Kopp Verlag enthüllt – Erde ist eine Scheibe

Endlich wagt jemand gegen die Lüge aufzutreten, dass die Erde eine Kugel sei. Eine Lüge, die gekaufte Wissenschaftler der grünrotversifften Mafia seit Jahrhunderten predigen. Und jeden, der dagegen opponiert, beschimpfen, terrorisieren, ausgrenzen. Soweit ist Deutschland gekommen.

Nein, dass die Erde eine Kugel sei, gehört nicht zu Deutschland! Und diesen widerlichen kranken Hirnen, die das behaupten, wird von vorne und hinten das Geld hineingeschoben. Während den besorgten Bürger, die an der Erdscheibe von Nebra festhalten, alle Forschungsgelder gestrichen wurden, sie werden verlacht und verboten.

Doch der Kopp-Verlag lässt sich nicht einschüchtern. Er wagt es als einziger, die Wahrheit herauszubringen gegen eine Mauer von Lügen! Heute wird die erste Auflage von „Scheiben für immer“ ausgeliefert.

„Die Erde ist eine Scheibe“, erklärte heute der Verlagschef. „Und wir lassen uns die Scheibe nicht verbieten, auch wenn rotgründversiffte Kulturfotzen uns beschimpfen und von den Kulturpreisen ausschließen.

Wieviele Wissenschaftler der Scheibentheorie haben einen Wissenschaftspreis erhalten? Keine! Wieviele Künstler der Scheibentheorie haben Literaturpreise erhalten? Keiner!

Das beweist ja hinlänglich, wie die Lügenpresse, die Kulturfotzen und frustrierte Feministinnen an Kugeln festhalten. Wir sagen : Hinweg damit! Das gehört nicht zu Deutschland. Deutschland ist seit Jahrtausenden ein Scheibenland, wie Nebra beweist!“

Schon am ersten Tag konnten mehr als 50.000 Exemplare von „Scheiben für immer“ verkauft werden. Die AfD Parteileitung gab eine Presseerklärung heraus und fordert im Parteiprogramm in Zukunft die Forschungsgelder nur noch für Scheibentheoretiker zur Verfügung zu stellen und die aufwändigen, aber nutzlosen Forschungen zur Kugeltheorie umgehend zu streichen.

Und Pegida fordert: „Keinen Cent mehr für die gekauften Wissenschaftler der Kugeltheorie!“

„Die empörten Reaktionen auf dieses Buch zeigen, wie nötig es war“, sagte der AfD-Pressesprecher. „Und dass es in der Schule nicht besprochen wird, beweist, dass es die Anhänger der politischen Korrektheit alles tun, um unabhängige Meinungen zu verbieten.“

PS: Das ist Satire. Aber die Formulierungen im Text stammen aus FB Postings und aus Kopp Werbung.

Kopp Verlag enthüllt – Erde ist eine Scheibe

Zehn Dinge, die jeder Autor über Schreibregeln wissen sollte

»Wenn Sie ein Adjektiv treffen, bringen Sie es um«, meinte Mark Twain und begründete damit eine der bekanntesten Schreibregeln. Clemenceau stimmte ihm zu: »Bevor Sie ein Adjektiv verwenden, kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob es wirklich nötig ist«.

Dagegen schrieb Rudyard Kipling in »Puck«: „Was für ein dicker, bunter, glucksender Tropf doch ein Fasan ist“. Gleich drei Adjektive hintereinander. Und keins würde ich streichen.

Also alles Unsinn? Besser nicht auf Schreibregeln hören, wenn sich Nobelpreisträger auch nicht danach richten?

Was Schreibregeln sind (und was nicht), das möchte ich in diesem Blogbeitrag darstellen.

Schreibregeln sind keine Gesetze

Keine Schreibpolizei kommt, wenn Sie sich nicht an die Schreibregeln halten. Sie erhalten auch keinen Bußgeldbescheid des Kultusministers. Für jede Schreibregel, die ich kenne, weiß ich Beispiele aus der Literatur, die sie übertreten hat. In Deutschland versteht man unter Regel gerne etwas, das auf jeden Fall eingehalten werden muss. Wenn das nicht der Fall ist, gehört die Regel auf den Abfallhaufen.

Was für ein Unsinn. Höflichkeitsregeln sind nützlich, Sie erleichtern das Zusammenleben. Aber manchmal muss man sie übertreten und Tacheles reden. Sind die Höflichkeitsregeln deshalb Unfug? Nein!

Nicht anders ist es bei den Schreibregeln. Sie sind Empfehlungen, sie beruhen (wenn sinnvoll) auf den Erfahrungen unzähliger Autoren und Lektoren. Aber sie sind kein Zwangskorsett, sondern Empfehlungen.

Auf die Wirkung kommt es an

Geschichten sollen die Leser berühren, fesseln, sie die Welt durch andere Perspektiven erleben lassen. Können sie das, ist es gut. Können sie es nicht, ist das schlecht.

Wenn ich einen Text lese, prüfe ich nicht, ob er die Schreibregeln erfüllt. Ich prüfe, ob er mich packt. Tut er das, darf er alle Regeln brechen. Tut er das nicht, ist es Zeit, die Werkzeugkiste aufzuklappen und die Schreibregeln herauszuholen.
Denn dafür sind die Schreibregeln da.

Schreibregeln sind Werkzeuge

In Deutschland muss man Gesetze befolgen, Regeln einhalten und danach wird die Arbeit beurteilt. Wir haben eine Vergangenheit als Obrigkeitsstaat. Doch es gibt keine Obrigkeit mehr, die beurteilt, was man schreiben darf und was nicht. Zum Glück.

Schreibregeln sind Werkzeuge. Eigentlich wäre »Schreibwerkzeug« der bessere Begriff, aber ich möchte nicht die babylonische Sprachverwirrung im Schreiben vermehren. Der Begriff Schreibregel hat sich durchgesetzt.

Die Schreibregeln sind die Rohrzange der Autoren. Funktioniert der Wasserhahn, lässt man die Zange im Werkzeugkoffer und der Koffer bleibt zu. Tropft allerdings der Wasserhahn, dann wird es Zeit, die Werkzeuge herauszuholen.

Wenn eine Geschichte durchhängt, dann ist es Zeit, den Werkzeugkasten mit den Schreibregeln auszupacken. Und die Spannungsschrauben anzuziehen. Andreas Eschbach hat solche Spannungsschrauben beschrieben.

Jeder Autor sollte die wichtigsten Schreibregeln kennen

Auch beim Schreiben gibt es typische Anfängerfehler. Infodump, Personen von außen betrachten, Überfülle von nichtssagenden Adjektiven, Dialoge, die grammatikalisch korrekt sind und genau deshalb holpern, Rückblenden, die erzählen, wann der Held entwöhnt wurde, und …, und …, und…

Die meisten Schreibregeln befassen sich mit diesen Anfängerfehlern.Sie benennen die üblichen Probleme, die dazu führen können, dass ein Text nicht packt.

Schreibregeln gehören in die Überarbeitung

Es gibt nichts Schlimmeres, als während der Erstfassung an die Schreibregeln zu denken. Schreibregeln gehören zur Vernunft, Geschichten benötigen Fantasie und Intuition. Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf, ob sie alle Schreibregeln einhalten, wenn Sie die Erstfassung schreiben. Überlassen Sie beim Schreiben Ihrem inneren Kind die Führung.

Dann kommt die Überarbeitung. Jetzt ist der innere Zensor gefragt, die Vernunft übernimmt die Herrschaft. Und die klappt den Werkzeugkasten auf, wenn was nicht stimmt.

Schreibregeln hemmen nicht die künstlerische Freiheit

Das ist der häufigste Vorwurf gegen die Schreibregeln. Sie würden die künstlerische Freiheit behindern und immer gleiche Romane hervorrufen.

Meist kommt der Vorwurf von Leuten, deren Kunst noch sehr am Anfang steht. Nein, wer die Schreibregeln mißachtet, weil er sie nicht kennt und es nicht besser kann, ist deshalb noch kein großer Künstler.

Weil sie bei der Überarbeitung so nützlich sind, sollte jeder Autor sie kennen und wissen, wie man sie anwendet. Das bedeutet nicht, dass er sie immer und überall anwenden muss. Wenn ich weiß, wie ich eine Rohrzange verwende, heißt das noch lange nicht, dass ich alle Arbeiten mit der Rohrzange erledigen muss. Schließlich gibt es auch einen Hammer. Der ist für Nägel geeigneter. Und wenn alles in Ordnung ist, brauche ich weder Hammer noch Rohrzange.

Schreibregeln haben Gründe und Autoren sollten die kennen

Schreibregeln sind geronnene Erfahrung von Autoren. Dass Mark Twain vor Adjektiven warnte, hatte Gründe. Ein Übermaß von Adjektiven (vor allem von nichtssagenden) bremst Texte, lässt die Spannung erlahmen.

Auch eine zweite Regel von Mark Twain hat seinen Grund: »Verwende das genau passende Wort und nicht seinen Cousin«. Der Grund dürfte jedem einleuchten.

Nur wenn Sie die Gründe der Schreibregeln kennen, können Sie richtigen Gebrauch von ihnen machen.

Schreibregeln legen nicht fest, wie gut ein Text ist

Nein, die Qualität eines Textes hängt NICHT davon ab, ob er alle Schreibregeln befolgt. Auch nicht, ob er den Regeln gehorcht, nach denen manche Kulturredakteure entscheiden, ob ein Text »literarisch wertvoll« ist.

Wer die Qualität eines Textes danach beurteilt, wie viele Adjektive er pro Seite enthält, ist auf dem Holzweg. Deshalb hat ein guter Lektor auch keine Tabelle bei der Arbeit neben sich liegen, auf der er ankreuzt, ob die Regeln befolgt werden. Weniger als 3 Adjektive pro Seite: Toller Text. Mehr als zehn: Grottig.

Was aber jeder Lektor nutzt: Die Kenntnis darüber, mit welchen Regeln man korrekturbedürftige Stellen verbessern kann.

Schreibregeln gehen guten Autoren in Fleisch und Blut über

Amerikanische Schreibcoaches sagen: Erst muss man den Autoren die Regeln beibringen. Dann sie zu vergessen.
Je öfter Sie bei der Überarbeitung bestimmte Schreibregeln benutzen, desto schneller werden Sie Ihnen in Fleisch und Blut übergehen. Alte Hasen müssen nicht lange überlegen, wenn sie Dialoge schreiben. Sie bauen automatisch einen Konflikt auf, halten die Dialoge kurz. Anfänger lernen das bei der Überarbeitung.

Grammatikregeln sind ebenfalls keine Gesetze

Auch wenn mich jetzt Deutschlehrer und Kulturredakteure kreuzigen:  Grammatikregeln dürfen übertreten werden. In Dialogen ist die buchstabengetreue Befolgung aller Grammatikregeln meist hinderlich. Gibt viele Gründe, warum ein Autor an bestimmten Stellen die Grammatik Grammatik sein lassen sollte.

Das heißt natürlich nicht, dass er die Grammatik nicht kennen sollte. Aber er muss wissen, wann er sie befolgen sollte – und wann nicht. Das ist nicht anders als bei den Schreibregeln. Manchmal gilt das sogar bei der Rechtschreibung. Ze do Rock hat das in »Fom Winde verfeelt« bewiesen. Auch hier gilt allerdings: Schreibfehler aus Unkenntnis sind kein Zeichen hoher Kunst.

Sol Stein, der Autor des Standardwerks »Über das Schreiben«, hat es kurz und treffend formuliert:

Jeder Autor muss irgendwann lernen, wann er die Regeln einhalten sollte und wann er sie brechen muss.

Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr diesen Blog teilt, verlinkt, weiter empfehlt. Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollt, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

Impressum Homepage Hans Peter Roentgen

Zehn Dinge, die jeder Autor über Schreibregeln wissen sollte

Richtig würzen mit Adjektiven und Adverbien

Adjektive (Eigenschaftsworte) und Adverbien (Umstandsworte) haben einen schlechten Ruf. „Wenn Sie ein Adjektiv treffen, bringen Sie es um“, riet Mark Twain AutorInnen. Und der Verleger und spätere französische Ministerpräsident Clemenceau verlangte von seinen Journalisten: „Bevor Sie ein Adjektiv hinschreiben, kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob es nötig ist.“ Beide hatten erlebt, was Lektoren auch heute feststellen: Adjektive sind beliebt und werden vor allem von Anfängern zu häufig benutzt.

Sollten AutorInnen also lieber gar keine Adjektive verwenden? Nein, aber sie sollten es damit halten, wie mit Gewürzen. Ohne sie schmeckt jedes Essen fad, aber überreichlich eingesetzt, machen sie es ungenießbar.

Das Gefühl für Adjektive schärfen

Wie entscheidet der geplagte Autor, welches Gewürz nötig ist? Die Fantasy-Autorin Ursula K. LeGuin hat in ihrem Buch „Kleiner Autorenworkshop“ eine gute Übung vorgestellt: Nehmen Sie eine Seite aus Ihrem Text. Drucken Sie sie aus. Dann streichen Sie sämtliche Adjektive auf der Seite. Drucken Sie diese neue Seite ebenfalls aus. Legen Sie beide Seiten nebeneinander und lesen Sie beide.

Meist entdecken Sie schnell, welche Adjektive Sie wirklich brauchen und welche Sie besser streichen. Diese Übung können Sie immer wieder machen, sie schärft die Sinne und gibt Ihnen im Laufe der Zeit ein sicheres Gefühl dafür, welches Adjektiv passt und welches nicht. Diese Übung können Sie ebenfalls auf Adverbien anwenden.

Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten, die richtige Dosis und die richtigen Adjektive zu wählen. Denn nicht alle Adjektive sind gleich. Einige sollten mit großer Vorsicht verwendet werden:die wertenden Adjektive etwa.

Wertende Adjektive weglassen

Wertende Adjektive sind bei Anfängern beliebt. „Stefan war ein böser Mensch.“ Würden Sie einen Roman weiterlesen wollen, der mit diesem Satz anfängt? Ich nicht. – Warum ist das so?

Erstens, weil das eine Behauptung des Autors ist, die der Leser glauben kann oder nicht. Denn dass Stefan böse ist, wird ihm nicht gezeigt.

Zweitens nehmen solche Behauptungen den LeserInnen das Vergnügen, Stefan selbst einzuschätzen.Geschichten sind immer auch Rätsel, die LeserInnen möchten eigene Schlüsse ziehen, selbst die Geschichte interpretieren. Wer seinen LeserInnen alles vorkaut, verliert sie schnell.

Drittens ist dieser Satz statisch. Es passiert nichts. Einen Beitrag für ein Lexikon, den darf man statisch schreiben, Geschichten aber müssen sich bewegen; Handlung und Dialog treiben sie voran, Behauptungen des Autors bremsen sie.

Was tun? Das Adjektiv „böse“ einfach zu streichen, würde wenig helfen.

Anschauliche Substantive wählen

Dass Adjektive so beliebt sind, liegt auch daran, dass sie das Leben erleichtern. Schreiben AutorInnen „ein böser Mensch“, müssen sie nicht nach der treffenden Bezeichnung suchen. Doch was bedeutet „böser Mensch“? Schließlich gibt es mehrere Milliarden von Menschen – und auch in Romanen sind sie nicht gerade selten. Das Substantiv sagt wenig aus und das Adjektiv nicht mehr.

Suchen Sie also lieber nach einem treffenderen Substantiv. Ist Stefan ein Mörder, Filou, Betrüger, Sadist, Nazi, Verräter, Blender, Mafiosi? Dann bräuchten Sie gar kein Adjektiv mehr. Nehmen Sie das genau passende Wort, nicht seinen Cousin – auch dieser Rat stammt von Mark Twain – sprechen Sie von einem „Kampfhund“ und nicht von einem „gefährlichen Tier“.

Sätze in Bewegung bringen

Noch besser ist oft: Bringen Sie Sätze in Bewegung. Verwenden Sie Verben, nicht wertende Adjektive. „Stefan hätte sofort seine Großmutter verkauft, hätte man ihm nur genug Geld geboten“ wird keinen Literaturpreis erringen, ist aber deutlich besser geeignet, LeserInnen zu fesseln. Dass Stefan böse ist, dürfen wir aus diesem Satz schlussfolgern. Gleichzeitig bietet er genug Raum für Vermutungen: Wird Stefan sich ändern? Gibt es etwas, das er auch für Geld nicht hergeben würde? Leserinnen lieben offene Fragen, Leser lieben es, eigene Schlüsse zu ziehen.

Doppelungen vermeiden

Schon in der Schule wurden wir vor weißen Schimmeln und schwarzen Rappen gewarnt. Zu recht. Viele Adjektive sind überflüssig, weil sie noch einmal sagen, was man dem Substantiv schon entnehmen kann. Doch: Nicht immer sind diese Tautologien sofort ersichtlich. „Ein scharfes Messer“ oder: „ein schneller Sportwagen“ wären solche Beispiele. Dabei benötigen weder „Messer“ noch „Sportwagen“ das Adjektiv, denn die LeserInnen erwarten, dass das Messer scharf ist und der Sportwagen schnell. Anders ist es, wenn das Messer stumpf und der Sportwagen langsam ist, weil ein sehr altes Modell. Dann dürfen Sie zum Adjektiv greifen, denn nun hat es eine Funktion.

Doppelt, fast schon dreifach gemoppelt ist auch folgender Text:

„Du Idiot!“, schrie er wütend.

Da haben wir jetzt ein Adverb, das überflüssig ist. Erstens sagt „Du Idiot“ bereits, dass der Sprecher nicht gerade in freundlicher Stimmung ist. Das „schrie“ betont das nochmals. Und „wütend“ fügt nun wirklich keine weitere Information hinzu. Anders sieht es mit folgendem Satz aus:

„Du Idiot!“, sagte er lachend.

Hier hat das Adjektiv eine Funktion, weil es den LeserInnen mitteilt, dass der Sprecher den Ausruf keineswegs böse meint.

Merke: Adjektive und Adverbien, die ungewöhnliche Eigenschaften bezeichnen, würzen einen Text. Adjektive, die das Übliche betonen, lassen ihn fade schmecken.

Informative, beschreibende Adjektive nutzen

Der Kommissar entdeckt, dass zur Tatzeit ein schwarzer Geländewagen am Tatort stand. Kurz darauf bemerkt er einen schwarzen Geländewagen mit dem Mann am Steuer, der angeblich gar nicht am Tatort war. Könnten Sie das Adjektiv „schwarz“ streichen?

Natürlich nicht. Schwarz wertet nicht, es sagt uns auch nichts, was bereits im Substantiv steht (denn es gibt auch rote, weiße und manch andere Geländewagen). Beschreibende Adjektive, die zusätzliche Informationen geben, sind unverzichtbar. Jedenfalls dann, wenn sie für die Handlung wichtig sind. Oder wenn sie ein konkretes Bild im Kopf entstehen lassen. Was heißt, dass Sie zwar die Farbe des Geländewagen benennen sollten, aber nicht die Farbe jedes Gegenstandes im Büro des Kommissars. Ob die Tastatur seines Computers schwarz, weiß oder beige ist, das müssen Sie den LeserInnen nicht mitteilen.

Sparsam dosieren

Zu viele Adjektive sind der Geschichte Tod. Eine große, dunkel gekleidete, unheimliche Frau wirkt leider blass und eben nicht unheimlich, weil die LeserInnen nicht erleben durften, was an ihr unheimlich ist.

Mehr als ein Adjektiv pro Substantiv sollten Sie nicht verwenden, sonst schwächen die Adjektive sich gegenseitig ab. Entscheiden Sie sich: Was ist die wichtigste Eigenschaft, die Sie hervorheben wollen? Nur dieses Adjektiv oder Adverb übernehmen Sie.

Generell gilt bei Beschreibungen: Weniger ist mehr. Beschreiben Sie nicht die gesamte Wohnung, sondern die Dinge, die bezeichnend für diesen Ort sind und die Bilder in der Fantasie wecken. Könnte man im Schlafzimmer vom Fußboden essen oder liegt dort noch die Unterhose von vorgestern herum?

Nach persönlichem Geschmack würzen

Viele Menschen lieben Kümmel auf dem Schweinebraten. Ich nicht. So verhält es sich auch mit manchen Adjetkiven: Wie man ihren Einsatz beurteilt, ist Geschmackssache.

Müssen Sie die Haarfarbe Ihres Helden erwähnen? Manche AutorInnen tun es, manche nennen die Haarfarbe jeder auftretenden Person. Andere beschreiben ihre Figuren gar nicht, sondern überlassen es den LeserInnen, sich deren Aussehen selbst zu entwerfen. Auch LeserInnen unterscheiden sich in diesem Punkt. Der eine möchte eine ausführliche Beschreibung des Helden, der andere reagiert darauf genervt.

Wie ausführlich Beschreibungen sein müssen, ist aber nicht nur Geschmackssache, sondern hängt auch vom Genre ab. Der „hardboiled“ Detektiv darf sich mit wenigen Beschreibungen und Adjektiven durch die Geschichte kämpfen, die Helden im Liebesroman erfordern genauere Beschreibungen und damit mehr Adjektive. Ein rheinischer Sauerbraten verlangt auch nach anderen Gewürzenals ein indisches Currygericht.

Den eigenen Geschmack schulen

Sprachpuristen möchten möglichst alle Adjektive streichen. „Die Grünen ziehen sich einige liberale Zähne“ titelte die FAZ – und prompt erhob die Welt den Zeigefinger: Das sei Adjektivmissbrauch, weil Zähne nicht liberal sein können.

Sprachpuristen reagieren sehr empfindlich auf ungewöhnliche Sprachspiele. Nur bezieht sich der Titel nicht auf reale Zähne, sondern auf Programmpunkte und daher passt das Adjektiv dann doch. Seien Sie also vorsichtig mit Adjektiven in ungewohnten Zusammenhängen; aber lassen Sie sich nicht von Puristen das Würzen Ihrer Texte verbieten.

Und natürlich gibt es die hohe Schule des Schreibens; Könner dürfen gegen Regeln verstoßen: „Was für ein dicker, bunter, glucksender Tropf doch ein Fasan ist“, lässt der Literaturnobelpreisträger Rudyard Kipling eine seiner Figuren in „Puck“ sagen und da würde ich kein Adjektiv streichen. Der Trick dabei: Verwende anschauliche Substantive (Tropf) statt allgemeine (Tiere). Und wähle eine Eigenschaft, die LeserInnen nicht sofort und automatisch mit Fasanen verbinden. Obendrein findet sich vor diesem Satz und auch danach keine derartige Adjektivhäufung, weswegen der Fasan glucksend seine Wirkung erzielt.

So hingegen ginge es nicht: „Fasane sind schwere, farbige, nervig schreiende Tiere.“

Füllwörter meiden

Habe ich jetzt die Adverbien vergessen? Nein, denn alles, was Sie hier gelesen haben, gilt auch für Adverbien. Hinzu kommt: Adverbien sind beliebte Füllwörter. Ob Sie plötzlich anscheinend Ihre Texte ein wenig abschwächen wollen oder sich scheinbar über die „optimalste“ Wirkung nicht sicher sind – fassen Sie sich baldmöglichst ein Herz und kontrollieren Sie genau, welche angesagten Füllwörter Sie gerne und häufig benutzen. Und dann: Streichen Sie sie! Wie viel heiße Luft in Form von Füllwörtern Ihr Text enthält, können Sie hier prüfen lassen: lassen www.blablameter.de.

Das Wichtigste in Kürze:

Trainieren Sie Ihr Gefühl für Adjektive und Adverbien.
Verwenden Sie wertende Adjektive gar nicht oder nur sehr sparsam.
Nutzen Sie nur Adjektive und Adverbien, die Ihren LeserInnen wichtige Informationen zum Verständnis der Geschichte liefern oder konkrete Bilder, die diese bereichern.
Sagen Sie lieber „der Karpfen“ als „der großmäulige Fisch“.
Streichen Sie alle Adjektive, die Ihren LeserInnen nichts Neues sagen.

Literaturtipps

Stephan Waldscheidt: Adjektive – gut oder böse?,  Amazon E-Book,  0,99 Euro
Ursula K. Le Guin: Kleiner Autorenworkshop, Autorenhaus Verlag; 14,90 Euro
Roy Peter Clark: Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben, Autorenhaus Verlag; 19,80 Euro
Hans Peter Roentgen: Vier Seiten für ein Halleluja, Sieben Verlag; 12,90 Euro

Dieser Artikel stammt aus der Textküche der Federwelt 2014, in jeder Ausgabe wird dort ein Thema besprochen und an Beispielszenen gezeigt, wie man es verbessern kann.

Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr diesen Blog teilt, verlinkt, weiter empfehlt. Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollt, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

Impressum Homepage Hans Peter Roentgen

 

 

Richtig würzen mit Adjektiven und Adverbien

Klappentextlektorat 2/2017

Mit bloßen Händen

Wolf R. Seemann

Über Nacht ist Harrys Leben zu einer einzigen Katastrophe geworden. Nach seiner Entlassung als Chefarzt, der Entführung seines Sohnes und der Trennung von seiner Frau hat Harry alles verloren, wofür er lebte. Doch wer niemanden mehr hat, der ihn aus dem Sumpf zieht, dem bleiben noch die eigenen Haare. Um wenigstens seinen Sohn zu retten, unterwirft er sich den Erpressungen seines Feindes und findet sich plötzlich zwischen den Rädern nuklearer Weltpolitik wieder.

Aber leider sind die Gefahren, die wir kennen, selten die, die uns erwarten …

Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten.

Lektorat

Harry verliert seine Stelle und seine Frau. Sein Sohn wird entführt. Gleich drei Katastrophen am Anfang, die einen spannenden Thriller versprechen. Die Katastrophen sind anschaulich. Dass er sich auf die Erpressung einlässt, lässt Übles ahnen. Und der Satz mit der nuklearen Weltpolitik, unter deren Räder er gerät, ist ein Verweis darauf, was in dem Thriller noch alles passieren wird.

Eine Katastrophe am Anfang, der Hinweis auf größere Folgen (nukleare Weltpolitik) und ein guter Schlusssatz: Die Gefahren, die wir kennen, sind nicht die, uns erwarten …

Dazu der Satz mit der wahren Begebenheit, der ebenfalls Neugier weckt.

Drei Katastrophen sind zwei zu viel

Mein Beruf ist das Verbessern. Und auch, wenn der Klappentext nicht schlecht ist, könnte man einiges verbessern.

Er verliert seine Frau, seine Stelle und seinen Sohn. Das sind drei Katastrophen am Anfang. Hängen die zusammen? Ich würde eine der Katastrophe ins Zentrum stellen. Es sei denn, alle drei hängen zusammen. Im Text findet sich darauf allerdings kein Hinweis. Dort geht es um die Entführung des Sohnes und um die Erpressung, auf die sich Harry einlässt.

Ein unlösbarer Konflikt ist immer gut

Was wollen die Erpresser? Da die Erpressung am Anfang steht, könnte das der Klappentext verraten, ohne die Spannung zu nehmen. Und es wäre bedrohlicher, wenn die Erpresser nicht Geld wollten, sondern etwas anderes, viel Größeres. Sprich: Ich würde das benennen, was die Erpresser fordern. Wollen sie, dass er seinen ehemaligen Chef mit falschen Aussagen belastet? Soll er das Werkzeug werden, den Mann zu vernichten? Das wäre eine Möglichkeit.

Eine ungewöhnliche, besonders bedrohliche Erpressung gehört in den Klappentext. Denn damit würde das Alleinstellungsmerkmal des Romans herausgestellt und die Bedrohung sehr viel anschaulicher werden. Dem Leser würde das Dilemma deutlicher: Gibt Harry der Erpressung nach und tut etwas, was kein anständiger Mensch tun würde? Oder gibt er ihr nicht nach und riskiert den Tod seines Sohnes, weil von ihm Dinge gefordert werden, die gegen jede Menschlichkeit verstoßen? Egal, wie er sich entscheidet, er sitzt in der Falle. Es gibt keinen richtigen Weg, nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Der Konflikt, der alles in Gang setzt, gehört in den Klappentext. Denn er ist es, der den Leser zum Lesen verlocken soll, der ihm einen Eindruck gibt, worum es geht.

Dieser Konflikt ist hier noch allgemein gehalten. Da kann man noch etwas tun. Show, don`t tell, ich kann es nur wiederholen, ist auch im Klappentext wichtig.

Das ändert nichts daran, dass dieser Klappentext auch in der aktuellen Fassung wirken kann.

Der Autor im Klappentext

Wenn der Autor den Hintergrund des Romans gut kennt, sollte das im Klappentext erwähnt werden. Kurz, ein Satz: „Der Autor war lange Chefarzt einer Klinikabteilung und kennt den Hintergrund seiner Geschichte aus dem Effeff.“

Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr diesen Blog teilt, verlinkt, weiter empfehlt. Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollt, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

Impressum Homepage Hans Peter Roentgen

Klappentextlektorat 2/2017

Die sieben häufigsten Irrtümer über Lektorate

Ein gutes Lektorat eines Manuskripts kostet eine vierstellige Summe. Autorinnen und Autoren sind eher selten Millionäre. Und es ist unwahrscheinlich, dass das erste Buch diese Summe wieder hereinspielt.

Kein Wunder, dass diese Frage immer wieder von Selfpublishern diskutiert wird. Auch Autoren, die in Verlagen veröffentlichen wollen, stellt sich die Frage: Buche ich erst mal ein Lektorat, weil das die Chancen erhöht, eine Agentur oder einen Verlag zu finden?

Ich habe mittlerweile hunderte, wenn nicht gar tausende von Autoren beraten, lektoriert, gecoacht, habe Bücher übers Schreiben verfasst und an unzähligen Diskussionen in Foren teilgenommen. Und immer wieder wird diese Frage diskutiert. Und immer wieder tauchen die gleichen Irrtümer auf.

1. Lektorat ist das Lektorat eines Manuskripts

Das ist der häufigste Irrtum nicht nur von Nachwuchsautoren. Klar, wenn ein Verlag ein Manuskript angekauft hat, muss der ganze Text auf einmal lektoriert werden.
Das ist aber nicht generell so. Autoren können die ersten Seiten lektorieren lassen. Schon aus einem Beispiellektorat können sie eine Menge lernen. Wo sie sehen, was ihre Stärken sind und ihre Schwächen. Woran sie arbeiten müssen.
Auch Verlage arbeiten so: Sie verlangen eine Leseprobe der ersten Seiten. Und ein Exposé, also eine Beschreibung der Handlung. Danach schätzen sie ein, wo der Autor steht, ob der Text veröffentlichungsreif ist und Leser finden könnte. Erst dann gibt es einen Vertrag.
Manchmal lassen Verlage ein Lektoratsgutachten erstellen. Ein Lektor liest das ganze Manuskript und beurteilt es. Was müsste überarbeitet werden, was sind die Stärken, was die Schwächen des Textes. Aber er lektoriert den Text nicht, korrigiert also keine Fehler. Deshalb ist ein Lektoratsgutachten sehr viel preisgünstiger.

All das können auch Nachwuchsautoren tun. Ihre ersten Seiten von einem Lektor begutachten lassen, der Änderungen, Korrekturen vorschlägt, einem sagt, wo man steht. Oder ein Exposé erstellen, das Personen und Handlung der Geschichte beschreibt und das mit einem Lektor diskutieren.

2. Lektorat korrigiert Rechtschreibung, Grammatik und Stil

Ein Lektor muss auch die Dramaturgie, die Personen, den Aufbau beurteilen. Das ist oft noch wichtiger als Rechtschreibung, Grammatik und Stil. Denn wenn die Dramaturgie nicht stimmt, der Spannungsbogen durchhängt, die Personen blaß bleiben, dann wird niemand das Buch lesen wollen.

In dem Fall hilft auch die beste Rechtschreibung, der geschliffenste Stil nicht mehr.

Woraus folgt, dass als Erstes die Dramaturgie und die Personen einer Geschichte überarbeitet werden. Auch wenn ihr eure Geschichte überarbeitet, ist diese Reihenfolge sinnvoll:

  1. Personen und Dramaturgie
  2. Stil
  3. Rechtschreibung und Grammatik

3. Nur ein professioneller Lektor kann ein Manuskript bearbeiten

Testleser, Workshops mit erfahrenen Autoren, Diskussionen in Foren: Es gibt unzählige Möglichkeiten, an Texten zu arbeiten und die eigenen Fähigkeiten zu schulen. Guten Kuchen kann man auch im eigenen Backofen backen. Wer allerdings professionell Kuchen backen möchte, der muss sich die entsprechenden Maschinen anschaffen. Dann reicht der private Backofen nicht mehr.

Und wer professionell schreiben will, muss für seine Manuskripte ein professionelles Lektorat kaufen.

Die Reiter beginnen mit Reitstunden in einer Reitschule. Dort lernen sie erst mal die Grundgangarten, wie sie mit dem Pferd mitgehen und ihm nicht in den Rücken fallen und dass die Zügel nicht dazu dienen, sich festzuhalten. Hohe Schule kommt später. Und auch ein teures Dressurpferd kauft man sich erst, wenn man die S-Dressur beherrscht und auf Turnieren auftreten kann.

Nicht anders ist es beim Schreiben. Auch dort dauert es einige Zeit, bis aus dem Hobbyschreiber ein professioneller Autor wird.

4. Um zu lektorieren, muss man das ganze Manuskript lesen

Erfahrene Fußballtrainer sehen nach fünf Minuten, was ein Fußballspieler kann und auf welchem Niveau er ist. Erfahrenen Lektoren geht es genauso.

Nicht anders als im Fußball, beim Reiten, bei der Musik gibt es typische Anfängerfehler. Die ein erfahrener Coach sofort sieht. Betrachtet ein Autor seine Personen nur von außen, schreibt ihnen Eigenschaften zu, statt den Leser diese erleben zu lassen (Tell statt Show), sieht ein professioneller Lektor das auf den ersten Seiten. Und kann das dem Autor sagen, ihm zeigen, wie er es besser machen kann.

Um zu sehen, dass die Dialoge noch holpern, muss ich nicht 500 Seiten holpernder Dialoge lesen. Dazu reichen die ersten Seiten. Das spart dem Autor Geld und mir Nerven.

Und auch Dramaturgie und Personen lassen sich schon aus einem Exposé und Leseprobe beurteilen.

5. Lektorat ist für Bücher

Natürlich soll ein Lektorat ein Manuskript verbessern. Noch wichtiger ist allerdings die Verbesserung des Autors. Aus einem Lektorat kann ein Autor eine Menge lernen. Gerade am Anfang ist das wichtig.

Kein Reiter ist nach zehn Reitstunden reif für die S-Dressur. Das erste Tor öffnet niemandem die Tür zur Bundesliga.

Und das erste vollendete Buch ist ein wundervolles Erlebnis für jeden Autor. Aber kein Beweis, dass er alles weiß, was fürs Schreiben wichtig ist.

6. Man kann alles auf einmal lektorieren

Wer alles auf einmal korrigieren möchte, verzettelt sich. Konzentriert euch auf eine Sache. Wer die Handlung seiner Geschichte überprüft, kann sich nicht gleichzeitig auf die Rechtschreibung konzentrieren.

Obendrein ist nicht jeder Lektor auch ein guter Korrektor. Es gibt geniale Korrektoren, die mit einem Blick die Fehler auf einer Seite erkennen können. Die alten Bleisetzer in den Zeitungsredaktionen waren darin genial. Ich habe mal einem eine dichtbeschriebene Seite in die Hand gedrückt. Er warf einen kurzen Blick drauf, deutete dann auf eine Stelle ziemlich weit unten und sagte: »Da ist ein Fehler.«

Aber er sagte auch: »Fragen Sie mich nicht, was drinsteht.«

Dass Lektorat und Korrektorat unterschiedliche Dinge sind, hat seine Gründe.

7. Literatur- oder Germanistikstudium befähigt zum Lektor

Das Studium der Literatur oder Germanistik ist spannend, kann sinnvoll sein. Aber es befähigt sowenig zum Lektorieren, wie ein Physikstudium dazu befähigt, Autos zu reparieren.

Gute Lektoren erkennt man daran, wie sie arbeiten. Und das sieht man an Beispiellektoraten auf ihren Seiten. An Empfehlungen anderer Autoren.

Woran erkennt man einen guten Lektor?

Selfpublishing und Lektorat

Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr diesen Blog teilt, verlinkt, weiter empfehlt. Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollt, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

Impressum Homepage Hans Peter Roentgen

Die sieben häufigsten Irrtümer über Lektorate

Klappentextlektorat Jan. 2017

Nattermühle – Ki und das Tal des Schweigens

Cornelia Lotter

Ein geheimnisvolles Tal in der Dübener Heide. Ein Verein, in dem Männer keinen Zutritt haben. Esoterische Riten rund um Mütterlichkeit und heilende Kreise. Und eine Frauenleiche, die plötzlich verschwunden ist. Die Detektivin Kirsten Stein hat es in ihrem sechsten Fall mit Kindesentzug, Erpressung und Freiheitsberaubung zu tun. Was sie entdeckt, als sie sich undercover in der Nattermühle einmietet, wird auch für sie zur existenziellen Bedrohung.

Ein spannender Thriller über die Kraft der Suggestion.

Lektorat

Lockt dieser Klappentext zum Lesen? Ich meine: Ja. „Tal des Schweigens“ ist ein einprägsamer Titel und „Thriller über die Kraft der Suggestion“ ein spannendes Thema.

Aber dennoch könnte er sehr viel lockender formuliert werden.

Fangen wir also an.

Der Titel gehört zum Klappentext

Der Klappentext findet sich auf der Rückseite des Buches unter dem Titel. Der Titel ist also Bestandteil des Klappentextes.

Damit kommt das Tal gleich zweimal hintereinander vor. Im Titel und dann im ersten Satz. Ein geheimnisvolles Tal in der Dübener Heide. „Tal des Schweigens“ ist aber viel aussagekräftiger als „geheimnisvolles Tal“. Deshalb würde ich den ersten Satz streichen.

Aufzählung

Dann werden drei Sachen aufgezählt.

Ein Verein, in dem Männer keinen Zutritt haben. Esoterische Riten rund um Mütterlichkeit und heilende Kreise. Und eine Frauenleiche, die plötzlich verschwunden ist.

Das ist ein probates Mittel, um ein Buch in einem Klappentext zu bewerben. Mehrere kurze Sätze, die besondere Elemente des Buches aufzählen. Die den Roman herausheben, sein Alleinstellungsmerkmal betonen (Unique Selling Proposition , USP genannt).

Der erste Satz dieser Aufzählung sollte besonders einprägsam sein. Trifft das für Verein zu, in dem Männer keinen Zutritt haben?

Ich finde: Nein. Die Leiche, die verschwindet, wäre der bessere erste Satz und erst dann der Verein.

Stil

Wenn Sie diesen Stil der Aufzählung wählen, würde ich ihn aber beibehalten. Also nicht:

Die Detektivin Kirsten Stein hat es in ihrem sechsten Fall mit Kindesentzug, Erpressung und Freiheitsberaubung zu tun.

Sondern:

Kindesentzug, Erpressung und Freiheitsberaubung in der abgelegenen Dübener Heide.

Damit hätten wir auch den Ort der Handlung eingeführt, den ich oben zusammen mit dem ersten Satz gestrichen habe.

Existenzielle Bedrohungen

Es gibt Standardsätze in Klappentexten, die so oft verwendet werden, dass sie die Wirkung längst verloren haben. Die so allgemein sind, dass der Leser kein Bild entwickelt. Einer ist zum Beispiel:

Ein furchtbares Geheimnis wird aufgedeckt.

Das kann jeder behaupten. Deshalb wirken solche Sätze auch nicht. Und zu dieser Sorte Sätze gehört auch der Satz:

Was sie entdeckt, als sie sich undercover in der Nattermühle einmietet, wird auch für sie zur existenziellen Bedrohung.

Existenzielle Bedrohung bedrohen Leser in keiner Weise. Also ganz streichen?

Nein. Denn es gibt ein Element im Satz, das konkret ist und das durchaus Bedrohung weckt. Dass sich die Detektivin in der Nattermühle undercover einmietet. Die von einer seltsamen Vereinigung betrieben wird. Formulieren wir also mal um, immer noch im Stil kurzer Aufzählungssätze:

Und eine Detektivin, die sich undercover in der Nattermühle einmietet.

Wer will, kann das noch verstärken mit einem anschließenden Satz. Zum Beispiel: Doch dort ist nicht nur Mütterlichkeit zu Hause …

Untertreibung ist bei Spannungsliteratur immer eine gute Idee.

Eine verbesserte Fassung

Jetzt haben wir eine verbesserte Fassung:

Nattermühle – Ki und das Tal des Schweigens

Eine Frauenleiche, die plötzlich verschwindet. Eine abgelegene Mühle in der Dübener Heide. Ein Verein, in dem Männer keinen Zutritt haben. Esoterische Riten rund um Mütterlichkeit und heilende Kreise.

Und eine Detektivin, die sich in der Mühle undercover einmietet. Doch dort ist nicht nur Mütterlichkeit zu Hause …

Ein spannender Thriller über die Kraft der Suggestion.

Hier habe ich einen Satz hinzugefügt: „Eine abgelegene Mühle in der Dübener Heide“. Damit habe ich den Ort eingeführt, damit im letzten Satz klar wird, wo sich die Detektivin einmietet.

Handlung im Klappentext

Natürlich könnte man den Klappentext auch auf die klassische Weise schreiben. Als Handlung. Das wäre der Stil, der im Original in den letzten zwei Sätzen gewählt wurde. Probieren wir es einmal:

Eine Leiche wird gefunden und verschwindet wieder. Direkt bei der abgelegenen Nattermühle in der Dübener Heide. Dort sitzt der Allmutter-Verein, in dem Männer keinen Zutritt haben. Die Mitglieder pflegen esoterische Riten rund um Mütterlichkeit und heilende Kreise.

Ki mietet sich undercover in der Mühle ein. Doch dort ist nicht nur Mütterlichkeit zu Hause …

In ihrem sechsten Fall hat die Detektivin Kirsten Stein es mit Kindesentzug, Erpressung und Freiheitsberaubung zu tun.

Ein spannender Thriller über die Kraft der Suggestion.

Das wäre ein Klappentext, der sich an üblichen Vorbildern orientieren würde. Sie sehen, es gibt immer mehrere Möglichkeiten.

Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr diesen Blog teilt, verlinkt, weiter empfehlt. Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Klappentextlektorat beitragen wollt, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure eigenen Klappentexte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

Impressum Homepage Hans Peter Roentgen

Klappentextlektorat Jan. 2017

Wie erkennt man einen guten Lektor?

Immer wieder werde ich gefragt, was einen guten Lektor ausmacht. Und wie man ihn findet. Hier meine Meinung:

Wenn euch 50% seiner Änderungsvorschläge sofort einleuchten, ihr euch sagt: Oh Mann, warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen, dann ist das schon mal ein gutes Zeichen. 100% Übereinstimmung erzielt keine Lektorin, kein Lektor, es wird immer das eine oder andere geben, bei dem Lektor und Autor nicht einer Meinung sind.

Dann gibt es die Fälle, bei denen ihr euch die Haare rauft. Wie kann er nur meinen schönen inneren Dialog streichen? Unmöglich, der Kerl! Mein Rat: Schlaft drüber. Am nächsten Morgen beschleicht euch vielleicht das dunkle Gefühl, dass doch was dran sein könnte. Am übernächsten greift ihr zur Delete Taste und killt euren Darling. Seufzend.

Oder fragt den Lektor: Warum hast du das gestrichen? Ein guter Lektor kann begründen, warum er Änderungen und Streichungen vornimmt. Und ihr könnt daraus lernen. Mit einem guten Lektor kann man auch über Änderungsvorschläge diskutieren. Ob vielleicht eine andere Änderung der problematischen Stelle besser wäre.

Viele Rechtschreibfehler in einem Buch wirken wie Mücken im Cappuccino. Der Kaffee wird dadurch nicht schlechter, aber der Appetit ist vergangen. Gleiches gilt, wenn Stil und Grammatik mehr als zu wünschen lassen.

Ohne gute Dramaturgie keine gute Geschichte

Was aber absolut tödlich ist: Wenn die Dramaturgie nicht stimmt. Ein WhoDonit Krimi, bei dem schon auf Seite 10 klar ist, wer der Mörder war, eine Liebesgeschichte, in der sich Romeo und Julia in die Arme fallen und die nächsten zweihundert Seiten glücklich und zufrieden miteinander leben, sorgen dafür, dass Leser das Buch gähnend weglegen.

Erfahrene Autorinnen wissen das. Wenn ihr bereits zehn Bücher veröffentlicht habt, wird die Überprüfung von Dramaturgie und Personen euch in Fleisch und Blut übergegangen sein.

Anfänger beauftragen ihren Lektor, die Kommafehler zu korrigieren im Irrglauben, dass die Dramaturgie schon stimmen wird. Ihnen steht ein böses Erwachen bevor. Wenn ihr am Anfang eurer Schreibkarriere steht, solltet ihr davon ausgehen, dass ihr noch nicht die perfekten Dramaturgen seid. Und dass ein Lektor – jedenfalls ein guter – euch darauf hinweisen wird, dass dort noch einiges zu tun ist.

Und wo findet man die guten Lektorinnen und Lektoren?

Da gibt es einmal die Datenbank des Verbandes der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL). Dort könnt  ihr nach den gewünschten Kriterien suchen lassen. Gut sind auch Empfehlungen anderer Autoren.

Gute Lektoren haben Beispiele ihrer Arbeit auf ihrer Homepage oder einen Blog, so dass ihr sehen können, wie sie arbeiten.

Nicht zu vergessen: Ein Probelektorat ist gut, bevor ihr ein umfangreiches Manuskript für viel Geld überarbeiten lasst. Da seht ihr, ob ihr zueinander passt. Oft gibt euch schon dieses Probelektorat einen Hinweis, woran ihr noch arbeiten müsst. Wenn euer Personal flach ist, merkt ein guter Lektor das bereits auf den ersten Seiten. Und wenn die Dialoge noch holpern, muss der Lektor nicht fünfhundert Seiten holpernder Dialoge lesen, um euch das zu sagen. Das spart euch viel Geld und dem Lektor Nerven.

Ist ein Probelektorat kostenlos?

In der Regel nicht. Gute Lektoren haben einen Kundenstamm, sie werben nicht mit Dumpingpreisen. Auch ein Probelektorat kostet Zeit und Arbeit. Der Autor erhält Hinweise, woran er arbeiten sollte. Auf welchem Stand er steht. Das ist seinen Preis wert.

Übrigens: Niemand muss das ganze Manuskript lesen, um die Dramaturgie zu beurteilen. Verlage und Literaturagenten lassen sich ein Exposé mit der Handlung schicken, bevor sie einen Roman annehmen. Weil man daraus eine Menge über eine Geschichte entnehmen kann. Ob es Plotlöcher gibt. Ob die Heldin nur auf dem Sofa sitzt, nachdenkt und von anderen erfährt, was Sache ist. Statt selbst aktiv zu werden.

Auch das ist eine Möglichkeit, eure Geschichte erst einmal zu testen. Dass ihr ein Exposé erstellt und so den Plot mit einem Lektor bearbeitet.

Ein guter Lektor macht ein Buch besser, ein schlechter macht ein anderes Buch daraus!

Zum Schluss noch ein Zitat des Bestsellerautors Andreas Eschbach:

Als jemand, der schon viele Lektoren erlebt hat, möchte ich anmerken, dass auch Lektoren ihre Stärken und Schwächen haben. Der eine ist super, wenn es um Kontinuität geht („Ihre Heldin hatte in Kapitel 2 aber hellblaue Augen!“, „An dieser Stelle müsste es Sonntag sein, nicht Montag“), der andere sieht erzählerische Fehler gut („hier müsste ihr Held das Kätzchen retten, sonst nimmt man ihm später nicht ab, dass …“), andere haben ihre Stärken eher beim Stil („hier wären kürzere Sätze wirkungsvoller“, „dieses Wort alliteriert mit dem im nächsten Absatz, das klingt seltsam“) oder in der Grammatik („das muss hier korrekt aber ‚hätte sollte gewollt gemusst haben’ heißen“ ). Gut ist es, wenn sich das mit den eigenen Stärken und Schwächen ergänzt. Ich zum Beispiel bin immer dankbar, wenn jemand meine Kontinuitätsfehler entdeckt, ehe das Buch in den Läden liegt, aber in Disputen über stilistische Fragen könnte ich, glaube ich, handgreiflich werden.

(Aus: Schreiben ist nichts für Feiglinge – Buchmarkt für Anfänger)

 

Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr diesen Blog teilt, verlinkt, weiter empfehlt. Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollt, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Exposé und Plot diskutieren
http://www.hanspeterroentgen.de/workshop-expose/

Impressum Homepage Hans Peter Roentgen

Wie erkennt man einen guten Lektor?