Yahoo will die Zukunft der Medien aktiv gestalten

Morgens um sieben ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Dass Firmen meine Daten weitergeben, habe ich längst vermutet. Dass sie mir eine Mail schicken, in der sie sich brüsten, das zu tun, ist allerdings neu. Yahoo mailt mir, dass es meine Daten weitergeben wird:

Lieber Yahoo Nutzer,

Yahoo ist jetzt Teil von „Oath“ einem Unternehmen für digitale und mobile Medien mit mehr als 50 Marken weltweit (einschließlich AOL, HuffPost, Engadget, TechCrunch, Moviefone und Makers) und Mitglied der Verizon-Unternehmensgruppe. Oath wird die Zukunft der Medien aktiv mitgestalten und hat sich zum Ziel gesetzt, durch die Erstellung von inspirierenden und unterhaltsamen Inhalten und Produkten, eine weltweite Community leidenschaftlicher und engagierter Nutzer zu schaffen.

Im Rahmen dieser Mission werden wir ab dem 18. September 2017 anfangen, einige Nutzerdaten mit Oath und der Verizon-Unternehmensgruppe zu teilen. Dies geschieht sowohl zu Zwecken der betrieblichen Integration, damit die neue Oath-Organisation (einschließlich dieser Unternehmen) Ihnen passende Werbung, interessante Inhalte und innovative Produkte anbieten kann, als auch zu sonstigen Analysezwecken in Einklang mit den Datenschutzrichtlinien. Yahoo kann ggf. von Oath und Bereichen von Verizon ähnliche Daten über Sie erhalten.

Aha. Zu Zwecken der betrieblichen Integration und um gezielter Werbung an mich zu schicken, werden meine Daten weitergegeben. Damit sie die Zukunft der Medien aktiv gestalten können. Dass eine Firma das so offen zugibt und mir mailt, das ist neu. Aber immerhin ehrlich.

Ich habe nichts dagegen, wenn Sie diesen Blog teilen, verlinken, weiter empfehlen. Wenn Sie anderer Meinung sind oder etwas zu diesem Beispiellektorat beitragen wollen, scheuen Sie sich nicht, es mir zu mailen oder in FB zu kommentieren! Sie können auch Ihre Texte für ein Beispiellektorat vorschlagen.

Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

Impressum Homepage Hans Peter Roentgen

 

 

Yahoo will die Zukunft der Medien aktiv gestalten

Drachenzeichen – zwei Klappentexte

               Eins

Lange weiß Lucius nicht, was ihm von den Göttern schon in die Wiege gelegt wurde: Er ist ausersehen, eine uralte Prophezeiung zu erfüllen und die Welt neu zu ordnen. Diesem Schicksal kann er sich nicht entziehen.

Lucius Kindheit in einer mittelalterlichen Stadt endet schlagartig, als nach dem Kampf gegen den bösartigen Greif plötzlich das Zeichen der schwarzen Brüder, ein dunkler Drache, auf seinem Oberarm erscheint. Für die Menschen seiner Heimat ist dies der Beweis, dass nun die gefürchteten alten Prophezeiungen der großen Veränderungen eintreten werden. Voller Hass und Angst jagen sie den Jungen, um das Unheil einer neu geordneten Welt noch abzuwenden. Doch zusammen mit dem Drachenzeichen hat Lucius auch Hilfe aus den magischen Welten erhalten. Sein wichtigster Gefährte wird Salman, der schwarzgoldene Drache, der in seiner Hand geschlüpft ist und schnell wächst. Mit ihm übersteht Lucius die Prüfungen im Schattenreich der Verstoßenen, trifft Gottheiten und Zauberer und kann schließlich zurückkehren in die Menschenwelt. Dort soll er den Auftrag der Göttin Kaala ausführen. Weil Lucius aber die Moralvorstellungen aus seiner Kindheit nicht völlig vergessen hat, gerät er in schwere Gewissenskonflikte.

Zwei

In der mittelalterlichen Stadt, in der Lucius behütet aufwächst, fürchten sich die Menschen vor einer Prophezeiung aus den uralten Zeiten der Drachen, denn große Umstürze und Kriege wurden damit vorausgesagt. Als plötzlich das aus vielen Legenden berüchtigte Zeichen der schwarzen Drachen auf Lucius‘ Arm erscheint, wird er zum Gejagten in seiner Stadt. Schwer verletzt findet er mit seinem frisch geschlüpften Drachengefährten Salman Aufnahme im Schattenreich der Verstoßenen. Hier begegnen ihm Magier, Göttinnen und Hexen, von denen er all das lernt und erhält, was er nach seiner Rückkehr in die Menschenwelt braucht, um die Prophezeiung zu erfüllen. Doch all seine magischen Fähigkeiten und Waffen nützen Lucius wenig, solange sein Gewissen ihn daran hindert, die geforderten Grausamkeiten zu begehen.

Sein Drache Salman bleibt für Lucius der stets zuverlässige Gefährte bei allen Kämpfen und magischen Begegnungen auf den Reisen durch fantastische Welten.

Lektorat

Was interessiert Sie in dem obigen Klappentext? Welcher Satz ist der stärkste? Ich finde ,dieser: »Voller Hass und Angst jagen sie den Jungen, um das Unheil einer neu geordneten Welt noch abzuwenden.« Ein Junge wird vogelfrei, weil das Drachenzeichen auf seinem Arm erscheint. Das erinnert an Hexenverfolgung, an Außenseiter, weckt Ängste.

Und warum wird er vogelfrei? »Große Umstürze und Kriege wurden damit vorausgesagt.« Das ist ein wenig allgemein. Klingt belanglos. So wie der Satz: »Mit Hexen verbinden die Menschen große Umstürze und Kriege.« Besser: »Hexen sind mit dem Teufel im Bunde, sie können Naturkatastrophen herbeizaubern, die Ernte vernichten und den Menschen Krankheiten anzaubern.« Das wäre die konkretere Aussage.

Was also kann jemand mit dem Drachenzeichen anstellen? Was für Ängste ruft es hervor? Dass Lucius mit Drachenzauber die Drachen herbeirufen kann, die Menschen fressen, die Ernte verbrennen und die kein Heer besiegen kann? Das wäre eine Möglichkeit.

Und was geschieht mit denen, die ein Drachenzeichen haben? Lucius wird »schwer verwundet«. Auch das sollte man konkreter benennen. »Die Schergen des Drachentöter-Ordens jagen ihn, um ihn auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Doch schwer verletzt kann er ihnen entkommen.«

Prophezeiungen

Das Drachenzeichen ist eine Prophezeiung. »Er ist ausersehen, eine uralte Prophezeiung zu erfüllen und die Welt neu zu ordnen. Diesem Schicksal kann er sich nicht entziehen.« Denn: »Große Umstürze und Kriege wurden damit vorausgesagt.«

Eine Prophezeiung, die unabwendbar ist. Die uns sagt, was passieren wird. Ein Schicksal, dem keiner entkommen kann.

Schade. Denn dann ist ja alles schon vorherbestimmt. Wir müssen das Buch nicht lesen.

Immer wieder begegne ich solchen Prophezeiungen, Vorausdeutungen, die den Helden und dem Autor das Leben leichter machen. Alles ist klar und vorherbestimmt. Im Theater nennt man so was „Deus ex machina“. Der Gott, der aus dem Theaterhimmel auf die Bühne herabgelassen wird und alles in Ordnung bringt, was der Autor nicht hatte vollbringen können.

Greifen Sie nie zu solchen Hilfsmitteln. Sie erleichtern das Autorenleben, ganz gewiss, aber sie töten die Spannung.

Also gar keine Prophezeiungen oder Vorausdeutungen? Zweite Frage: Kennen Sie Shakespeare? In Macbeth gibt es eine berühmte Prophezeiung. Drei Hexen sagen Macbeth voraus, dass er König wird und nur gestürzt werden kann, wenn der Wald anfängt zu laufen und ein Mann kommt, der von keiner Mutter geboren wird.

Macbeth ist happy. Sein Königtum ist sicher. Glaubt er. Er bringt den regierenden König um, setzt sich die Krone auf, und niemand kann sie ihm nehmen.

Leider hat er etwas übersehen. Die Prophezeiung war nicht so eindeutig, wie er dachte. Der Wald fängt an zu laufen und ein Mann führt seine Feinde, der nicht geboren, sondern aus dem Mutterleib geschnitten wurde. So kann man sich irren.

Prophezeiungen sind wirksame Mittel in Geschichten. Aber nur, wenn sie doppeldeutig sind. Wenn sie den Helden (und die Leser) in Sicherheit wiegen, in Wirklichkeit aber keine Garantie bieten. (Das gilt auch für Vorausdeutungen.) Sie scheinen etwas zu sagen, aber alles kommt anders. So wie der kriegerische König Krösus, dem vor einem Kriegszug geweissagt wurde: Wenn du den Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören.« Frohgemut zog er in den Krieg gegen das große Perserreich. Und übersah, dass das große Reich, das er zerstörte, sein eigenes war.

Konflikt, Konflikt, Konflikt

Lucius flieht dann zu ins Schattenreich. »Hier begegnen ihm Magier, Göttinnen und Hexen, von denen er all das lernt und erhält, was er nach seiner Rückkehr in die Menschenwelt braucht, um die Prophezeiung zu erfüllen.«

Schön für Lucius, das klingt ja nach einer tollen Zeit ohne Probleme. Die Magier, Göttinnen und Hexen bringen ihm alles bei, und die Prophezeiung sagt ihm, was er zu tun hat. Viel nachdenken muss er nicht. Konflikte sind auch keine in Sicht.

Konflikte und offene Fragen sind aber das, was Leser verlocken, eine Geschichte zu lesen. Und davon findet sich hier nichts. Obendrein ist »alles, was er braucht« sehr allgemein. Was lernt er denn dort? Zaubern? Schwertkämpfen? Regieren?

Konkret ist der Drache, der in seiner Hand schlüpft. Hat ihn dieser Drache aus der Hand seiner Verfolger befreit? Was hat es damit auf sich? Das könnte zum Lesen verlocken.

Gewissenskonflikte

Einen Konflikt gibt es am Ende: »Doch all seine magischen Fähigkeiten und Waffen nützen Lucius wenig, solange sein Gewissen ihn daran hindert, die geforderten Grausamkeiten zu begehen.« — Gewissenskonflikte bieten Spannung.

Aber auch hier: Um welche Gewissenskonflikte handelt es sich? Soll er seinen Drachen opfern, um die Welt zu retten? Die Frau verlassen, die er liebt, um seine Heimatstadt vor einem Krieg zu bewahren? Auch hier wären konkretere Angaben wichtig.

Worum geht es in der Geschichte? Um Gewissenskonflikte geht es in unzähligen Geschichten. Stellen Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal heraus. Zeigen Sie den Gewissenskonflikt, behaupten Sie ihn nicht nur.

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Drachenzeichen – zwei Klappentexte

Die Sphinx von Marrakesch, Klappentext-Lektorat 7/2017

Ein Schwabe in Marokko!

In Schäfers viertem Fall verschlägt es den altgedienten Polizisten in den Orient. Die gerade erst wieder aufgetauchte weltberühmte „Sphinx von Marrakesch“ ist abermals verschwunden, und ausgerechnet die Rentnerin Erna Bromstetter scheint in den Diebstahl verwickelt zu sein.

Oberkommissar Schäfer und ein junger marokkanischer Polizist sind dem Täter auf der Spur, doch bald wird klar, dass es um viel mehr als um Diebstahl geht …

                        Lektorat

Ein Schwabe in Marokko, das ist schon mal ein guter Pitch. Warum?

Weil er Gegensätze vereint. Schwaben gelten als heimatverbunden, und wenn sie reisen, dann an den Bodensee oder bestenfalls in die Schweiz. Natürlich ist das ein Vorurteil. Aber dadurch wirkt der Schwabe in Marokko. Der Satz ist außerdem kurz und knapp, der Leser muss nicht lange überlegen, was er bedeutet. Auch der ganze Klappentext glänzt durch Kürze, er reißt den Konflikt an, ist nicht statisch.

Der zweite Satz führt den Pitch noch mal aus, liefert ein paar zusätzliche Details. Es ist der vierte Fall einer Krimireihe rund um den Polizisten Schäfer.

                                 Eine Information pro Satz

Dann kommt ein Satz, die sehr viel länger ist. »Die gerade erst wieder aufgetauchte weltberühmte ‚Sphinx von Marrakesch‘ ist abermals verschwunden, und ausgerechnet die Rentnerin Erna Bromstetter scheint in den Diebstahl verwickelt zu sein.« Dieser Satz packt verschiedene Informationen zusammen und wird dadurch unübersichtlich.

Denken Sie daran: im Klappentext eine Information pro Satz. Der Klappentext wendet sich an Leser, die nur kurz darauf schauen. Wenn etwas nicht gleich klar ist, legen sie ihn wieder weg.

Dazu kommt die gepackte Information mit einer Partizipkonstruktion. Wir haben also:
– eine Partizipkonstruktion, die uns sagt, dass die Sphinx gerade wieder aufgetaucht ist
– die Information, dass diese Sphinx jetzt wieder verschwunden ist
– die Information, dass eine Rentnerin im Verdacht steht, etwas damit zu tun zu haben.

Am besten, wir entzerren das.

                                 Welche Informationen sind nötig?

Brauchen wir für den Klappentext die Information, dass die Sphinx vor kurzem wieder aufgetaucht ist?

Nicht unbedingt. Diese Information könnte man weglassen, zum Verständnis ist sie nicht nötig. Was wir aber unbedingt brauchen: Was ist die Sphinx überhaupt? Und natürlich ist es ein schöner Gegensatz, dass sie erst wieder auftaucht und dann verschwindet:

Ein weltberühmter Edelstein, die Sphinx von Marrakesch, taucht unvermutet wieder auf. Und verschwindet gleich wieder.

Und die Rentnerin? Gönnen wir ihr auch einen Satz, in dem Fall eine Frage:

Ist etwa die Rentnerin Erna Bromstetter in den Diebstahl verwickelt? 

Eine Frage ist immer besser, als eine Vermutung mit „scheint“ auszudrücken. Die Frage ist kürzer und persönlicher. Und »ausgerechnet Erna« setzt voraus, dass Erna dem Leser schon bekannt ist.

                                 Der offene Schluss

Dann kommt der Schlusssatz: „Oberkommissar Schäfer und ein junger marokkanischer Polizist sind dem Täter auf der Spur, doch bald wird klar, dass es um viel mehr als um Diebstahl geht …“ Er deutet den weiteren Verlauf an. Es geht nicht nur um die Sphinx, sondern noch mehr steht auf dem Spiel. Damit ist der Konflikt des Krimis angerissen.

Aber auch hier wäre ein Punkt angebracht. Besser wäre:

Oberkommissar Schäfer und ein junger marokkanischer Polizist sind dem Täter auf der Spur. Doch bald wird klar, dass es um viel mehr als um Diebstahl geht …

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Die Sphinx von Marrakesch, Klappentext-Lektorat 7/2017

Marken und Namen in Romanen

Darf man Markennamen in Romanen verwenden, reale Cafés und Hotels benennen? Immer wieder taucht diese Frage in Foren auf.

Kurz gesagt: Öffentliche Firmen und Marken dürfen Sie nennen. Ihr Held darf im Café Sonnenschein sich einen Sunshine-Becher bestellen, im BMW fahren, sich mit Tempo-Taschentüchern die Nase schneuzen und Jacobs Kaffee in seiner Kaffeemaschine verwenden. Ob das sinnvoll ist, ist eine andere Frage, doch dazu später.

Natürlich kann Ihr Held auch einem Qualopago TI fahren, mit der nichtexistenten Marke sind Sie ganz auf der sicheren Seite.

Vorsicht bei geschäftsschädigenden Behauptungen

Etwas anderes ist es mit Behauptungen, die negativ oder geschäftsschädigend sind. Wenn Sie behaupten, dass beim BMW die Gangschaltung nach einem Jahr immer ausgetauscht werden muss, dann müssten Sie es im Zweifelfall beweisen können.

Wenn die Autofirma im Roman eigene Profikiller beschäftigt, sollten Sie also lieber den Qualopago als Markennamen wählen. BMW-Killer würden in München sicher nicht auf ungeteilte Begeisterung stoßen 🙂

Ihrem Helden darf aber der Kaffee bei McDonald oder im Café Sonnenschein nicht schmecken. Das wäre eine (zulässige) Meinungsäußerung. Auch Romanhelden haben Meinungsfreiheit.

Wenn Sie allerdings behaupten würden, in den Hamburgern würden Kakerlaken verwendet, wäre es eine Tatsachenbehauptung und zwar eine geschäftsschädigende. Das müssten Sie also beweisen können. Doch auch da gilt: Allgemein bekannte und bewiesene negative Dinge dürfen Sie benennen. »Der Zeuge war so glaubwürdig wie ein VW-Abgastest« würde wenig Risiko bergen, denn VW wird kaum so dämlich sein, deshalb Klage zu erheben, dem Buch PR zu verschaffen und am Ende den Prozess zu verlieren, was dann auch noch durch die ganze Presse gehen würde.

Wann Marken- oder Firmennamen verwenden?

Dass Sie die Namen verwenden dürfen, heißt natürlich noch lange nicht, dass es sinnvoll ist. Wenn sich Ihr Held nicht in gewöhnliche Taschentücher schneuzt, sondern immer in die Tempo-Superluxus-Superweich-Schneuzer, geraten Sie schnell in den Verdacht der Schleichwerbung.

Mein Tipp: Wo es nicht nötig ist, lassen Sie die Markennamen weg.

Und wann ist es nötig?

Namen von Cafés, Firmen, Straßen können einem Roman Atmosphäre verschaffen. Der spezielle Bikertreff im Industrieviertel, das bekannte Café am Markt, das kleine portugiesische Lokal ganz versteckt in einer schmalen Gasse, all das sorgt für Lokalkolorit. Scheuen Sie sich also nicht, diese Namen für Ihren Roman zu verwenden.

Fragen kostet nichts

Nachfragen können Sie natürlich immer. Auch Starbucks wird Ihnen die Verwendung des Namens genehmigen (aber nicht im Titel). Große Konzerne wird das aber anschließend nicht weiter interessieren.

Bei lokalen Cafés und Firmen sieht das anders aus. Die sind nicht durch öffentliche PR verwöhnt. Wenn Sie dem Café Sonnenschein anschließend ein Exemplar des Buches mit einigen netten Worten schenken, kann es sein, dass fortan das Buch im Café steht und beworben wird. Mit etwas Glück lässt sich sogar eine Lesung arrangieren. Also keine Hemmung, auch mal nachzufragen. Dann sind Sie auf der sicheren Seite und gewinnen vielleicht neue Fans.

In Matthias Mattings Selfpublisherbibel finden Sie noch weitere Beispiele und Infos:

Weitergehende Links:

https://l.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fwww.autorenforum.de%2Fexperten%2F30-verlagswesen%2F1002-ist-es-erlaubt-markennamen-in-einem-buch-zu-nennen&h=ATMIY5jQP0xIgbHRyANJpqFtxLMCy-oBpKWrj9o59KF2v4yxY4vqwMLp1ZC9O-4qnN3xGa5MOPhLpydxl0XPDnnRnUzhFoVo5hqO_Dtwz3JlVMPycs66dqq-dmh8PTbMQ2HGJKIRr6MX

http://montsegur.de/ipb-forum/index.php/topic/12030-verwendung-von-markennamen-im-roman/

http://www.marken-recht.de/markenrecht_forum/showthread.php?t=580

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Marken und Namen in Romanen

Königin auf der Flucht – Klappentextlektorat 4/2017

Königin Andreana herrscht seit dem Tod ihres Vaters über Thenelan und hat das Land zu nie da gewesenem Wohlstand geführt. Eine recht langweilige Sache, wenn da nicht ihr stets missgünstiger Bruder Bastian wäre. Er stört die Feier anlässlich ihres Thronjubiläums empfindlich, indem er mit seinen Soldaten ein Blutbad unter den Gästen anrichtet. Andreana und ihre engsten Freunde können fliehen und verbünden sich unterwegs mit Piraten, welchen gerade das Schiff abhanden kam. Eine Handvoll Verrückter gegen eine ganze Armee.

Lektorat

Der Klappentext gibt schon mal einen guten Eindruck von der Geschichte. Aber auch er lässt sich verbessern.

Was ist das wichtigste Ereignis in diesem Klappentext? Was setzt die Geschichte in Gang?

Ganz klar: Der Bruder der Königin richtet ein Massaker auf der Feier zum Thronjubiläum an.

Und was wäre ein geeigneter Pitch? „Der Bruder der Königin richtet ein Blutbad unter den Gefolgsleute der Königin an und setzt sich auf den Thron“? Das wäre der »Point of No Return«, und der liefert oft einen guten Pitch.

In unserem Falle fände ich den letzten Satz aber viel besser: »Eine Handvoll Verrückter gegen eine ganze Armee.« Vielleicht noch etwas besser: »Eine Handvoll Verrückter und eine abgesetzte Königin gegen eine ganze Armee.« Das spielt auf das Robin-Hood-Motiv an. Ich würde das als Pitch an den Anfang setzen.

Satire oder Abenteuer?

Lesen Sie sich noch einmal den Klappentext durch. Was für einen Roman erwarten Sie? Einen Abenteuerroman a la Robin Hood? Könnte sein. Oder eine witzige Abenteuergeschichte? Dafür spräche die Formulierung, dass das Blutbad des Bruders das Thronjubiläum empfindlich stört.

Sie müssen sich entscheiden. Denn die Zielgruppe der Leser von Abenteuerromanen, in denen es nur um Spannung geht, ist eine andere als die der Leser, die witzige, nicht ganz ernst gemeinte Spannungsromane lesen. Sicher gibt es Überschneidungen. Sicher gibt es auch in den üblichen Spannungsromanen Humor, egal ob es sich um »geschüttelt, nicht gerührt« bei James Bond handelt oder um Hadschi Halef Omars spärlichen Bartwuchs.

Die Abenteuer-Alternative

Wie würde die Abenteuer-Fassung aussehen? Dass die Königin seit dem Tod ihres Vaters herrscht und dem Land zum Wohlstand verholfen hat, ist nicht so interessant für den Klappentext. Die Aktion des Bruders aber schon. Versuchen wir’s mal:

Eine Handvoll Verrückter und eine abgesetzte Königin gegen eine ganze Armee.

Bastian ist der Bruder von Königin Andreana und will selbst König werden. Er nutzt die Feierlichkeiten zum Thronjubiläum, um mit seinen Gefolgsleute ein Blutbad anzurichten und sich auf den Thron zu setzen. Andreana und einige ihrer Freunde können fliehen. Unterwegs verbünden sie sich mit Piraten. Bastian setzt ein hohes Kopfgeld auf seine Schwester aus und errichtet ein Terrorregime.

Niemand glaubt, dass die Königin und ihr verlorener Haufen die geringsten Chancen haben. Doch dann …

Ein weiblicher Robin Hood im verzweifelten Kampf um Gerechtigkeit.

Die witzige Alternative

Eine Handvoll Verrückter und eine abgesetzte Königin gegen eine ganze Armee.

Königin Adreanas Thronjubiläum sollte eigentlich ein Fest voller langweiliger Jubelreden werden. Aber ihr Bruder stört die Feierlichkeiten empfindlich, indem er mit seinen Soldaten ein Blutbad unter den Gästen anrichtet.

Andreana und einige ihrer Freunde können fliehen und verbünden sich unterwegs mit Piraten, denen gerade das Schiff abhanden gekommen ist. Hat dieser verlorene Haufen überhaupt eine Chance gegen die am besten ausgerüstete Armee der Welt?

Ein weiblicher Robin Hood im verzweifelten Kampf um Gerechtigkeit – und um die Anerkennung eines chaotischen Piratenhaufens.

Sie sehen, der erste wie der letzte Satz bleiben in beiden Fassungen erhalten. Der erste Satz ist der Pitch der Geschichte. Der Letzte bringt das Thema auf den Punkt. Das ist eine erprobte Methode bei Klappentexten.

Und natürlich lassen sich beide Fassungen weiter verbessern oder abändern. Wie sähe Ihr Klappentext dieser Geschichte aus? Klappentexte schreiben heißt auch, eine Vielzahl von Formulierungen auszuprobieren.

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Königin auf der Flucht – Klappentextlektorat 4/2017

Alles, was Autoren über Perspektiven wissen müssen – die Kür

Im letzten Blog hatte ich die Grundlagen erklärt: Ich-Perspektive, personale Perspektive 3. Person, Allwissender Erzähler.

Das ist der Standard, für jede Autorin die Pflicht (und für jeden Autor auch). Doch es gibt die Kür und die bietet eine Menge weiterer Möglichkeiten. Viele davon sind hohe Schule ohne Netz und doppelten Boden. Da kann man leicht abstürzen. Aber wenn es gelingt, hat man einen faszinierenden Text.

Deshalb auch meine Warnung: Je weniger Erfahrung Sie haben, desto besser ist es, erst mal die Pflicht zu absolvieren.

Multipersonale Perspektive

Eine Form der personalen Perspektive 3. Person. Nur dass die Perspektive verschiedenen Personen gegeben wird. Zum Beispiel ein Kapitel Perspektive Kommissar, eins aus der Perspektive des Täters. Meist gibt es 3-5 Perspektiven, aber wenn Sie George R. R. Martin (A song of Ice and Fire, Game of Thrones) heißen, können es auch hundert oder mehr sein.

Vorteil: Sie können Spannung aufbauen, weil der Leser Dinge weiß, die die Personen des Romans nicht wissen. Klassisches Hitchcock Beispiel: Der Täter hat eine Bombe unter dem Tisch versteckt, die Polizisten am Tisch wissen das nicht.

Nachteil: Sie müssen alle Figuren genau kennen, denen Sie die Perspektive geben und diese sollten unterschiedlich sein. Wenn sich der Täter nicht anders liest als der Kommissar, wird es flach.

Kameraperspektive

Auch eine Spezialform der personalen Perspektive. Der Erzähler folgt einer Figur, schildert alles, was diese sieht, was passiert. Aber schaut nicht in deren Gedanken. Die Geschichte wird von einer Kamera erzählt, die der Perspektivfigur auf der Schulter sitzt. Im klassischen Hardboiled Krimi wird diese Perspektive gerne verwendet.

Vorteil: Der Leser kennt nicht die Pläne der Perspektivfigur, kann sie aus den Handlungen und Dialogen vermuten, weiß sie aber nicht sicher.

Nachteil: Innerer Monolog und alle Gedanken bleiben ausgespart.

Dr. Watson

Eine Randfigur hat die Perspektive und erzählt die Geschichte entweder aus der dritten Person oder als Ich-Erzähler. In den Sherlock Holmes Geschichten hat nicht Sherlock die Perspektive, sondern sein Freund Dr. Watson. Auch der Name der Rose ist in der Dr. Watson Perspektive geschrieben aus der Sicht des jungen Mönchs, der dem ermittelnden Priester folgt.

Vorteil: Dr. Watson kann über die Hauptperson räsonnieren und Dinge über sie erzählen, die nicht möglich wären, wenn Sherlock die Perspektive hätte. Außerdem kennt er nicht Sherlocks Gedankengänge, wird also zusammen mit dem Leser überrascht, wenn der die Lösung präsentiert.

Nachteil: Die Distanz zum Helden kann schnell zu groß werden.

Das allwissende Ich

Klassische Mischform. Ein Ich-Erzähler erzählt über Ereignisse in der Vergangenheit. Da diese Ereignisse lange zurückliegen, weiß er mittlerweile all das, was ihm nicht bewußt war, als es passierte. Diese Perspektive kann direkt in die Ereignisse von damals springen, aus dem Kopf der Figur erzählen. Und wieder zurückgehen ins heute, wenn der Ich-Erzähler ein alter Mann oder eine alte Frau ist.

Vorteil: Der Autor kann die Vorteile des Ich-Erzählers und des allwissenden Erzählers kombinieren.

Nachteil: Wer nicht aufpasst, verfällt den Nachteilen des allwissenden Erzählers und erklärt seine Geschichte, statt sie den Leser erleben zu lassen,

3. Person mit allwissenden Einsprengseln

Die Erzählung folgt einer Person in der personalen Perspektive. Doch manchmal wird allwissend erzählt. Zum Beispiel als Vorausdeutung: „Das war das letzte Mal, dass er seinen Bruder sah.“ Dieses Foreshadowing ist allwissend, weil das die Person selbst nicht wissen kann. Foreshadowing ist ein wirkungsvoller Spannungserzeuger, aber sollte mit Vorsicht verwendet werden. Am besten nur ein Satz, keine Erklärungen und noch besser, wenn sich später herausstellt, dass der Satz nicht das bedeutete, was der Leser vermutete. Stephen King und Sebastian Fitzek sind Meister darin.

Vorteil: Damit kann der Autor die Spannungsschraube anziehen.

Nachteil: Wenn es zu eindeutig ist oder zu langatmig, erhöht es nicht die Spannung, sondern killt sie.

Multiperspektivisch

Im Prinzip lassen sich alle Perspektiven mischen.

Ich & 3. Person

Abwechselnde Kapitel in der Ich-Perspektive und der 3. Person

Allwissend & 3. Person

Abwechselnde Kapitel in der allwissenden und der 3. Person

Du-Perspektive

Der Leser wird direkt angesprochen: Du gehst in diese Höhle. Es wird dunkel. Von hinten weht ein kalter Hauch an deinem Kopf vorbei …

Ungewöhnlich, aber nicht unmöglich. Sehr schwierig, das einen ganzen Roman durchzuhalten.

Was Sie nicht tun sollten

Mischen Sie nicht verschiedenste Formen. Ganz wichtig für die Überarbeitung: Achten Sie darauf, dass die Perspektive einheitlich wirkt. Sie können mischen (wenn Sie es können), aber auch dann sollte es in sich stimmig sein und nicht beliebig wirken. Holpernde Perspektiven sind kein Beweis künstlerischer Genialität, sondern mangelnder Handwerkskunst. Glauben Sie mir, der Leser merkt es. Auch wenn er vielleicht den Grund nicht benennen kann.

Mischen, um zu erklären

Der schlimmste Perspektivfehler. Sie wechseln in der Szene die Perspektive, um dem Leser etwas zu erklären. Erst folgen Sie dem Kommissar, dann hüpfen Sie in den Zeugen, um dem Leser zu zeigen, dass der Zeuge lügt. Besser, wenn der Leser den Zeugen durch die Augen des Kommissars erlebt und vermutet: Der lügt doch! Aber es nicht genau weiß.

Distanz mit Perspektive verwechseln

Perspektive ist das eine. Distanz, also die Entfernung des Lesers von den Personen und den Ereignissen, ist etwas anderes. Sie können auch als allwissender Erzähler ganz nah an die Ereignisse herangehen oder als Ich-Erzähler eine große Distanz aufbauen. Dass der allwissende Erzähler Anfänger gerne zu großer Distanz in der Erzählung verführt, ändert daran nichts.

Perspektivendogmatismus

Auch bei Perspektiven gibt es Dogmatismus. Denken Sie daran: Wichtig ist die Wirkung. Wenn Sie schreiben. „Karl erwachte, draußen schneite es“, dann kann man sich fragen: Woher weiß Karl das, wenn die Vorhänge zugezogen sind?

Manchmal ist es völlig uninteressant, woher er es weiß. Manchmal spielt es keine Rolle. Und manchmal ist es ein Perspektivfehler. Wenn Sie wenig Schreiberfahrung haben, bleiben Sie erst mal bei den Grundperspektiven und halten sich an deren Rahmen. Je mehr Erfahrung sie haben, desto sicherer werden Sie sehen, wo welche Perspektive passt und wo nicht.

Experimente und die Genres

In den Unterhaltungsgenres (U-Literatur) muss sich die Perspektive der Geschichte anpassen. Experimente, die der Geschichte nicht nützen, sie nicht spannender machen, sollten Sie besser unterlassen.

Im Genre Hochliteratur (E-Literatur) können Sie sich mehr formale Experimente mit der Perspektive erlauben.

Das gilt generell: Die Unterhaltungsgenres erlauben mehr Experimente bezüglich der Geschichte, die Hochliteratur mehr bezüglich der Form.

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Alles, was Autoren über Perspektiven wissen müssen – die Kür

Alles, was Autoren über Perspektiven wissen müssen

In der Ich-Form erzählen? Oder dritte Person? Immer wieder taucht die Frage auf, welche Perspektive am besten ist, welche die meisten Leser bringt.
Die Antwort ist ganz einfach: Es gibt nicht DIE ideale Perspektive. Aber es gibt viele unterschiedliche Formen, die zur Auswahl stehen. Und die Autorinnen und Autoren kennen sollten.

Grundformen

Ich, personal, allwissend sind die Grundformen.

Personal

Personale Perspektive der dritten Person ist heute die häufigste Form. Aber bei weitem nicht die einzige. Sie erzählt aus der Sicht einer Person, in der Regel des Helden. Alles, was der Held sieht, erlebt, weiß, kann in dieser Perspektive geschildert werden. Alles, was er nicht weiß (zum Beispiel, was der Mörder denkt), bleibt verschlossen. Was durchaus von Vorteil sein kann.

Vorteil: Der Autor hat einen klaren Rahmen . Folgen Sie Ihrem Helden, schweifen Sie nicht ab, lassen Sie die Dinge passieren.

Nachteil: Der Rahmen schließt bestimmte Dinge aus der Geschichte aus.

Eine Spezialform ist multipersonale Perspektive mit mehreren Figuren, dazu später.

Ich

Ein Ich-Erzähler erlebt die Geschichte und erzählt sie dem Leser.

Vorteil:  Wir sind ganz dicht dran an der Figur.

Nachteil: Wir erleben nur den Ich-Erzähler.

Auch hier gibt es Mischformen.

Allwissend

Ein allwissender Erzähler erzählt uns die Geschichte, manchmal wird er auch „auktorialer Erzähler“ genannt. Er darf alles, auch in die Köpfe der unterschiedlichen Figuren schauen und deren Gedanken schildern.

Vorteil: Der allwissende Erzähler weiß alles und darf alles erzählen. Keine Beschränkungen. Der Autor hat die freie Auswahl, was er erzählen will. Er kann ganz nah an die Figuren rangehen oder auch alles aus weiter Distanz schildern.

Nachteil: Vor allem bei Anfängern führt das leicht dazu, dass der Autor nicht nur alles weiß, sondern glaubt, dem Leser auch alles erzählen zu müssen. Und abstrakt erzählt, behauptet, statt anschaulich zu zeigen, zu große Distanz aufbauen.

Perspektiven verlangen Treue

Wenn Sie einmal eine Perspektivform gewählt haben, sollten Sie dabei bleiben. Innerhalb der Szene die Perspektive zu wechseln, um dem Leser etwas zu erklären, geht in aller Regel schief.

Auch wenn Sie eine der zahlreichen Mischformen der Perspektive wählen, sollten Sie diese beibehalten.

Moden

Im 19. Jahrhundert war der allwissende Erzähler beliebt, heute der personale Erzähler. Aber es gab immer auch Autoren, die auf die Mode gepfiffen haben. Karl May hat mal Ich-erzählt, mal allwissend. Auch heute werden alle drei Grundformen benutzt.

Mein Tipp: Wer sich nicht sicher ist, sollte einfach die gleiche Szene in allen drei Perspektiven erzählen. Es gibt keine Perspektive, die besser oder schlechter ist. Aber es gibt Geschichten, die in der einen Perspektive den Leser mehr packen und in der anderen weniger. Deshalb: Probieren geht über Studieren.

Mischformen

Es gibt eine Vielzahl von Mischformen und die werde ich in meinem nächsten Blogbeitrag schildern. Wer wissen will, wie der Ich-Erzähler allwissend wird, was Dr. Watson mit Perspektive zu tun hat und warum Stephen King personal erzählt, aber dann am Schluss manchmal allwissend, der muss die Fortsetzung lesen.

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Spannung – der Unterleib der Literatur
Die hohe Kunst, den Leser zu fesseln und auf die Folter zu spannen

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