkreuzer.“

»Was für eine Bedeutung haben die Stimmen für Daniel?«

»Daniel hat nur seinen Vater, der ist Alkoholiker. Die Stimmen geben im Ratschläge in wichtigen Situationen.«

„Könnten es Personen aus den Geschichten sein, die sich selbständig gemacht haben?“

Ooops macht es beim Autor. Seine Stimmen sind Personen aus Daniels Geschichte, aber jetzt lassen sie sich nicht mehr steuern. Sie sind lebendig geworden, haben ihre eigenen Geschichte und leben nicht mehr auf dem 08/15-Raumschlachtkreuzer. Jetzt hat der Autor nur noch zwei Ebenen, seine Personen haben eine neue Beziehung zueinander gewonnen, und es ist dennoch die Geschichte des Autors geblieben.

Die Wahl des Autors

Es hat wenig Sinn, einem Autor zu sagen: „Das müsstest du so und so machen.“ Denn welche Geschichte wie erzählt wird, bestimmt einzig und allein der Autor. Aber Fragen und Anregungen en masse, die muss er sich schon gefallen lassen.

Welche Antworten der Autor auf die Fragen, Anregungen und Vorschläge gibt, was er daraus macht, das liegt in seiner Wahl. Aber er sollte im eigenen Interesse Antworten geben, denn er wird feststellen, dass er damit überraschende Dinge über seine Personen und deren Geschichte lernen wird.

Der Ablauf des Verhörs

So ein Verhör ist für den Autor Stress pur. „Verdammt, die machen meine Geschichte kaputt, warum wollen die so viel von mir wissen?“ Oft haben die anderen das Gefühl, dass der Autor – vor allem beim ersten Verhör – sehr unwillig reagiert und man ihm alles aus der Nase ziehen muss. Das sollte man nicht persönlich nehmen, diese Reaktion ist völlig normal. Der Bau einer Geschichte ist eben auch Knochenarbeit.

Natürlich dürfen auch die Autoren Fragen stellen. Es ist keine Schande, zu sagen, dass man nicht weiterkommt – und wenn es durch den Aufschrei der Autorin geschieht: „Ich brauche einen Höhepunkt. Gebt mir einen Höhepunkt!“

Einige Voraussetzungen müssen natürlich gegeben sein. Die Runde sollte nicht mehr als zehn Personen umfassen. Die Teilnehmer sollten einander vertrauen. Niedermachen gilt nicht. Hier werden chaotische Texte vorgestellt, von den Teilnehmern zerlegt, um die brauchbaren Teile zu finden, aus denen ein guter Text entstehen könnte.

Und man sollte sich Zeit lassen. Eine Stunde kann es dauern, vielleicht auch zwei pro Text. Am Anfang ist es für alle mühsam. Bald werden sie feststellen, dass es immer besser klappt, dass den Teilnehmern mehr Fragen einfallen, mehr Anregungen. Dem Autor wird es leichter fallen, zu sortieren: Was übernehme ich? Was passt in die Geschichte, die ich erzählen will? Was ist überhaupt die Geschichte, die ich erzählen will? – oft ist das der schwierigste Teil der Aufgabe.

Darum lohnt sich die gemeinsame Arbeit an Ideen.  Es kommt darauf an, aus der Scheiße des ersten Entwurfs Gold zu gewinnen. Deshalb bin ich ein Fan solcher Gruppen. Deshalb moderiere ich Workshops.

Literatur: Drei Seiten für ein Exposé
Zwölf Dinge, die jeder Autor über Exposés wissen sollte

Workshop: Exposé und Pitch

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Die Geschichte ausgraben

Zwölf Dinge, die jeder Autor über Exposés wissen sollte

Exposés sind das Fegefeuer der Autoren. Sie dienen der Bewerbung bei Literaturagenten und Verlagen. Sie dienen aber auch den Autoren zur Selbstkontrolle. Und aus einem gelungenem Exposé lässt sich ein gelungener Klappentext entwickeln.

Ich habe viele hundert Exposés gelesen und besprochen, zahlreiche Exposé-Workshops geleitet und es gibt zwölf Dinge, die Sie berücksichtigen sollten, wenn Sie ein Exposé schreiben.

1. Was will ich erzählen

Der Autor muss sich entscheiden, was das Zentrum, der Grundkonflikt seiner Geschichte ist. Sonst liest sich das Exposé wie eine Aufzählung aller möglichen Ereignisse, hat keinen roten Faden und ist deshalb schwer, manchmal gar nicht verständlich.

Streichen Sie den zentralen Konflikt heraus und was auf dem Spiel steht.

2. Ohne Hauptfigur, Bösewicht und Konflikt keine Geschichte

Der Leser muss wissen, wer der Held der Geschichte ist und wer sein Gegenspieler. Und natürlich auch, warum beide gegensätzliche Interessen haben, warum der Bösewicht verhindern will, dass die Hauptfigur ihr Ziel erreicht.

3. Nichts ist schlimmer, als ein passiver Held

Wenn ich in einem Exposé lese: »Der Held erfährt …« gehen bei mir – und vermutlich bei allen Lektorinnen und Lektoren – die roten Lichter an. Das klingt, als säße der Held im Sessel und andere würden für ihn handeln und seine Probleme lösen.

Im Exposé soll der Held aktiv sein (und in der Geschichte selbst erst recht!).

4. Wo beginnt die Geschichte, wie endet sie

Schildern Sie nicht langatmig die Vorgeschichte. Der Alltag des Kommissars interessiert den Leser genauso wenig wie die Information, auf welche Schule er gegangen ist.
Was setzt Ihre Geschichte in Gang? Fangen Sie damit an, Name des Helden, Alter, vielleicht noch Beruf, dann lassen Sie es losgehen.

5. Folgen Sie dem Helden

Erzählen Sie die Geschichte im Exposé aus der Sicht des Helden. Damit vermeiden Sie, dass die Geschichte in viele Teilstränge zerfällt (siehe Punkt 1). Der Held ist die wichtigste Figur, er bestimmt die Handlung.

6. Kein Tolstoi, kein George Martin

Tolstoi (Krieg und Frieden) und George Martin (Game of Thrones) haben etwas gemeinsam. Sie haben eine riesige Zahl von Personen in ihren Geschichten. Im Buch ist das okay. Im Exposé ist es verwirrend. Wenn Sie mehr als fünf Personen im Exposé haben, streichen Sie die, die am wenigsten zur Geschichte beitragen. Das macht es nicht nur übersichtlicher, sondern auch kürzer.

7. Show, don`t tell

Auch Exposés sollten anschaulich sein, im Kopf des Lesers Bilder wecken. Selbst wenn es »nur« an Agenten und Lektoren geht. Denn auch die schlussfolgern: Wenn der Text bei mir keine Bilder weckt, dann auch nicht bei anderen Lesern. Und dann ist es nicht verkäuflich. »Ein furchtbares Familiengeheimnis kommt zu Tage« ist ebenso nichtssagend wie ausgelutscht. »Die Heldin findet heraus, dass ihr Freund ihre Tochter mißbraucht«, ist wirkungsvoller. Und bitte: Lassen Sie die Heldin das nicht erfahren, sondern aktiv herausfinden.

8. Exposés benötigen Atmosphäre

Ihre Geschichte hat eine eigene Atmosphäre, einen eigenen Stil. Der sollte sich auch im Exposé spiegeln. Wenn Sie witzig-absurd schreiben, sollte das Exposé das deutlich machen. Ist ihre Geschichte atemlose Action, sollte das im Exposé erscheinen. Eine poetische Liebesgeschichte nüchtern und hard-boiled zu beschreiben, ist keine gute Idee.

9. Exposés sind keine Nacherzählung

Ein Exposé soll dazu verführen, die Geschichte zu lesen. Dem Agenten sagen: Die Geschichte werden viele Leser lesen wollen. Also keine Nacherzählung wie in der Schule. Streichen Sie das Besondere heraus, das, was Ihre Leserinnen faszinieren wird.

10. Das Exposés ist ein Härtetest ihrer Geschichte

Verlage verlangen Exposés nicht, weil sie gerne Autoren quälen. Sondern weil sich einem Exposé so viel über die Geschichte entnehmen lässt. Wenn die Heldin in der Geschichte »etwas erfährt«, statt es herauszufinden, liegt die Vermutung nahe, dass sie auch im Manuskript passiv bleibt. Wenn Sie also in Ihrem Exposé ein Problem entdecken, prüfen Sie nach, ob es vielleicht ein Problem Ihrer Geschichte ist. Das Exposé ist der Crashtest Ihrer Geschichte. Deshalb lohnt es sich auch für Selfpublisher, eins zu schreiben.

11. Der Weg zum guten Exposé ist mit unzähligen schlechten gepflastert

Niemand kann auf Anhieb ein tolles Exposé schreiben. Auch das erfordert Übung. Also werfen Sie die Tastatur nicht ins Korn, wenn die erste Fassung grauslich ist. Wer sich nicht erlaubt, schlechte Texte zu schreiben, wird nie richtig gute schaffen. Das gilt auch für Exposés.

12. Klappentexte sind Kurzexposés

Alles, was Sie hier lesen, gilt auch für Klappentexte. Nur dass der Klappentext nicht den Schluss der Geschichte verrät und auch nicht, wie sie verläuft. Er schildert nur den Helden, sein Problem und was die Geschichte in Gang setzt.

Was außer dem Exposé in eine Verlagsbewerbung gehört, verrate ich Ihnen hier.

Literatur: Drei Seiten für ein Exposé
Die Geschichte ausgraben: Plots und Exposés entwickeln

Workshop: Exposé und Pitch

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Zwölf Dinge, die jeder Autor über Exposés wissen sollte

Es ist gar nicht so leicht, einen Klappentext zu verfassen

Interview mit Madeleine Puljic, Gewinnerin des Deutschen Selfpublishing-Preises

Obwohl Madeleine Puljic bereits als Kind mit dem Schreiben begonnen hat, hat das Hobby lange Jahre brachgelegen. Erst durch diverse Kurzgeschichten-Wettbewerbe wurde die Neigung zum Schreiben erneut geweckt.

Seit 2013 veröffentlicht sie ihre Bücher als Selfpublisher und schreibt außerdem für Perry Rhodan NEO sowie für John Sinclair und Maddrax.

Und im Herbst 2017 gewann sie den ersten Deutschen Selfpublishing-Preis für ihr Werk »Noras Welten«.

 

Hans Peter Roentgen: Was sollte deiner Meinung nach ein Klappentext leisten?

Madeleine Puljic: Ein Klappentext sollte einen Eindruck von dem vermitteln, was das Buch zu bieten hat, sowohl inhaltlich als auch, was die Stimmung beziehungsweise den Sprachstil angeht. Vor allem sollte er aber neugierig machen, mir also einen Grund liefern, weshalb ich dieses Buch und kein anderes lesen sollte.

 

HPR: Du hast zahlreiche Bücher veröffentlicht. Wie sind die Klappentexte dazu entstanden? Hast du sie selbst entworfen, hast du andere beauftragt, oder wurden sie vom Verlag geschrieben?

MP: Bei den Heftromanen übernimmt das zum Glück der Verlag. Für meine eigenen Bücher habe ich die Klappentexte selbst verfasst, oft mit viel Schweiß und Tränen. Es ist gar nicht so leicht, einen Text zu verfassen, der spannend klingt, die wichtigsten Themen des Buches aufgreift, aber keine Überraschungen verdirbt. »Unerklärliche Dinge geschehen« ist mir beispielsweise zu unspezifisch, da muss es schon ein bisschen genauer werden.

Ich versuche deshalb meist, dem eigentlichen Thema des Buches auf den Grund zu gehen. Entweder, indem ich das Thema möglichst treffend in einem Satz ausdrücke, dann in drei und so weiter, bis ich einen Text habe – oder ich schreibe einen langen Text und streiche so lange weg, bis nur noch die »coolen« Sachen übrig bleiben.

 

HPR: Was muss deiner Meinung nach ein Klappentext auf jeden Fall enthalten? Welche Informationen gehören hinein, welche nicht?

MP: Ich wüsste jetzt nichts zu benennen, was unbedingt in einen Klappentext hinein muss. Bei Sachbüchern natürlich das Thema, auch die Qualifikation des Autors wäre spannend und welchen Ansatz das Buch verfolgt, auch verglichen mit anderen Werken zum selben Thema.

Bei einem Roman wird das schon schwieriger: Zumindest den Hauptcharakter möchte ich vorgestellt bekommen und das Problem, das die Geschichte behandelt, damit ich weiß, worauf ich mich einlasse. Worum geht es, und warum soll mich das interessieren? Wie viele lustige Nebencharaktere es dann noch gibt, interessiert mich erst mal nicht.

Auch Pressestimmen und Blurps sind nur interessant, sofern sie einen Mehrwert bringen. »Das ist ein tolles Buch«, kann ich glauben oder auch nicht, interessant wird es dadurch auf jeden Fall nicht.

 

HPR: Wie viel vom Buch darf ein Klappentext verraten?

MP: Schwierig. Pi mal Daumen würde ich sagen: Was im ersten Drittel des Buches steht, darf in den Klappentext, beziehungsweise alles bis zum ersten »Plotpoint«: dem Punkt, an dem das Ziel der Handlung klar wird und der spannende Teil dahinter beginnt.

Ein klares No-Go ist für mich das Verraten von handlungsrelevanten Details, die sich erst ab der zweiten Hälfte des Romans abspielen. Das kenne ich leider immer wieder vor allem von Krimis und Thrillern – also gerade bei den Genres, wo es dem Leser den meisten Lesespaß verderben kann.

 

HPR: Wie lang sollte ein Klappentext sein?

MP: Bei mir bestehen Klappentexte in der Regel aus zwei Absätzen und einem kleinen Teaser darüber, damit lande ich meistens bei rund 500 Anschlägen inklusive Leerzeichen. Darin kann man alles Wichtige verpacken, es füllt den Buchrücken zur Hälfte aus, so dass noch Platz für alles andere bleibt, und fordert nicht zu viel Aufmerksamkeit.

Wenn der Klappentext zu lange oder der Anfang nicht spannend ist, wird der potentielle Leser schnell abbrechen. Ist der Text zu kurz, bekommt der Leser keinen richtigen Einblick und damit meist auch keinen Kaufanreiz geboten.

 

HPR: Wenn im Klappentext eine Vita der Autorin, des Autors steht, was gehört da hinein? Und was auf keinen Fall?

MP: Ich würde sagen, dasselbe, was man auch an anderer Stelle in eine Kurzvita des Autors schreiben würde. Interessant finde ich immer Alter und Herkunft, weil es mich den Autor schon vorab einschätzen lässt und eine menschliche Nähe herstellt. Gerne auch den beruflichen Werdegang. Dann natürlich Auszeichnungen und, falls vorhanden, die fachliche Kompetenz in dem Thema, das in dem Buch behandelt wird.

 

HPR: Autorenfoto auf den Klappentext, ja oder nein?

MP: Ich persönlich sehe mir die Fotos sehr gerne an. Auch hier schafft es einen Bezug zum Autor, er wird einfach greifbarer und dadurch glaubhafter. Das Foto und die Vita bevorzuge ich allerdings eher im Buch oder in den eingeklappten Teilen des Umschlags, wenn vorhanden – und nicht auf der Buchrückseite.

 

HPR: Manche Klappentexte enthalten Zitate aus dem Buch. Was hältst du davon?

MP: Falls sie passend gewählt sind und nicht zu viel verraten, lese ich sie sehr gerne. Gerade wenn der Klappentext nicht vom Autor selbst verfasst wurde, finde ich das eine gute Methode, um ein Gefühl vom »Ton« des Buchs zu geben.

 

HPR: Der erste Satz sei entscheidend, ob ein Leser weiterliest, heißt es oft. Stimmt das? Falls ja, wie sollte der erste Satz eines Klappentextes aufgebaut sein, was sollte er enthalten?

MP: Stimmt. Ich verwende dafür gern eine Kombination aus etwas Genretypischem mit einem Hä?-Effekt – nämlich genau jener Sache, die den Leser fesseln soll, sei es ein Charakter, das Setting oder einfach die Umstände, unter denen die Handlung stattfindet. Das sichert einem die Aufmerksamkeit der Leser, so dass auch der Rest des Klappentextes – und dann auch das Buch – gelesen wird.

 

HPR: Wenn du Klappentext und Pitch vergleichst, was ist der Unterschied? Oder sollte der Klappentext ein Pitch sein?

MP: Der Pitch ist meistens kürzer als der Klappentext und kann durchaus das Ende des Buches verraten. Immerhin soll der Pitch das Buch nicht einem Leser Lust aufs Lesen machen, sondern einem Verlag oder einer Agentur zeigen, was das Besondere an dem Buch ist. Das kann natürlich durchaus im Ende liegen.

Ich würde also sagen: Der Klappentext verkauft die Geschichte, der Pitch die Idee, die dahintersteckt.

 

HPR: Gibt es einen Klappentext, der dich besonders begeistert hat, der dazu führte, dass du ein Buch gelesen hast, das du sonst nicht gelesen hättest?

MP: Spontan fällt mir dazu »Eene Meene – Einer lebt, einer stirbt« von M. J. Arlidge ein. Der Klappentext ist ebenso zwiespältig wie die Situation, in die der Leser sich versetzen soll. Mit wenigen Sätzen wird eine derartige Spannung aufgebaut, dass man gar nicht anders kann, als gleich weiterzulesen. Ich mag moralische Dilemmas.

 

HPR: Früher haben sich Bücher nur im stationären Buchhandel als Print verkauft. Heute gibt es Online-Buchhändler und E-Books. Haben sich dadurch die Anforderungen an Klappentexte verändert?

MP: Bisher habe ich keine Unterschiede in der Erstellung der Klappentexte festgestellt, außer natürlich, dass die Konkurrenz über den Onlinehandel deutlich größer ist. Im Buchladen liegt nur eine begrenzte Auswahl auf dem Tisch, während sich ein Buch im Onlinehandel von allen Produkten abheben muss, auch von Büchern, die nicht mehr im Laden aufliegen oder nur online erhältlich sind.

Da ist es umso wichtiger, den Klappentext ansprechend zu formulieren und (bei Print-Büchern) auch zu gestalten. Die Lesbarkeit muss nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch gegeben sein, immerhin wird auch meistens ein Bild der Buchrückseite abgebildet.

Die größere Konkurrenz gibt einem aber auch die Gelegenheit, ein breites Spektrum zu vergleichen und zu sehen, welche Art von Klappentexten im jeweiligen Genre gut ankommt – und welche Floskeln man besser vermeiden sollte, weil sie bereits hundertfach existieren.

 

HPR: Vielen Dank für das Interview.

 

Madeleine Puljics Homepage findet sich hier.

Das Interview ist ein Vorabdruck aus meinem neuen Buch „Klappentext, Pitch und anderes Getier“ und erschien erstmalig in der November Ausgabe des Autorennewsletter tempest.

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Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

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Es ist gar nicht so leicht, einen Klappentext zu verfassen