Nie mehr Buchhandel?

Manchmal kann ich mich nur noch wundern. Greifen jetzt Buchhändler zu Mafia-Methoden?

Vor drei Jahren habe ich mit Elke Pistor und Nina George  zusammen die Unterschriftenliste gegen Amazons Erpressung initiiert. Amazon hatte die „Gefällt auch“ Rubriken manipuliert, Autoren und Bücher ausgelistet, um Verlage unter Druck zu setzen. Ihnen quasi Rabatt-Angebote unterbreitet, die sie nicht ablehnen konnten, so nennt man das glaube ich bei der Mafia. Die Liste wurde von mehreren tausend Autoren unterschrieben und wir haben, so hoffe ich, Amazon soviel Ärger gemacht, dass es sich in Zukunft überlegen wird, Rabattschlachten auf dem Rücken der Autorinnen und Autoren auszutragen.

Und jetzt hat Marah Woolf einen Blog geschrieben. Aufgrund eines Briefes einer Buchhändlerin, die bat, Marah Woolf möge doch in der Werbung zu einem Buch nicht auf Amazon verweisen, sondern auf den Verlag verlinken. Etwas seltsam, gewiss, denn das Buch war ein Ebook und hatte keinen Verlag. Wie jeder weiß, ist Marah Woolf eine der erfolgreichsten Selfpublisherinnen. Soweit so gut.

Marah hat die Dame darauf hingewiesen, dass es den Verlagslink mangels Verlag nicht geben kann. Und dazu einige Überlegungen zum Buchmarkt angefügt, immerhin hat der in letzter Zeit nicht nur Käufer, sondern vor allem Leser verloren. Mehrere Millionen, die nicht vom Buchhandel zu Amazon gegangen sind, sondern gleich ganz wegblieben vom Lesen. Ein sachlicher Beitrag, über die einzelnen Teile kann man unterschiedlicher Meinung sein. Waren natürlich auch einige Kommentatoren.

Andere aus der Buchhandlungsbranche waren es leider nicht. Sachlich, meine ich. Wer nicht genau die gleiche Meinung hat, ist ein Verräterl Eben die üblichen Trolle. Wozu nach Argumenten suchen, wenn es persönliche Beschimpfungen auch tun?

Hier eine kleine Auswahl:
„Wie armselig sie doch sind.“
„niedere Autorin“
“ Marah Woolf geht es nur ums Geld“
„wer sich als Autorin so zum deutschen Buchhandel outet, hat meiner Meinung nach keinerlei Ehre verdient.“
„Das ist einfach nur ekelhaft was diese Frau von sich gibt“

Natürlich durften Drohungen nicht fehlen.
„Es tut mir nun für den Verlag leid, dass dessen Absätze schwinden werden“
„Wirklich schade, dass der Verlag dieses unprofessionelle Verhalten ausbaden muss. “
„werde ich mir künftig auch die Mara Wolf Bücher nicht mehr hinlegen“
„Mainstreamscheisse“

„ich werde keins deiner Bücher weder lesen, noch an Freunde weiterempfehlen“

 

Klare Ansage an alle Autoren: Ein falsches Wort und du fliegst hier aus dem Laden. Sagte ich vorhin etwas über Mafia?

Und mancher gab sich alle Mühe, seine Unkenntniss des Buchmarkts öffentlich zur Schau zu stellen. Da wurde allen Ernstes behauptet, der Buchhandel hätte Marah Woolf bekannt gemacht. Für viele Autoren stimmt das. Marah Woolf jedoch und viele andere wurden als Selfpublisher durch Amazon bekannt. Jeder weiß das, der sich im Buchmarkt auch nur ein kleines bißchen auskennt. Notfalls kann einem Google das sagen, dauert keine Minute. Amazon hat da eine Marktnische entdeckt und dort jetzt ein Fast-Monopol. Leider.

Marah Woolf hat Glück. Sie ist nicht auf den Buchhandel angewiesen. Sie war sogar eine der ersten, die ihre Bücher als Print herausgebracht hat und damit dem Buchhandel Verkäufe ermöglichte. Ist das jetzt vorbei? Muss man erfolgreichen Selfpublishern raten, veröffentlicht ja nicht bei Verlagen, dann seid ihr vom Buchhandel abhängig? Offenbar gibt es viele Buchhändler, die Selfpublisher, nun ja, nicht gerade hassen. Aber verkaufen? Dann doch lieber die grauen Schatten. Selfpublisher kommen schließlich von Amazon (von wo sonst?).

Wäre natürlich Unsinn. Schließlich weiß ich, dass es überall Trolle gibt und überall Leute, die auf jeden losgehen, der auch nur einen Millimeter vom rechten Meinungspfad abweicht  Wer weiß, vielleicht sind es bezahlte Agent Provocateurs von Amazon?Wer solche „Freunde“ hat, wie die genannten, braucht wahrhaftig keine Feinde mehr.

Zum Glück gibt es die anderen, die vielen Buchhändler, die sich (anders als die Trolle) tatsächlich auskennen, sachlich argumentieren und gute Arbeit leisten.

Außerdem ist Amazon vielleicht nicht der Teufel, aber ganz sicher kein Engel.  Die diversen Bestrebungen der Firma aus Seattle, ein Monopol zu errichten,  beobachte ich mit Sorge und habe schon öfters in Diskussionen im Fairen Buchmarkt darauf hingewiesen. Von oben genannter Unterschriftenaktion ganz zu schweigen.

Dabei wäre der Buchmarkt ohne Amazon auch nicht sicherer für Buchhändler. Ich erinnere nur an die Thalia Aktionen, als die den Markt beherrscht haben. Und ohne Amazon wäre der Buchmarkt heute auch sehr viel einförmiger. Ja, ich weiß, viele werden da widersprechen, aber ich kenne viel zu viele Autorinnen und Autoren, gute wohlgemerkt, die die Leser sonst nie zu Gesicht bekommen hätten.

Um nochmals auf Marahs Blog zurückzukommen. Ja, der Buchmarkt hat Millionen Leser verloren. Aber daran ist ausnahmsweise nicht Amazon schuld, die Gesamtzahl der Leser ist nämlich zurückgegangen. Und das bedroht uns alle. Also, liebe Buchhändler, sachlich bleiben. Wir sitzen im selben Boot.

Ihr Hans Peter Roentgen

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Nie mehr Buchhandel?

Kein Geld fürs Lektorat? 10 Lösungen

Immer wieder klagen Selfpublisher: »Ich habe kein Geld fürs Lektorat, will aber eine Geschichte veröffentlichen. Was tun?«

Natürlich gibt es die Standardantwort: Eine verkäufliche Geschichte ist eine gut lektorierte Geschichte. Ein Text voller Rechtschreibfehler, Stilblüten und ohne Spannung erntet böse Rezensionen. Nicht falsch, aber greift etwas zu kurz.

Für den Bolzplatz braucht man keinen Trainer, für die Bundesliga schon.

Will sagen: Erfolgreiche Selfpublisher (und erfolgreiche Verlagsautoren) haben Lektoren, so wie Bundesligaspieler Trainer haben. Sie trainieren jeden Tag, verdienen Geld, aber stehen unter Druck und müssen liefern.

Wer auf dem Bolzplatz spielt, braucht keinen Trainer. Spielen macht Spaß, schreiben auch und wenn jemand zuschaut oder den Text liest, gut. Niemand erwartet von dem Bolzplatz die Qualität der Bundesliga. Niemand zahlt dafür die Preise der Profiligen. Sicher, auch in Bundesligaspielen gibt es Fehlpässe, so wie es in Verlagsbüchern Druckfehler gibt. Nur eben sehr viel weniger.

Wer weiterkommen will, muss trainieren

Das gilt für den Bolzplatz wie für das Schreiben. Von nichts kommt nichts und der Weg zum Bestsellerautor ist steinig, egal, ob er über den Verlag führt oder über das Selfpubishing. Training ist im Anfang fast wichtiger als Lektorat. Obwohl ein gutes Lektorat immer auch Training ist.

»Man braucht viele Jahre, um über Nacht berühmt zu werden«, sagte die Bestsellerautorin Nina George. Alle erfolgreichen Autorinnen (und auch die Autoren), die ich kenne – und mittlerweile kenne ich viele – haben einen langen Weg hinter sich. Auch J.K. Rowlings hat nicht eines Tages beschlossen: »Ich werde Schriftstellerin« und am nächsten Tag hatte sie mit Harry Potter Erfolg.

Jeder lange Weg beginnt mit einem kleinen Schritt

Eigentlich banal, wird aber immer wieder angezweifelt. Autoren beschweren sich, dass niemand ihre selbstverlegten Werke liest, fragen: »Was für geheime Marketingstricks gibt es, die mein Werk vom Flop zum Bestseller katapultieren?«.

Schaue ich mir die entsprechenden Bücher an, reicht oft schon der Blick auf das Cover und die erste Seite, um zu antworten: »Du stellst die falsche Frage. Trainiere erst mal deine Schreibmuskeln, dein Gespür für Text und Spannung, und, ach ja, deine Pässe sollten auch öfter im Ziel statt haarscharf daneben liegen. Dein Text hat nicht (noch nicht!) das Zeug zum Bestseller«.

Workshops sind das kleine Lektorat

Ich bin ein Fan der Workshops. Schaut euch die Angebote der Bundesakademie an, dort könnt ihr unter Anleitung erfahrener Autorinnen und Lektoren eure ersten Seiten besprechen und eure Plots und Exposés. Gibt auch viele Angebote anderer Institutionen, hier eine Liste:

https://hproentgen.wordpress.com/2016/10/27/workshops-und-seminare-fuer-autoren/

Die Kosten sind übersichtlicher als ein Komplettlektorat und man lernt eine Menge aus den Fehlern anderer. Mit etwas Glück findet man Gleichgesinnte, die ebenfalls vom Bolzplatz weg wollen und in den professionellen Buchmarkt streben. Warum keine Arbeitsgruppe mit ihnen bilden?

Man muss nicht gleich ein ganzes Schwein kaufen, wenn ein Schnitzel reicht.

Ein gewerbsmäßiger Koch investiert, weiß, dass er entsprechen Ausrüstung braucht und große Mengen kaufen muss. Wer noch am Anfang steht, kommt erst mal mit dem Backofen aus.

Man kann die ersten Seiten einem Lektor geben. Oder das Exposé, die Beschreibung des Plots. Gute Lektorinnen und Lektoren erkennen, wo der Autor steht. Was gut ist und wo nachgebessert werden sollte. Probleme auf den ersten Seiten setzen sich in aller Regel im ganzen Text fort. Der Autor erhält eine Rückmeldung, wo er überarbeiten sollte und die Kosten halten sich in Grenzen.

Computer helfen

Mittlerweile gibt es eine Menge Computerprogramme, die Autorinnen und Autoren helfen. Papyrus zum Beispiel erkennt mit seinem Duden Korrektor erstaunlich viele Rechtschreibfehler. Es kann Wiederholungen markieren, Füllwörter, die Lesbarkeit analysieren, bietet Personendatenbanken, damit der Held nicht mit blauen Augen einschläft und mit braunen aufwacht. Übersichten darüber, wer wann wo auftaucht und manches mehr hilft auf den ersten Schritten vom Bolzplatz zum Profi.

Auch eine Menge anderer Programme sind hilfreich.

Was man nicht unterschätzen sollte: den Lerneffekt. Die Aufmerksamkeit für Füllwörter wird geschärft, man lernt, dass Nebensätze, die mit Komma beginnen, auch mit Komma abgeschlossen werden sollten und vieles mehr. Welche Füllwörter lieben sie? Das Programm nennt sie Ihnen und im Laufe der Zeit werden Sie immer weniger unnütze Füllwörter benutzen, werden erkennen, dass Wortwiederholungen oft ein Zeichen dafür sind, dass Sie das Gleiche nochmal geschrieben haben und es streichen können.

Gute Testleser sind Gold wert

Suchen Sie sich Testleser. Tun Sie sich mit anderen Autoren zusammen. Den Splitter im Auge des Anderen sieht man leichter als den Balken im Eigenen.

Erfolgreiche Autoren wissen das. Nobody is perfect, aber im Team kommt man der Perfektion näher.

Wann braucht man was?

Ein Facebook-Post erfordert kein Lektorat. Ein Liebesroman weniger Stillektorat als ein hochliterarisches Werk. Wer seine Lebensgeschichte für seine Enkel aufschreibt, muss keine perfekt sitzende Dramaturgie haben.

Aber alles muss passen. Wer denkt, dass Korrektorat oder Stil-Lektorat auf dem professionellen Markt reichen, der irrt.

Immer wieder höre ich: Die Leser merken es doch nicht, ist doch egal, auch Verlagsbücher sind schlecht. Sicher, auch Verlagsbücher sind schlecht. Vor allem die Verlagsflops.

Schauen Sie sich erfolgreiche Bücher von Selfpublishern und Verlagen an. Auch die haben Dreckfuhler. Allerdings einen auf fünf Seiten, nicht fünf im ersten Absatz. Sie mögen nicht literarischen Ansprüchen genügen, das Feuilleton ist entsetzt über den Schund. Doch wenn Sie sich die Bücher genau ansehen, werden sie feststellen: Das, was in dem Genre wichtig ist, stimmt.

Die fünfzig grauen Schatten werden mit herabgezogenem Mundwinkel erwähnt, da sieht man ja …

Ich habe die ersten Seiten gelesen. Und gesehen, dass sie zwar nicht nobelpreisverdächtig sind, aber weitaus besser als das Gros der Selfpublisherbücher (und vieler Verlagsbücher). In dem Buch »der Bestsellercode« wird der Plot analysiert und gezeigt, warum er funktioniert. Lesen Sie das. Andere Bücher herabzuwürdigen ist eine Lieblingsbeschäftigung erfolgloser Autoren. Es erleichtert so. Ich muss mich nicht anstrengen, X ist ja auch schlecht.

Der schöne Schein genügt nicht

Würden Sie ein Auto kaufen, das aussieht wie eine Rostlaube? Vermutlich nicht. Das ist oft das Argument, dass Rechtschreibung und Stil das Wichtigste sei.

Würden Sie ein Auto kaufen, dessen Motor nur stotternd anspringt, das empört aufstöhnt, wenn Sie es über 30 Km/h beschleunigen wollen, dessen Räder keinen Achter, sondern einen Sechzehner haben und dessen Scheibenwischer dunkle Schlieren auf die Scheiben wischen? Dessen Lack aber wunderbar glänzt?

Eher nicht. Alles muss passen.

Nicht anders bei Büchern. Wenn die Dramaturgie nicht stimmt, nützt die beste Rechtschreibung nichts, wenn der Stil rumpelt und klackert und jedes Stilgefühl vermissen lässt, dann ist eine fehlerlose Grammatik auch für die Katz.

Wenn Sie soweit sind, dass die Bundesliga winkt, dann brauchen Sie das Lektorat, wie Profifußballer einen Trainer brauchen. Und nicht nur für Stil und Rechtschreibung. Bis es soweit ist, gibt es viele andere Möglichkeiten. Doch denken Sie daran: So gut wie alle Bestsellerautoren haben Lektorinnen oder Lektoren. Sie haben ihre Gründe.

Ein zweiwöchiger Skiurlaub ist heute auch nicht billig. Von den Kosten eines Autos will ich gar nicht nochmal reden.

So, jetzt gehen Sie an die Arbeit. Geben Sie Ihr Bestes. Sie können es schaffen. Aber Sie müssen es wollen.

Herzliche Grüße und viel Erfolg wünscht

Hans Peter Roentgen

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Regiokrimis – der Untergang des Abendlandes?

Wieder einmal steht er vor der Tür. Der Untergang der Literatur. Diesmal in Form von Regiokrimis, das böse R-Wort, das so gar nicht PC ist. Und Literaturredakteure warnen.

Literaturkritiker sind konservativ. Ultrakonservativ. Was der Kritiker nicht kennt, das liest er nicht. Und natürlich liest er keine Regiokrimis. Denn die sind die Bad Banks des Buchmarktes.  Erinnern Sie sich? Die Bad Banks haben die die Bankenkrise verursacht. Und die Regiokrimis? Sind der Grund für die Literaturkrise. Der Untergang der Literatur ist gewiss, gebietet man ihnen nicht Einhalt.

Und wieder lese ich, was schon gegen Fantasy, gegen Märchen, gegen Genrebücher von Kulturredakteuren ins Feld geführt wurde.

Okay, viele Regiokrimis nutzen Klischees. Aber auf der nach oben offenen Klischeeskala kann die Empörung gestandener Kritiker die Regiokrimis locker toppen.

Wissen Sie was?

Keiner dieser Literaten konnte mir bisher beantworten, warum der Regiokrimi so furchtbar, furchtbar gefährlich ist.

Verlage lieben es, Regiokrimis auf ihre Romane zu stempeln. Egal ob es um Serienmörder geht, um Landhauskrimis, in denen nette Leute andere nette Leute umbringen oder um den hardboiled Ermittler, der durch Posemuckel statt durch Los Angeles streift. Regiokrimis sind Nischenbelletristik. In Potsdam findet man keine über Freiburg und in Freiburg keine, die in Rostock spielen.

Ginge es nach den Redakteuren, dürfte ich nur die „seriösen“, die „literarischen“ Krimis lesen. Die von Friedrich Ani, Oliver Bottini oder Simone Buchholz. Ich gestehe, ich lese gerne Friedrich Ani, aber auch Sebastian Fitzek. Damit bin ich bei Literaten untendurch. Mich nehmen sie nicht mehr ernst.

Ein Blick in die Geschichte verrät, welche Autoren und Genres angeblich alle schon die seriöse Literatur gefährdet haben:

– Dashiell Hammett, Raymond Chandler und Krimis allgemein in den Fünfzigern

– Comics in den Sechzigern

– Michael Ende und Märchen in den Siebzigern

– Stephen King und Horror in den Achtzigern

– Harry Potter und die Fantasy zu Beginn des Jahrtausends

Allen wurde das Gleiche vorgeworfen: Eskapismus, fehlender Gesellschaftsbezug, nur aus Geldgier schnell heruntergeschrieben …

Nun ja: Ist der Ruf erst ruiniert, liest sich’s gänzlich ungeniert. Abwechslungsreiches Essen soll am gesündesten sein. Abwechslungsreiches Lesen ist es auch, finde ich.

Ich habe sogar Westernhefte gelesen. Damals lag meine Mutter im Sterben und in ihrem Heim gab es diese Hefte. Wenn die Realität genügend Probleme bietet, kann Eskapismus das Leben sehr, sehr erleichtern. Der Wilde Westen mit seinen Pistoleros, Siedlern und Indianern hat mich für kurze Zeit aus meinen Sorgen gerissen. Ich werde nie wieder ein böses Wort über Groschenhefte sagen.

„Das ist doch alles dasselbe“, lautet eines der beliebtesten Vorurteile über all diese bösen Hefte. Ja, es gab Hefte, die ich nach wenigen Seiten wieder weglegen musste. Da waren langweilige Cowboys drin, die langweilige Konflikte mit anderen langweiligen Cowboys ausfochten. Geschichten so vorhersehbar wie Nebel im November.

Und dann gab es die anderen, deren Autoren mich begeistert haben. Weil sie ihre Konflikte aus der Zeit und den Personen entwickelten.

Auch unter den Regiokrimis gibt es genügend schlecht geschriebene. Darunter welche, in denen die Straßennamen das einzig Regionale sind. So mancher Autor möchte Hannibal Lecter in Hintertupfingen wiederauferstehen lassen. Aber vergisst, dass es nicht die brutalen Morde waren, die Das Schweigen der Lämmer weltberühmt machten. Sondern die faszinierende Figur Hannibal „The Cannibal“.

Sagen Sie niemals einem Literaten, sein Buch sei ein Regiokrimi. Sie erhalten sofort eine vehemente Gegendarstellung des Autors. Kein Witz, ist mir tatsächlich passiert. Von einem erfolgreichen, angesehenem Autor, bei dem man eigentlich vermuten könnte, dass er wichtigeres zu tun hätte.

Kennen Sie die Ems? Nein? Dann sollten Sie den Regiokrimi Emsgrab  lesen. Nein, er ist nicht literarisch wertvoll, auch die Sprache wird seinem Autor keinen Preis einbringen. Aber er bettet seine Handlung in die Region ein. Die Ems wird nämlich ständig ausgebaggert. Weil dort riesige Kreuzfahrtschiffe fahren sollen.

Wollen Sie wissen, was es heißt, wenn man einen kleinen Fluss ständig ausbaggert? Emsgrab verrät es. Ein Beispiel für einen Regiokrimi, der keine literarischen Meriten hat, aber im Gedächtnis bleibt. Weil er eine Geschichte erzählt, die so, mit allen regionalen Problemen, nur an diesem Ort spielen kann.

Ähnlich Simone Buchholz. Erst hat sie bei Droemer Knaur veröffentlicht. Knaur hat Revolverheld mit Ein Hamburg Krimi untertitelt. Die nächsten Krimis bekamen dieses Label ebenfalls. Damit waren sie Regio und pfui.

Dann ist die Autorin mit der gleichen Ermittlerin und Blaue Nacht zu Suhrkamp gegangen. Suhrkamp ist Literatur, kann natürlich keine Regiokrimis veröffentlichen. Der Aufdruck Hamburg Krimi verschwand. Und siehe da, der Krimi wurde ernst genommen, konnte sogar ganz oben auf der Krimibestenliste erscheinen.

Waren die Hamburg-Krimis davor wirklich so schlecht? Ach was, damit hat die Autorin sich ihren Namen auf dem Buchmarkt erschrieben. Chandler und Hammett haben in Groschenheften ihr Handwerk gelernt. Wir brauchen die „bösen Bücher“. So, wie die Bundesliga die Kreisliga braucht.

Ach ja, an Auschwitz sind die Regios auch irgendwie beteiligt. Mancher scheut vor keinem Klischee zurück, wenn es darum geht, die Fahne der wahren Literatur hochzuhalten.

Die Liste der Vorwürfe umfasst noch viele weitere. Ich weiß nicht, woher diese Verbissenheit der Redakteure kommt. Ist das so was wie der Markenhype bei Jugendlichen? Es muss unbedingt Nike sein? Weil es nur um die Marke geht, nur darum, intelligent und gebildet zu erscheinen?

Das absurdeste Beispiel lieferte eine Kulturredakteurin, die Blaue Nacht besprechen musste. Und ein großes Problem hatte. Sie fand das Buch gut. Aber hatte die Autorin nicht Regiokrimis veröffentlicht? Dann kann sie nicht gut sein.
Wer suchet, der findet, wusste schon die Bibel. Die Redakteurin fand dann auch eine Lösung für den furchtbaren Konflikt. Und die ging so.

  1. Blaue Nacht ist ein gutes Buch
  2. Regiokrimis sind schlechte Bücher

Also schloss sie messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf und folglich Blaue Nacht kein Regiokrimi ist, denn es ist ja gut. In der Logik nennt man sowas einen Zirkelschluss, beliebt bei Leuten, denen die Argumente ausgegangen sind.

Trash und Hochliteratur haben sich immer gegenseitig befruchtet. Ohne den Literaten James Joyce sähe die Unterhaltungsliteratur heute anders aus und die Black Mask Hefte  und BatmanComics haben die Hochliteratur genauso verändert.

Die Klischees über Regiokrimis helfen niemandem. Sie sind so inhaltsleer wie die Spammails, die mir einen größeren Penis und Millionengewinne versprechen. Seit fünfzehn Jahren bedrohen die Regiokrimis die Krimiliteratur, seit noch mehr Jahren prophezeien Literaturredakteure den Untergang des Abendlandes durch Schmutz und Schund.

Also, liebe Redakteure, kriegt euch wieder ein: Beurteilt Bücher nicht danach, was der Verlag auf das Cover gedruckt hat und zu welchem Genre sie gehören. »You Can’t Judge a Book By the Cover«, sang Bo Didley 1962. Der Satz ist immer noch richtig.

 aus der Federwelt Dezember 2017

Links:

 _gohlis_ueber_regionalkrimis.625436.html

http://www.leda-verlag.de/resources/Herbst2013.pdf

www.boersenblatt.net/artikel-deutscher_krimi_preis_2017.1279090.html

http://krimiblog.blogspot.de/2016/06/die-telefonische-mordsberatung-der.html

www.culturmag.de/crimemag/markt-und-totschlag-2

www.culturmag.de/crimemag/markt-totschlag-der-regionalkrimi-continued/21907

www.tagesspiegel.de/kultur/regionalkrimis-jedem-kaff-sein-krimi/14470162.html

www.zeit.de/1963/33/kriminalroman-gestern-und-heute/komplettansicht

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Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

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Regiokrimis – der Untergang des Abendlandes?

Zwölf Dinge, die jeder Autor über Exposés wissen sollte

Exposés sind das Fegefeuer der Autoren. Sie dienen der Bewerbung bei Literaturagenten und Verlagen. Sie dienen aber auch den Autoren zur Selbstkontrolle. Und aus einem gelungenem Exposé lässt sich ein gelungener Klappentext entwickeln.

Ich habe viele hundert Exposés gelesen und besprochen, zahlreiche Exposé-Workshops geleitet und es gibt zwölf Dinge, die Sie berücksichtigen sollten, wenn Sie ein Exposé schreiben.

1. Was will ich erzählen

Der Autor muss sich entscheiden, was das Zentrum, der Grundkonflikt seiner Geschichte ist. Sonst liest sich das Exposé wie eine Aufzählung aller möglichen Ereignisse, hat keinen roten Faden und ist deshalb schwer, manchmal gar nicht verständlich.

Streichen Sie den zentralen Konflikt heraus und was auf dem Spiel steht.

2. Ohne Hauptfigur, Bösewicht und Konflikt keine Geschichte

Der Leser muss wissen, wer der Held der Geschichte ist und wer sein Gegenspieler. Und natürlich auch, warum beide gegensätzliche Interessen haben, warum der Bösewicht verhindern will, dass die Hauptfigur ihr Ziel erreicht.

3. Nichts ist schlimmer, als ein passiver Held

Wenn ich in einem Exposé lese: »Der Held erfährt …« gehen bei mir – und vermutlich bei allen Lektorinnen und Lektoren – die roten Lichter an. Das klingt, als säße der Held im Sessel und andere würden für ihn handeln und seine Probleme lösen.

Im Exposé soll der Held aktiv sein (und in der Geschichte selbst erst recht!).

4. Wo beginnt die Geschichte, wie endet sie

Schildern Sie nicht langatmig die Vorgeschichte. Der Alltag des Kommissars interessiert den Leser genauso wenig wie die Information, auf welche Schule er gegangen ist.
Was setzt Ihre Geschichte in Gang? Fangen Sie damit an, Name des Helden, Alter, vielleicht noch Beruf, dann lassen Sie es losgehen.

5. Folgen Sie dem Helden

Erzählen Sie die Geschichte im Exposé aus der Sicht des Helden. Damit vermeiden Sie, dass die Geschichte in viele Teilstränge zerfällt (siehe Punkt 1). Der Held ist die wichtigste Figur, er bestimmt die Handlung.

6. Kein Tolstoi, kein George Martin

Tolstoi (Krieg und Frieden) und George Martin (Game of Thrones) haben etwas gemeinsam. Sie haben eine riesige Zahl von Personen in ihren Geschichten. Im Buch ist das okay. Im Exposé ist es verwirrend. Wenn Sie mehr als fünf Personen im Exposé haben, streichen Sie die, die am wenigsten zur Geschichte beitragen. Das macht es nicht nur übersichtlicher, sondern auch kürzer.

7. Show, don`t tell

Auch Exposés sollten anschaulich sein, im Kopf des Lesers Bilder wecken. Selbst wenn es »nur« an Agenten und Lektoren geht. Denn auch die schlussfolgern: Wenn der Text bei mir keine Bilder weckt, dann auch nicht bei anderen Lesern. Und dann ist es nicht verkäuflich. »Ein furchtbares Familiengeheimnis kommt zu Tage« ist ebenso nichtssagend wie ausgelutscht. »Die Heldin findet heraus, dass ihr Freund ihre Tochter mißbraucht«, ist wirkungsvoller. Und bitte: Lassen Sie die Heldin das nicht erfahren, sondern aktiv herausfinden.

8. Exposés benötigen Atmosphäre

Ihre Geschichte hat eine eigene Atmosphäre, einen eigenen Stil. Der sollte sich auch im Exposé spiegeln. Wenn Sie witzig-absurd schreiben, sollte das Exposé das deutlich machen. Ist ihre Geschichte atemlose Action, sollte das im Exposé erscheinen. Eine poetische Liebesgeschichte nüchtern und hard-boiled zu beschreiben, ist keine gute Idee.

9. Exposés sind keine Nacherzählung

Ein Exposé soll dazu verführen, die Geschichte zu lesen. Dem Agenten sagen: Die Geschichte werden viele Leser lesen wollen. Also keine Nacherzählung wie in der Schule. Streichen Sie das Besondere heraus, das, was Ihre Leserinnen faszinieren wird.

10. Das Exposés ist ein Härtetest ihrer Geschichte

Verlage verlangen Exposés nicht, weil sie gerne Autoren quälen. Sondern weil sich einem Exposé so viel über die Geschichte entnehmen lässt. Wenn die Heldin in der Geschichte »etwas erfährt«, statt es herauszufinden, liegt die Vermutung nahe, dass sie auch im Manuskript passiv bleibt. Wenn Sie also in Ihrem Exposé ein Problem entdecken, prüfen Sie nach, ob es vielleicht ein Problem Ihrer Geschichte ist. Das Exposé ist der Crashtest Ihrer Geschichte. Deshalb lohnt es sich auch für Selfpublisher, eins zu schreiben.

11. Der Weg zum guten Exposé ist mit unzähligen schlechten gepflastert

Niemand kann auf Anhieb ein tolles Exposé schreiben. Auch das erfordert Übung. Also werfen Sie die Tastatur nicht ins Korn, wenn die erste Fassung grauslich ist. Wer sich nicht erlaubt, schlechte Texte zu schreiben, wird nie richtig gute schaffen. Das gilt auch für Exposés.

12. Klappentexte sind Kurzexposés

Alles, was Sie hier lesen, gilt auch für Klappentexte. Nur dass der Klappentext nicht den Schluss der Geschichte verrät und auch nicht, wie sie verläuft. Er schildert nur den Helden, sein Problem und was die Geschichte in Gang setzt.

Was außer dem Exposé in eine Verlagsbewerbung gehört, verrate ich Ihnen hier.

Literatur: Drei Seiten für ein Exposé
Die Geschichte ausgraben: Plots und Exposés entwickeln

Workshop: Exposé und Pitch

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Zwölf Dinge, die jeder Autor über Exposés wissen sollte

Was macht eigentlich ein Lektor

Als Lektor bin ich ein professioneller Schizophrener. Ich muss ein guter Leser sein, mich in den Text versenken können. Und gleichzeitig sitze ich mit dem Rotstift daneben und notiere, wenn ich (mein Leser-Ich) das Interesse verliert, wo die Spannung verloren geht und ob ich mit den Personen wirklich einige Stunden verbringen will.

Der erste Leseeindruck ist wichtig. Vieles, was mir dabei begegnet, kann ich gleich korrigieren. Die Delete-Taste ist der beste Freund eines Autors, heißt es. Lektoren haben mit dieser Taste sogar Blutsbrüderschaft geschlossen. Schreiben ist einfach, man muss nur die falschen Worte weglassen, hat Mark Twain gesagt. So mancher Text gewinnt durch geschickten Einsatz dieser Taste bereits Tempo und Spannung.Natürlich kann es nicht beim einmaligen Lesen bleiben. Über einen Text zu schlafen ist immer eine gute Idee. Und am nächsten Morgen kontrolliert mein Rotstift-Ich, ob das, was meine Leser-Ich am Tage zuvor verbrochen hat, auch funktioniert.

Oft ist es nicht so einfach. Manchmal hat das Leser-Ich so ein Grummeln im Bauch, das auch der Einsatz der Delete-Taste nicht besänftigen kann. Das auch Überarbeiten nicht beseitigt. Dann hat der Text strukturelle Probleme und darüber Schlafen ist erst recht eine gute Idee. Was hat das Grummeln verursacht? Erzählt der Autor über seine Figuren, anstatt sie handeln zu lassen? Fehlt einfach der Konflikt? Weicht der Autor dem Konflikt aus? Mein Rotstift-Ich muss es herausfinden, es muss auch genau auf die Stelle zeigen, an dem das Problem einsetzt. Und den wohlsortierten Werkzeugkoffer aufklappen, um die passenden Werkzeuge zur Problemlösung hervorzukramen.

Bei dem Problem mit den Figuren ist es meist der Ratschlag: Kriech in deine Figur. Lass sie mal in der Ich-Perspektive erzählen. Hallo, ich bin Don Quichotte und werde allen zeigen, was es bedeutet, ein Ritter zu sein.

Und dann, das nächste Werkzeug: Wenn du dich in die Person verwandelt hast, schreib die Szene aus der Sicht der Figur neu.Ich bin nicht der beste Freund der Autoren. Ich bin der Sparring-Partner und wenn der Autor nicht aufpasst, lande ich einen Treffer. Der tut weh. Aber hilft, in Zukunft besser auf die Worte zu achten.

Natürlich darf ich nicht immer der gleiche Leser sein. Ein Thriller will anders gelesen werden als eine Liebesgeschichte oder Fantasy. Mein Leser-Ich muss sich auf den Text einlassen. Ihn so lesen, wie er gelesen werden will. Und mein Rotstift-Ich muss ebenfalls im Stil des Autors agieren. Eine ruhige, poetische Geschichte in atemberaubende Action zu verwandeln, ist keine gute Idee.

Ich muss auch erkennen, was der Autor eigentlich will. Nicht immer ist es ihm gelungen, das deutlich zu machen. Mit einiger Erfahrung spürt man es aber heraus.

Außer, wenn der Autor es selbst nicht weiß. Das sind die mäandernden Geschichten. Nicht ganz klar, ob sie Liebesroman oder Krimi werden wollen. Aber für eines muss man sich entscheiden. Da hilft dann nur Fragen und mit dem Autor diskutieren. Das gehört sowieso zu dem Lektorenjob. Dem Autor erklären, warum man etwas geändert hat. Diskutieren, ob es nicht eine bessere Lösung gibt. Manchmal kommt auch heraus, dass der Autor etwas ganz anderes sagen wollte, das aber nicht im Text stand, also weder mein Leser-Ich noch mein Rotstift-Ich erahnen konnten. Telepathie gehört nicht zu den unabdingbaren Voraussetzungen für den Lektorenberuf.

Das Ergebnis ist eine Datei mit viel Rot. Und ein Kommentar zum Text, der sagt, ob und welche strukturellen Probleme es gibt. Das sollte den Autor nicht entmutigen, es sind Vorschläge. Es gibt keine Lektorenpolizei, die früh am Morgen mit dem SEK anrückt, weil Sie die Lektorenvorschläge nicht übernommen haben. Meist sind es ca. 80-90 % der Vorschläge, die Autoren übernehmen. Dann weiß ich, dass Leser-Ich und Rotstift-Ich gut gearbeitet haben.

Ihr Hans Peter Roentgen

Der Beitrag erschien zuerst im Self Publisher Preis. Und natürlich ist das keine  medizinische Definition der Schizophrenie.

Ich habe nichts dagegen, wenn Sie diesen Blog teilen, verlinken, weiter empfehlen. Wenn Sie anderer Meinung sind oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollen, scheuen Sie sich nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Sie können auch Ihre Texte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

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Was macht eigentlich ein Lektor

Marken und Namen in Romanen

Darf man Markennamen in Romanen verwenden, reale Cafés und Hotels benennen? Immer wieder taucht diese Frage in Foren auf.

Kurz gesagt: Öffentliche Firmen und Marken dürfen Sie nennen. Ihr Held darf im Café Sonnenschein sich einen Sunshine-Becher bestellen, im BMW fahren, sich mit Tempo-Taschentüchern die Nase schneuzen und Jacobs Kaffee in seiner Kaffeemaschine verwenden. Ob das sinnvoll ist, ist eine andere Frage, doch dazu später.

Natürlich kann Ihr Held auch einem Qualopago TI fahren, mit der nichtexistenten Marke sind Sie ganz auf der sicheren Seite.

Vorsicht bei geschäftsschädigenden Behauptungen

Etwas anderes ist es mit Behauptungen, die negativ oder geschäftsschädigend sind. Wenn Sie behaupten, dass beim BMW die Gangschaltung nach einem Jahr immer ausgetauscht werden muss, dann müssten Sie es im Zweifelfall beweisen können.

Wenn die Autofirma im Roman eigene Profikiller beschäftigt, sollten Sie also lieber den Qualopago als Markennamen wählen. BMW-Killer würden in München sicher nicht auf ungeteilte Begeisterung stoßen 🙂

Ihrem Helden darf aber der Kaffee bei McDonald oder im Café Sonnenschein nicht schmecken. Das wäre eine (zulässige) Meinungsäußerung. Auch Romanhelden haben Meinungsfreiheit.

Wenn Sie allerdings behaupten würden, in den Hamburgern würden Kakerlaken verwendet, wäre es eine Tatsachenbehauptung und zwar eine geschäftsschädigende. Das müssten Sie also beweisen können. Doch auch da gilt: Allgemein bekannte und bewiesene negative Dinge dürfen Sie benennen. »Der Zeuge war so glaubwürdig wie ein VW-Abgastest« würde wenig Risiko bergen, denn VW wird kaum so dämlich sein, deshalb Klage zu erheben, dem Buch PR zu verschaffen und am Ende den Prozess zu verlieren, was dann auch noch durch die ganze Presse gehen würde.

Wann Marken- oder Firmennamen verwenden?

Dass Sie die Namen verwenden dürfen, heißt natürlich noch lange nicht, dass es sinnvoll ist. Wenn sich Ihr Held nicht in gewöhnliche Taschentücher schneuzt, sondern immer in die Tempo-Superluxus-Superweich-Schneuzer, geraten Sie schnell in den Verdacht der Schleichwerbung.

Mein Tipp: Wo es nicht nötig ist, lassen Sie die Markennamen weg.

Und wann ist es nötig?

Namen von Cafés, Firmen, Straßen können einem Roman Atmosphäre verschaffen. Der spezielle Bikertreff im Industrieviertel, das bekannte Café am Markt, das kleine portugiesische Lokal ganz versteckt in einer schmalen Gasse, all das sorgt für Lokalkolorit. Scheuen Sie sich also nicht, diese Namen für Ihren Roman zu verwenden.

Fragen kostet nichts

Nachfragen können Sie natürlich immer. Auch Starbucks wird Ihnen die Verwendung des Namens genehmigen (aber nicht im Titel). Große Konzerne wird das aber anschließend nicht weiter interessieren.

Bei lokalen Cafés und Firmen sieht das anders aus. Die sind nicht durch öffentliche PR verwöhnt. Wenn Sie dem Café Sonnenschein anschließend ein Exemplar des Buches mit einigen netten Worten schenken, kann es sein, dass fortan das Buch im Café steht und beworben wird. Mit etwas Glück lässt sich sogar eine Lesung arrangieren. Also keine Hemmung, auch mal nachzufragen. Dann sind Sie auf der sicheren Seite und gewinnen vielleicht neue Fans.

In Matthias Mattings Selfpublisherbibel finden Sie noch weitere Beispiele und Infos:

Weitergehende Links:

https://l.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fwww.autorenforum.de%2Fexperten%2F30-verlagswesen%2F1002-ist-es-erlaubt-markennamen-in-einem-buch-zu-nennen&h=ATMIY5jQP0xIgbHRyANJpqFtxLMCy-oBpKWrj9o59KF2v4yxY4vqwMLp1ZC9O-4qnN3xGa5MOPhLpydxl0XPDnnRnUzhFoVo5hqO_Dtwz3JlVMPycs66dqq-dmh8PTbMQ2HGJKIRr6MX

http://montsegur.de/ipb-forum/index.php/topic/12030-verwendung-von-markennamen-im-roman/

http://www.marken-recht.de/markenrecht_forum/showthread.php?t=580

Ich habe nichts dagegen, wenn Sie diesen Blog teilen, verlinken, weiter empfehlen. Wenn Sie anderer Meinung sind oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollen, scheuen Sie sich nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Sie können auch Ihre Texte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

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Marken und Namen in Romanen

Die sieben häufigsten Irrtümer über Lektorate

Ein gutes Lektorat eines Manuskripts kostet eine vierstellige Summe. Autorinnen und Autoren sind eher selten Millionäre. Und es ist unwahrscheinlich, dass das erste Buch diese Summe wieder hereinspielt.

Kein Wunder, dass diese Frage immer wieder von Selfpublishern diskutiert wird. Auch Autoren, die in Verlagen veröffentlichen wollen, stellt sich die Frage: Buche ich erst mal ein Lektorat, weil das die Chancen erhöht, eine Agentur oder einen Verlag zu finden?

Ich habe mittlerweile hunderte, wenn nicht gar tausende von Autoren beraten, lektoriert, gecoacht, habe Bücher übers Schreiben verfasst und an unzähligen Diskussionen in Foren teilgenommen. Und immer wieder wird diese Frage diskutiert. Und immer wieder tauchen die gleichen Irrtümer auf.

1. Lektorat ist das Lektorat eines Manuskripts

Das ist der häufigste Irrtum nicht nur von Nachwuchsautoren. Klar, wenn ein Verlag ein Manuskript angekauft hat, muss der ganze Text auf einmal lektoriert werden.
Das ist aber nicht generell so. Autoren können die ersten Seiten lektorieren lassen. Schon aus einem Beispiellektorat können sie eine Menge lernen. Wo sie sehen, was ihre Stärken sind und ihre Schwächen. Woran sie arbeiten müssen.
Auch Verlage arbeiten so: Sie verlangen eine Leseprobe der ersten Seiten. Und ein Exposé, also eine Beschreibung der Handlung. Danach schätzen sie ein, wo der Autor steht, ob der Text veröffentlichungsreif ist und Leser finden könnte. Erst dann gibt es einen Vertrag.
Manchmal lassen Verlage ein Lektoratsgutachten erstellen. Ein Lektor liest das ganze Manuskript und beurteilt es. Was müsste überarbeitet werden, was sind die Stärken, was die Schwächen des Textes. Aber er lektoriert den Text nicht, korrigiert also keine Fehler. Deshalb ist ein Lektoratsgutachten sehr viel preisgünstiger.

All das können auch Nachwuchsautoren tun. Ihre ersten Seiten von einem Lektor begutachten lassen, der Änderungen, Korrekturen vorschlägt, einem sagt, wo man steht. Oder ein Exposé erstellen, das Personen und Handlung der Geschichte beschreibt und das mit einem Lektor diskutieren.

2. Lektorat korrigiert Rechtschreibung, Grammatik und Stil

Ein Lektor muss auch die Dramaturgie, die Personen, den Aufbau beurteilen. Das ist oft noch wichtiger als Rechtschreibung, Grammatik und Stil. Denn wenn die Dramaturgie nicht stimmt, der Spannungsbogen durchhängt, die Personen blaß bleiben, dann wird niemand das Buch lesen wollen.

In dem Fall hilft auch die beste Rechtschreibung, der geschliffenste Stil nicht mehr.

Woraus folgt, dass als Erstes die Dramaturgie und die Personen einer Geschichte überarbeitet werden. Auch wenn ihr eure Geschichte überarbeitet, ist diese Reihenfolge sinnvoll:

  1. Personen und Dramaturgie
  2. Stil
  3. Rechtschreibung und Grammatik

3. Nur ein professioneller Lektor kann ein Manuskript bearbeiten

Testleser, Workshops mit erfahrenen Autoren, Diskussionen in Foren: Es gibt unzählige Möglichkeiten, an Texten zu arbeiten und die eigenen Fähigkeiten zu schulen. Guten Kuchen kann man auch im eigenen Backofen backen. Wer allerdings professionell Kuchen backen möchte, der muss sich die entsprechenden Maschinen anschaffen. Dann reicht der private Backofen nicht mehr.

Und wer professionell schreiben will, muss für seine Manuskripte ein professionelles Lektorat kaufen.

Die Reiter beginnen mit Reitstunden in einer Reitschule. Dort lernen sie erst mal die Grundgangarten, wie sie mit dem Pferd mitgehen und ihm nicht in den Rücken fallen und dass die Zügel nicht dazu dienen, sich festzuhalten. Hohe Schule kommt später. Und auch ein teures Dressurpferd kauft man sich erst, wenn man die S-Dressur beherrscht und auf Turnieren auftreten kann.

Nicht anders ist es beim Schreiben. Auch dort dauert es einige Zeit, bis aus dem Hobbyschreiber ein professioneller Autor wird.

4. Um zu lektorieren, muss man das ganze Manuskript lesen

Erfahrene Fußballtrainer sehen nach fünf Minuten, was ein Fußballspieler kann und auf welchem Niveau er ist. Erfahrenen Lektoren geht es genauso.

Nicht anders als im Fußball, beim Reiten, bei der Musik gibt es typische Anfängerfehler. Die ein erfahrener Coach sofort sieht. Betrachtet ein Autor seine Personen nur von außen, schreibt ihnen Eigenschaften zu, statt den Leser diese erleben zu lassen (Tell statt Show), sieht ein professioneller Lektor das auf den ersten Seiten. Und kann das dem Autor sagen, ihm zeigen, wie er es besser machen kann.

Um zu sehen, dass die Dialoge noch holpern, muss ich nicht 500 Seiten holpernder Dialoge lesen. Dazu reichen die ersten Seiten. Das spart dem Autor Geld und mir Nerven.

Und auch Dramaturgie und Personen lassen sich schon aus einem Exposé und Leseprobe beurteilen.

5. Lektorat ist für Bücher

Natürlich soll ein Lektorat ein Manuskript verbessern. Noch wichtiger ist allerdings die Verbesserung des Autors. Aus einem Lektorat kann ein Autor eine Menge lernen. Gerade am Anfang ist das wichtig.

Kein Reiter ist nach zehn Reitstunden reif für die S-Dressur. Das erste Tor öffnet niemandem die Tür zur Bundesliga.

Und das erste vollendete Buch ist ein wundervolles Erlebnis für jeden Autor. Aber kein Beweis, dass er alles weiß, was fürs Schreiben wichtig ist.

6. Man kann alles auf einmal lektorieren

Wer alles auf einmal korrigieren möchte, verzettelt sich. Konzentriert euch auf eine Sache. Wer die Handlung seiner Geschichte überprüft, kann sich nicht gleichzeitig auf die Rechtschreibung konzentrieren.

Obendrein ist nicht jeder Lektor auch ein guter Korrektor. Es gibt geniale Korrektoren, die mit einem Blick die Fehler auf einer Seite erkennen können. Die alten Bleisetzer in den Zeitungsredaktionen waren darin genial. Ich habe mal einem eine dichtbeschriebene Seite in die Hand gedrückt. Er warf einen kurzen Blick drauf, deutete dann auf eine Stelle ziemlich weit unten und sagte: »Da ist ein Fehler.«

Aber er sagte auch: »Fragen Sie mich nicht, was drinsteht.«

Dass Lektorat und Korrektorat unterschiedliche Dinge sind, hat seine Gründe.

7. Literatur- oder Germanistikstudium befähigt zum Lektor

Das Studium der Literatur oder Germanistik ist spannend, kann sinnvoll sein. Aber es befähigt sowenig zum Lektorieren, wie ein Physikstudium dazu befähigt, Autos zu reparieren.

Gute Lektoren erkennt man daran, wie sie arbeiten. Und das sieht man an Beispiellektoraten auf ihren Seiten. An Empfehlungen anderer Autoren.

Woran erkennt man einen guten Lektor?

Selfpublishing und Lektorat

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