Spannungslektorat Nov. 2016

Nightwalker

Vierundzwanzig Augenpaare starrten sie an.

Taja hielt auf der Türschwelle inne und schaute sich in dem hellen Raum mit den hohen Fenstern um. An den gelbgestrichenen Wänden hingen weichgezeichnete Poster, knallbunte Landkarten und peinliche Werke aus dem Kunstunterricht. Sie verzog den Mund. Wie im Kindergarten. Das hier sollte das Klassenzimmer der 11a sein? In ihrer Schule in Berlin waren die Wände von einem schmutzigen Grau gewesen und kahl, ohne irgendeinen Schmuck, der die trostlose Atmosphäre aufgeheitert hätte. Reduziert auf das Wesentliche. Keine Ablenkung von der täglichen schulischen Langeweile.

Ihre neuen Mitschüler mit den sauberen Jeans und den gebügelten Shirts passten perfekt in diese keimfreie Umgebung, wie sie da in kleinen Gruppen zusammenstanden und sie mit offenen Mündern anglotzten. Ein Haufen angepasster Loser. Kein Wunder, dass sie auffiel wie ein Papagei in einem Taubenschlag mit ihren schwarzen Klamotten, dem silbernen Ohrring mit dem Totenkopf und den Piercings im rechten Nasenflügel und in der Unterlippe.

Wie sie das hasste! Dauernd eine neue Stadt, eine neue Schule, neue Lehrer und Mitschüler. Und jetzt dieses Kaff am Ende der Welt, in dem ihr Vater eine Stelle als Leiter des Stadtmuseums gefunden hatte. Was für ein Absturz nach Berlin, dieser hektischen und aufregenden und geilen Stadt, in der sie zwei Jahre gelebt und die sie geliebt hatte. Ihrer Mutter war es egal gewesen, wohin sie zogen, als Lektorin konnte sie von überall arbeiten, wo ihr Computer stand. Und ihr jüngerer Bruder Tom hatte unbedingt weg gewollt, weil der Verweis von seiner Berliner Schule gedroht hatte. Tajas Einwände waren von ihrer Familie einfach weggewischt worden.

Sie zuckte ergeben die Schultern. Jammern half nichts. Sie musste da durch. War ja nicht das erste Mal. Sie trat in das Klassenzimmer und ging auf den einzigen Zweiertisch zu, der nicht von Jacken und Taschen vereinnahmt war. Ein großer, schlaksiger Junge mit blonder, übers halbe Gesicht fallender Haartolle stellte sich ihr in den Weg.

„Der Tisch ist besetzt.“

Sie schob kampfbereit das Kinn vor. „Ach? Ich seh hier niemand sitzen.“

„Ich halte ihn frei.“ Der Junge grinste überheblich. „So was macht man schließlich für seine Freunde.“

Schon klar. Der blonde Speichellecker bekam sicher das Bundesverdienstkreuz für seine edle Tat in den Hintern geschoben.

„Du kannst dich da vorn hinsetzen.“ Die Stimme gehörte zu einem kleinen, stämmigen Jungen mit dunklen, kurzgeschorenen Haaren. „An den Tisch vorm Pult. Neben … da ist noch ein Platz frei.“

Taja war das Zögern des Kurzgeschorenen nicht entgangen. Sie schlängelte sich durch die im Klassenraum verteilen Grüppchen hindurch bis zu dem Zweiertisch vor dem Lehrerpult und ließ ihre Tasche mit lautem Knall auf die unbenutzte Tischseite fallen.

Das Mädchen, das zusammengesunken auf ihrem Stuhl hockte und ihre Nasenspitze in ein Buch steckte, fuhr zusammen und schaute auf. Schmales, blasses Gesicht, eckiges, dunkles Brillengestell, panischer Blick, mausbraune, dünne Haare, die glatt bis auf die Schultern hingen, zerknittertes, hellgraues Shirt mit einem Kaffeefleck.

„Hi! Cool, dich kennenzulernen.“ Taja lächelte das verschreckte Häschen so freundlich an, wie sie konnte. Das Lächeln sah mit den Piercings in Mund und Nase wahrscheinlich eher bedrohlich aus. „Ich bin Taja. Aus Berlin.“

Das Häschen blinzelte, sagte aber kein Wort. Taja stöhnte innerlich auf. Musste sie dieses Schuljahr etwa neben einer Taubstummen verbringen? Sie zog den freien Stuhl unter dem Tisch hervor und setzte sich.

„Ich bin Amelie.“ Die Stimme klang voll und tief und passte nicht zu der verschüchterten Haltung des Mädchens. „Kannst du deine Tasche ein Stück zu dir ziehen?“

Taja stierte ihre Sitznachbarn an. Was war denn in die gefahren?

„Deine Tasche reicht in meine Seite hinein“, erläuterte Amelie und tippte mit der Spitze ihres rechten Zeigefingers an die vordere Tischkante. „Hier, an dem Strich, ist deine Tischseite zu Ende. Das ist die Grenze.“

Aha. Eine Grenze. Taja kniff die Augen halb zusammen und starrte durch den schmalen Spalt zwischen ihren Augenlidern auf die Stelle, die Amelies Fingerspitze berührte. Tatsächlich. Dort befand sich ein dünner, blauer Kugelschreiberstrich. Und diese Grenze durfte sie mit ihren Sachen nicht überschreiten?

„Das meinst du nicht ernst?“

„Doch.“ Amelie runzelte die Stirn. Ihre Stimme klang scharf. „Jede von uns hat einen halben Tisch. Und wenn wir beide uns daran halten, kriegen wir auch keinen Streit.“

Taja schüttelte ungläubig den Kopf. Das musste sie träumen. War sie statt in die elfte Jahrgangsstufe im Gymnasium in die erste Klasse der Grundschule geraten?

„Keinen Stress, alles okay“, antwortete sie betont friedfertig und zog die Tasche auf ihre Seite. Bei dieser Psychopathin war Vorsicht angesagt. Die konnte jeden Moment eskalieren. Besser, sie hielt haargenau die Grenze ein. Zumindest am Anfang. In ein paar Wochen, wenn sie sich eingewöhnt hatte, konnte sie immer noch die Grenzverhandlungen mit ihrer Sitznachbarin beginnen.

„Lahme Truppe“, sagte Amelie.

Taja blinzelte. „Was?“

„Nightwish.“

Es dauerte ein paar Sekunden, bis Taja begriff, wovon ihre Sitznachbarin sprach. Das schwarze Shirt mit dem Logo von Nightwish hatte sie heute Morgen bewusst angezogen, damit ihre neuen Klassenkameraden gleich kapierten, wie sie drauf war. Ein Statement eben. Musikalisch. Hier in der Provinz hörten sie wahrscheinlich Helene Fischer. Oder Marianne Rosenberg.

„Ich steh auf Slayer“, erklärte Amelie. „Und Paradise Lost. Da war ich letzten Monat auf einem Konzert. So was von geil, sag ich dir.“

„Oh!“ Mehr fiel Taja nicht ein.

„Symphonic Metal wie von Nightwish ist ja nicht übel“, fuhr Amelie fort. „Aber ich zieh mir lieber die derberen Sachen rein.“

Taja nickte nur. Der Punkt ging klar an ihre Sitznachbarin. Die Provinz hatte musikalisch mächtig aufgerüstet. Den Fehler, ihre Mitschüler zu unterschätzen, würde sie kein zweites Mal begehen.

„Dann magst du sicher auch Mercenary“, meinte sie. „Und Draconia“.

Amelie grinste. „Auch geil, die beiden. Mercenary sollen im Winter nach Deutschland kommen, hab ich gehört. Wenn du Lust hast, können wir ja zusammen zum Konzert gehen. Oder ist dir das zu hart?“

„Zu hart kann es für mich gar nicht geben.“ Taja grinste zurück.

Ihre Sitznachbarin nickte. „Also abgemacht. Echt cool, dass du auch auf Metal stehst. Die anderen Mädels in der Klasse hören alle nur so einen weichgespülten Scheiß.“

„Wie Helene Fischer?“

„Du hast`s erfasst.“ Amelie lachte. „Ist nicht so mein Ding.“

Taja fiel in ihr Lachen ein. Vielleicht würde es in der Provinz doch nicht so schlimm werden, wie sie befürchtet hatte.

Lektorat

Wie immer die Frage: Finden Sie die Geschichte spannend? Und warum?

Es ist immer eine gute Übung, sich zu überlegen, warum etwas spannend ist oder warum auch nicht. Das schärft den Blick für die eigenen Texte. Autorinnen (und auch Autoren) sollten jede Gelegenheit nutzen, die Wirkung von Texten zu beobachten. Schreiben Sie ruhig auf, warum Sie einen Text spannend finden und warum nicht. Noch besser: Schreiben Sie auf, welche Techniken der Autor benutzt hat. Welche funktionieren und welche nicht. Und warum.

Zurück zur Ausgangsfrage: Ich halte den Text für spannend. Und für ziemlich gelungen.

Spannungsbogen

Warum ist der Text spannend? Dafür gibt es mehrere Gründe. Wir erleben Taja in einer neuen Klasse. Also in einer neuen Situation. Die Autorin erzählt uns nicht lang den Alltag, das, was jeden Tag passiert, sondern beginnt mit einer neuen Situation. Auch wenn Taja tut, als stünde sie über der Situation, ist sie angespannt. Das ist typisch für Jugendliche. Sie tun cool, aber sind längst nicht so abgebrüht, wie sie vorgeben. Wir haben also gleich zu Anfang einen Konflikt.

Der steigert sich. Sie sucht sich einen Platz aus, doch der ist belegt. Ein kurzer Dialog wie ein Pingpong-Spiel, sie will den Platz, der andere will ihn nicht freigeben. Weder Taja noch der Junge erklären lange, warum und wieso. Das ist bei guten Dialogen ganz wichtig. Lassen Sie nicht die Personen erklären, was warum vor sich geht. Das kann der Leser sich denken. Eine Lücke, ein Subtext zwischen den Zeilen, der die Spannung erhöht.

Schließlich gibt Taja auf, der erste Konflikt ist zu ihren Ungunsten ausgegangen. Wir erleben das durch Tajas Augen. Der Autor erklärt es uns nicht. Wir Leser fühlen die Enttäuschung. Kein »Taja war enttäuscht«, mit dem die Autorin uns die Gefühle mitteilt.

Danach teilt ihr ein anderer mit, dass vorne, direkt vorm Lehrerpult, ein Platz frei ist. Entspannung nach dem ersten Konflikt. Aber nicht ganz, denn irgendwas stimmt mit dem Platz nicht. Wir ahnen, dass mit der Schülerin daneben etwas nicht stimmt. Dass dort gleich der nächste Konflikt wartet.

Und der kommt unvermeidlich. Mit dem Streit über die Grenze. Oh Gott, neben was für einer Pedantin ist Taja hier gelandet? Der Leser leidet mit der Heldin. Ganz wichtig für die Spannung: Der Leser muss die Gefühle der Helden erleben. Es nützt nichts, sie dem Leser per Autorenstimme mitzuteilen.

Dann wieder Entspannung. Und Überraschung. Die graue Maus ist gar nicht so grau, sondern noch härter als Taja. Zumindest, was ihren Musikgeschmack angeht. Der Konflikt wird aufgelöst; die beiden Mädchen haben viel gemeinsam und verabreden sich. Entspannung.

Aber wir ahnen: Lange wird diese Entspannung nicht vorhalten. Der Autor wird Taja stantepede in den nächsten Konflikt stürzen.

Dieser geschickte Aufbau Spannung (Konflikt) – Entspannung – größere Spannung – Überraschung – Entspannung hält den Leser gefangen. Der Angelhaken ist ausgeworfen.

Übung:

Untersuchen Sie in einem eigenen Text, wie sich dort Spannung und Entspannung aufbauen.

Haben Sie einen Konflikt? Wie wird er gelöst und gleichzeitig der nächste Konflikt angedeutet?

Rückblende

Gleich im zweiten Absatz gibt es eine Rückblende:

In ihrer Schule in Berlin waren die Wände von einem schmutzigen Grau gewesen und kahl, ohne irgendeinen Schmuck, der die trostlose Atmosphäre aufgeheitert hätte. Reduziert auf das Wesentliche. Keine Ablenkung von der täglichen schulischen Langeweile.

Rückblenden auf der ersten Seite sind gefährlich. Sie dienen oft nur dazu, dass der Autor dem Leser Dinge erklären kann, von denen er überzeugt ist, dass der Leser sie wissen muss. In der Regel bremsen sie den Lesefluss, und ich streiche sie. Der Text wird dann spannender.

Könnte man obige Rückblende streichen, und der Text würde besser werden?

Nein. Aber warum nicht?

Weil diese Rückblende durch den Gegensatz der beiden Klassenzimmer ein gutes Bild des neuen Klassenzimmers zeichnet. Und Taja lebendiger werden lässt. Sie findet graue Klassenzimmerwände besser als solche mit Wandschmuck. Ungewöhnlich. Nicht das Übliche.

Und wie ist es mit der nächsten Rückblende?

Wie sie das hasste! Dauernd eine neue Stadt, eine neue Schule, neue Lehrer und Mitschüler. Und jetzt dieses Kaff am Ende der Welt, in dem ihr Vater eine Stelle als Leiter des Stadtmuseums gefunden hatte. Was für ein Absturz nach Berlin, dieser hektischen und aufregenden und geilen Stadt, in der sie zwei Jahre gelebt und die sie geliebt hatte. Ihrer Mutter war es egal gewesen, wohin sie zogen, als Lektorin konnte sie von überall arbeiten, wo ihr Computer stand. Und ihr jüngerer Bruder Tom hatte unbedingt weg gewollt, weil der Verweis von seiner Berliner Schule gedroht hatte. Tajas Einwände waren von ihrer Familie einfach weggewischt worden.

Würde der Text gewinnen, wenn ich diesen Absatz streichen würde?

Nein.

Warum nicht?

Weil wir dieser Absatz durch die Augen von Taja erleben. Sie betritt ein neues Klassenzimmer. Der Stil ist ein ganz anderer als der der Klasse in Berlin. Und damit wird ihr nochmals klar, dass sie diesen Schulwechsel nicht will. Diese Rückblende ist keine Erläuterung des Autors, sondern das, was Taja durch den Kopf geht. Was an dieser Stelle passt. Obendrein steigert es den Konflikt. Nicht nur, dass sie jetzt in eine neue Klasse kommt, sich neu orientieren muss. Obendrein ist es etwas, das ihr aufoktroyiert wurde. Gegen ihren Willen. Wir leiden mit ihr. Ständig wird sie durch die Weltgeschichte gescheucht, immer neue Schulen.

Erzählstimme

Die Erzählstimme ist die Stimme, die uns die Geschichte erzählt. Das ist nicht Taja, denn wir haben keine Ich-Erzählerin. Dennoch ist die Stimme dicht an Taja, schildert die Ereignisse durch ihre Augen. Es ist keine distanzierte Stimme, kein Autor, der uns erklärt, was Sache ist. »Und jetzt dieses Kaff am Ende der Welt«, das ist Tajas Stimme.

Mancher Autor würde schreiben: »Taja fand, dass dies ein Kaff am Ende der Welt war.« So ein Satz legt sofort Distanz zwischen Taja und Leser. Blickt von außen auf die Person, und der Leser erfährt etwas, aber er fühlt nicht mit Taja mit.

Auch aus einem anderen Grund funktioniert die Erzählstimme. Sie erzählt in der Art, wie Jugendliche sprechen. Viele Autoren verfassen Jugendbücher in einer Sprache, die einem Erwachsenen gehört. Behäbig, mit ausführlichen Begründungen. Tun Sie das nicht. Lauschen sie Jugendlichen. Wie sprechen die untereinander? Lesen Sie gute Jugendbücher. Wie fühlt sich die Erzählstimme von »Tschik« an, von »Der Fänger im Roggen«, von „Huckleyberry Finn«?

Sie müssen nicht den aktuellen Jugendslang verwenden. Der ändert sich sowieso alle paar Jahre. Aber die Leser müssen eine jugendliche Erzählstimme spüren. Locker, scheinbar kann sie nichts erschüttern, sie steht über allem. »Ein Haufen angepasster Loser. Kein Wunder, dass sie auffiel wie ein Papagei in einem Taubenschlag.« Und zwischen den Zeilen spüren wir, wie verletzlich Taja ist, auch wenn sie noch so cool und überlegen tut.

Beschreibung

Wie sieht Taja aus? »Kein Wunder, dass sie auffiel wie ein Papagei in einem Taubenschlag mit ihren schwarzen Klamotten, dem silbernen Ohrring mit dem Totenkopf und den Piercings im rechten Nasenflügel und in der Unterlippe«, so wird sie beschrieben. Sie schaut nicht in den Spiegel, der Autor erklärt uns nicht: »Taja war sechzehn, trug schwarze Klamotten, hatte einen silbernen Ohrring mit Totenkopf im Ohr und Piercings im rechten Nasenflügel und in der Unterlippe.«

Sie wird uns beschrieben, weil sie auffällt wie ein Papagei im Taubenschlag. Damit wird der Unterschied zu den anderen Schülern deutlich. Wir erhalten nicht nur ein Bild von Taja, sondern auch von den Klassenkameraden.

Ach ja, welche Haarfarbe hat Taja? Welche Augenfarbe? Wie ist ihr Gesicht geschnitten, hat sie die Wimpern getuscht, sind die Augen blau oder braun, die Haare lang oder kurz, ist sie groß, mittel oder klein?

Wissen Sie nicht? Ich auch nicht. Haben Sie diese Info vermisst? Ich nicht. Die Autorin hat sich darauf beschränkt, nur die wichtigen Details zu schreiben. Den Rest darf sich jeder Leser selbst ausdenken. Die meisten sehen vermutlich ein großes Mädchen mit schwarzen Haaren vor sich. Wie ich. Die Lücken, die der Autor lässt, können die Leser füllen, dürfen sie füllen. Ein, zwei Details und schon klappt das. Beschreiben Sie nie zu viel. Gerade genug, dass der Leser ein Bild bekommt.

Witz und Bilder

Der Papagei im Taubenschlag, das Bundesverdienstkreuz, das dem Speichellecker in den Hintern geschoben wird, und andere Formulierungen sorgen für Witz. Mit Witz können Sie nicht nur Spannung erzeugen – eine andere als die Spannung durch Handlung –, Sie können vor allem mit wenigen Worten Bilder malen, die der Leser sofort begreift.

Inhalt und Klischee

Aber ist das nicht alles Klischee? Die toughe Schwarzgekleidete, die Heavy Metal hört, die braven Bübchen und Mädchen, die Helene Fischer hören?

Sicher. Ist es auch. Aber so gut geschildert, dass es wirkt. Und darauf kommt es an.

Details

Einige Details ließen sich verbessern. Auch gute Texte lassen sich noch überarbeiten. Je besser ein Text bereits ist, desto vorsichtiger sollte aber die Überarbeitung sein. Man kann Texte auch totlektorieren. Vor allem, wenn man nur nach Schreib- und Grammatikregeln vorgeht und möglicherweise die Wirkung eines guten Textes zerstört.

Hier ist ein etwas ungelenker Satz:

»Und ihr jüngerer Bruder Tom hatte unbedingt weg gewollt, weil der Verweis von seiner Berliner Schule gedroht hatte.«

„Weg gewollt“ fällt aus dem Sprachstil und klingt holprig. Das liegt auch an dem Plusquamperfekt, das man hier gar nicht benötigt. Vielleicht so:

»Und ihr jüngerer Bruder Tom wollte nur weg, nichts wie weg. Weil der Schulverweis in Berlin drohte.«

Auch dieser Satz lässt sich verbessern:

»Sie schlängelte sich durch die im Klassenraum verteilen Grüppchen hindurch bis zu dem Zweiertisch vor dem Lehrerpult.«

Da haben wir die beliebte Partizipkonstruktion, die unnötig ist. »Sie schlängelte sich durch die Grüppchen im Klassenraum«, das klingt besser. Dass die verteilt sind, kann sich jeder Leser denken.

Fazit: Sorgen Sie in Ihren Texten für eine packende Spannungskurve. Beschreiben Sie nicht alles, sondern nur das, was der Leser benötigt, damit Bilder in seinem Kopf entstehen. Und achten Sie darauf, wie Ihre Erzählstimme klingt. Passt sie zu ihrer Heldin?

Ich habe nichts dagegen, wenn Ihr diesen Blog teilt, verlinkt, weiter empfehlt. Und wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollen, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein solches Beispiellektorat vorschlagen.


Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen
http://www.hanspeterroentgen.de/spannung-1.html

 

Spannungslektorat Nov. 2016

Die Zielgruppe – das unbekannte Wesen

Selfpublishing-Ratgeber empfehlen Autoren, immer die »Zielgruppe« im Auge zu behalten. Verlage und Agenten wollen in Bewerbungen eine genaue Beschreibung der »Zielgruppe«. Doch darüber, wie man die Zielgruppe definiert, schweigen sich beide aus.

Niemand sagt den geplagten Autoren: Wie bestimme ich denn meine Zielgruppe?

Ich berate Autoren, diskutiere mit ihnen ihre Exposés. Aber ich habe noch keinen Autor erlebt, der mir eine klare Zielgruppe für sein Werk nennen konnte. Meist heißt es: »Zielgruppe sind Leser spannender Bücher zwischen 20 und 80«. Wäre »Stüdienrätinnen zwischen 30 und 50« eine bessere Zielgruppe?

Es gibt unzählige erfolgreiche Bestseller, die von zahllosen Verlagen abgelehnt wurden, weil es für das Werk angeblich keine Zielgruppe gab. Oder die Zielgruppe zu klein wäre.

Erst vor kurzem habe ich eine Veranstaltung mit der Bestsellerautorin Elisabeth Herrmann besucht. Fünfzig Verlage hatten ihr erstes Werk abgelehnt, weil es dafür keine Zielgruppe gab. Radiostationen und Zeitungen lehnten das Thema ebenfalls ab. Zum Glück für den Buchmarkt (und für die Leser) fand sich dann doch noch ein Verlag. Das Thema waren Kinder, die im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiterinnen in Haushalten arbeiten mussten.

Als eine gewisse J. Rowlings einen Roman einreichte, der als »Harry Potter« Literaturgeschichte schreiben sollte, wurde auch der mehrfach abgelehnt. Weil es dafür keine Zielgruppe gab. Zehnjährige Jungen (die Zielgruppe) lesen nicht und schon gar keine dicken Bücher.

Selbst Fachleute mit jahre- oder jahrzehntelangen Erfahrungen tun sich mit der Bestimmung der Zielgruppe hart. Wie sollen dann Nachwuchsautoren diese ominöse Zielgruppe korrekt bestimmen? Wissen, was diese Zielgruppe lesen will? Wenn es nicht mal die Fachleute genau einschätzen können?

Ich kenne viele erfolgreiche Autorinnen und Autoren, habe viele interviewt. Aber ich kenne keinen, der auf eine Zielgruppe hin schreibt. Trotzdem haben erfolgreiche Autoren meist eine genaue Vorstellung von ihren Fans und deren Vorlieben.

Es gibt ein paar Tipps, wie man diese ominöse Zielgruppe bestimmen kann.

Die Einfachste: Gehen Sie mal in Buchläden oder im Internet auf die Seiten der Online-Buchläden. Wie sind dort die Bücher geordnet? Wie findet die Zielgruppe ihre Ziele?

Ganz sicher nicht nach »Bücher für 35-45jährige erfolgreiche Frauen«. Diese Zielgruppenbestimmung mag bei Kleidung funktionieren, nicht aber bei Romanen. Bücher werden nach Genres unterteilt und in den Genres nach Subgenres. Jede Buchhandlung, egal ob Laden oder Internet, macht das so.

»Liebesgeschichten« finden sie dort und da findet die Zielgruppe der Leserinnen von Liebesgeschichten ihren Stoff, unterteilt in »erotische Liebesgeschichten«, »historische Liebesgeschichten« und manches mehr.

Zielgruppen bestimmen sich auf dem Buchmarkt durch Genres. Natürlich hat jedes Genre auch bestimmte Leser. »Erotische Liebesgeschichten« zum Beispiel junge Frauen (und angeblich alte Männer ;-)).

Wenn Sie ein klares Genre und Subgenre benennen können, dann haben Sie Ihre Zielgruppe.

Wer ein übriges tun will, kann angeben: »Für Leser von Stephen King«. Oder: »Für Leser von J. Rowlings«. Darüber mokieren sich zwar viele – »Der Autor ahmt den berühmten Kollegen nach« – aber jeder Lektor und jeder Leser hat damit eine ungefähre Vorstellung, um welche Sorte Buch es sich handelt.

Ein weiterer Ratschlag, der gerne genannt wird: Wählen Sie die Zielgruppe aus, bevor Sie zu schreiben anfangen. Am besten eine, die sich gut verkauft.

Stimmt das? Nein. Wenn ich alles über Jeans weiß und welche Jeans junge Frauen am liebsten tragen, kann ich noch lange keine erfolgreichen Jeans für junge Frauen schneidern. Dazu gehört zum einen die Fähigkeit, Jeans zu entwerfen, zuzuschneiden und zu vermarkten. Zum zweiten sollten mich Jeans interessieren.

Ich kaufe meine immer in den Sonderangeboten, wenn eine Alte verschlissen ist. Jeans interessieren mich nicht, ich kann nicht nähen, ich kann nicht entwerfen. Welche Chancen habe ich, erfolgreicher Jeansproduzent zu werden? Selbst wenn ich alle Marktuntersuchungen bezüglich Jeans lesen würde?

Richtig. Keine.

Genauso ist es mit Autoren und ihren Zielgruppen. Jeder Autor, der liest, ist bereits Mitglied einer Zielgruppe. Wer gerne Krimis liest, gehört zur Zielgruppe der Krimileser. Wer vor allem Hochliteratur goutiert, gehört zur Zielgruppe der Hochliteraturleser. Ein begeisterter Krimileser kennt die Zielgruppe der Krimileser. Diskutiert mit anderen über Krimis. Verschenkt sie, redet darüber.

Wer gar nicht liest, gehört nicht zur Zielgruppe der Buchleser. Wie wahrscheinlich ist es, dass jemand, der noch nie Fußball gespielt hat, einen Profi-Vertrag vom Fußballverein bekommt? Genauso wahrscheinlich ist es, dass ein Nichtleser erfolgreicher Autor wird. Oder dass ein Modemuffel eine erfolgreiche Modemarke kreiert.

Das gilt auch für die Genres. Wer ausschließlich Wildwestromane liest, wird keine erfolgreichen literarischen Romane schreiben und auch keine erfolgreiche Liebesgeschichte. Das gilt auch umgekehrt. Wer nur Hochliteratur liest, kann vielleicht einen erfolgreichen literarischen Roman verfassen. Aber keinen Thriller. Wer nicht für seinen Roman brennt, für den werden die Leser auch nicht brennen. So einfach ist das. Und so kompliziert.

Jeff Bezos, der Gründer von Amazon, war ein begeisterter Leser von Science Fiction und Sachbüchern und ist mit einer Schriftstellerin verheiratet. Der Apple Gründer Steve Jobs liebte Musik.

Wundert Sie es, dass heute Apple in der Musik und Amazon bei Büchern fast schon eine Monopolstellung haben? Dass Amazon zwar auch bei Musik versucht, Fuß zu fassen, Apple bei Büchern, das aber nur bedingt gelingt?

Das gilt auch für den Satz: Behalte beim Schreiben deine Zielgruppe im Auge. Wie behalten Sie zum Beispiel die Zielgruppe der Liebesromanleserinnen im Blick, wenn Sie keine Liebesromane lesen?

Stephen King schreibt für seine Frau. Er hat sie beim Schreiben vor Augen. Sie ist Teil seiner Zielgruppe. Aber es ist viel einfacher, für eine Person zu schreiben, die man gut kennt. Schwieriger für eine ganze Gruppe, da wird es schnell anonym.

Ähnliches empfiehlt Ingermanson in »How to Write an Novel Using the Snowflake Method«. Er empfiehlt, beim Schreiben eine möglichst kleine Zielgruppe zu wählen. Rowlings hat zehnjährige Jungen gewählt. Die tatsächliche Zielgruppe, die das Buch liest, ist viel größer, aber so diffus, dass sie dem Autor beim Schreiben nicht weiterhilft. Stellen Sie sich also beim Schreiben eine Person vor, für die sie schreiben. Oder eine möglichst einheitliche, kleine Gruppe von Personen.
Gerne wird auch empfohlen: Schreiben Sie ein Buch, das sie selbst auch gerne lesen würden. Kein schlechter Vorschlag. Sie sind Teil einer Zielgruppe. Wenn Sie ein Buch schreiben, das Sie gerne lesen würden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das auch viele andere aus Ihrer Zielgruppe wollen.

Wichtig es ist, seine Zielgruppe nicht nur zu kennen, sondern auch Mitglied von ihr zu sein. Nur so kann man deren Vorlieben und Wünsche wirklich gut kennen. Denn dann sind es auch die eigenen Wünsche und Vorlieben.

Wenn euch dieser Artikel gefallen habt, freue ich mich, wenn Ihr ihn teilt, verlinkt, oder weiter empfehlt. Und wenn Ihr anderer Meinung seid scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder ihn zu kommentieren!

Literatur zum Thema

Stephen King, Das Leben und das Schreiben
Ingermanson, How to Write an Novel Using the Snowflake Method
Hans Peter Roentgen, Drei Seiten für ein Exposé

Kunden und Zielgruppe, http://www.boersenverein.de/de/385107
Buchmarkt 2014, http://www.buchmesse.de/images/fbm/dokumente-ua-pdfs/2014/buchmarkt_deutschland_buch_und_buchhandel_in_zahlen_2014_deutsch.pdf_45274.pdf
Definition Zielgruppe, https://de.wikipedia.org/wiki/Zielgruppe

Der Pitch

Der Pitch bringt die Geschichte auf den Punkt

Der Begriff ‚Pitch’ kommt wie so vieles aus Amerika. Sie treffen zufällig einen Literaturagenten im Fahrstuhl und haben genau eine Minute Zeit, ihm Ihre Geschichte vorzustellen. Bevor er aussteigt, müssen Sie ihn überzeugt haben.

Das ist die Theorie. Ich kenne viele veröffentlichte Autoren, aber keinen, der im Fahrstuhl seinen Verleger getroffen hat. Das ist die Praxis.

Der Pitch ist dennoch nicht nutzlos, ganz im Gegenteil. Denn auch ohne Fahrstuhl müssen Sie Leser oder Agenten erst mal neugierig auf Ihre Geschichte machen. Ganz egal, ob Sie Selfpublisher werden wollen oder Verlagsautor, Sie benötigen einen Pitch.

Der Pitch ist der Hook, der Angelhaken, der den Leser lockt, sich die Geschichte näher anzusehen. Im Klappentext ist er der erste Satz, der entscheidet, ob der Leser das Buch weglegt oder den ganzen Klappentext liest.

Wenn Sie sich bei einem Literaturagenten oder Verlag bewerben, entscheidet der Pitch im Anschreiben, ob der Agent überhaupt einen zweiten Blick auf Ihr Projekt wirft.

Wenn Sie Journalisten, Bloggern oder Buchhändler für Ihr Buch interessieren wollen, ist der Pitch der Fuß in der Tür, der Ihnen den Eintritt verschafft – oder eben auch nicht.

Natürlich kauft niemand ein Buch allein aufgrund des genialen Pitchs. Ein Pitch ist kein Wundermittel. Er ist ein kondensiertes Exposé. Er sagt, was das Besondere an Ihrem Projekt ist.

Das Thema ist kein Pitch

Ihre Geschichte handelt von einer Amour fou, will darstellen, welche Folgen so eine verhängnisvolle Liebe hat? Das wäre das Thema. Aber das Thema ist kein Pitch. Das sollten Sie nie verwechseln.

Das Thema ist statisch. Themen sind außerdem abstrakt. Beides sind Eigenschaften, die ihrem Pitch nicht guttun.

Der Pitch sollte lebendig, aktiv formuliert sein.

Meine Geschichte handelt von dem Drang nach Wissen und dem Wunsch nach Leben.

Dieser Satz beschreibt das Thema.

Ein alternder Wissenschaftler verkauft seine Seele dem Teufel, damit der ihm junge Mädchen verschafft  wäre aktiver, anschaulicher und deshalb eher als Pitch geeignet.

Show, don’t tell

Kurz und anschaulich soll ein Pitch sein. Und nicht nur leeres Werbeversprechen.

Das ist die berührende Liebesgeschichte von Helga, die ihre große Liebe findet. Eine Geschichte voller Emotionen, Tragik und Liebe!

 Wenn ich so etwas lese, denke ich, dass die Geschichte nicht berührt, keine Emotionen hat und die Tragik behauptet wird. Warum? Weil das auf jede beliebige Liebesgeschichte zutrifft. Weil sich nirgendwo etwas findet, das diese Behauptungen belegt. Weil das Buch vermutlich genauso 08/15, genauso langweilig wie dieser Pitch ist. Ein Pitch muss konkret sein.

Den Widerstandskämpfer Rick hat seine Geliebten beim Einmarsch der Deutschen in Paris verlassen, jetzt hockt er zynisch und verbittert in seinem Café in Casablanca. Da betritt die Ex das Café – am Arm eines anderen Mannes.

 Das allein ist kein Beweis, dass die Geschichte gut ist oder sich verkaufen lässt. Aber es wäre zumindest interessant genug, dass es sich lohnen könnte, einen zweiten Blick auf das Buch zu werfen – das ‚Casablanca’ heißt.

Im Pitch soll man nichts über das Wie sagen. Nicht, wie gut der Stil ist, nicht wie spannend die Verwicklungen. Da geht es nur ums Was. Und »Show, don’t tell« gilt auch hier.

Beispiele

Filme haben oft gute Pitchs. Zum Beispiel:

Ein einzelgängerischer Taxifahrer in New York steigert sich in den missionarischen Wahn, seine Stadt in nächtlichen Kreuzzügen mit tödlicher Selbstjustiz von Schmutz und Gewalt zu befreien.

Das wäre ein Pitch für „Taxidriver“. Er gibt uns eine Vorstellung davon, was uns in der Geschichte erwartet – und klingt das nicht vielversprechend?

Noch kürzer wäre dieser:

Sie brachte eine kleine Stadt auf die Beine und zwang ein großes Unternehmen in die Knie.

Das ist „Erin Brockovitch“ mit Julia Roberts.

Hier kommt die schlechte Nachricht: Ihr erster Pitch wird nicht annähernd so gut sein. Er wird grottig klingen. Pitchen ist eine Kunst für sich. Und ich kann nur immer wieder Hemingway zitieren: »Der erste Entwurf ist immer Scheiße«.

Die gute Nachricht: Auch Pitchen lässt sich lernen. Und auch aus langweiligen Entwürfen lassen sich glitzernde Edelsteine schleifen.

Zwölf Lösungen

Wie kommt man dann einem guten Pitch? Eine bewährte Methode ist Brainstorming. Schreiben Sie so schnell wie möglich zwölf verschiedene Sätze über Ihr Projekt auf. Bewerten Sie sie nicht, schreiben Sie einfach. Erlauben Sie es sich, auch den größten Stuss zu formulieren. Schicken Sie Ihren inneren Zensor ins Café, dort darf er die Druckfehler in der Zeitung anstreichen. Im Moment steht er nur im Weg herum und bremst Ihre Kreativität.

Haben Sie zwölf Lösungen? Dann lassen Sie sie erst einmal stehen. Gehen Sie spazieren, trinken Sie Tee, putzen Sie endlich mal wieder die Wohnung.

Fertig? Dann können Sie sich jetzt die Lösungen ansehen. Welche sprechen Sie an. Nein, nicht bewerten. »So was kann ich doch nicht schreiben« ist kein Argument. Es geht um die Wirkung. Welcher Satz hat das gewisse Etwas.

Sie können auch zwei Sätze kombinieren.

Polieren

Polieren Sie Ihren Pitch. Feilen Sie daran. Erinnern Sie sich an das Beispiel mit Julia? Polieren wir diesen Satz. Was ist das Problem?
Das ist die berührende Liebesgeschichte von Helga, die ihre große Liebe findet. Eine Geschichte voller Emotionen, Tragik und Liebe!
Dieser Satz ist viel zu allgemein. Was ist das Besondere an Julias Geschichte? Vielleicht:

Julia verliebt sich in Romeo, doch der stammt aus einer strenggläubigen muslimischen Familie und Julias Eltern sind Anhänger der AfD.

Da können Sie sich die Behauptung sparen, dass es eine Geschichte voller Emotionen, Tragik und Liebe wäre. Das schlussfolgert der Leser. Merke: Der Pitch sollte das Besondere herausstellen und deshalb konkret sein.

Womit beginnt die Geschichte

Das, was Ihre Geschichte in Gang setzt, liefert oft auch einen guten Pitch. Der alternde Faust steht auf kleinen Mädchen und verschreibt seine Seele dem Teufel, um neuen Stoff zu bekommen. Ein Hundertjährige steigt aus dem Fenster und verschwindet.

Der Hundertjährige ist ein gutes Beispiel dafür, dass manchmal schon der Titel einen guten Pitch ergibt.

Der Konflikt

Auch der Grundkonflikt Ihrer Geschichte kann einen hervorragenden Pitch liefern.

Meine Helden lieben sich, aber die Eltern sind dagegen.

Das wäre der Grundkonflikt von Romeo und Julia. Er gilt allerdings für sämtliche Varianten, für Shakespeares Original, für Romeo und Julia in einem Schweizer Dorf wie auch für Romeo und Julia in der Bronx. Der Pitch sollte aber anschaulicher werden. Erinnern Sie sich noch an mein Beispiel oben:

Julia verliebt sich in Romeo, doch der stammt aus einer strenggläubiger muslimischen Familie und Julias Eltern sind Anhänger der AfD …

Das ist die anschauliche Variante des Julia und Romeo Konflikts.

Testen

Wenn Sie einen Pitch haben, den Sie für gut halten, testen Sie ihn. Erzählen Sie ihn anderen Autoren, Lesern, Freunden und Bekannten. Sind Sie sich nicht sicher, können Sie auch zwei Varianten zur Auswahl stellen und fragen: Welche lockt mehr zum Lesen?

Also ran an den Speck! Pitchen Sie Ihre Geschichte! Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

Fazit:

Ein Pitch beschreibt ein Buch in einem, maximal zwei Sätzen. Er soll Interesse für das Buch wecken, deshalb kurz, knapp und prägnant das Besondere der Geschichte herausstellen.

Workshop Exposé und Pitch, 21.1.2017

Dieser Artikel ist eine überarbeiteter Text aus dem Schreibratgeber:
Drei Seiten für ein Exposé

Der Pitch

Energie

„Wie geht’s dem Knie?“

„Frag was anderes.“

„Hej! Noch nicht besser? Dafür bist du doch in dieses Kur-Kaff gefahren!“ Susa klang nach aufrichtigem Mitleid. Klar, sie hatte Marina nach der Kreuzband-OP versorgt und wusste, wie ungeduldig sie die Heilung herbeisehnte.

Marina schaltete ihre Kopfhörer lauter, die Verbindung war schlecht. Sie ging wie jeden Tag an dem Schild “Rosel-Höhenweg” vorbei und blieb dann stehen. Von hier oben sah sie das Dorf liegen, die eine Straßenseite noch immer im Schatten des Hausberges, obwohl es schon später Vormittag war. Schafe weideten auf dem Hang unter den ökologisch beschnittenen Obstbäumen. Wo waren hier eigentlich die Kinder? Gab es überhaupt welche? Sie ging weiter. Weiter hinten fuhr ein Bauer auf seinem Traktor langsam den Hang entlang. Es sah ziemlich steil aus. Bauer Lohmann war der nette von den beiden Landwirten in Bad Rosel. Der andere, Kanterer, war ein ewig schlecht gelaunter Wichtigtuer, der die Landmaschinen mit Tempo 60 durchs Dorf peitschte und angeblich seine Kühe schlecht behandelte.

„Ich wollte meine Ruhe haben. Hier finde ich garantiert niemandem zum Reden.“

„Und was machst du den ganzen Tag?“ Susa unterdrückte ein Gähnen.

„Schlafen. Lesen. Spazierengehen, Physio. Im vegetarischen Dorfgasthaus essen.“

„Das hört sich doch gut an.“

„Findest du?“

Marina hatte die Stelle erreicht, von der aus sich der Blick Richtung Westen öffnete. Im Dunst war der Stuttgarter Fernsehturm zu ahnen. Auf dem Hang stand der Traktor. Lohmann war wohl abgestiegen. Sicher wollte er einen Zaun reparieren. Wanderer und Touristen durften auf keinen Fall Wege quer über Weiden finden, selbst wenn alles abgeweidet war und das Vieh längst im Stall. Da war ein Biobauer genauso stur wie alle seine Vorgänger.

„Und von Magnus habe ich gar nichts mehr gehört …“

Susa seufzte mitfühlend. „Der Blödmann. Es schien doch alles zu passen.“

Das Ende dieser Liebe machte Marina noch immer zu schaffen, oft hörte sie in der Erinnerung Magnus‘ liebevolle Stimme. Sie sah, wie der Traktor langsam auf die Seite kippte, aber sie war vollkommen beschäftigt damit, die richtigen Worte zu finden, um Magnus so zu charakterisieren, dass Susa sie verstand. Ein Donner grollte über das Tal hinweg. Marina sah zum Himmel, blau, weit hinten ein paar Haufenwolken.

„Weißt du, er war so … angenehm zuverlässig … “

„Das hört sich sehr aufregend an!“

Susas Spott konnte sie nicht vertragen. „Das verstehst du nicht!“

„Entschuldige, war blöd von mir. Doch, ich verstehe sehr gut, dass du einen soliden Mann suchst. Mit 27 steht das auf dem Programm. Schluss mit Abenteuer!“

Marina stand auf, um nach dem Traktor zu sehen.

Er lag auf der Seite, die Räder drehten sich. Wollte Lohmann etwas reparieren? Aber warum schaltete er dafür nicht den Motor aus?

Es wirkte wie Legospielzeug, nichts Wirkliches. Aber jetzt klang das Motorgeräusch trotz der Entfernung nicht mehr idyllisch.

Ein Aufheulen, dann ein lautes Krachen.

„Warte mal, da ist irgendwas passiert! Ich ruf dich später an!“

Marina rannte den Abhang hinunter, das Knie schmerzte höllisch. Sie riss sich die Kopfhörer herunter und drückte im Laufen 112.

Weit hinten auf dem Weg rannte ein Mann weg. Neben dem Traktor lag verkrümmt der Bauer, um ihn herum Metallteile des Traktors. Ein Splitter musste ihm das Bein aufgeschlitzt haben, Blut strömte aus dem Riss in der Hose, verteilte sich im Gras, färbte es. Marina beugte sich zu ihm und fühlte seinen Puls. War da etwas?

„Hallo? Von wo rufen sie an?“, knarrte es aus dem Handy.

„Ja, ich bin hier … auf der Wiese …“ Du blöder Angsthase, rügte Marina sich selbst. Sie hatte noch nie erste Hilfe geleistet. Jetzt erst einmal dem Notarzt sagen, wo er hinkommen soll.

„Bad Rosel. Oberhalb vom Ort ist eine Weide. Hier ist ein Traktor umgestürzt, ein Mann ist schwer verletzt.“

„Wir sind in 20 Minuten da.“

Lohmann bewegte sich und stöhnte. Er hatte Schmerzen, aber Marina drückte weiter die große Wunde an seinem Bein zu. In zwanzig Minuten verblutete er doch!

Ihr Handy brummte. Susa, die Medizinerin mit frischem Staatsexamen, dank dem Himmel! „Was ist denn los?“

Marina hielt sich nicht lange auf. „Was muss ich machen, damit er nicht verblutet??“

„Wo ist die Wunde?“

„Am Bein, aber ich sehe es nicht genau.“

„Hast du was, um die Hose aufzuschneiden?“

Lohmann versuchte etwas zu sagen. Marina gab den Versuch auf, seine zerfetzte Hose von der Wunde wegzubekommen. Sie kniete sich hin und neigte ihr Ohr zu seinem Mund.

„Ist .. weggelaufen ..“ flüsterte er.

„Ja, ich habe ihn gesehen! Wer war das?“

„Wollte … Karboni .. kriegt der nicht … – – – Es wird wärmer!“, rief er auf einmal aus. Dann verlor er das Bewusstsein.

Marina weinte vor Wut und Ohnmacht. Er starb, und sie konnte nichts tun.

Der Rettungswagen kam in Sicht, fuhr quer über die Wiese und hielt an.

„Er hat sehr viel Blut verloren.“

„Das ist der Sepp!“, rief der Rettungssanitäter dem anderen im Auto zu.

„Verdammt.“

  

Marina ging leicht humpelnd auf den Tisch zu, an dem Kommissar Rugenwald seinen vegetarischen Pfannkuchen aß.

„Ist hier noch frei?“

„Ja, ich gebe Ihnen ein Interview, aber nur drei Fragen.“

Marina hatte ihm gar nicht gesagt, dass sie für den “Stuttgarter Tag” schrieb. Sie kannte niemanden bei der Kriminalpolizei, ihr Ressort war Politik.

„Ich wollte eigentlich nur …“

„Schon in Ordnung. Ich mag Leute, die gut beobachten. Sie haben eine Eins-a-Aussage gemacht. Und hätten dem Bauer Lohmann das Leben gerettet – wenn das noch möglich gewesen wäre.“ Er seufzte. „So eine Sauerei. Das war ein Guter.“

„Waren Sie mit ihm befreundet?“

„Das behaupten jetzt alle von sich. Nein, er war einfach anständig. Ein Pfundskerl. — So, und jetzt Ihre Fragen. Ich muss gleich weg.“

„Kann es ein Unfall gewesen sein?“

„Die Spurensicherung untersucht den Traktor.“

„Und wenn es kein Unfall war – wer könnte dahinterstecken?“

„Wir haben einige Hinweise. Mit Nachbarn gab es alte Grenzstreitigkeiten und Neid auf seinen wirtschaftlichen Erfolg. — Was haben Sie denn gehört?“

„Bauer Lohmann war ein streitbarer Biobauer, das hat ihm im Dorf Feinde gemacht.“

Der Kommissar sah sie etwas spöttisch an. „Feinde? Gleich so dramatisch?“

„Also, was ich über den Genmais von Bauer Kanterer gehört habe …“

„Ja, stimmt, der musste den Anbau aufgeben. Wegen Lohmanns Bienen. Urteil vom Bundesverfassungsgericht.“

Sie sahen auf. Ein hochgewachsener Mann im Anzug stand an ihrem Tisch.

„Ja. bitte?“ Der Kommissar zog seine enorm beweglichen Augenbrauen hoch. „Kennen wir uns?“

„Nein, aber es wird höchste Zeit.“

„Davon bin ich überzeugt.“

„Franz Meinhardt. Ich habe das Projekt “Schwab‘ gegen rechts” ins Leben gerufen. Bei der letzten Gegendemonstration standen wir leider auf verschiedenen Seiten.“

Rugenwald stand auf, gab dem Mann mit dem zerknitterten Gesicht die Hand und bot ihm einen Stuhl an. „Sagen Sie bloß, bei Ihnen war Sepp Lohmann auch aktiv.“

„Er war einer unserer wertvollsten Unterstützer. Aber wir waren ja noch am Anfang“, Meinhardt seufzte. „Ich kann es noch gar nicht fassen.“

Lektorat

Marina ist wegen eines Kreuzbandrisses auf Kur und trauert ihrer Beziehung mit Magnus nach. Während sie mit ihrer Freundin telefoniert, stürzt ein Traktor um, ein Mann läuft weg, und sie rennt zur Unglücksstelle. Dort findet sie den schwerverletzten Bauern, kann ihm aber nicht helfen, und auch ihre Freundin, frischgebackene Medizinerin, kann ihr nichts raten. Der Mann stirbt, und die Kripo taucht auf.

Eine spannende Konstellation, aber trotzdem will Spannung nicht so recht aufkommen. Woran liegt das? Meiner Meinung nach am Aufbau der Szene. Es werden viele Einzelheiten am Anfang erzählt. Zu viele davon nebensächlich.

Szenen visualisieren

Was ist die Hauptsache? Für Marina der Kreuzbandriss, dass sie hier in der Reha Ruhe gefunden hat und dass sie Magnus nachtrauert. Wird sie in so einem Gespräch mit der Freundin auch nur einen Gedanken daran verschwenden, dass es zwei Bauern im Dorf gibt, wer die sind und was die tun? Wird sie die Namen der Bauern überhaupt kennen? Ich denke nicht. Und den Leser werden die Bauern auch erst dann interessieren, wenn das Unglück geschehen ist. Die Beziehung zu Magnus wird obendrein aus dem Blickwinkel des Autors geschildert, nicht aus dem von Marina.

Der Traktor wird für Marina erst dann wichtig werden, wenn das Unglück geschehen ist. Vorher wird sie ihn bestenfalls aus den Augenwinkeln kurz wahrnehmen. Vielleicht kurz etwas Verdächtiges, eine Vorausdeutung für den Leser. Aber keine ausführlichen Erklärungen. Schlüpfen Sie in Ihre Figuren. Was ist denen wichtig? Nur das zählt am Anfang. Hier einmal ein Versuch:

„Wie geht’s dem Knie?“

„Frag was anderes.“

„Hej! Noch nicht besser? Dafür bist du doch in dieses Kur-Kaff gefahren!“ Marina schaltete ihre Kopfhörer lauter, die Verbindung war schlecht. Susa hatte Marina nach der Kreuzband-OP versorgt und wusste, wie ungeduldig sie die Heilung herbeisehnte.

An dem Schild „Rosel-Höhenweg“ blieb sie stehen und schaute auf das Dorf unter ihr. Die Straße lag noch immer im Schatten des Hausberges, obwohl es schon später Vormittag war. Schafe weideten auf dem Hang unter den ökologisch beschnittenen Obstbäumen. Weiter hinten fuhr ein Bauer auf seinem Traktor langsam den Hang entlang.

„Ich will meine Ruhe haben. Hier finde ich garantiert niemandem zum Reden“, sagte sie.

„Und was machst du den ganzen Tag?“

„Schlafen. Lesen. Spazierengehen, Physio. Im vegetarischen Dorfgasthaus essen.“ Langsam ging sie weiter.

„Das hört sich doch gut an.“

„Findest du?“

Marina erreichte die Stelle, von der aus sich der Blick Richtung Westen öffnete. Im Dunst war der Stuttgarter Fernsehturm zu erahnen. Auf dem Hang stand der Traktor.

„Und von Magnus habe ich gar nichts mehr gehört …“, sagte sie.

„Der Blödmann. Es schien doch alles zu passen.“

„Weißt du, er war so … angenehm zuverlässig … “

„Das hört sich sehr aufregend an!“

»Manchmal höre …«

Der Traktor kippte am Hang langsam auf die Seite. Donner grollte über das Tal hinweg. Marina sah zum Himmel, blau, weit hinten ein paar Haufenwolken.

Was habe ich hier getan? Ich habe die Erklärungen des Autors gestrichen. Den Dialog gekürzt, damit das Wesentliche herauskommt. Und nur das berichtet, was Marina in dieser Szene wirklich denken und bemerken würde.

Ob der Bauer einen Zaun repariert oder warum der Traktor stehen bleibt, wird sie eher weniger interessieren. Wenn er umstürzt, sieht das natürlich anders aus.

Wie geht es weiter? Der Traktor sieht aus wie ein Legospielzeug. Das heißt aber, dass er weit entfernt ist, dass Marina also gar nicht schnell hinlaufen kann. Lassen wir darum den Traktor in der Nähe stehen, unten am Hang. Die Räder drehen sich, der Motor kracht, jemand läuft weg. Vielleicht hört sie einen Schrei? Jedenfalls will sie nachsehen, was passiert ist.

Was sieht sie sonst noch? Kann sie den Verletzten sehen, oder wird er vom Traktor verdeckt? Jedenfalls ist klar, dass hier niemand den Traktor reparieren will, wer würde mitten am Hang einen Traktor umwerfen? Ich weiß natürlich nicht genau, wie die Szene vom Autor geplant worden ist, aber ich mache mal einen Versuch, wie es sein könnte.

Der Traktor lag auf der Seite, die Räder drehten sich. Das Motorgeräusch klang seltsam. Dann heulte der Motor auf, ein lautes Krachen.

„Warte mal, da ist irgendwas passiert!«, rief Marina ins Telefon. »Ich ruf dich später an!“

Sie rannte den Abhang hinunter, das Knie schmerzte höllisch. Die Kopfhörer riss sie sich herunter und drückte im Laufen 112.

Hinter dem Traktor sprang ein Mann auf und rannte weg. Ein anderer Mann lag neben dem Traktor verkrümmt am Bogen. Um ihn herum Metallteile. Die Hose war zerrissen, war das Blut?

Mittlerweile ist einige Zeit vergangen, also sollte sich die Rettung melden, die Marina antelefoniert hat:

„Hallo?“ knarrte es aus dem Handy.

„Ja, ein Unfall. Ich bin hier … auf der Wiese …“, stotterte Marina aufgeregt ins Handy.

»Nur mit der Ruhe. Wo sind Sie genau?«

„Bad Rosel. Oberhalb vom Ort ist eine Weide. Hier ist ein Traktor umgestürzt, ein Mann ist verletzt.“

„Wir sind in 20 Minuten da.“

Recherche

Dann erreicht sie den Mann. Wie sieht er aus? Kann sie die Wunde sehen, oder ist sie unter der Hose verborgen? Der Text widerspricht sich da. Einmal drückt sie auf die große Wunde, kann sie also sehen.

Und was würden Sie in solch einem Fall tun? Wenn Sie eine Freundin haben, die Medizinerin ist? Natürlich diese anrufen.

Was würde die Freundin sagen? Sie würde nach der Wunde fragen. Ihr empfehlen, die Hose zu öffnen. Aber sie würde nicht auflegen, wenn das nicht geht. Vielleicht der Freundin empfehlen, das Bein abzubinden? Ich bin keine Mediziner. Die meisten Autoren auch nicht. In solchen Fällen muss man recherchieren, einen Mediziner fragen, was er empfehlen würde, wenn ihn ein Freund anruft, der einen Schwerverletzten vor sich hat und wissen will, wie er die Blutung stoppen soll.

Zeitsprünge

Dann kommt der Rettungswagen. Und die Geschichte macht einen Zeitsprung. Weder wird erzählt, was die Sanitäter tun, noch, wie die Kripo auftaucht. Und auch Marina wird vernommen, ohne dass uns der Autor darüber etwas erzählt.

Man muss nicht alles erzählen. Natürlich können Zeitsprünge spannend sein. Andeutungen, die sich der Leser ausmalen kann, steigern die Spannung.

In der Geschichte gibt es aber ein Problem. Denn die Szenen, die spannend sein könnten, werden ausgelassen. Dafür erzählt sie ein Interview mit dem Kripo-Beamten, das nur Infos vermittelt.

Würde Marina nicht gleich bei der Vernehmung versuchen, möglichst viele Informationen zu erhalten? Und der Kommissar will ihr nichts Genaues sagen oder weiß selbst noch gar nicht, was wirklich passiert ist?

Ach ja, wieso gibt er ihr ein Interview, wenn er noch gar nicht weiß, dass sie Journalistin ist?

Konflikt

Um Spannung zu erzeugen, benötigt man Konflikt. Das ist eine Banalität, schon Shakespeare wusste das und alle Theater- und Filmleute nach ihm auch.

Haben wir hier einen Konflikt? Wir haben eine Journalistin, die Augenzeugin eines Unfalls oder eines Verbrechens wurde. Einen Kommissar, der das untersucht. Die Journalistin will möglichst viele Informationen möglichst schnell erhalten. Der Kommissar will nicht alles preisgeben und schon gar nicht voreilige Schlüsse ziehen. Dann taucht auch noch Meinhardt auf, der bei Demos auf der anderen Seite stand. Der Kommissar bietet ihm einen Stuhl an. Marina, der Kommissar und Meinhardt tauschen freundlich Informationen aus. Ein Konflikt ist nicht in Sicht.

Wie könnte der Kommissar auf Meinhardts Satz reagieren? Vielleicht so:

„Franz Meinhardt. Ich habe das Projekt „Schwab‘ gegen rechts“ ins Leben gerufen. Bei der letzten Demonstration standen wir auf verschiedenen Seiten.“

»Ich bin Kriminalpolizist.« Der Kommissar zog seine Augenbrauen hoch und bot Meinhardt keinen Sitz an.

»Na und?«

»Ich befasse mich nicht mit Demonstrationen, dafür ist die Schutzpolizei zuständig.«

»Aber sie schützen die Politik.«

»Das ist Sache des Staatsschutzes. Ich untersuche, ob hier ein Verbrechen vorliegt oder ein Unfall.«

»Ein Unfall? Glauben Sie an den Weihnachtsmann? Kanterer und die Genbauern haben ihn gehasst. Wenn das kein Mord war …«

»Könnten Sie bitte die Untersuchung uns überlassen? Wir sind die Fachleute für so was. Und außerdem vernehme ich gerade Frau X. Würden Sie also freundlicherweise zurücktreten und mich nicht bei der Arbeit stören?«

Natürlich ist das jetzt meine Szene. Die des Autors kann ganz anders ablaufen. Aber ein Dialog, in dem sich alle bestätigen, dass der Tote ein Pfundskerl war und viele Feinde hatte, ist keine gute Idee. Da werden nur Infos ausgetauscht, wird Smalltalk betrieben. Smalltalk und Informationsvermittlung ohne Konflikt sind aber der Tod jeder Spannung.

In die Figuren gehen

Wenn die Geschichte nicht spannend ist, der Kern aber einen guten Konflikt, eine gute Idee beinhaltet, muss man neu schreiben. Dann empfiehlt es sich, dass der Autor sich in seine Figuren verwandelt und die Szene aus ihren Augen sieht, die Figuren so handeln lässt, wie sie handeln würden. Und den Leser nicht mit Erklärungen langweilt, sondern ihn die Ereignisse aus der Handlung begreifen lassen.

Jeder der Figuren hat eigene Ziele. Und die sind in der Regel nicht gleich. Eine Journalistin hat andere Ziele als ein Kommissar und der andere als ein politischer Aktivist, der gegen Genmais kämpft. Nutzen Sie das, das ist der Stoff, aus dem Konflikte und damit Spannung erwachsen.

Heißt das, dass Kommissar und Meinhardt im ganzen Buch so harsch aufeinander reagieren müssen wie in meiner Szene?

Nein. Ganz im Gegenteil. Es ist immer eine gute Idee, dass sich zwei Figuren in die Wolle geraten – und später müssen sie dann zusammenarbeiten und lernen, sich gegenseitig zu schätzen. Vielleicht sind Marina, der Kommissar und Meinhardt die, die später den Mord aufklären. Gegen alle Widerstände von Politik und Wirtschaft.

Auf jeden Fall sollten nicht alle gleicher Meinung sein und sich ihre gleiche Meinung im Dialog gegenseitig bestätigen. Smalltalk ist in der Realität wichtig. Im Krimi ist er tödlich.

Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollen, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein solches Beispiellektorat vorschlagen.


Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen
http://www.hanspeterroentgen.de/spannung-1.html

Energie

Workshops und Seminare für Autoren

Workshops und Seminare sind immer wieder gut. Man lernt neue Kolleginnen und Kollegen kennen, kann über die eigenen Texte und die der anderen reden, hat einen erfahrenen Autor oder Lektor als Moderator, der die Diskussion leitet. Und last, but not least: So schön auch das virtuelle Internet ist, manchmal geht doch nichts über reale Treffen.

Solche Seminare sind wahre Motivationsschübe. Danach gehen viele der Teilnehmer mit ganz neuem Schwung an ihre Projekte.

Ich habe eine Liste solcher Workshops und Seminare erstellt. Die Auswahl ist rein subjektiv, ich habe vor allem solche ausgewählt, an denen ich teilgenommen habe oder von denen mir andere berichtet haben.

Bundesakademie Wolfenbüttel

Die Bundesakademie Wolfenbüttel bei Hannover ist Urgestein der Schreibworkshops, sie ist seit über fünfzehn Jahren auf diesem Gebiet aktiv und bietet zahlreiche Kurse mit bekannten Autoren und Lektoren an. Das Themenangebot ist breit gefächert, im Preis ist die Unterkunft und die Verpflegung in einem alten wunderbar restaurierten Fabrikgebäude enthalten. Andreas Eschbach hat dort 2000-2007 jedes Jahr ein Seminar gehalten, aus dem etliche erfolgreiche Bestsellerautoren hervorgegangen sind.

Edition Oberkassel

Der Verleger und Autor Detlev Knut bietet zahlreiche Seminare in Düsseldorf mit bekannten Lektorinnen und Autoren an. Die Termine werden zusammen mit den Teilnehmern festgelegt.

Ideenreich – der Kreativhof

Bietet Kurse an mit Sina Beerwald, Thomas Finn, Markus Heitz, Boris Koch und anderen. Ort: Buchholz, nahe Hamburg.

Nordkolleg Rendsburg

Bietet in Schleswig Holstein eine Fülle von Seminaren an

Romanmentoren

Die Autorin Kathrin Lange hat eine Autorenfortbildung gegründet, sie wurde durch »Plotten für Chaoten« bekannt. Orte: Frankfurt und Hannover

Schreibfluss

Die Schreibschule der Autorin Jurenka Jurk am Bodensee.

Schreib&Weise

Seit vielen Jahren gibt die Autorin Diana Hillebrand in München Schreibkurse. Sie hat auch den Schreibratgeber »Heute schon geschrieben?« verfasst.

Textmanufaktur

Der Verleger und Lektor André Hille hat diese Akademie gegründet, die mittlerweile Kurse an verschiedenen Standorten anbietet.

Autorentreffen

Ursula Schmidt Spreer organisiert einmal im Jahr zu Christi Himmelfahrt ein Autorentreffen mit vielen Vorträgen. Davor und danach finden auch Workshops statt.

Ich selbst gebe auch Schreibworkshops, meiner Meinung nach sind das natürlich die aller- allerbesten von allen. Aber Väter können höchst selten objektiv über ihre Kinder urteilen, deshalb hier nur der Link:
http://www.hanspeterroentgen.de/workshops.html

Workshops und Seminare für Autoren

Klappentextlektorat 2016

Der Höhlenparasit

Die Maya – Genies oder das Werkzeug fremder Wesen?
Woher stammte ihr Wissen über die ausgeklügelte Baukunst ihrer Zeit?
Wie konnten sie mit primitiven Mitteln eine Tempelanlage bauen, die das Sonnensystem widerspiegelt?

Carlos Zamardo, Einsatzleiter der Policia Federal in Mexiko, ermittelt in einem Fall, bei dem er der Wahrheit näher kommt, als ihm lieb ist.

Ein Fall, der ihn ganz persönlich betrifft. Gerichtsmedizinerin Muyal wird mitsamt einem toten Unterwasserarchäologen entführt. Muyals Sprachaufzeichnung über ein parasitäres Wesen am Leichnam ist alles, was Carlos an Hinweisen finden kann, um die Liebe seines Lebens zu retten.

Die Spur führt in quer durch den mexikanischen Dschungel zu einer der zahlreichen Cenoten Yucatans, wo ihm eine uralte Gefahr begegnet.

Lektorat

Die Mayas und deren astronomischen Kenntnisse, eine entführte Gerichtsmedizinerin, ein toter Unterwasserarchäologe und eine seltsame Sprachaufzeichnung. Verspricht das Spannung?

Aber sicher. Und klar geschrieben ist es auch. Doch was erwarten Sie, wenn der erste Satz eines Klappentextes lautet: „Die Mayas – Genies oder das Werkzeug fremder Wesen?“

Das klingt sehr nach Sachbuch. Und birgt folglich die Gefahr, dass die Leser, die einen Krimi suchen, nicht weiterlesen. Der erste Satz ist nicht nur im Roman ungeheuer wichtig, sondern erst recht im Klappentext. Er entscheidet, ob der Leser überhaupt den Klappentext weiterliest oder das Buch weglegt, weil es nicht die Sorte Buch ist, die er sucht.

Deshalb muss der erste Satz sitzen. Einen Eindruck von dem Buch vermitteln. Also ein Pitch sein.

Was ist in »Der Höhlenparasit« das Wichtigste? Dass Carlos die entführte Gerichtsmedizinerin befreien muss, die Liebe seines Lebens. Also formulieren wir das mal.

Carlos Zamardo von der Policia Federal in Mexiko muss die entführte Gerichtsmedizinerin befreien, die die Liebe seines Lebens ist.

So ganz überzeugt das noch nicht. Das klingt noch etwas bieder. Vielleicht besser mit der Gerichtsmedizinerin anzufangen?

Die Gerichtsmedizinerin Muyal wird entführt. Verschwunden ist auch die letzte Leiche, die sie untersucht hat: die eines Unterwasserarchäologen. Carlos Zamardo von Policia Federal in Mexiko soll den Fall aufklären. Doch die einzige Spur, die er hat, ist eine seltsame Sprachaufzeichnung der Medizinerin. Dort spricht sie von einem unbekanntem Parasiten, den sie an der Leiche des Archäologen gefunden hat. Dass Muyal die Liebe seines Lebens ist, macht den Fall für Zamardo nur dringender.

Jetzt haben wir nicht nur einen ersten Satz, sondern gleich einen ersten Abschnitt, der uns erzählt, wie die Geschichte beginnt. Das ist immer eine gute Idee in einem Klappentext. Erst ein Pitch, der neugierig macht, dann das, was die Geschichte in Gang setzt, und worum es geht.

Und die Mayas? Ganz weglassen?

Unique Selling Point

Nein, die Mayas sind ein Spannungselement. Ein Alleinstellungsmerkmal (Unique Selling Point), wie es in der Fachsprache heißt, also etwas, das nur diese Geschichte auszeichnet. Ein Krimi mit ungewöhnlichem Setting und ebenso ungewöhnlichem Thema. Also gehört das auch in den Klappentext. Aber erst an zweiter Stelle.

Die Maya – Genies oder das Werkzeug fremder Wesen?
Woher stammte ihr Wissen über die ausgeklügelte Baukunst ihrer Zeit?
Wie konnten sie mit primitiven Mitteln eine Tempelanlage bauen, die das Sonnensystem widerspiegelt?

Das klingt noch etwas zu statisch. Wir haben es ja mit einem Krimi zu tun, nicht mit einen historischen Essay. Wie wäre es damit:

Die Spur führt durch den mexikanischen Dschungel zu einer alten Tempelanlage der Mayas, die das Sonnensystem widerspiegelt.

So wichtig wie der erste Satz ist auch der letzte. Der sollte am besten eine Frage, einen Konflikt aufwerfen. Und so den Leser verlocken, das Buch aufzuschlagen. Vielleicht so:

Doch in den Ruinen wartet eine uralte Gefahr auf ihn.

Details

Schauen wir uns mal den folgenden Satz an:

Carlos […] ermittelt in einem Fall, bei dem er der Wahrheit näher kommt, als ihm lieb ist.

Solche Formulierungen sind beliebt in Klappentexten. »Er kommt der Wahrheit näher, als ihm lieb ist«, »eine große Gefahr wartet auf ihn«, »ein großes Geheimnis bedroht seine Liebe«. Solchen Formulierungen ist eins gemeinsam: Sie sagen nichts aus. Sie versprechen Spannung, aber geben keinen Hinweis darauf, was überhaupt spannend sein könnte. Und da sie nicht gerade Höhepunkte der Fantasie sind, sondern jeder so etwas auf Dutzenden Klappentexten gelesen hat, vermuten Leser schnell, dass das Buch sich ebenfalls in solchen nichtssagenden Klischees ergeht.

Bei Stephen King sind solchen Formulierungen okay. Dass Stephen King spannend schreiben kann, wissen die Leser. Sie kaufen die Bücher, egal, was hinten im Klappentext steht. Möglicherweise tun sie es auch bei großen Verlagen wie Heyne oder Lübbe. Manchmal findet man auch dort solche Formulierungen. Aber Heyne und Lübbe sind bekannte Marken, die Leser wissen, was sie da erwarten können.

Wenn Sie ein unbekannter Selfpublisher sind, kann ich von solchen Allerweltsformulierungen nur abraten.

Verständlich schreiben

Wissen Sie, was »Cenoten« sind? Den meisten Leser dürften sie genauso unbekannt sein wie mir. Verwenden Sie nie Bezeichnungen im Klappentext, die Ihre Leser nicht kennen.

Neue Fassung

Die Gerichtsmedizinerin Muyal wird entführt. Verschwunden ist auch die letzte Leiche, die sie untersucht hat: die eines Unterwasserarchäologen. Carlos Zamardo von Policia Federal in Mexiko soll den Fall aufklären. Doch die einzige Spur, die er hat, ist eine seltsame Sprachaufzeichnung der Medizinerin. Dort spricht sie von einem unbekanntem Parasiten, den sie an der Leiche des Archäologen gefunden ha. Dass Muyal die Liebe seines Lebens ist, macht den Fall für Zamardo nur dringender.

Die Spur führt ihn durch den mexikanischen Dschungel zu einer antiken Tempelanlage der Mayas, die das Sonnensystem widerspiegelt.

Doch in den Ruinen wartet eine uralte Gefahr auf ihn …

 

Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollen, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein solches Beispiellektorat vorschlagen.


Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen
http://www.hanspeterroentgen.de/spannung-1.html

Klappentextlektorat 2016

Klappentextlektorat August 2016

Im Juli-Tempest hatte ich einen Klappentext besprochen. Die Autorin hat ihn jetzt umgeschrieben. Spannend, zu sehen, wie die neue Version besser wirkt – und warum

Albtraum Traumgewicht – Mein Weg aus dem Dickicht von Essstörung und Therapien, Version II

Traumgewicht als Flucht und Illusion

 Aus dem Spieglein an der Wand sprach die Böse Königin Anorexia zu mir:

„Du bist nicht die Schönste und Klügste im ganzen Land! Du bist zu dick!“

 Ich nahm mir die Worte der Bösen Königin zu Herzen und aß immer weniger, bis ich sehr krank war.

 „Zu dick! Zu dünn! Zur Strafe sollst Du nun auch gestört sein!“

Die Böse Königin hexte mir Stimmen in den Kopf. Jetzt konnte sie immer und überall auf meine Gedanken zugreifen und mich steuern …

Zeigt allen, die in einer Essstörung gefangen sind, dass es auch aus dem tiefsten Abgrund einen Weg zurück ins Leben geben kann.

Mein Albtraum beginnt zu verblassen …

 

Sabine Henkes (23) lebt in Berlin und kämpft seit Jahren mit ihrer Magersucht und den Folgeschäden.

Heute lebt sie ein maßvolles, bescheidenes und oft zuversichtliches Leben.

Lektorat

Erinnern Sie sich noch an den Klappentext aus dem Juli-Tempest? Die Autorin hat jetzt eine neue Version vorgelegt, die sie oben lesen.

Und was ist der Unterschied zur Alten? Kramen Sie einmal den alten Tempest hervor und lesen Sie sich diese Fassung. Was ist Ihrer Meinung nach der Unterschied? Was ist besser, was schlechter?

Der Hauptunterschied ist die Königin Anorexia. Au einem allgemeinen Klappentext über Magersucht ist eine Geschichte geworden. Die Magersucht wurde zur Bösen Königin und damit entsteht ein Bild. Diese Technik, aus Allgemeinem bekannte Geschichten zu machen, ist nicht nur im Klappentext wirkungsvoll. Schon Kafka kannte sie und schrieb nicht über bedrückende Familienverhältnisse, sondern verwandelte den Sohn der Familie in ein riesiges Ungeziefer. Ein Bild sagt mehr als viele allgemeine Worte.

Diese Böse Königin handelt. Sie kann ihre Opfer besprechen, übt Macht aus. Und kennen wir nicht die Macht der Worte und Bilder, die uns vorgaukeln, dass nur die schön ist, die jede Sekunde auf ihr Gewicht achtet? Der Klappentext erzählt uns eine kurze Geschichte und durch diese Geschichte entwickelt er im Leser eine Vorstellung davon, um was für ein Buch es sich handelt.in die We

Dass es ein anschauliches Bild, eine Variante einer bekannten Geschichte ist, lockt zum Lesen. Der Leser erwartet keine trockene Abhandlung über Magersucht und verwandte Krankheiten, medizinisch korrekt und wissenschaftliche unverständlich formuliert. Er erwartet auch keine Betroffenheitsliteratur voller Klagen.

Sondern eine lebendige Geschichte, wie die Autorin zur Gefolgsfrau der Bösen Königin wurde und wie sie ihr dann doch die Gefolgschaft aufkündigen konnte.

Show, don’t tell (Zeigen, nicht behaupten) gilt auch für Klappentexte und Exposés. Das sollten Autorinnen und Autoren nie vergessen. Schreiben Sie Ihre Werbetexte anschaulich, lassen Sie die Leser sie erleben und die Leser werden eine bessere Vorstellung Ihres Buches gewinnen, als wenn Sie vollmundige Behauptungen auf den Umschlag schreiben.

 Details

 Was halten Sie von dem Abschnitt ziemlich am Ende:

Zeigt allen, die in einer Essstörung gefangen sind, dass es auch aus dem tiefsten Abgrund einen Weg zurück ins Leben geben kann.

Mein Albtraum beginnt zu verblassen …

 Das sind zwei Sätze mit unterschiedlicher Funktion. Der Erste beschreibt die Funktion des Buches. Es will allen mit Essstörungen zeigen, dass es auch aus dem tiefen Kerker der Königin Anorexia einen Ausweg gibt. Das wäre ein guter Schlusssatz des Klappentexts.

Aber hier ist der Schlusssatz: »Mein Alptraum beginnt zu verblassen«. Das gehört vor den Schlusssatz, es soll zeigen, dass die Autorin ihren Weg heraus gefunden hat. Noch ist das wenig anschaulich. Ich würde die Reihenfolge also umstellen und den Satz umformulieren:

Doch auch die Königin ist nicht allmächtig und ich fand einen Weg aus ihrem Kerker. Mein Alptraum beginnt zu verblassen.

Das Buch zeigt allen, die in einer Essstörung gefangen sind, dass es auch aus dem tiefsten Abgrund einen Weg zurück ins Leben geben kann.

Wenn Ihr anderer Meinung seid oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollen, scheut Euch nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Ihr könnt auch eure Texte für ein solches Beispiellektorat vorschlagen.


Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen
http://www.hanspeterroentgen.de/spannung-1.html

 

Klappentextlektorat August 2016