Spannungslektorat Nov. 2016

Nightwalker

Vierundzwanzig Augenpaare starrten sie an.

Taja hielt auf der Türschwelle inne und schaute sich in dem hellen Raum mit den hohen Fenstern um. An den gelbgestrichenen Wänden hingen weichgezeichnete Poster, knallbunte Landkarten und peinliche Werke aus dem Kunstunterricht. Sie verzog den Mund. Wie im Kindergarten. Das hier sollte das Klassenzimmer der 11a sein? In ihrer Schule in Berlin waren die Wände von einem schmutzigen Grau gewesen und kahl, ohne irgendeinen Schmuck, der die trostlose Atmosphäre aufgeheitert hätte. Reduziert auf das Wesentliche. Keine Ablenkung von der täglichen schulischen Langeweile.

Ihre neuen Mitschüler mit den sauberen Jeans und den gebügelten Shirts passten perfekt in diese keimfreie Umgebung, wie sie da in kleinen Gruppen zusammenstanden und sie mit offenen Mündern anglotzten. Ein Haufen angepasster Loser. Kein Wunder, dass sie auffiel wie ein Papagei in einem Taubenschlag mit ihren schwarzen Klamotten, dem silbernen Ohrring mit dem Totenkopf und den Piercings im rechten Nasenflügel und in der Unterlippe.

Wie sie das hasste! Dauernd eine neue Stadt, eine neue Schule, neue Lehrer und Mitschüler. Und jetzt dieses Kaff am Ende der Welt, in dem ihr Vater eine Stelle als Leiter des Stadtmuseums gefunden hatte. Was für ein Absturz nach Berlin, dieser hektischen und aufregenden und geilen Stadt, in der sie zwei Jahre gelebt und die sie geliebt hatte. Ihrer Mutter war es egal gewesen, wohin sie zogen, als Lektorin konnte sie von überall arbeiten, wo ihr Computer stand. Und ihr jüngerer Bruder Tom hatte unbedingt weg gewollt, weil der Verweis von seiner Berliner Schule gedroht hatte. Tajas Einwände waren von ihrer Familie einfach weggewischt worden.

Sie zuckte ergeben die Schultern. Jammern half nichts. Sie musste da durch. War ja nicht das erste Mal. Sie trat in das Klassenzimmer und ging auf den einzigen Zweiertisch zu, der nicht von Jacken und Taschen vereinnahmt war. Ein großer, schlaksiger Junge mit blonder, übers halbe Gesicht fallender Haartolle stellte sich ihr in den Weg.

„Der Tisch ist besetzt.“

Sie schob kampfbereit das Kinn vor. „Ach? Ich seh hier niemand sitzen.“

„Ich halte ihn frei.“ Der Junge grinste überheblich. „So was macht man schließlich für seine Freunde.“

Schon klar. Der blonde Speichellecker bekam sicher das Bundesverdienstkreuz für seine edle Tat in den Hintern geschoben.

„Du kannst dich da vorn hinsetzen.“ Die Stimme gehörte zu einem kleinen, stämmigen Jungen mit dunklen, kurzgeschorenen Haaren. „An den Tisch vorm Pult. Neben … da ist noch ein Platz frei.“

Taja war das Zögern des Kurzgeschorenen nicht entgangen. Sie schlängelte sich durch die im Klassenraum verteilen Grüppchen hindurch bis zu dem Zweiertisch vor dem Lehrerpult und ließ ihre Tasche mit lautem Knall auf die unbenutzte Tischseite fallen.

Das Mädchen, das zusammengesunken auf ihrem Stuhl hockte und ihre Nasenspitze in ein Buch steckte, fuhr zusammen und schaute auf. Schmales, blasses Gesicht, eckiges, dunkles Brillengestell, panischer Blick, mausbraune, dünne Haare, die glatt bis auf die Schultern hingen, zerknittertes, hellgraues Shirt mit einem Kaffeefleck.

„Hi! Cool, dich kennenzulernen.“ Taja lächelte das verschreckte Häschen so freundlich an, wie sie konnte. Das Lächeln sah mit den Piercings in Mund und Nase wahrscheinlich eher bedrohlich aus. „Ich bin Taja. Aus Berlin.“

Das Häschen blinzelte, sagte aber kein Wort. Taja stöhnte innerlich auf. Musste sie dieses Schuljahr etwa neben einer Taubstummen verbringen? Sie zog den freien Stuhl unter dem Tisch hervor und setzte sich.

„Ich bin Amelie.“ Die Stimme klang voll und tief und passte nicht zu der verschüchterten Haltung des Mädchens. „Kannst du deine Tasche ein Stück zu dir ziehen?“

Taja stierte ihre Sitznachbarn an. Was war denn in die gefahren?

„Deine Tasche reicht in meine Seite hinein“, erläuterte Amelie und tippte mit der Spitze ihres rechten Zeigefingers an die vordere Tischkante. „Hier, an dem Strich, ist deine Tischseite zu Ende. Das ist die Grenze.“

Aha. Eine Grenze. Taja kniff die Augen halb zusammen und starrte durch den schmalen Spalt zwischen ihren Augenlidern auf die Stelle, die Amelies Fingerspitze berührte. Tatsächlich. Dort befand sich ein dünner, blauer Kugelschreiberstrich. Und diese Grenze durfte sie mit ihren Sachen nicht überschreiten?

„Das meinst du nicht ernst?“

„Doch.“ Amelie runzelte die Stirn. Ihre Stimme klang scharf. „Jede von uns hat einen halben Tisch. Und wenn wir beide uns daran halten, kriegen wir auch keinen Streit.“

Taja schüttelte ungläubig den Kopf. Das musste sie träumen. War sie statt in die elfte Jahrgangsstufe im Gymnasium in die erste Klasse der Grundschule geraten?

„Keinen Stress, alles okay“, antwortete sie betont friedfertig und zog die Tasche auf ihre Seite. Bei dieser Psychopathin war Vorsicht angesagt. Die konnte jeden Moment eskalieren. Besser, sie hielt haargenau die Grenze ein. Zumindest am Anfang. In ein paar Wochen, wenn sie sich eingewöhnt hatte, konnte sie immer noch die Grenzverhandlungen mit ihrer Sitznachbarin beginnen.

„Lahme Truppe“, sagte Amelie.

Taja blinzelte. „Was?“

„Nightwish.“

Es dauerte ein paar Sekunden, bis Taja begriff, wovon ihre Sitznachbarin sprach. Das schwarze Shirt mit dem Logo von Nightwish hatte sie heute Morgen bewusst angezogen, damit ihre neuen Klassenkameraden gleich kapierten, wie sie drauf war. Ein Statement eben. Musikalisch. Hier in der Provinz hörten sie wahrscheinlich Helene Fischer. Oder Marianne Rosenberg.

„Ich steh auf Slayer“, erklärte Amelie. „Und Paradise Lost. Da war ich letzten Monat auf einem Konzert. So was von geil, sag ich dir.“

„Oh!“ Mehr fiel Taja nicht ein.

„Symphonic Metal wie von Nightwish ist ja nicht übel“, fuhr Amelie fort. „Aber ich zieh mir lieber die derberen Sachen rein.“

Taja nickte nur. Der Punkt ging klar an ihre Sitznachbarin. Die Provinz hatte musikalisch mächtig aufgerüstet. Den Fehler, ihre Mitschüler zu unterschätzen, würde sie kein zweites Mal begehen.

„Dann magst du sicher auch Mercenary“, meinte sie. „Und Draconia“.

Amelie grinste. „Auch geil, die beiden. Mercenary sollen im Winter nach Deutschland kommen, hab ich gehört. Wenn du Lust hast, können wir ja zusammen zum Konzert gehen. Oder ist dir das zu hart?“

„Zu hart kann es für mich gar nicht geben.“ Taja grinste zurück.

Ihre Sitznachbarin nickte. „Also abgemacht. Echt cool, dass du auch auf Metal stehst. Die anderen Mädels in der Klasse hören alle nur so einen weichgespülten Scheiß.“

„Wie Helene Fischer?“

„Du hast`s erfasst.“ Amelie lachte. „Ist nicht so mein Ding.“

Taja fiel in ihr Lachen ein. Vielleicht würde es in der Provinz doch nicht so schlimm werden, wie sie befürchtet hatte.

Lektorat

Wie immer die Frage: Finden Sie die Geschichte spannend? Und warum?

Es ist immer eine gute Übung, sich zu überlegen, warum etwas spannend ist oder warum auch nicht. Das schärft den Blick für die eigenen Texte. Autorinnen (und auch Autoren) sollten jede Gelegenheit nutzen, die Wirkung von Texten zu beobachten. Schreiben Sie ruhig auf, warum Sie einen Text spannend finden und warum nicht. Noch besser: Schreiben Sie auf, welche Techniken der Autor benutzt hat. Welche funktionieren und welche nicht. Und warum.

Zurück zur Ausgangsfrage: Ich halte den Text für spannend. Und für ziemlich gelungen.

Spannungsbogen

Warum ist der Text spannend? Dafür gibt es mehrere Gründe. Wir erleben Taja in einer neuen Klasse. Also in einer neuen Situation. Die Autorin erzählt uns nicht lang den Alltag, das, was jeden Tag passiert, sondern beginnt mit einer neuen Situation. Auch wenn Taja tut, als stünde sie über der Situation, ist sie angespannt. Das ist typisch für Jugendliche. Sie tun cool, aber sind längst nicht so abgebrüht, wie sie vorgeben. Wir haben also gleich zu Anfang einen Konflikt.

Der steigert sich. Sie sucht sich einen Platz aus, doch der ist belegt. Ein kurzer Dialog wie ein Pingpong-Spiel, sie will den Platz, der andere will ihn nicht freigeben. Weder Taja noch der Junge erklären lange, warum und wieso. Das ist bei guten Dialogen ganz wichtig. Lassen Sie nicht die Personen erklären, was warum vor sich geht. Das kann der Leser sich denken. Eine Lücke, ein Subtext zwischen den Zeilen, der die Spannung erhöht.

Schließlich gibt Taja auf, der erste Konflikt ist zu ihren Ungunsten ausgegangen. Wir erleben das durch Tajas Augen. Der Autor erklärt es uns nicht. Wir Leser fühlen die Enttäuschung. Kein »Taja war enttäuscht«, mit dem die Autorin uns die Gefühle mitteilt.

Danach teilt ihr ein anderer mit, dass vorne, direkt vorm Lehrerpult, ein Platz frei ist. Entspannung nach dem ersten Konflikt. Aber nicht ganz, denn irgendwas stimmt mit dem Platz nicht. Wir ahnen, dass mit der Schülerin daneben etwas nicht stimmt. Dass dort gleich der nächste Konflikt wartet.

Und der kommt unvermeidlich. Mit dem Streit über die Grenze. Oh Gott, neben was für einer Pedantin ist Taja hier gelandet? Der Leser leidet mit der Heldin. Ganz wichtig für die Spannung: Der Leser muss die Gefühle der Helden erleben. Es nützt nichts, sie dem Leser per Autorenstimme mitzuteilen.

Dann wieder Entspannung. Und Überraschung. Die graue Maus ist gar nicht so grau, sondern noch härter als Taja. Zumindest, was ihren Musikgeschmack angeht. Der Konflikt wird aufgelöst; die beiden Mädchen haben viel gemeinsam und verabreden sich. Entspannung.

Aber wir ahnen: Lange wird diese Entspannung nicht vorhalten. Der Autor wird Taja stantepede in den nächsten Konflikt stürzen.

Dieser geschickte Aufbau Spannung (Konflikt) – Entspannung – größere Spannung – Überraschung – Entspannung hält den Leser gefangen. Der Angelhaken ist ausgeworfen.

Übung:

Untersuchen Sie in einem eigenen Text, wie sich dort Spannung und Entspannung aufbauen.

Haben Sie einen Konflikt? Wie wird er gelöst und gleichzeitig der nächste Konflikt angedeutet?

Rückblende

Gleich im zweiten Absatz gibt es eine Rückblende:

In ihrer Schule in Berlin waren die Wände von einem schmutzigen Grau gewesen und kahl, ohne irgendeinen Schmuck, der die trostlose Atmosphäre aufgeheitert hätte. Reduziert auf das Wesentliche. Keine Ablenkung von der täglichen schulischen Langeweile.

Rückblenden auf der ersten Seite sind gefährlich. Sie dienen oft nur dazu, dass der Autor dem Leser Dinge erklären kann, von denen er überzeugt ist, dass der Leser sie wissen muss. In der Regel bremsen sie den Lesefluss, und ich streiche sie. Der Text wird dann spannender.

Könnte man obige Rückblende streichen, und der Text würde besser werden?

Nein. Aber warum nicht?

Weil diese Rückblende durch den Gegensatz der beiden Klassenzimmer ein gutes Bild des neuen Klassenzimmers zeichnet. Und Taja lebendiger werden lässt. Sie findet graue Klassenzimmerwände besser als solche mit Wandschmuck. Ungewöhnlich. Nicht das Übliche.

Und wie ist es mit der nächsten Rückblende?

Wie sie das hasste! Dauernd eine neue Stadt, eine neue Schule, neue Lehrer und Mitschüler. Und jetzt dieses Kaff am Ende der Welt, in dem ihr Vater eine Stelle als Leiter des Stadtmuseums gefunden hatte. Was für ein Absturz nach Berlin, dieser hektischen und aufregenden und geilen Stadt, in der sie zwei Jahre gelebt und die sie geliebt hatte. Ihrer Mutter war es egal gewesen, wohin sie zogen, als Lektorin konnte sie von überall arbeiten, wo ihr Computer stand. Und ihr jüngerer Bruder Tom hatte unbedingt weg gewollt, weil der Verweis von seiner Berliner Schule gedroht hatte. Tajas Einwände waren von ihrer Familie einfach weggewischt worden.

Würde der Text gewinnen, wenn ich diesen Absatz streichen würde?

Nein.

Warum nicht?

Weil wir dieser Absatz durch die Augen von Taja erleben. Sie betritt ein neues Klassenzimmer. Der Stil ist ein ganz anderer als der der Klasse in Berlin. Und damit wird ihr nochmals klar, dass sie diesen Schulwechsel nicht will. Diese Rückblende ist keine Erläuterung des Autors, sondern das, was Taja durch den Kopf geht. Was an dieser Stelle passt. Obendrein steigert es den Konflikt. Nicht nur, dass sie jetzt in eine neue Klasse kommt, sich neu orientieren muss. Obendrein ist es etwas, das ihr aufoktroyiert wurde. Gegen ihren Willen. Wir leiden mit ihr. Ständig wird sie durch die Weltgeschichte gescheucht, immer neue Schulen.

Erzählstimme

Die Erzählstimme ist die Stimme, die uns die Geschichte erzählt. Das ist nicht Taja, denn wir haben keine Ich-Erzählerin. Dennoch ist die Stimme dicht an Taja, schildert die Ereignisse durch ihre Augen. Es ist keine distanzierte Stimme, kein Autor, der uns erklärt, was Sache ist. »Und jetzt dieses Kaff am Ende der Welt«, das ist Tajas Stimme.

Mancher Autor würde schreiben: »Taja fand, dass dies ein Kaff am Ende der Welt war.« So ein Satz legt sofort Distanz zwischen Taja und Leser. Blickt von außen auf die Person, und der Leser erfährt etwas, aber er fühlt nicht mit Taja mit.

Auch aus einem anderen Grund funktioniert die Erzählstimme. Sie erzählt in der Art, wie Jugendliche sprechen. Viele Autoren verfassen Jugendbücher in einer Sprache, die einem Erwachsenen gehört. Behäbig, mit ausführlichen Begründungen. Tun Sie das nicht. Lauschen sie Jugendlichen. Wie sprechen die untereinander? Lesen Sie gute Jugendbücher. Wie fühlt sich die Erzählstimme von »Tschik« an, von »Der Fänger im Roggen«, von „Huckleyberry Finn«?

Sie müssen nicht den aktuellen Jugendslang verwenden. Der ändert sich sowieso alle paar Jahre. Aber die Leser müssen eine jugendliche Erzählstimme spüren. Locker, scheinbar kann sie nichts erschüttern, sie steht über allem. »Ein Haufen angepasster Loser. Kein Wunder, dass sie auffiel wie ein Papagei in einem Taubenschlag.« Und zwischen den Zeilen spüren wir, wie verletzlich Taja ist, auch wenn sie noch so cool und überlegen tut.

Beschreibung

Wie sieht Taja aus? »Kein Wunder, dass sie auffiel wie ein Papagei in einem Taubenschlag mit ihren schwarzen Klamotten, dem silbernen Ohrring mit dem Totenkopf und den Piercings im rechten Nasenflügel und in der Unterlippe«, so wird sie beschrieben. Sie schaut nicht in den Spiegel, der Autor erklärt uns nicht: »Taja war sechzehn, trug schwarze Klamotten, hatte einen silbernen Ohrring mit Totenkopf im Ohr und Piercings im rechten Nasenflügel und in der Unterlippe.«

Sie wird uns beschrieben, weil sie auffällt wie ein Papagei im Taubenschlag. Damit wird der Unterschied zu den anderen Schülern deutlich. Wir erhalten nicht nur ein Bild von Taja, sondern auch von den Klassenkameraden.

Ach ja, welche Haarfarbe hat Taja? Welche Augenfarbe? Wie ist ihr Gesicht geschnitten, hat sie die Wimpern getuscht, sind die Augen blau oder braun, die Haare lang oder kurz, ist sie groß, mittel oder klein?

Wissen Sie nicht? Ich auch nicht. Haben Sie diese Info vermisst? Ich nicht. Die Autorin hat sich darauf beschränkt, nur die wichtigen Details zu schreiben. Den Rest darf sich jeder Leser selbst ausdenken. Die meisten sehen vermutlich ein großes Mädchen mit schwarzen Haaren vor sich. Wie ich. Die Lücken, die der Autor lässt, können die Leser füllen, dürfen sie füllen. Ein, zwei Details und schon klappt das. Beschreiben Sie nie zu viel. Gerade genug, dass der Leser ein Bild bekommt.

Witz und Bilder

Der Papagei im Taubenschlag, das Bundesverdienstkreuz, das dem Speichellecker in den Hintern geschoben wird, und andere Formulierungen sorgen für Witz. Mit Witz können Sie nicht nur Spannung erzeugen – eine andere als die Spannung durch Handlung –, Sie können vor allem mit wenigen Worten Bilder malen, die der Leser sofort begreift.

Inhalt und Klischee

Aber ist das nicht alles Klischee? Die toughe Schwarzgekleidete, die Heavy Metal hört, die braven Bübchen und Mädchen, die Helene Fischer hören?

Sicher. Ist es auch. Aber so gut geschildert, dass es wirkt. Und darauf kommt es an.

Details

Einige Details ließen sich verbessern. Auch gute Texte lassen sich noch überarbeiten. Je besser ein Text bereits ist, desto vorsichtiger sollte aber die Überarbeitung sein. Man kann Texte auch totlektorieren. Vor allem, wenn man nur nach Schreib- und Grammatikregeln vorgeht und möglicherweise die Wirkung eines guten Textes zerstört.

Hier ist ein etwas ungelenker Satz:

»Und ihr jüngerer Bruder Tom hatte unbedingt weg gewollt, weil der Verweis von seiner Berliner Schule gedroht hatte.«

„Weg gewollt“ fällt aus dem Sprachstil und klingt holprig. Das liegt auch an dem Plusquamperfekt, das man hier gar nicht benötigt. Vielleicht so:

»Und ihr jüngerer Bruder Tom wollte nur weg, nichts wie weg. Weil der Schulverweis in Berlin drohte.«

Auch dieser Satz lässt sich verbessern:

»Sie schlängelte sich durch die im Klassenraum verteilen Grüppchen hindurch bis zu dem Zweiertisch vor dem Lehrerpult.«

Da haben wir die beliebte Partizipkonstruktion, die unnötig ist. »Sie schlängelte sich durch die Grüppchen im Klassenraum«, das klingt besser. Dass die verteilt sind, kann sich jeder Leser denken.

Fazit: Sorgen Sie in Ihren Texten für eine packende Spannungskurve. Beschreiben Sie nicht alles, sondern nur das, was der Leser benötigt, damit Bilder in seinem Kopf entstehen. Und achten Sie darauf, wie Ihre Erzählstimme klingt. Passt sie zu ihrer Heldin?

Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr diesen Blog teilt, verlinkt, weiter empfehlt. Und wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollen, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein solches Beispiellektorat vorschlagen.


Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen
http://www.hanspeterroentgen.de/spannung-1

 

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Spannungslektorat Nov. 2016

Die Zielgruppe

Die Zielgruppe – das unbekannte Wesen

Selfpublishing-Ratgeber empfehlen Autoren, immer die »Zielgruppe« im Auge zu behalten. Verlage und Agenten wollen in Bewerbungen eine genaue Beschreibung der »Zielgruppe«. Doch darüber, wie man die Zielgruppe definiert, schweigen sich beide aus.

Niemand sagt den geplagten Autoren: Wie bestimme ich denn meine Zielgruppe?

Ich berate Autoren, diskutiere mit ihnen ihre Exposés. Aber ich habe noch keinen Autor erlebt, der mir eine klare Zielgruppe für sein Werk nennen konnte. Meist heißt es: »Zielgruppe sind Leser spannender Bücher zwischen 20 und 80«. Wäre »Stüdienrätinnen zwischen 30 und 50« eine bessere Zielgruppe?

Es gibt unzählige erfolgreiche Bestseller, die von zahllosen Verlagen abgelehnt wurden, weil es für das Werk angeblich keine Zielgruppe gab. Oder die Zielgruppe zu klein wäre.

Erst vor kurzem habe ich eine Veranstaltung mit der Bestsellerautorin Elisabeth Herrmann besucht. Fünfzig Verlage hatten ihr erstes Werk abgelehnt, weil es dafür keine Zielgruppe gab. Radiostationen und Zeitungen lehnten das Thema ebenfalls ab. Zum Glück für den Buchmarkt (und für die Leser) fand sich dann doch noch ein Verlag. Das Thema waren Kinder, die im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiterinnen in Haushalten arbeiten mussten.

Als eine gewisse J. Rowlings einen Roman einreichte, der als »Harry Potter« Literaturgeschichte schreiben sollte, wurde auch der mehrfach abgelehnt. Weil es dafür keine Zielgruppe gab. Zehnjährige Jungen (die Zielgruppe) lesen nicht und schon gar keine dicken Bücher.

Selbst Fachleute mit jahre- oder jahrzehntelangen Erfahrungen tun sich mit der Bestimmung der Zielgruppe hart. Wie sollen dann Nachwuchsautoren diese ominöse Zielgruppe korrekt bestimmen? Wissen, was diese Zielgruppe lesen will? Wenn es nicht mal die Fachleute genau einschätzen können?

Ich kenne viele erfolgreiche Autorinnen und Autoren, habe viele interviewt. Aber ich kenne keinen, der auf eine Zielgruppe hin schreibt. Trotzdem haben erfolgreiche Autoren meist eine genaue Vorstellung von ihren Fans und deren Vorlieben.

Es gibt ein paar Tipps, wie man diese ominöse Zielgruppe bestimmen kann.

Die Einfachste: Gehen Sie mal in Buchläden oder im Internet auf die Seiten der Online-Buchläden. Wie sind dort die Bücher geordnet? Wie findet die Zielgruppe ihre Ziele?

Ganz sicher nicht nach »Bücher für 35-45jährige erfolgreiche Frauen«. Diese Zielgruppenbestimmung mag bei Kleidung funktionieren, nicht aber bei Romanen. Bücher werden nach Genres unterteilt und in den Genres nach Subgenres. Jede Buchhandlung, egal ob Laden oder Internet, macht das so.

»Liebesgeschichten« finden sie dort und da findet die Zielgruppe der Leserinnen von Liebesgeschichten ihren Stoff, unterteilt in »erotische Liebesgeschichten«, »historische Liebesgeschichten« und manches mehr.

Zielgruppen bestimmen sich auf dem Buchmarkt durch Genres. Natürlich hat jedes Genre auch bestimmte Leser. »Erotische Liebesgeschichten« zum Beispiel junge Frauen (und angeblich alte Männer ;-)).

Wenn Sie ein klares Genre und Subgenre benennen können, dann haben Sie Ihre Zielgruppe.

Wer ein übriges tun will, kann angeben: »Für Leser von Stephen King«. Oder: »Für Leser von J. Rowlings«. Darüber mokieren sich zwar viele – »Der Autor ahmt den berühmten Kollegen nach« – aber jeder Lektor und jeder Leser hat damit eine ungefähre Vorstellung, um welche Sorte Buch es sich handelt.

Ein weiterer Ratschlag, der gerne genannt wird: Wählen Sie die Zielgruppe aus, bevor Sie zu schreiben anfangen. Am besten eine, die sich gut verkauft.

Stimmt das? Nein. Wenn ich alles über Jeans weiß und welche Jeans junge Frauen am liebsten tragen, kann ich noch lange keine erfolgreichen Jeans für junge Frauen schneidern. Dazu gehört zum einen die Fähigkeit, Jeans zu entwerfen, zuzuschneiden und zu vermarkten. Zum zweiten sollten mich Jeans interessieren.

Ich kaufe meine immer in den Sonderangeboten, wenn eine Alte verschlissen ist. Jeans interessieren mich nicht, ich kann nicht nähen, ich kann nicht entwerfen. Welche Chancen habe ich, erfolgreicher Jeansproduzent zu werden? Selbst wenn ich alle Marktuntersuchungen bezüglich Jeans lesen würde?

Richtig. Keine.

Genauso ist es mit Autoren und ihren Zielgruppen. Jeder Autor, der liest, ist bereits Mitglied einer Zielgruppe. Wer gerne Krimis liest, gehört zur Zielgruppe der Krimileser. Wer vor allem Hochliteratur goutiert, gehört zur Zielgruppe der Hochliteraturleser. Ein begeisterter Krimileser kennt die Zielgruppe der Krimileser. Diskutiert mit anderen über Krimis. Verschenkt sie, redet darüber.

Wer gar nicht liest, gehört nicht zur Zielgruppe der Buchleser. Wie wahrscheinlich ist es, dass jemand, der noch nie Fußball gespielt hat, einen Profi-Vertrag vom Fußballverein bekommt? Genauso wahrscheinlich ist es, dass ein Nichtleser erfolgreicher Autor wird. Oder dass ein Modemuffel eine erfolgreiche Modemarke kreiert.

Das gilt auch für die Genres. Wer ausschließlich Wildwestromane liest, wird keine erfolgreichen literarischen Romane schreiben und auch keine erfolgreiche Liebesgeschichte. Das gilt auch umgekehrt. Wer nur Hochliteratur liest, kann vielleicht einen erfolgreichen literarischen Roman verfassen. Aber keinen Thriller. Wer nicht für seinen Roman brennt, für den werden die Leser auch nicht brennen. So einfach ist das. Und so kompliziert.

Jeff Bezos, der Gründer von Amazon, war ein begeisterter Leser von Science Fiction und Sachbüchern und ist mit einer Schriftstellerin verheiratet. Der Apple Gründer Steve Jobs liebte Musik.

Wundert Sie es, dass heute Apple in der Musik und Amazon bei Büchern fast schon eine Monopolstellung haben? Dass Amazon zwar auch bei Musik versucht, Fuß zu fassen, Apple bei Büchern, das aber nur bedingt gelingt?

Das gilt auch für den Satz: Behalte beim Schreiben deine Zielgruppe im Auge. Wie behalten Sie zum Beispiel die Zielgruppe der Liebesromanleserinnen im Blick, wenn Sie keine Liebesromane lesen?

Stephen King schreibt für seine Frau. Er hat sie beim Schreiben vor Augen. Sie ist Teil seiner Zielgruppe. Aber es ist viel einfacher, für eine Person zu schreiben, die man gut kennt. Schwieriger für eine ganze Gruppe, da wird es schnell anonym.

Ähnliches empfiehlt Ingermanson in »How to Write an Novel Using the Snowflake Method«. Er empfiehlt, beim Schreiben eine möglichst kleine Zielgruppe zu wählen. Rowlings hat zehnjährige Jungen gewählt. Die tatsächliche Zielgruppe, die das Buch liest, ist viel größer, aber so diffus, dass sie dem Autor beim Schreiben nicht weiterhilft. Stellen Sie sich also beim Schreiben eine Person vor, für die sie schreiben. Oder eine möglichst einheitliche, kleine Gruppe von Personen.
Gerne wird auch empfohlen: Schreiben Sie ein Buch, das sie selbst auch gerne lesen würden. Kein schlechter Vorschlag. Sie sind Teil einer Zielgruppe. Wenn Sie ein Buch schreiben, das Sie gerne lesen würden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das auch viele andere aus Ihrer Zielgruppe wollen.

Wichtig es ist, seine Zielgruppe nicht nur zu kennen, sondern auch Mitglied von ihr zu sein. Nur so kann man deren Vorlieben und Wünsche wirklich gut kennen. Denn dann sind es auch die eigenen Wünsche und Vorlieben.

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Literatur zum Thema

Stephen King, Das Leben und das Schreiben
Ingermanson, How to Write an Novel Using the Snowflake Method
Hans Peter Roentgen, Drei Seiten für ein Exposé

Kunden und Zielgruppe, http://www.boersenverein.de/de/385107
Buchmarkt 2014, http://www.buchmesse.de/images/fbm/dokumente-ua-pdfs/2014/buchmarkt_deutschland_buch_und_buchhandel_in_zahlen_2014_deutsch.pdf_45274.pdf
Definition Zielgruppe, https://de.wikipedia.org/wiki/Zielgruppe

Die Zielgruppe

Der Pitch

Der Pitch bringt die Geschichte auf den Punkt

Der Begriff ‚Pitch’ kommt wie so vieles aus Amerika. Sie treffen zufällig einen Literaturagenten im Fahrstuhl und haben genau eine Minute Zeit, ihm Ihre Geschichte vorzustellen. Bevor er aussteigt, müssen Sie ihn überzeugt haben.

Das ist die Theorie. Ich kenne viele veröffentlichte Autoren, aber keinen, der im Fahrstuhl seinen Verleger getroffen hat. Das ist die Praxis.

Der Pitch ist dennoch nicht nutzlos, ganz im Gegenteil. Denn auch ohne Fahrstuhl müssen Sie Leser oder Agenten erst mal neugierig auf Ihre Geschichte machen. Ganz egal, ob Sie Selfpublisher werden wollen oder Verlagsautor, Sie benötigen einen Pitch.

Der Pitch ist der Hook, der Angelhaken, der den Leser lockt, sich die Geschichte näher anzusehen. Im Klappentext ist er der erste Satz, der entscheidet, ob der Leser das Buch weglegt oder den ganzen Klappentext liest.

Wenn Sie sich bei einem Literaturagenten oder Verlag bewerben, entscheidet der Pitch im Anschreiben, ob der Agent überhaupt einen zweiten Blick auf Ihr Projekt wirft.

Wenn Sie Journalisten, Bloggern oder Buchhändler für Ihr Buch interessieren wollen, ist der Pitch der Fuß in der Tür, der Ihnen den Eintritt verschafft – oder eben auch nicht.

Natürlich kauft niemand ein Buch allein aufgrund des genialen Pitchs. Ein Pitch ist kein Wundermittel. Er ist ein kondensiertes Exposé. Er sagt, was das Besondere an Ihrem Projekt ist.

Das Thema ist kein Pitch

Ihre Geschichte handelt von einer Amour fou, will darstellen, welche Folgen so eine verhängnisvolle Liebe hat? Das wäre das Thema. Aber das Thema ist kein Pitch. Das sollten Sie nie verwechseln.

Das Thema ist statisch. Themen sind außerdem abstrakt. Beides sind Eigenschaften, die ihrem Pitch nicht guttun.

Der Pitch sollte lebendig, aktiv formuliert sein.

Meine Geschichte handelt von dem Drang nach Wissen und dem Wunsch nach Leben.

Dieser Satz beschreibt das Thema.

Ein alternder Wissenschaftler verkauft seine Seele dem Teufel, damit der ihm junge Mädchen verschafft  wäre aktiver, anschaulicher und deshalb eher als Pitch geeignet.

Show, don’t tell

Kurz und anschaulich soll ein Pitch sein. Und nicht nur leeres Werbeversprechen.

Das ist die berührende Liebesgeschichte von Helga, die ihre große Liebe findet. Eine Geschichte voller Emotionen, Tragik und Liebe!

 Wenn ich so etwas lese, denke ich, dass die Geschichte nicht berührt, keine Emotionen hat und die Tragik behauptet wird. Warum? Weil das auf jede beliebige Liebesgeschichte zutrifft. Weil sich nirgendwo etwas findet, das diese Behauptungen belegt. Weil das Buch vermutlich genauso 08/15, genauso langweilig wie dieser Pitch ist. Ein Pitch muss konkret sein.

Den Widerstandskämpfer Rick hat seine Geliebten beim Einmarsch der Deutschen in Paris verlassen, jetzt hockt er zynisch und verbittert in seinem Café in Casablanca. Da betritt die Ex das Café – am Arm eines anderen Mannes.

 Das allein ist kein Beweis, dass die Geschichte gut ist oder sich verkaufen lässt. Aber es wäre zumindest interessant genug, dass es sich lohnen könnte, einen zweiten Blick auf das Buch zu werfen – das ‚Casablanca’ heißt.

Im Pitch soll man nichts über das Wie sagen. Nicht, wie gut der Stil ist, nicht wie spannend die Verwicklungen. Da geht es nur ums Was. Und »Show, don’t tell« gilt auch hier.

Beispiele

Filme haben oft gute Pitchs. Zum Beispiel:

Ein einzelgängerischer Taxifahrer in New York steigert sich in den missionarischen Wahn, seine Stadt in nächtlichen Kreuzzügen mit tödlicher Selbstjustiz von Schmutz und Gewalt zu befreien.

Das wäre ein Pitch für „Taxidriver“. Er gibt uns eine Vorstellung davon, was uns in der Geschichte erwartet – und klingt das nicht vielversprechend?

Noch kürzer wäre dieser:

Sie brachte eine kleine Stadt auf die Beine und zwang ein großes Unternehmen in die Knie.

Das ist „Erin Brockovitch“ mit Julia Roberts.

Hier kommt die schlechte Nachricht: Ihr erster Pitch wird nicht annähernd so gut sein. Er wird grottig klingen. Pitchen ist eine Kunst für sich. Und ich kann nur immer wieder Hemingway zitieren: »Der erste Entwurf ist immer Scheiße«.

Die gute Nachricht: Auch Pitchen lässt sich lernen. Und auch aus langweiligen Entwürfen lassen sich glitzernde Edelsteine schleifen.

Zwölf Lösungen

Wie kommt man dann einem guten Pitch? Eine bewährte Methode ist Brainstorming. Schreiben Sie so schnell wie möglich zwölf verschiedene Sätze über Ihr Projekt auf. Bewerten Sie sie nicht, schreiben Sie einfach. Erlauben Sie es sich, auch den größten Stuss zu formulieren. Schicken Sie Ihren inneren Zensor ins Café, dort darf er die Druckfehler in der Zeitung anstreichen. Im Moment steht er nur im Weg herum und bremst Ihre Kreativität.

Haben Sie zwölf Lösungen? Dann lassen Sie sie erst einmal stehen. Gehen Sie spazieren, trinken Sie Tee, putzen Sie endlich mal wieder die Wohnung.

Fertig? Dann können Sie sich jetzt die Lösungen ansehen. Welche sprechen Sie an. Nein, nicht bewerten. »So was kann ich doch nicht schreiben« ist kein Argument. Es geht um die Wirkung. Welcher Satz hat das gewisse Etwas.

Sie können auch zwei Sätze kombinieren.

Polieren

Polieren Sie Ihren Pitch. Feilen Sie daran. Erinnern Sie sich an das Beispiel mit Julia? Polieren wir diesen Satz. Was ist das Problem?
Das ist die berührende Liebesgeschichte von Helga, die ihre große Liebe findet. Eine Geschichte voller Emotionen, Tragik und Liebe!
Dieser Satz ist viel zu allgemein. Was ist das Besondere an Julias Geschichte? Vielleicht:

Julia verliebt sich in Romeo, doch der stammt aus einer strenggläubigen muslimischen Familie und Julias Eltern sind Anhänger der AfD.

Da können Sie sich die Behauptung sparen, dass es eine Geschichte voller Emotionen, Tragik und Liebe wäre. Das schlussfolgert der Leser. Merke: Der Pitch sollte das Besondere herausstellen und deshalb konkret sein.

Womit beginnt die Geschichte

Das, was Ihre Geschichte in Gang setzt, liefert oft auch einen guten Pitch. Der alternde Faust steht auf kleinen Mädchen und verschreibt seine Seele dem Teufel, um neuen Stoff zu bekommen. Ein Hundertjährige steigt aus dem Fenster und verschwindet.

Der Hundertjährige ist ein gutes Beispiel dafür, dass manchmal schon der Titel einen guten Pitch ergibt.

Der Konflikt

Auch der Grundkonflikt Ihrer Geschichte kann einen hervorragenden Pitch liefern.

Meine Helden lieben sich, aber die Eltern sind dagegen.

Das wäre der Grundkonflikt von Romeo und Julia. Er gilt allerdings für sämtliche Varianten, für Shakespeares Original, für Romeo und Julia in einem Schweizer Dorf wie auch für Romeo und Julia in der Bronx. Der Pitch sollte aber anschaulicher werden. Erinnern Sie sich noch an mein Beispiel oben:

Julia verliebt sich in Romeo, doch der stammt aus einer strenggläubiger muslimischen Familie und Julias Eltern sind Anhänger der AfD …

Das ist die anschauliche Variante des Julia und Romeo Konflikts.

Testen

Wenn Sie einen Pitch haben, den Sie für gut halten, testen Sie ihn. Erzählen Sie ihn anderen Autoren, Lesern, Freunden und Bekannten. Sind Sie sich nicht sicher, können Sie auch zwei Varianten zur Auswahl stellen und fragen: Welche lockt mehr zum Lesen?

Also ran an den Speck! Pitchen Sie Ihre Geschichte! Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

Fazit:

Ein Pitch beschreibt ein Buch in einem, maximal zwei Sätzen. Er soll Interesse für das Buch wecken, deshalb kurz, knapp und prägnant das Besondere der Geschichte herausstellen.

Workshop Exposé und Pitch, 21.1.2017

Dieser Artikel ist eine überarbeiteter Text aus dem Schreibratgeber:
Drei Seiten für ein Exposé

Der Pitch