Marken und Namen in Romanen

Darf man Markennamen in Romanen verwenden, reale Cafés und Hotels benennen? Immer wieder taucht diese Frage in Foren auf.

Kurz gesagt: Öffentliche Firmen und Marken dürfen Sie nennen. Ihr Held darf im Café Sonnenschein sich einen Sunshine-Becher bestellen, im BMW fahren, sich mit Tempo-Taschentüchern die Nase schneuzen und Jacobs Kaffee in seiner Kaffeemaschine verwenden. Ob das sinnvoll ist, ist eine andere Frage, doch dazu später.

Natürlich kann Ihr Held auch einem Qualopago TI fahren, mit der nichtexistenten Marke sind Sie ganz auf der sicheren Seite.

Vorsicht bei geschäftsschädigenden Behauptungen

Etwas anderes ist es mit Behauptungen, die negativ oder geschäftsschädigend sind. Wenn Sie behaupten, dass beim BMW die Gangschaltung nach einem Jahr immer ausgetauscht werden muss, dann müssten Sie es im Zweifelfall beweisen können.

Wenn die Autofirma im Roman eigene Profikiller beschäftigt, sollten Sie also lieber den Qualopago als Markennamen wählen. BMW-Killer würden in München sicher nicht auf ungeteilte Begeisterung stoßen 🙂

Ihrem Helden darf aber der Kaffee bei McDonald oder im Café Sonnenschein nicht schmecken. Das wäre eine (zulässige) Meinungsäußerung. Auch Romanhelden haben Meinungsfreiheit.

Wenn Sie allerdings behaupten würden, in den Hamburgern würden Kakerlaken verwendet, wäre es eine Tatsachenbehauptung und zwar eine geschäftsschädigende. Das müssten Sie also beweisen können. Doch auch da gilt: Allgemein bekannte und bewiesene negative Dinge dürfen Sie benennen. »Der Zeuge war so glaubwürdig wie ein VW-Abgastest« würde wenig Risiko bergen, denn VW wird kaum so dämlich sein, deshalb Klage zu erheben, dem Buch PR zu verschaffen und am Ende den Prozess zu verlieren, was dann auch noch durch die ganze Presse gehen würde.

Wann Marken- oder Firmennamen verwenden?

Dass Sie die Namen verwenden dürfen, heißt natürlich noch lange nicht, dass es sinnvoll ist. Wenn sich Ihr Held nicht in gewöhnliche Taschentücher schneuzt, sondern immer in die Tempo-Superluxus-Superweich-Schneuzer, geraten Sie schnell in den Verdacht der Schleichwerbung.

Mein Tipp: Wo es nicht nötig ist, lassen Sie die Markennamen weg.

Und wann ist es nötig?

Namen von Cafés, Firmen, Straßen können einem Roman Atmosphäre verschaffen. Der spezielle Bikertreff im Industrieviertel, das bekannte Café am Markt, das kleine portugiesische Lokal ganz versteckt in einer schmalen Gasse, all das sorgt für Lokalkolorit. Scheuen Sie sich also nicht, diese Namen für Ihren Roman zu verwenden.

Fragen kostet nichts

Nachfragen können Sie natürlich immer. Auch Starbucks wird Ihnen die Verwendung des Namens genehmigen (aber nicht im Titel). Große Konzerne wird das aber anschließend nicht weiter interessieren.

Bei lokalen Cafés und Firmen sieht das anders aus. Die sind nicht durch öffentliche PR verwöhnt. Wenn Sie dem Café Sonnenschein anschließend ein Exemplar des Buches mit einigen netten Worten schenken, kann es sein, dass fortan das Buch im Café steht und beworben wird. Mit etwas Glück lässt sich sogar eine Lesung arrangieren. Also keine Hemmung, auch mal nachzufragen. Dann sind Sie auf der sicheren Seite und gewinnen vielleicht neue Fans.

Weitergehende Links:

https://l.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fwww.autorenforum.de%2Fexperten%2F30-verlagswesen%2F1002-ist-es-erlaubt-markennamen-in-einem-buch-zu-nennen&h=ATMIY5jQP0xIgbHRyANJpqFtxLMCy-oBpKWrj9o59KF2v4yxY4vqwMLp1ZC9O-4qnN3xGa5MOPhLpydxl0XPDnnRnUzhFoVo5hqO_Dtwz3JlVMPycs66dqq-dmh8PTbMQ2HGJKIRr6MX

http://montsegur.de/ipb-forum/index.php/topic/12030-verwendung-von-markennamen-im-roman/

http://www.marken-recht.de/markenrecht_forum/showthread.php?t=580

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Marken und Namen in Romanen

Alles, was Autoren über Perspektiven wissen müssen – die Kür

Im letzten Blog hatte ich die Grundlagen erklärt: Ich-Perspektive, personale Perspektive 3. Person, Allwissender Erzähler.

Das ist der Standard, für jede Autorin die Pflicht (und für jeden Autor auch). Doch es gibt die Kür und die bietet eine Menge weiterer Möglichkeiten. Viele davon sind hohe Schule ohne Netz und doppelten Boden. Da kann man leicht abstürzen. Aber wenn es gelingt, hat man einen faszinierenden Text.

Deshalb auch meine Warnung: Je weniger Erfahrung Sie haben, desto besser ist es, erst mal die Pflicht zu absolvieren.

Multipersonale Perspektive

Eine Form der personalen Perspektive 3. Person. Nur dass die Perspektive verschiedenen Personen gegeben wird. Zum Beispiel ein Kapitel Perspektive Kommissar, eins aus der Perspektive des Täters. Meist gibt es 3-5 Perspektiven, aber wenn Sie George R. R. Martin (A song of Ice and Fire, Game of Thrones) heißen, können es auch hundert oder mehr sein.

Vorteil: Sie können Spannung aufbauen, weil der Leser Dinge weiß, die die Personen des Romans nicht wissen. Klassisches Hitchcock Beispiel: Der Täter hat eine Bombe unter dem Tisch versteckt, die Polizisten am Tisch wissen das nicht.

Nachteil: Sie müssen alle Figuren genau kennen, denen Sie die Perspektive geben und diese sollten unterschiedlich sein. Wenn sich der Täter nicht anders liest als der Kommissar, wird es flach.

Kameraperspektive

Auch eine Spezialform der personalen Perspektive. Der Erzähler folgt einer Figur, schildert alles, was diese sieht, was passiert. Aber schaut nicht in deren Gedanken. Die Geschichte wird von einer Kamera erzählt, die der Perspektivfigur auf der Schulter sitzt. Im klassischen Hardboiled Krimi wird diese Perspektive gerne verwendet.

Vorteil: Der Leser kennt nicht die Pläne der Perspektivfigur, kann sie aus den Handlungen und Dialogen vermuten, weiß sie aber nicht sicher.

Nachteil: Innerer Monolog und alle Gedanken bleiben ausgespart.

Dr. Watson

Eine Randfigur hat die Perspektive und erzählt die Geschichte entweder aus der dritten Person oder als Ich-Erzähler. In den Sherlock Holmes Geschichten hat nicht Sherlock die Perspektive, sondern sein Freund Dr. Watson. Auch der Name der Rose ist in der Dr. Watson Perspektive geschrieben aus der Sicht des jungen Mönchs, der dem ermittelnden Priester folgt.

Vorteil: Dr. Watson kann über die Hauptperson räsonnieren und Dinge über sie erzählen, die nicht möglich wären, wenn Sherlock die Perspektive hätte. Außerdem kennt er nicht Sherlocks Gedankengänge, wird also zusammen mit dem Leser überrascht, wenn der die Lösung präsentiert.

Nachteil: Die Distanz zum Helden kann schnell zu groß werden.

Das allwissende Ich

Klassische Mischform. Ein Ich-Erzähler erzählt über Ereignisse in der Vergangenheit. Da diese Ereignisse lange zurückliegen, weiß er mittlerweile all das, was ihm nicht bewußt war, als es passierte. Diese Perspektive kann direkt in die Ereignisse von damals springen, aus dem Kopf der Figur erzählen. Und wieder zurückgehen ins heute, wenn der Ich-Erzähler ein alter Mann oder eine alte Frau ist.

Vorteil: Der Autor kann die Vorteile des Ich-Erzählers und des allwissenden Erzählers kombinieren.

Nachteil: Wer nicht aufpasst, verfällt den Nachteilen des allwissenden Erzählers und erklärt seine Geschichte, statt sie den Leser erleben zu lassen,

3. Person mit allwissenden Einsprengseln

Die Erzählung folgt einer Person in der personalen Perspektive. Doch manchmal wird allwissend erzählt. Zum Beispiel als Vorausdeutung: „Das war das letzte Mal, dass er seinen Bruder sah.“ Dieses Foreshadowing ist allwissend, weil das die Person selbst nicht wissen kann. Foreshadowing ist ein wirkungsvoller Spannungserzeuger, aber sollte mit Vorsicht verwendet werden. Am besten nur ein Satz, keine Erklärungen und noch besser, wenn sich später herausstellt, dass der Satz nicht das bedeutete, was der Leser vermutete. Stephen King und Sebastian Fitzek sind Meister darin.

Vorteil: Damit kann der Autor die Spannungsschraube anziehen.

Nachteil: Wenn es zu eindeutig ist oder zu langatmig, erhöht es nicht die Spannung, sondern killt sie.

Multiperspektivisch

Im Prinzip lassen sich alle Perspektiven mischen.

Ich & 3. Person

Abwechselnde Kapitel in der Ich-Perspektive und der 3. Person

Allwissend & 3. Person

Abwechselnde Kapitel in der allwissenden und der 3. Person

Du-Perspektive

Der Leser wird direkt angesprochen: Du gehst in diese Höhle. Es wird dunkel. Von hinten weht ein kalter Hauch an deinem Kopf vorbei …

Ungewöhnlich, aber nicht unmöglich. Sehr schwierig, das einen ganzen Roman durchzuhalten.

Was Sie nicht tun sollten

Mischen Sie nicht verschiedenste Formen. Ganz wichtig für die Überarbeitung: Achten Sie darauf, dass die Perspektive einheitlich wirkt. Sie können mischen (wenn Sie es können), aber auch dann sollte es in sich stimmig sein und nicht beliebig wirken. Holpernde Perspektiven sind kein Beweis künstlerischer Genialität, sondern mangelnder Handwerkskunst. Glauben Sie mir, der Leser merkt es. Auch wenn er vielleicht den Grund nicht benennen kann.

Mischen, um zu erklären

Der schlimmste Perspektivfehler. Sie wechseln in der Szene die Perspektive, um dem Leser etwas zu erklären. Erst folgen Sie dem Kommissar, dann hüpfen Sie in den Zeugen, um dem Leser zu zeigen, dass der Zeuge lügt. Besser, wenn der Leser den Zeugen durch die Augen des Kommissars erlebt und vermutet: Der lügt doch! Aber es nicht genau weiß.

Distanz mit Perspektive verwechseln

Perspektive ist das eine. Distanz, also die Entfernung des Lesers von den Personen und den Ereignissen, ist etwas anderes. Sie können auch als allwissender Erzähler ganz nah an die Ereignisse herangehen oder als Ich-Erzähler eine große Distanz aufbauen. Dass der allwissende Erzähler Anfänger gerne zu großer Distanz in der Erzählung verführt, ändert daran nichts.

Perspektivendogmatismus

Auch bei Perspektiven gibt es Dogmatismus. Denken Sie daran: Wichtig ist die Wirkung. Wenn Sie schreiben. „Karl erwachte, draußen schneite es“, dann kann man sich fragen: Woher weiß Karl das, wenn die Vorhänge zugezogen sind?

Manchmal ist es völlig uninteressant, woher er es weiß. Manchmal spielt es keine Rolle. Und manchmal ist es ein Perspektivfehler. Wenn Sie wenig Schreiberfahrung haben, bleiben Sie erst mal bei den Grundperspektiven und halten sich an deren Rahmen. Je mehr Erfahrung sie haben, desto sicherer werden Sie sehen, wo welche Perspektive passt und wo nicht.

Experimente und die Genres

In den Unterhaltungsgenres (U-Literatur) muss sich die Perspektive der Geschichte anpassen. Experimente, die der Geschichte nicht nützen, sie nicht spannender machen, sollten Sie besser unterlassen.

Im Genre Hochliteratur (E-Literatur) können Sie sich mehr formale Experimente mit der Perspektive erlauben.

Das gilt generell: Die Unterhaltungsgenres erlauben mehr Experimente bezüglich der Geschichte, die Hochliteratur mehr bezüglich der Form.

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Alles, was Autoren über Perspektiven wissen müssen – die Kür

Alles, was Autoren über Perspektiven wissen müssen

In der Ich-Form erzählen? Oder dritte Person? Immer wieder taucht die Frage auf, welche Perspektive am besten ist, welche die meisten Leser bringt.
Die Antwort ist ganz einfach: Es gibt nicht DIE ideale Perspektive. Aber es gibt viele unterschiedliche Formen, die zur Auswahl stehen. Und die Autorinnen und Autoren kennen sollten.

Grundformen

Ich, personal, allwissend sind die Grundformen.

Personal

Personale Perspektive der dritten Person ist heute die häufigste Form. Aber bei weitem nicht die einzige. Sie erzählt aus der Sicht einer Person, in der Regel des Helden. Alles, was der Held sieht, erlebt, weiß, kann in dieser Perspektive geschildert werden. Alles, was er nicht weiß (zum Beispiel, was der Mörder denkt), bleibt verschlossen. Was durchaus von Vorteil sein kann.

Vorteil: Der Autor hat einen klaren Rahmen . Folgen Sie Ihrem Helden, schweifen Sie nicht ab, lassen Sie die Dinge passieren.

Nachteil: Der Rahmen schließt bestimmte Dinge aus der Geschichte aus.

Eine Spezialform ist multipersonale Perspektive mit mehreren Figuren, dazu später.

Ich

Ein Ich-Erzähler erlebt die Geschichte und erzählt sie dem Leser.

Vorteil:  Wir sind ganz dicht dran an der Figur.

Nachteil: Wir erleben nur den Ich-Erzähler.

Auch hier gibt es Mischformen.

Allwissend

Ein allwissender Erzähler erzählt uns die Geschichte, manchmal wird er auch „auktorialer Erzähler“ genannt. Er darf alles, auch in die Köpfe der unterschiedlichen Figuren schauen und deren Gedanken schildern.

Vorteil: Der allwissende Erzähler weiß alles und darf alles erzählen. Keine Beschränkungen. Der Autor hat die freie Auswahl, was er erzählen will. Er kann ganz nah an die Figuren rangehen oder auch alles aus weiter Distanz schildern.

Nachteil: Vor allem bei Anfängern führt das leicht dazu, dass der Autor nicht nur alles weiß, sondern glaubt, dem Leser auch alles erzählen zu müssen. Und abstrakt erzählt, behauptet, statt anschaulich zu zeigen, zu große Distanz aufbauen.

Perspektiven verlangen Treue

Wenn Sie einmal eine Perspektivform gewählt haben, sollten Sie dabei bleiben. Innerhalb der Szene die Perspektive zu wechseln, um dem Leser etwas zu erklären, geht in aller Regel schief.

Auch wenn Sie eine der zahlreichen Mischformen der Perspektive wählen, sollten Sie diese beibehalten.

Moden

Im 19. Jahrhundert war der allwissende Erzähler beliebt, heute der personale Erzähler. Aber es gab immer auch Autoren, die auf die Mode gepfiffen haben. Karl May hat mal Ich-erzählt, mal allwissend. Auch heute werden alle drei Grundformen benutzt.

Mein Tipp: Wer sich nicht sicher ist, sollte einfach die gleiche Szene in allen drei Perspektiven erzählen. Es gibt keine Perspektive, die besser oder schlechter ist. Aber es gibt Geschichten, die in der einen Perspektive den Leser mehr packen und in der anderen weniger. Deshalb: Probieren geht über Studieren.

Mischformen

Es gibt eine Vielzahl von Mischformen und die werde ich in meinem nächsten Blogbeitrag schildern. Wer wissen will, wie der Ich-Erzähler allwissend wird, was Dr. Watson mit Perspektive zu tun hat und warum Stephen King personal erzählt, aber dann am Schluss manchmal allwissend, der muss die Fortsetzung lesen.

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Alles, was Autoren über Perspektiven wissen müssen

Er fühlte, dass er ahnte, was er denken würde

Kommissar Umständlich sah, dass der Killer seine Pistole zog. Er ahnte, dass er schießen würde. Er hörte den Knall des Schusses. Er spürte, wie die Kugel ihn ins Herz traf. Er dachte, das ist das Ende und fühlte, dass er das bedauerte.

Solche Texte erhalte ich immer wieder. Okay, ich gebe zu, dieses Beispiel ist übertrieben. Nichtsdestotrotz betonen viele Autoren, wer etwas sieht, fühlt, hört, denkt, statt einfach zu konstatieren:

Der Killer zog seine Pistole und schoss. Die Kugel riss Kommissar Umständlich zu Boden. Weil er sich darauf konzentriert hatte, was er sah, ahnte, hörte, statt sich in Deckung zu werfen.

Wenn Sie aus der Sicht einer Figur schreiben, müssen Sie nicht jedesmal betonen, dass sie etwas sieht, wenn etwas auftaucht. Denn wer, bitteschön, sollte sonst die Pistole sehen? Der liebe Gott?

Ritter Langsam sah, dass hinter dem Wald ein Bauernhaus stand. Er hörte Pferde wiehern, Hühner gackern und fühlte plötzlich Regen, der, so dachte er, gerade eingesetzt haben musste …

Da wird die Betonung darauf gelegt, dass der Ritter sieht, hört, fühlt, denkt. Nicht auf das, was er sieht: Das Bauernhaus. Obendrein verlassen Sie die Perspektive Ihrer Figur. Die denkt nämlich garantiert nicht: Ich sehe, dass da hinten ein Bauernhaus steht. Sondern weniger kompliziert: Dahinten steht ein Bauernhaus.

Besser, kürzer und weniger langsam:

Hinter dem Wald stand ein Bauernhaus. Pferde wieherten, Hühner gackerten und dann setzte der Regen ein.

Dass der Ritter das sieht, hört, fühlt, davon wird der Leser nämlich ausgehen. Es sei denn, wir haben einen blinden und tauben Ritter vor uns.

Natürlich kommt es auf die Dosis an. Einmal: »Er sah …« auf zehn Seiten wird niemand stören. Zehnmal auf einer Seite aber schon.

Wie immer gibt es Ausnahmen. Plötzlich sah er das Bauernhaus, da sollte man das »sah« nicht streichen – denn hier ist es wichtig, weil der Ritter es bisher übersehen hat.

Das gilt generell. Selbstverständliches müssen Sie nicht erwähnen. Ungewöhnliches aber schon. Und die Hauptsache gehört in den Hauptsatz. Wenn das nicht das Sehen, Hören, Fühlen ist, dann streichen Sie das.

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Er fühlte, dass er ahnte, was er denken würde

Zehn Dinge, die jeder Autor über Schreibregeln wissen sollte

»Wenn Sie ein Adjektiv treffen, bringen Sie es um«, meinte Mark Twain und begründete damit eine der bekanntesten Schreibregeln. Clemenceau stimmte ihm zu: »Bevor Sie ein Adjektiv verwenden, kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob es wirklich nötig ist«.

Dagegen schrieb Rudyard Kipling in »Puck«: „Was für ein dicker, bunter, glucksender Tropf doch ein Fasan ist“. Gleich drei Adjektive hintereinander. Und keins würde ich streichen.

Also alles Unsinn? Besser nicht auf Schreibregeln hören, wenn sich Nobelpreisträger auch nicht danach richten?

Was Schreibregeln sind (und was nicht), das möchte ich in diesem Blogbeitrag darstellen.

Schreibregeln sind keine Gesetze

Keine Schreibpolizei kommt, wenn Sie sich nicht an die Schreibregeln halten. Sie erhalten auch keinen Bußgeldbescheid des Kultusministers. Für jede Schreibregel, die ich kenne, weiß ich Beispiele aus der Literatur, die sie übertreten hat. In Deutschland versteht man unter Regel gerne etwas, das auf jeden Fall eingehalten werden muss. Wenn das nicht der Fall ist, gehört die Regel auf den Abfallhaufen.

Was für ein Unsinn. Höflichkeitsregeln sind nützlich, Sie erleichtern das Zusammenleben. Aber manchmal muss man sie übertreten und Tacheles reden. Sind die Höflichkeitsregeln deshalb Unfug? Nein!

Nicht anders ist es bei den Schreibregeln. Sie sind Empfehlungen, sie beruhen (wenn sinnvoll) auf den Erfahrungen unzähliger Autoren und Lektoren. Aber sie sind kein Zwangskorsett, sondern Empfehlungen.

Auf die Wirkung kommt es an

Geschichten sollen die Leser berühren, fesseln, sie die Welt durch andere Perspektiven erleben lassen. Können sie das, ist es gut. Können sie es nicht, ist das schlecht.

Wenn ich einen Text lese, prüfe ich nicht, ob er die Schreibregeln erfüllt. Ich prüfe, ob er mich packt. Tut er das, darf er alle Regeln brechen. Tut er das nicht, ist es Zeit, die Werkzeugkiste aufzuklappen und die Schreibregeln herauszuholen.
Denn dafür sind die Schreibregeln da.

Schreibregeln sind Werkzeuge

In Deutschland muss man Gesetze befolgen, Regeln einhalten und danach wird die Arbeit beurteilt. Wir haben eine Vergangenheit als Obrigkeitsstaat. Doch es gibt keine Obrigkeit mehr, die beurteilt, was man schreiben darf und was nicht. Zum Glück.

Schreibregeln sind Werkzeuge. Eigentlich wäre »Schreibwerkzeug« der bessere Begriff, aber ich möchte nicht die babylonische Sprachverwirrung im Schreiben vermehren. Der Begriff Schreibregel hat sich durchgesetzt.

Die Schreibregeln sind die Rohrzange der Autoren. Funktioniert der Wasserhahn, lässt man die Zange im Werkzeugkoffer und der Koffer bleibt zu. Tropft allerdings der Wasserhahn, dann wird es Zeit, die Werkzeuge herauszuholen.

Wenn eine Geschichte durchhängt, dann ist es Zeit, den Werkzeugkasten mit den Schreibregeln auszupacken. Und die Spannungsschrauben anzuziehen. Andreas Eschbach hat solche Spannungsschrauben beschrieben.

Jeder Autor sollte die wichtigsten Schreibregeln kennen

Auch beim Schreiben gibt es typische Anfängerfehler. Infodump, Personen von außen betrachten, Überfülle von nichtssagenden Adjektiven, Dialoge, die grammatikalisch korrekt sind und genau deshalb holpern, Rückblenden, die erzählen, wann der Held entwöhnt wurde, und …, und …, und…

Die meisten Schreibregeln befassen sich mit diesen Anfängerfehlern.Sie benennen die üblichen Probleme, die dazu führen können, dass ein Text nicht packt.

Schreibregeln gehören in die Überarbeitung

Es gibt nichts Schlimmeres, als während der Erstfassung an die Schreibregeln zu denken. Schreibregeln gehören zur Vernunft, Geschichten benötigen Fantasie und Intuition. Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf, ob sie alle Schreibregeln einhalten, wenn Sie die Erstfassung schreiben. Überlassen Sie beim Schreiben Ihrem inneren Kind die Führung.

Dann kommt die Überarbeitung. Jetzt ist der innere Zensor gefragt, die Vernunft übernimmt die Herrschaft. Und die klappt den Werkzeugkasten auf, wenn was nicht stimmt.

Schreibregeln hemmen nicht die künstlerische Freiheit

Das ist der häufigste Vorwurf gegen die Schreibregeln. Sie würden die künstlerische Freiheit behindern und immer gleiche Romane hervorrufen.

Meist kommt der Vorwurf von Leuten, deren Kunst noch sehr am Anfang steht. Nein, wer die Schreibregeln mißachtet, weil er sie nicht kennt und es nicht besser kann, ist deshalb noch kein großer Künstler.

Weil sie bei der Überarbeitung so nützlich sind, sollte jeder Autor sie kennen und wissen, wie man sie anwendet. Das bedeutet nicht, dass er sie immer und überall anwenden muss. Wenn ich weiß, wie ich eine Rohrzange verwende, heißt das noch lange nicht, dass ich alle Arbeiten mit der Rohrzange erledigen muss. Schließlich gibt es auch einen Hammer. Der ist für Nägel geeigneter. Und wenn alles in Ordnung ist, brauche ich weder Hammer noch Rohrzange.

Schreibregeln haben Gründe und Autoren sollten die kennen

Schreibregeln sind geronnene Erfahrung von Autoren. Dass Mark Twain vor Adjektiven warnte, hatte Gründe. Ein Übermaß von Adjektiven (vor allem von nichtssagenden) bremst Texte, lässt die Spannung erlahmen.

Auch eine zweite Regel von Mark Twain hat seinen Grund: »Verwende das genau passende Wort und nicht seinen Cousin«. Der Grund dürfte jedem einleuchten.

Nur wenn Sie die Gründe der Schreibregeln kennen, können Sie richtigen Gebrauch von ihnen machen.

Schreibregeln legen nicht fest, wie gut ein Text ist

Nein, die Qualität eines Textes hängt NICHT davon ab, ob er alle Schreibregeln befolgt. Auch nicht, ob er den Regeln gehorcht, nach denen manche Kulturredakteure entscheiden, ob ein Text »literarisch wertvoll« ist.

Wer die Qualität eines Textes danach beurteilt, wie viele Adjektive er pro Seite enthält, ist auf dem Holzweg. Deshalb hat ein guter Lektor auch keine Tabelle bei der Arbeit neben sich liegen, auf der er ankreuzt, ob die Regeln befolgt werden. Weniger als 3 Adjektive pro Seite: Toller Text. Mehr als zehn: Grottig.

Was aber jeder Lektor nutzt: Die Kenntnis darüber, mit welchen Regeln man korrekturbedürftige Stellen verbessern kann.

Schreibregeln gehen guten Autoren in Fleisch und Blut über

Amerikanische Schreibcoaches sagen: Erst muss man den Autoren die Regeln beibringen. Dann sie zu vergessen.
Je öfter Sie bei der Überarbeitung bestimmte Schreibregeln benutzen, desto schneller werden Sie Ihnen in Fleisch und Blut übergehen. Alte Hasen müssen nicht lange überlegen, wenn sie Dialoge schreiben. Sie bauen automatisch einen Konflikt auf, halten die Dialoge kurz. Anfänger lernen das bei der Überarbeitung.

Grammatikregeln sind ebenfalls keine Gesetze

Auch wenn mich jetzt Deutschlehrer und Kulturredakteure kreuzigen:  Grammatikregeln dürfen übertreten werden. In Dialogen ist die buchstabengetreue Befolgung aller Grammatikregeln meist hinderlich. Gibt viele Gründe, warum ein Autor an bestimmten Stellen die Grammatik Grammatik sein lassen sollte.

Das heißt natürlich nicht, dass er die Grammatik nicht kennen sollte. Aber er muss wissen, wann er sie befolgen sollte – und wann nicht. Das ist nicht anders als bei den Schreibregeln. Manchmal gilt das sogar bei der Rechtschreibung. Ze do Rock hat das in »Fom Winde verfeelt« bewiesen. Auch hier gilt allerdings: Schreibfehler aus Unkenntnis sind kein Zeichen hoher Kunst.

Sol Stein, der Autor des Standardwerks »Über das Schreiben«, hat es kurz und treffend formuliert:

Jeder Autor muss irgendwann lernen, wann er die Regeln einhalten sollte und wann er sie brechen muss.

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Zehn Dinge, die jeder Autor über Schreibregeln wissen sollte

Wie erkennt man einen guten Lektor?

Immer wieder werde ich gefragt, was einen guten Lektor ausmacht. Und wie man ihn findet. Hier meine Meinung:

Wenn euch 50% seiner Änderungsvorschläge sofort einleuchten, ihr euch sagt: Oh Mann, warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen, dann ist das schon mal ein gutes Zeichen. 100% Übereinstimmung erzielt keine Lektorin, kein Lektor, es wird immer das eine oder andere geben, bei dem Lektor und Autor nicht einer Meinung sind.

Dann gibt es die Fälle, bei denen ihr euch die Haare rauft. Wie kann er nur meinen schönen inneren Dialog streichen? Unmöglich, der Kerl! Mein Rat: Schlaft drüber. Am nächsten Morgen beschleicht euch vielleicht das dunkle Gefühl, dass doch was dran sein könnte. Am übernächsten greift ihr zur Delete Taste und killt euren Darling. Seufzend.

Oder fragt den Lektor: Warum hast du das gestrichen? Ein guter Lektor kann begründen, warum er Änderungen und Streichungen vornimmt. Und ihr könnt daraus lernen. Mit einem guten Lektor kann man auch über Änderungsvorschläge diskutieren. Ob vielleicht eine andere Änderung der problematischen Stelle besser wäre.

Viele Rechtschreibfehler in einem Buch wirken wie Mücken im Cappuccino. Der Kaffee wird dadurch nicht schlechter, aber der Appetit ist vergangen. Gleiches gilt, wenn Stil und Grammatik mehr als zu wünschen lassen.

Ohne gute Dramaturgie keine gute Geschichte

Was aber absolut tödlich ist: Wenn die Dramaturgie nicht stimmt. Ein WhoDonit Krimi, bei dem schon auf Seite 10 klar ist, wer der Mörder war, eine Liebesgeschichte, in der sich Romeo und Julia in die Arme fallen und die nächsten zweihundert Seiten glücklich und zufrieden miteinander leben, sorgen dafür, dass Leser das Buch gähnend weglegen.

Erfahrene Autorinnen wissen das. Wenn ihr bereits zehn Bücher veröffentlicht habt, wird die Überprüfung von Dramaturgie und Personen euch in Fleisch und Blut übergegangen sein.

Anfänger beauftragen ihren Lektor, die Kommafehler zu korrigieren im Irrglauben, dass die Dramaturgie schon stimmen wird. Ihnen steht ein böses Erwachen bevor. Wenn ihr am Anfang eurer Schreibkarriere steht, solltet ihr davon ausgehen, dass ihr noch nicht die perfekten Dramaturgen seid. Und dass ein Lektor – jedenfalls ein guter – euch darauf hinweisen wird, dass dort noch einiges zu tun ist.

Und wo findet man die guten Lektorinnen und Lektoren?

Da gibt es einmal die Datenbank des Verbandes der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL). Dort könnt  ihr nach den gewünschten Kriterien suchen lassen. Gut sind auch Empfehlungen anderer Autoren.

Gute Lektoren haben Beispiele ihrer Arbeit auf ihrer Homepage oder einen Blog, so dass ihr sehen können, wie sie arbeiten.

Nicht zu vergessen: Ein Probelektorat ist gut, bevor ihr ein umfangreiches Manuskript für viel Geld überarbeiten lasst. Da seht ihr, ob ihr zueinander passt. Oft gibt euch schon dieses Probelektorat einen Hinweis, woran ihr noch arbeiten müsst. Wenn euer Personal flach ist, merkt ein guter Lektor das bereits auf den ersten Seiten. Und wenn die Dialoge noch holpern, muss der Lektor nicht fünfhundert Seiten holpernder Dialoge lesen, um euch das zu sagen. Das spart euch viel Geld und dem Lektor Nerven.

Ist ein Probelektorat kostenlos?

In der Regel nicht. Gute Lektoren haben einen Kundenstamm, sie werben nicht mit Dumpingpreisen. Auch ein Probelektorat kostet Zeit und Arbeit. Der Autor erhält Hinweise, woran er arbeiten sollte. Auf welchem Stand er steht. Das ist seinen Preis wert.

Übrigens: Niemand muss das ganze Manuskript lesen, um die Dramaturgie zu beurteilen. Verlage und Literaturagenten lassen sich ein Exposé mit der Handlung schicken, bevor sie einen Roman annehmen. Weil man daraus eine Menge über eine Geschichte entnehmen kann. Ob es Plotlöcher gibt. Ob die Heldin nur auf dem Sofa sitzt, nachdenkt und von anderen erfährt, was Sache ist. Statt selbst aktiv zu werden.

Auch das ist eine Möglichkeit, eure Geschichte erst einmal zu testen. Dass ihr ein Exposé erstellt und so den Plot mit einem Lektor bearbeitet.

Ein guter Lektor macht ein Buch besser, ein schlechter macht ein anderes Buch daraus!

Zum Schluss noch ein Zitat des Bestsellerautors Andreas Eschbach:

Als jemand, der schon viele Lektoren erlebt hat, möchte ich anmerken, dass auch Lektoren ihre Stärken und Schwächen haben. Der eine ist super, wenn es um Kontinuität geht („Ihre Heldin hatte in Kapitel 2 aber hellblaue Augen!“, „An dieser Stelle müsste es Sonntag sein, nicht Montag“), der andere sieht erzählerische Fehler gut („hier müsste ihr Held das Kätzchen retten, sonst nimmt man ihm später nicht ab, dass …“), andere haben ihre Stärken eher beim Stil („hier wären kürzere Sätze wirkungsvoller“, „dieses Wort alliteriert mit dem im nächsten Absatz, das klingt seltsam“) oder in der Grammatik („das muss hier korrekt aber ‚hätte sollte gewollt gemusst haben’ heißen“ ). Gut ist es, wenn sich das mit den eigenen Stärken und Schwächen ergänzt. Ich zum Beispiel bin immer dankbar, wenn jemand meine Kontinuitätsfehler entdeckt, ehe das Buch in den Läden liegt, aber in Disputen über stilistische Fragen könnte ich, glaube ich, handgreiflich werden.

(Aus: Schreiben ist nichts für Feiglinge – Buchmarkt für Anfänger)

 

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Exposé und Plot diskutieren
http://www.hanspeterroentgen.de/workshop-expose/

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Lob der Realität

Nein, ich bestreite nicht, dass das Internet uns viele Vorteile gebracht hat. Nicht nur E-Books, Emails, auch die Möglichkeiten virtueller Workshops und Arbeitsgruppen. Egal, wo die Teilnehmer wohnen, ob in Buxtehude oder in Lugano, egal, wann sie Zeit haben, man kann miteinander diskutieren und lernen. Nicht zu vergessen: Man kann alles nachlesen, was die anderen gesagt haben.
Ich habe selbst an Workshops im Internet teilgenommen und auch welche geleitet.

Und dennoch will ich die Realität nicht missen. Gemeinsam an einem Tisch sitzen, über die eigenen und die fremden Texte zu diskutieren, sich die Köpfe heißreden, ob die widerborstige Heldin dem König tatsächlich die Zaubersprüche verrät oder mit welchem Trick sie ihn übertölpeln würde, das hat etwas.
Weil es Rede und Gegenrede sofort gibt. Niemand hat Zeit, erst stundenlang seine Antwort abzuwägen und wohlgesetzte Antworten zu formulieren.
„Erzähl deinen Plot, fang beim Protagonisten an, welches ist der Konflikt, worum geht es?“
Und plötzlich spricht die Autorin frei von der Leber weg, die Geschichte wird lebendig. Manchmal ist es gut, wenn es keine lange Zeit zum Überlegen gibt. Der innere Zensor hat keine Zeit entsetzt aufzuschreien. Und auch die anderen werfen ihre Ideen ungefiltert in den Ring.
Wir haben Glück. Wir können beides. Nicht nur bei Workshops. Wir müssen uns nicht für entweder – oder entscheiden. Entweder E-Books oder Print. Entweder online Händler oder Buchhändler um die Ecke.
Wir können beides nutzen. E-Books und Print. Online Händler und Buchhändler um die Ecke. Und Internet-Kurse und Workshops in der Realität.
Auch wenn immer wieder ein „Entweder – Oder“ aufgebaut wird.

Link: Workshops und Seminare für Autoren

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